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Von PropheT am Mittwoch, August 08, 2007 um 10:54

Technorati / Moby Dick (1)

Mir gefällt der Ausdruck "attention whore". Vor allem in Bezug auf Blogger. Schließlich schreibt man nicht den ganzen Kram nieder, damit niemand ihn wahrnimmt, sondern man will ja möglichst Viele damit erreichen, normalerweise. Zwar finde ich ein krampfhaftes Visitors-Grinden albern, wenn es auf Kosten des normalen Inhaltes geht, aber ein bisschen PR kann ja nie schaden, sei es durch (sinnvolle!) Kommentare in anderen Blogs oder durch Registration in Bloglisten oder ähnliches.
Auch finden sich bei Portalen wie Yigg immer wieder Beiträge ala "'So optimieren sie ihren Blog für Suchmaschienen' für Dummys" oder ähnliches, wobei die superkrass leetigen Tipps alle aufs gleiche hinauslaufen. Worauf will ich hinaus?
Einer der vllt. populärsten Blogger im deutschen Raum, der liebe Herr Lott, bekannt aus Funk und Fernsehen und Zeitschriften, einer der Verantwortlichen, dass ich mir auch son Ding erstellt habe (auch wenn zzt n starker Visitors-Rückgang zu vermelden ist); hat eine Aktion laufen, der ich mich anschließen möchte, für mehr Aufmerksamkeit auf Technorati, einem der größten Portale für derartige Seiten. Gestartet von Infopirat.com sollen so deutsche Blogs mehr Aufmerksamkeit bekommen. Ich bezweifle zwar dass die Aktion wirklich was bringt aber man kann ja mal mitmachen, so als Mainstream-Persönlichkeit die man ist. Zu sehen ist die Aktion unter anderem hier, hier, hier und hier.

Und nun, ein wenig Content:
Äh...Moby Dick. Eines der vllt. wichtigsten Bücher @ all, zumindest ist es sehr bekannt und die meisten dürften auch wissen worum es geht. Ich habe vor zwei Wochen nun angefangen, den 914-Seiten Wälzer zu lesen, dessen Länge sich darin niederschlägt dass man die Seiten nur schwer auseinander drücken kann und so die ersten/letzen Buchstaben einer Doppelseite schwer zu erkennen sind, aber man kriegt es hin. Generell istes ja eher verwunderlich dass ich ein derart altes Buch lese (1851), da ich mit alten Büchern, schulbedingt, eher negative Erfahrungen habe. Doch trotz seiner exzessiven Exkurse (über andere Schiffe, den Wal und seine Unterarten, die Farbe Weiß (!)), der damaligen Sprache und einfach der Unmenge an Informationen und Text überhaupt ist Moby Dick besser als alle Schillers und Lessings die ich bisher zu lesene genötigt war.
Das liegt vor allem am Setting. Es sind keine Unglücklichen Liebeleien, keine Techtelmechtel am Adelshof mit Bürgerlichen, keine belanglosen Wanderungen von irgendwelchen Taugenichtsen. Es ist die Reise eines Walfangschiffes durch die karibische See und weiter hinaus, (später glaube ich Richtung Pazifik sogar) auf der Jagd nach dem Leviathan, dem Weißen Wal, dem größten Ungeheuer der Tiefe, dass Kapitän Ahab sein Bein abgerissen hat. In seinem Wahn und seiner Rachsucht will Ahab die Bestie bis ans Ende der Welt jagen, egal wie die Verluste sind, das Monstrum aus der Tiefe soll sterben. Das ganze wird erzählt aus der Sicht des Matrosen Ismael, der auf der Pequod, Ahabs Schiff, angeheuert hat. Zunächst befindet er sich noch im Hafen in Nantucket, wo er den afrikanischen Harpunier Quiqueg kennenlernt, den er zunächst als "kannibalischen Kanacken" bezeichnet, sicher aber schnell mit ihm anfreundet, so nennt er ihn „ein George Washington im Gewand eines Kannibalen“.
Wie man schon am überall tätowierten Häuptlingssohn Quiqueg sieht, ist die Mannschaft der Pequod bunt gemischt, vor allem die Harpuniere (2 Schwarze, ein Indianer) stechen hervor. Unterschiede auch bei den Steuermännern, den direkten Untergebenen des Kapitäns, (1) Starbuck, ein ruhiger, rationaler, aber abergläubischer, ernster Mann, (2) Stubb, der eher ein lockerer, spaßiger Typ ist und (3) Flask, der jüngste, aber ein eifriger und bemühter Mann. So stellt Starbuck (nach dem übrigens tatsächlich die Caffee-Kette bennannt ist) quasi den Gegenpart zu Ahab dar, das ernste Kalkül gegen den Wahn des Kapitäns. Schon als Ahab das erste Mal die gesammte Mannschaft zusammenruft und sie auf die Jagd nach dem Leviathan vereidigt ("split your lungs with blood and thunder when you see the white wale") kommen ihm ernste Bedenken, der Konflikt spitzt sich später noch weiter zu, vorerst gehorcht Starbuck jedoch noch, wie es sich für einen guten Seemann gehört.
Soweit zum Inhalt erstmal, aber taugt so ein alter Wälzer heutzutage noch? Ich sage: Ja, wenn man das Alter bedenkt. Denn die Hatz nach dem Meeresriesen, der Wahn des alten Ahab, seine Besessenheit, das Mysteriöse der Fahrt ist es was das Buch interessant macht. Dem entgegen stehen die bereits erwähnten ausschweifenden Berichte über zB Walsorten, den Klön-Ablauf usw. So hat das Buch zwar einige ziemlich langweilige Phasen, ist aber, zumindest im ersten Drittel, das ich bisher las, recht lesbar. Zumal sich tatsächlich einige wirklich lustige Sachen finden! So wäre dass Speiseritual zu nennen, bei dem nach den zivilisierten Steuermännern und dem Kapitän die wilden, ungestümen Harpuniere zu Tische begeben und dem armen Küchenjungen die Haare vom Kopf fressen.
Alles in Allem: Man muss es lesen wollen. Dann ist es sogar gut.

5 Comments:

Blogger Darth Puma sagte...

"Moby Dick" habe ich nie gelesen.
Ich kenne nur irgendeine alte Verfilmung. Allerdings mag ich das Thema nicht unbedingt.
Ich bin der Auffassung, Moby Dick ist doch eher Männerliteratur.

08.08.2007 14:04:00  
Blogger PropheT sagte...

'ou ja, ein männliches buch
*heimwerkerköniggrunzen*

09.08.2007 12:24:00  
Blogger Flo_the_G sagte...

Liest dus wenigstens im Original?

09.08.2007 13:42:00  
Blogger pk210 sagte...

Moby Dick steht auf meiner Liste der irgendwann zu lesenden Bücher, mit Betonung auf irgendwann.

09.08.2007 16:47:00  
Blogger PropheT sagte...

@flo: Wenns auch noch auf Englisch wäre wäre es zu anstrengend. Nein, ich lese es auf Deutsch.

@pk210: Ging mir ähnlich, wollts in den Ferien hinter mich bringen.

09.08.2007 22:39:00  

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