Von prophet am Samstag, Januar 28, 2012 um 12:06

Tralala

XII Boar - XII [2011] []
Irgendwo zwischen Sludge, Stoner Metal und doomigem Hardrock pendeln XII Boar auf ihrer gratis verfügbaren "XII" Demo. Durch diese Variabilität klingen sie weit weniger uniform als zum Beispiel Howl - mal erinnert man an Crowbar (Train Wreck), mal an Clutch (Beg, Borrow and Steal), mal fast schon an Buzzov*en (S.K.O.L.), ist aber stets leichtfüßiger als High on Fire. Allen Songs gemein sind der großartig gemischte fette Sound, der Heavyness und Dynamik gut unter einen Hut kriegt, die vier Titel der Demo sind alle super geschrieben und klingen nie altmodisch. Wenn die drei Jungs aus Hampshire, UK auf dieser fantastischen Basis aufbauen und ihren Sound nicht verwässern, dürften die Jungs den Stoner Metal Bereich nur so überrollen. Diese Band muss man die nächsten Jahre unbedingt im Auge behalten.


Morbid Saint - Spectrum of Death [1988] []
Wer unter Thrash Metal Alben wie Pleasure To Kill von Kreator oder Darkness Descends von Dark Angel einordnet, ist bei Morbid Saint genau richtig. Leider reichte es bei den Herren aus Wisconsin, die sogar mit Death tourten, nicht für mehr als eine handvoll obskurer Demos und dieses eine Album, bevor sich die Band auflöste. Dafür tritt Spectrum of Death mächtig Arsch: Das besessende Keifen, die irre schnellen Riffs und das ultra-tighte Drumming reißen dem Hörer ohne Pause einen fantastischen Song nach dem anderen um die Ohren. Die für die Songs perfekte Produktion tut ihr übriges, aus der 32 Minuten kurzen Scheibe ein makelloses Meisterstück des Genres zu formen, das in jeden gut sortieren Haushalt gehört, der ansatzweise etwas mit Oldschool Thrash Metal anfangen kann. Pflichtveranstaltung.


Liege Lord - Master Control [1988] []
Speed Metal ist gemäß meiner wissenschaftlichen Herleitung das Grenzgebiet zwischen Heavy, Thrash und Power Metal. Genau in der Mitte stehen Liege Lord, die an eine etwas zügigere und bösere Variante von Iced Earth und -aus der gesanglichen Ähnlichkeit bedingt- Iron Maiden darstellen. Hinter dem Cover mit dem Opa des Master Chief steckt das dritte Full-Length der Amis, das professionell und technisch einwandfrei gespielt einiges Füllmaterial zwischen wirklich guten Songs wie Eye of the Storm und Rapture eingestehen muss. Auch das Rainbow-Cover mit Kill the King hat man woanders schon besser gehört. Trotzdem ist Master Control absolut empfehlenswertes Genre-Futter, wenn man keine großen Überraschungen erwartet und grundsolide, gut gemachte Metal Musik braucht. Besser als die letzten drei Maiden Alben.


Hour Of 13 - Hour Of 13 [2007] []
Es ist verdammt gefährlich, als neue Band zu versuchen, den traditionellen Sound der Helden von damals aufzugreifen. Entweder man stagniert und spielt the same old song, oder man verdaut die Vorlage zu etwas, das wie eine zu moderne Imitation des Originals klingt. Daher ist es Hour of 13 hoch anzurechnen, dass sie den strikt konventionellen Heavy/Doom Metal der frühen 80er von Candlemass früheren Alben, Witchfinder General und Kollegen tatsächlich in die Gegenwart heben, ohne wie eine Parodie zu klingen. Damit ist das Material auch schon beschrieben: Midtempo, dicke Gitarren, simple Rhythmen, Clean Vocals. Trotzdem kommen wirklich gute Songs wie Allowance of Sin dabei heraus, die zeigen, dass altmodischer Stoff zeitgemäß verarbeitet werden kann.


Apokalyptic Raids - Vol.4 Phonocopia [2010] []
Hat jemand etwas von zeitgenössischen Bands gesagt, die altmodische Musik aufgreifen? Da fällt mir doch glatt Apokalyptic Raids ein, die einen anderen Ansatz fahren, nämlich auf Gewalt dem alten Sound so sehr zu entsprechen wie nur irgendwie möglich. Der Name deutet es an: die Jungs aus Rio de Janeiro wären eine reine Hellhammer Cover-Band, wenn Hellhammer diese Songs geschrieben hätte. Hier sind wir nämlich genau an dem Punkt, wo die Inspiration aufhört und die Imitation anfängt. Die Frage ist nur, ob das schlimm ist. In diesem Fall nicht, denn einerseits ist das Portfolio des großen Vorbilds doch recht knapp, andererseits macht die Oldschool Black Thrash Metal Scheibe genug Spaß, um hörenswert zu sein. Solange Tom G. Warrior keine Unterlassungsklage wegen Verletzung geistigem Eigentums einreicht haben Raids ein Existenzrecht.

Von prophet am Montag, Januar 23, 2012 um 21:24

Männer allein im Amt

Es wurde draußen früh dunkel und nach und nach schwanden die Lichter hinter den Fenstern des Rathauses dahin, bis schließlich nur noch in einer der obersten Etagen des Gebäudes ein fahles Leuchten zu sehen war. Der dicke alte Mann darin schaltete grad sein Computer-Gerät aus. Er war seit Jahrzehnten der Kämmerer der Stadt und fühlte sich im Rathaus mehr daheim als in dem Wohnhaus, in dem eine gesichtslose, uninteressierte Familie auf ihn wartete. Um ihn herum türmten sich Berge von Akten auf, die Besuchern und Kollegen den Eindruck vermittelten, er würde sehr viel arbeiten und große Mengen an Daten durchschauen. Der Alte hatte von der überwältigenden Mehrheit keine Ahnung, was darin stand, aber da bisher niemand die Papiere vermisst hatte, konnte in den Türmchen nichts besonders wichtiges stehen. Er nahm sich einen großen Stapel aus gehefteten und losen Zetteln und warf ihn auf den Fußboden. Dann kramte er mit seinen entsetzlich dicken Fingern in der engen Seitentasche seiner dunkelgrauen Anzughose, zog ein Streichholz hervor und zündete damit den Papierhaufen auf dem Boden an.
Als sich ein solider Brand entwickelt hatte, knipste der Dicke das Licht aus. Der Raum wurde nun ausschließlich von seinem Dokumenten-Lagerfeuer erhellt. Er schloss sich einen der Schränke in seinem Büro auf und zog eine Yakfell-Decke hervor, die er neben dem Feuer ausbreitete. Sein Versuch sich hinzusetzen erinnerte an das Schlingern eines Kreises, kurz, bevor er umkippt. Als er saß, zog er sich seine Schuhe und Socken aus. Lächelnd starrte der Verwaltungsbeamte seine dicken Füße an und wackelte mit den Zehen als spielte er ein furioses Solo auf einem unsichtbaren Keyboard.
Aus einer der Schubladen neben seinem Sitzplatz am Feuer zog er einen spitzen Stock, den er auf dem Weg zum Bäcker nebenan in der Mittagspause gefunden und für besonders gut befunden hatte. Auf diesem spießte er einen der Snickers Riegel auf, von denen er im Laufe eines Tages heimlich unzählige verdrückte, und hielt ihn zum Rösten in das Lagerfeuer. Schließlich zog er ihn aus dem Feuer und verbrannte sich trotz vorsichtigem Pusten die fetten Lippen. Unter lautem Schmatzen verschwand der Schokoriegel schließlich in seinem Wanst. Er wollte sich grade seine Hose ein wenig herunterziehen, um das wohlige Kitzeln des Yakfells auf seinem bloßen Hintern zu spüren, da öffnete sich die Tür. Vor dem kalten Licht des Flures zeichnete sich die Silhuette des fast ebenso dicken Verwaltungsleiters ab, der schon genauso lange im Amt war wie der Kämmerer. Er sah das Feuer und seinen barfüßigen Mitarbeiter auf dem Fell davor sitzen und schloss die Tür hinter sich. Im Schneidersitz hockte er sich neben den Bewohner dieses Büros.
"Na", sagte er. "Na", antwortete der Kämmerer. Schweigend saßen sie nebeneinander und starrten in das Feuer. Schließlich zog der Chef etwas aus seiner Jackett-Tasche. "Ich habe dir etwas mitgebracht. Etwas exotisches, zum Essen!", sagte er und reichte dem Verantwortlichen über die Finanzen der Stadt einen Bounty-Riegel. Dieser schnüffelte kurz an der fremden Süßigkeit aus fernen Landen, piekste den Bounty dann mit seinem Stock auf und hielt auch ihn ins Feuer.
"Wie war dein Tag?", fragte der Oberbeamte. Sein Kämmerer seufzte. "Nicht so gut. Die EDV funktioniert schon wieder nicht. Dabei habe ich doch ausdrücklich gesagt, dass ich so nicht arbeiten kann. Die nehmen mich einfach nicht ernst. Und als ich heute freundlich zu Frau Bartenschneider-Pimmel sein wollte und das Kompliment aussprach, dass sie doch so schön nach Spargel riecht, hat die mich so böse angeguckt.", klagte der dicke Alte. Eine Träne kullerte ihm die Wange herunter. Sein Vorgesetzter nickte emphatisch. Nach einigen weiteren Momenten, in denen die beiden alten Männer nebeneinander saßen und das einzige Geräusch im Raum das Knistern des Feuers war, legte der Kämmerer noch einige Aktenordner nach und zog dann eine dieser Kugel die man schüttelt, damit es darin schneit und seine weiße Ukulele aus der Schublade neben ihm. Die Kugel schüttelte er, stellte sie vor sich ab und begann auf der Mini-Gitarre zu spielen. Er und sein Chef sangen im Duett. "I was a highwayman. Along the coach roads I did ride. With sword and pistol by my side. Many a young maid lost her baubles to my trade. Many a soldier shed his lifeblood on my blade. The bastards hung me in the spring of twenty-five. But I am still alive.". Als sie mit Highwayman fertig waren, legte der Alte seine Ukulele wieder weg. So saßen sie noch einen Moment, bis der Verwaltungsleiter aufstand, kurz nickte und wortlos den Raum verließ. Seit dem Vorfall mit der BiFi, die sich der Chef in die Harnröhre geschoben und mit viel Schwung in die Harnröhre des Kämmerers hineinejakuliert hatte, verstanden die beiden sich auch ohne zu sprechen.
Schließlich war das Feuer heruntergebrannt und die Dunkelheit und der beißende Rauch-Gestank im Büro verkündeten das Ende des Tages. Der Dicke rollte sich schließlich in dem Yakfell zusammen und schloss die Augen. Er wusste nicht, welcher Tag morgen sein würde, aber er ließ es einfach mal auf sich zukommen. Vielleicht würde ja jemand anrufen, oder er bekam Post. Dann freute er sich immer.

Von prophet am Donnerstag, Januar 19, 2012 um 20:53

Nimm R2

Ich weiß, viele Unternehmen setzen immer noch Windows XP und Server 2003 ein, oft findet sich auch noch 2000 und älter. Wer umstellt sollte aber unbedingt drauf achten, auch unbedingt eine Umgebung zu schaffen, die durchgängig auf Windows Server 2008 R2 läuft anstatt eine Mischumgebung mit der First Edition zu betreiben. Auf der selben Hardware ist W2k8R2 bis zu 30% schneller als W2k8FE (in der Firma gemessen) und hat bis heute einige Macken drin, die vielen Infrastrukturen das Genick bricht. Denn auf dem Server-Release basieren dann auch zum Beispiel die Terminal Services / RDS, die in W2k8R2 sehr viel runder laufen. Tatsächlich erscheinen von MS immer noch Hotfixes für die FE Terminal Services, die sowas wie unregelmäßig auftretende Freezes und Abstürze beheben. Deshalb nur nochmal die ausdrückliche Warnung, damit es nicht heißt, ich hätte euch nicht gewarnt: Wenn man auf "Server 2008" aktualisiert, bitte nur auf W2k8R2, denn die First Edition soll mit Vista zusammen aussterben und hat bis heute kritische Macken, von denen R2 verschont blieb. Und nein, es macht keinen Sinn, für billig einen Storage Server Essentials für andere Zwecke als als NAS-Schleuder zu kaufen. Und nein, es macht keinen Sinn, auf Server 8 zu warten.

Von prophet am Samstag, Januar 14, 2012 um 14:25

Rich Assholes And Their Magic Sky Castles

Die Nachrichten schreien auf, weil Standard & Poor's ein neues Papier veröffentlicht haben, gemäß dessen neun Euro-Staaten nicht mehr so kreditwürdig sind wie vorher. Was ich komplett nicht verstehe ist, weshalb das so bedeutend ist. Die Einschätzung einer Firma aus den USA ist der Maßstab aller Dinge, egal ob es der Realität entspricht oder nicht? Wer hat S&P zu den Juroren der Weltwirtschaft ernannt? Wieso legen alle so viel Wert auf deren Ergebnisse? Was passiert, wenn das S&P Gebäude einstürzt, wer ist dann die nächst größte Autorität? Was macht es für einen praktischen Unterschied in dem betroffenen Land, ob es mit AAA oder AA bewertet wird? Wieso hat S&P diese Monopolstellung und warum werden deren Bewertungen nicht mit denen von vergleichbaren Firmen verglichen, um einen weniger subjektiven, aussagekräftigen Durchschnitt zu erhalten? Wer kontrolliert, ob S&P überhaupt Recht haben?



[EDIT:] Es hat mich nicht losgelassen. Ich glaube, ich habe S&P jetzt verstanden. Ihre Bewertungen sagen ja aus, wie kreditwürdig ihre Subjekte sind, also die Sicherheit dessen, dass man seine Anlage auch wieder zurück erhält. Wie normale Menschen auch beziehen Staaten ihre Kredite von Banken. Wenn eine Regierung an eine Bank herantritt um weitere Kredite aufzunehmen holt sich die Bank natürlich Informationen über die Kreditwürdigkeit des Schuldners ein - und bei wem, wenn nicht der besten und anerkanntesten Rating-Agentur der Welt? Wenn die es nicht wissen, wer dann? Wenn S&P den Staaten schlechte Bewertungen geben, können die Banken sich auf dieses Urteil berufen und deshalb höhere Zinsen und schlechtere Bedingungen für die Staaten voraussetzen, reiner Selbstschutz versteht sich. Die Banken profitieren davon, wenn S&P schlechte Bewertungen vergibt, es ist in ihrem Interesse. Wer die Rating-Agenturen beauftragt und bezahlt, die nötigen Nachforschungen zu tätigen, dürfte auch klar sein. Die Rating-Agenturen sind die Kettenhunde der Banken. Die Regierungen der Welt, wie die letzten zwei Jahre gezeigt haben, trauen sich nicht, etwas gegen diese mafiösen Strukturen zu unternehmen weil ihre Kreditgeber sonst vielleicht auf die Idee kämen, die Schulden auf einmal einzufordern. Sie müssen aber handeln, denn sonst werden die Banken mithilfe der Rating-Agenturen die staatlichen Kredit-Bedingungen immer weiter verschlechtern, um immer noch mehr Gewinn aus den nationalen Haushalten zu pressen. Die Rating-Agenturen geben scheinbar den Ton an, weil die Banken es so wollen. Denn das bringt mehr Profit. Diesen Teufelskreis kann man, so meine sachliche Meinung, nur durchbrechen, indem man diese arschgefickten Nazipisser von den Banken und Rating-Agenturen und dem ganzen schmierigen Anhang zerstört. Und wenn jetzt noch ein Politiker sagt, dass man eine Deutsche Bank nicht auflösen darf, weil dann so viele Arbeitsplätze verloren gehen, dann darf er sich gleich zu dem anderen Pack in die Gosse gesellen, da wo sie hingehören, wo sie doch nie etwas anderes als Täuschung, Bestechung und Erpressung gelernt haben, die Bastarde. Ja. Ich glaube, so funktioniert das Geschäftsmodell von S&P.

Von prophet am Sonntag, Januar 08, 2012 um 21:31

Normal Times

Wir leben im Zeitalter der Globalisierung, dessen polit-historisch wichtigstes Merkmal in Europa die Abgabe nationaler Souveränität an einen Staatenbund ist. Das 19te und 20te Jahrhundert waren jeweils davon geprägt, dass die großen europäischen Nationen - damit sind natürlich die Herrschenden ihrer Zeit gemeint - darin wetteiferten, das größere Heer oder die bedeutenderen technischen Innovationen (Dieselmotor, Funktechnik, etc.) zu haben. Das Resultat dieses wetteifernden Nationalismus ist bekannt. In unserer Zeit steht die freiwillige Abgabe von Entscheidungsgewalt im krassen Gegensatz dazu.
Immer, wenn Dinge zentralisiert und vereinheitlicht werden, egal ob politischer Natur oder nicht, haben immer den schmerzhaften Nachteil, dass alle Betroffenen über einen Kamm geschoren werden müssen. Das funktioniert mal mehr, mal weniger gut. Selbst wenn sich die Entscheider in ihren Versammlungen einigen können, so werden doch oftmals nicht vergleichbare Betroffene unterschiedlicher Hintergründe den selben Bedingungen unterworfen. Je größer der zentralisierte Raum, desto größer sind die Unterschiede innerhalb derer, über die entschieden wird.
Eine sachliche Auseinandersetzung wird oftmals polarisiert und in ein totales Dafür und ein totales Dagegen getrennt. Kritik an einzelnen Aspekten wird oft als Kritik an der Sache aufgebauscht und auf extreme Ansichten zurückgeführt. Ich denke, dass die Europäische Union wichtig ist und dass ein gemeinsames, koordiniertes Zusammenarbeiten der Mitgliedsstaaten unumgänglich ist. Aufpassen muss die EU jedoch, wenn es darum geht, nicht vergleichbaren Regionen die selben Gesetze und Regeln aufzuerlegen. Es muss deutlich werden, dass die Normalisierung nicht das Ziel ist, sondern ein Mittel zum Zweck, und dieser Zweck ist Wohlstand und Harmonie.

William Gibson sagte schon Anfang der Neunziger, dass sich Menschen eher damit identifizieren, was sie konsumieren als mit altertümlichen Konzepten von Staaten und Nationalitäten. Und damit hat er recht. Ich würde jedoch sagen, dass im Sinne einer den lokalen Umständen gemäßen Politik - um Deutschland als Beispiel zu nehmen - die Länder eigentlich wichtiger sein müssten als der Bund. Einigkeit und Recht und Freiheit sind schön, aber wirtschaftlich und infrastrukturell lassen sich Bayern und Baden-Württemberg nicht mit Schleswig-Holstein und Meck-Pom vergleichen. Um lokale Anforderungen zu verstehen, muss man lokal sein. Drum ist in manchen Fällen vielleicht sogar ein größeres Aufsplittern sinnvoll. Auch Dezentralisierung kann positive Auswirkungen haben. Daher sollte meiner Meinung nach nur das zentralisiert und vereinheitlicht werden, das in jeder Region vergleichbar ist. Wenn die Lage zum Beispiel der deutschen oder französischen oder spanischen Landwirtschaft durch Auflagen der EU verschlechtert wird, weil keiner so recht dem virtuellen Durchschnitt entspricht, der in Brüssel ausgearbeitet wurde, dann muss in Frage gestellt werden, ob eine Vereinheitlichung überhaupt Sinn macht und der Mehrheit nutzt. Zentralisierung ist eine Methode, aber keine allumfassende Lösung auf alle Probleme (erneut, nicht nur in der Politik). Ich gehe jedoch in meinen unnötig radikalen und unpraktischen Ansichten soweit, dass Dinge, von denen es keinen praktischen Unterschied macht, wo sie stattfinden, die überall gleich sein dürfen, sogar global vereinheitlicht werden sollten. Ja, global, auf der ganzen Welt. Dinge wie Musik oder Kleidung sind selbstverständlich außen vor. Drei Beispiele für global normierbare Dinge:

Erstens Geld. Geld ist Geld, ob es Euro oder Dollar oder Rupien heißt, es ist ein Tauschgut mit virtuellem Wert. Warum - von anachronistischem Nationalstolz abgesehen - gibt es auf der Welt mehr als eine Währung? Meinetwegen soll die gesamte Welt durch Wahlen einen Namen auswählen und damit werden alle Wechselkurz-Grenzen aufgehoben. Wenn zudem die gesamte Welt nur noch eine Währung hat, dann ist sie so dermaßen stabil wie sie nur sein kann. Natürlich muss die enorme Menge von Anfang an berücksichtigt werden, um einer gigantischen Inflation vorzubeugen.
Zweitens Sprache. Wofür braucht die Welt mehr als eine einzige, aber dafür richtig gute Sprache? Der einzige Grund ist wieder die Erbschaft durch die Vorfahren und das Pochen auf Traditionen. Scheiss auf Traditionen. Würde die gesamte Welt nur noch eine einzige Sprache sprechen, die natürlich durch wichtige Dinge aus den alten Sprachen ergänzt werden kann, könnte jeder Mensch auf der Welt mit jedem anderen reden, könnte jeder Mensch jedes Buch lesen und jeden Film gucken. Meinetwegen muss es nicht mal Englisch sein, aber es böte sich an, wo es doch schon so verbreitet ist.
Drittens Schrift weil sonst wird es mit dem Lesen nichts.
Ich weiß, dass es nicht passieren wird, denn dafür bestehen die Menschen zu sehr darauf, dass ihre Sprache und ihr Geld Teil ihrer nationalen Identität sind. Allerdings hat man vor 50 Jahren noch über viele andere Dinge so gesprochen, ich sage nur Essen.

Großflächige Vereinheitlichung kann in manchen Dingen des Lebens sehr viel Sinn machen, um Barrieren abzuschaffen. Wenn die überwältigende Mehrheit der Betroffenen davon profitiert, dann können auch globale Standards geschaffen werden. Wenn die Zentralisierung aber zum Selbstzweck wird und die Lage in dem jeweiligen Feld nicht für die Mehrheit verbessert, dann muss sie in Frage gestellt werden.

Von prophet am Freitag, Januar 06, 2012 um 11:48

Rutschpartie

Nackt stand der alte schmutzige Mann, den alle nur als den "Grantler" kannten, früh am Morgen im Gebüsch neben der Straße und kratzte sich den Schorf aus dem Ohr. Er war mit Schlick bedeckt und einige Flechten hatten sich an Wetterseite angesiedelt. Mit misstrauischem Blick schaute er in Richtung der Landstraße, die sich mitten durch's Niemandsland erstreckte und hier eine Kurve vollzog. Der Grantler legte sein Ohr auf den feuchten, matschigen Erdboden und horchte. Er hörte durch ferne Vibrationen, dass sein Erzfeind, die Zivilisation, einen seiner Späher in den metallenen Kisten schickte, um sein Reich auszuspionieren. Der nackte Alte begab sich in die Hocke, griff mit seinen knorrigen Fingern nach seinen ebenso knorrigen Pobacken und zog fest. Die Geräusche und Gerüche eines sterbenden Tieres entwichen seinen Gedärmen und hallten in der Flur wieder. Wenige Sekunden darauf erschienen einige Hasen am Straßenrand. Die langohrigen Tiere trugen kleine Eimer und Pinsel und sie begannen, die Straße mit Seifenlösung zu bestreichen. Als kurz darauf beide Spuren ölig glänzten verschwanden die Mümmler wieder im dichten Gebüsch. Irre kicherte der alte und murmelte Flüche, die Vergeltung an der Gesellschaft schworen.

"Dumm di dumm di dumm", summte der sympathische junge Mann, der rücksichtsvoll und in angemessener Geschwindigkeit fuhr. Er kam grade aus der Werkstatt, die sein Auto wieder auf Vordermann gebracht hatte. "Dumm di dumm", summte er und fuhr vorausschauend langsamer, um die Kurve vor ihm zu nehmen. Als er sie bereits hinter sich hatte, geriet er plötzlich ins Schleudern und rutschte mit lautem Schaben und Kratzem in den Straßengraben. Er sah, als er sich aus dem fast umgekippten Fahrzeug schälte, nicht, wie ein dürrer Umriss schnaufend im Gebüsch verschwand.

True Story.

Von prophet am Samstag, Dezember 31, 2011 um 11:05

Alle Jahre wieder

Mehr Geld oder weniger?
Geringfügig mehr.

Größte Zeitverschwendung?
Ich will mir gar nichts vormachen: Ein gewisses Imageboard, mit großem Abstand.

Größte Innovation?
Nicht mehr am selben Platz sitzen zu müssen, um im Internet surfen zu können. Ich habe mir für sagenhafte 200 € ein 15" ASUS Notebook gekauft und betreibe darauf Linux Mint und Windows 7 (falls ich es mal geschäftlich brauche) im Dualboot. Drum habe ich jetzt diese unsinnige Haltung, dass mehr als 200 € für einen Computer zum Im-Internet-Surfen nicht nötig sein dürfen.

Schönster Film?
Es gab im Jahre 2011 nur eine einzige Neuerscheinung die richtig gut war und das ist natürlich Drive. Kein Film war so athmosphärisch, stimmig im Gesamtbild und einzigartig im Stil. Auf dem Papier ist Drive ein Fast and the Furious Action-Film, wird durch die Regieführung und den Schnitt aber zu einem sich langsam bewegenden Thriller ala Bullitt. Ganz großes Kino und unangefochten der beste Film des Jahres. Tinker Tailor Solider Spy wäre noch ein Kandidat gewesen, aber den bekam ich nicht zu sehen. Überraschend gut war Captain America, erschreckend schlecht war Werner.
Zusätzlich zu den Neuerscheinungen haben mir 12 Angry Men, Iron Man 2, MOON, Dark City und Sunshine sehr gut gefallen.

Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt?
Immer zu Tode. Immer.

Am liebsten gehört?
Alte Musik. Die Bands, die 2011 bei mir rauf und runter liefen waren allen voran Voivod (alt wie neu), Morbid Angel, Electric Wizard, Slayer, Bathory, Darkthrone und High on Fire. Wenige Neuentdeckungen wie The Gates of Slumber oder Atheist waren dabei, viel eher habe ich mich tiefer in bekannte Bands reingehört. Die großartigsten Alben, die ich im letzten Jahr immer wieder gehört habe, waren wohl Covenant von Morbid Angel, Horrified von Repulsion, De Mysteriis Dom Sathanas von Mayhem, Wrath of the Tyrant von Emperor, War and Pain sowie das Self-Titled (hasst mich ruhig dafür) von Voivod und Dark Medieval Times von Satyricon. Als herausragenden vereinzelten Song außerhalb seiner LPs möchte ich Magic Arrow von Timber Timbre hervorheben. Grundsätzlich bedeutete 2011 musikalisch für mich die Zuwendung zu Crust Punk (Amebix, Anti Cimex, Driller Killer), Black Metal (Taake, Blasphemy), altem Sludge (Eyehategod, Buzzoven) sowie the return of Death Metal (Dismember, Cannibal Corpse) - oder kurz : mein Musikgeschmack wird im Metal-Bereich immer extremer. Dafür habe ich mehr denn je in anderen Genres gewildert, wie etwa Oldschool Hip-Hop (Wu-Tang, N.W.A.), Psytrance oder Jazz (Miles Davis).
2011 war an neuer Musik noch schwächer bestückt als 2010. Es fällt mir schwer ein wirklich herausragendes Album zu benennen. Die besten Neuerscheinungen kamen von Vader (Welcome to the Morbid Reich), Vektor (Outer Isolation), Toxic Holocaust (Conjure and Command), Tombs (Path of Totality) und Wolves in the Throne Room (Celestial Lineage). Enttäuschendes erschien mal wieder von Mastodon, die ich inzwischen fast gar nicht mehr höre.

Am liebsten gelesen?
Comics, richtige Bücher hatte ich kaum in den Händen. Bei ersteren hat es vor allem Conan der Barbar unter meine Favouriten geschafft. Die alten Sword and Scorcery Geschichten mit Kerkern, Kämpfen, hilfsbedürftigen Stripperinnen Damen, Schlangenkulten, uralten Monstern, verschollenen Städten und verlockenden Schätzen haben einfach einen gigantischen Charme. Dem entgegen stehen die Comics des Aliens-Franchise, die zwar aus einer ganz anderen Richtung kommen, mir aber auch sehr gefallen.

Dicker geworden oder dünner?
Ein bisschen dünner und ein bisschen muskulöser. Absolut betrachtet aber immer noch fat as fatass.

Weiser geworden oder dümmer?
Zunehmend dümmer mit mehr Fachwissen.

Bester Kauf / in Bezug auf das Preis-Leistungsverhältnis?
Der ASUS Laptop. Die Leistung ist voll ausreichend für's Surfen, die Verarbeitung ist super, der Bildschirm groß genug. Für den Preis bekommt man nichtmal eines dieser grässlichen EeePC Netbooks in 11".

Idiotischste Ausgabe?
Das Samsung Blu-Ray Laufwerk im Januar. Es ist laut, wird schnell heiß und taugt als CD/DVD Laufwerk nichts (Musik-CDs haben Aussetzer beim Abspielen). Außerdem habe ich kein Geld für Blu-Rays über, daher ist es nicht so, als würde ich es auch seinem eigentlichen Zweck zuführen. Dieses Gerät ist das einzige Teil in meinem PC, mit dem ich unzufrieden bin.

Am meisten getrunken?
Zuckerwasser wie auch die Jahre zuvor. In letzter Zeit aber immer wieder von Selter unterbrochen.

Ekligstes Gericht?
Entweder die gefürchteten Microwellen-Gerichte oder die Schachtel Cornflakes, die irgendwie angebrannt schmeckt. Ganz furchtbar, vor allem, wenn es einen morgens trifft und man überhaupt nicht damit rechnet.

Leckerstes Gericht?
Donuts. Kill me.

Neue Freunde gefunden?
Nein.

Alte Freunde verloren?
Keine gehabt.

Nicht befolgte Vorsätze?
Mit Absicht keine Vorsätze gefasst.

Größte verpasste Chance?
Diverse Dinge zu dokumentieren, direkt, nachdem ich sie gemacht habe. Jetzt muss ich mir unfassbar viel Zeug aus dem Kopf pulen, den ich nicht mehr weiss. Blöd.

Größte Enttäuschung?
Ein Mensch ohne Hoffnungen kann nicht enttäuscht werden.

Angst?
PermaneAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!

Größter Erfolg?
Einige Projekte im Beruf zügig abschließen können.

Größter Misserfolg?
Einige Projekte im Beruf mit Ach und Krach durchgeschliffen, teils über Monate hinweg.

Schlimmste Woche?
In der ersten Oktoberwoche habe ich 90 Stunden beim Kunden vor Ort gearbeitet, die Woche drauf 80, die Woche drauf 70.

Gesünder oder kränker?
Als Gesamt-Organismus gesünder, in den Problemzonen aber kränker. Nein, damit meine ich nicht meine Genitalien.

Interessantestes Experiment?
Privat Linux als Desktop OS einzusetzen. Tatsächlich ist es genau so schmerzfrei wie ein Windows 7 zu betreiben, wenn man vom Drucken mal absieht. Geschäftlich der Labortest von VMWare ihrem ThinApp.

Am meisten gelernt?
Vermutlich im Microsoft Bereich, Optimierung vom Windows Server, Terminalservices, Druckdienste, Exchange. Ansonsten wie immer sehr viel Citrix.

TV-Würg?
Das deutsche Fernsehen. Ernsthaft, ich kann mir vereinzelte Filme angucken, aber der Rest ist so dermaßen zum Kotzen. Darum schalte ich den Fernseher auch nur alle paar Wochen mal ein. Wie sich Leute die Frauentauschs, Bauer sucht Fraus, Perfekten Dinners, Daheim im Glücks, Ab ins Beets und sonstige Monstrositäten angucken können, macht mich krank. Diese Programme sprechen offen aus, dass sie ihre Zuschauer für dumm halten, weil sie sonst nicht auf diesem Niveau wären. Und die Zuschauer schreien nach mehr und flehen die Sender auf Knien an, ihnen noch mehr Durchfall direkt in den Hals zu scheissen.
Ich hatte außerdem angefangen, Requiem for a Dream zu gucken, habe es aber abgebrochen, weil mir so furchtbar egal war, was mit diesen mir gleichgültigen Charakteren geschah.

TV-Wow?
Adventure Time hat nachgelassen, ist aber immer noch die beste aktuelle Serie. Ansonsten haben mir Akte-X, My Name Is Earl, Metalocalypse und die ersten zwei Staffeln von Breaking Bad eine Menge genüsslicher Abende beschert.

Größte Veränderung?
Seit ich von Außerirdischen entführt wurde verpasst die Sonde in meinem Nacken mir alle 30 Minuten einen elektrischen Schlag.

Größter Verlust für die Menschheit?
Natürlich Der Geliebte Führer. Sein Tod im glorreichen Sieg gegen den Imperialismus der Teufel vom Rest der Welt bleibt ein leuchtendes Vorbild für das stolze und reiche Volk von Best Korea. Aber im Ernst, vermutlich die Freiheit, die das Internet so großartig macht - SOPA wird kommen und die Welt im negativen Sinne verändern.

Was ich im kommenden Jahr garantiert nicht sehen möchte?
Mehr von den erfolglosen Protesten, die Nachrichten und New York besetzt hielten. Es gibt schöne Photos von Champagnerpartys auf den Balkonen über der Wall Street, wo die feiernden Schlipsträger lachenderweise mit ihren iPhones Photos von dem herumlungernden Pöbel auf der Strasse machten. Syrien ist das nächste Beispiel, ich rechne fest damit, dass Bashar al-Assad den Weltrekord im Proteste-Aussitzen bricht. Ich möchte mehr Steine fliegen sehen, mehr angezündete Autos, ich möchte den weltweiten Börsenbetrieb einbrechen sehen weil die politisch motivierten Techniker hinter den Kulissen die USV rausgerissen haben. Ich möchte weniger Zufriedenheit und mehr Mut zur Veränderung sehen. Außerdem kann mein Auto immer noch nicht fliegen!

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