Von prophet am Sonntag, April 13, 2008 um 12:48

Assassins Creed

Donnerstag Mittag erhalten, Samstag Nacht durchgespielt - die erhoffte Langzeitbeschäftigung war das während des Dritten Kreuzzuges im Jahre 1191 spielende Assassins Creed nun nicht. Aber wie sieht es mit den anderen Qualifikationen aus? Kann das Spiel, auf das ich schon lange sehnsüchtig wartete, mich auch begeistern? Seitens der Presse wurde durchgehend gesagt das Spiel sei zu repetativ, sähe aber gut aus, die präsentation sei gut, aber das Spielgerüst auf dem alles steht spindeldürr. Aber es war wirklich nötig, dass ich mir ne eigene Meinung bilde. Im Folgenden werde ich die Abkürzung A.C. benutzen, da mir das ständige Ausschreiben zu doof ist.

Technik: Die Grafik zweier Spiele zu vergleichen fällt mir oft schwer. Ich würde sagen, dass nach meinem Verständnis Crysis zB leicht bessere Gesichter hat, schöneres Wasser besitzt oder das Blurring besser aussieht. Ihr merkt, es geht um Banalitäten. Kurzum: AC ist eines der bestaussehendsten Spiele, die es für den PC gibt. Fakt. Und trotz aller hohen Hardwareanforderungen: auf meinem Rechner läuft es bei einer 1280er Auflösung mit allen Details auf Anschlag ohne einen einzigen Ruckler konstant bei etwa 60 fps, wohlgemerkt unter DirectX 9!

Zu diesen Bildern muss ich allerdings anmerken, dass ich die PAL-Balken entfernt habe, da AC auf ein 16:9 Bildformat ausgelegt ist. Das bedeutet nichts anderes, als dass man das gesamte Spiel durch die selben Balken im Bild hat, wie bei einem Film, den man auf einem normalen 4:3 Bildschirm anguckt. Ich persönlich finde es zwar arm, dass man das nicht gelöst hat, andererseits stören mich die Balken nicht, da sie, wie gesagt, bei jedem Film ja auch dabei sind, und sie lenken ja nicht ab oder irgendwas. Es wird sicher Leute geben, die sich daran stören, aber ich gehöre nicht dazu. Ansonsten kann ich nur sagen, dass AC eine Wohltat für die Augen ist dank der großartigen Texturierung, der hohen Weitsicht und den perfekt flüssigen Animationen.

Gameplay: Das Spiel ist in Abschnitte aufgeteilt, und in jedem dieser Abschnitte gilt es, ein Attentat (auchmal 2 pro Kapitel) durchzuführen. Der Ablauf ist folgender: Altair begiebt sich in das jeweilige Viertel der Stadt (wobei jede der drei riesigen Städte nur drei Viertel hat! müsste es dann nicht "Drittel" heißen??), klettert auf die dortigen Türme oder Kirchen oder ähnliche hohe Gebäude (meist ca. 9 an der Zahl), woraufhin auf der Karte die Nebenmissionen angezeigt werden, wobei es Attentatsrelevante gibt (man muss anfangs 2, später 3 lösen um das Attentat beginnen zu können), sog "Informantenmissionen", bei denen man zum Beispiel zwei Leute abhören muss, einen Taschendiebstahl begehen muss oder unbemerkt einige Bogenschützen auf den Dächern ausschalten muss; sowie Nebenquests wie das eigentliche Erklettern der höchsten Türme, oder etwa das Retten von Bürgern vor gewalttätigen Wachleuten. Pro fünfzehn erfüllten Nebenmissionen erhält man einen zusätzlichen "Health-Container", bei geretteten Bürgern zudem noch die unterstützung sog. Partisanen, die bei einer der vielen Fluchten vor den Wachen diese aufhalten.
Haben wir nun zwei/drei Informatenaufträge erfüllt gehen wir in das lokale Büro der Assassinen, wo wir nun die Erlaubnis erhalten, das eigentliche Ziel zu eleminieren. Haben wir unsere Zielperson abgemurkst, fliehen wir vor den alamierten Wachen, tauchen unter, sodass die Wachen unsere Spur verlieren, und gehen zurück zum Büro. Das machen wir im Spiel neun Mal. Und jedes Mal ist der Ablauf genau der gleiche. Und genau hier liegt die Schwäche von AC: Es wird schnell eintönig, auf Türme zu klettern, gegen Wachen zu kämpfen, die Informationen zu besorgen. Die Attentate sind großartig gelungen, da man jedes Mal anders an das Ziel herangehen muss, aber etwas das IMMER gleich ist ist die Flucht vor den Wachen. Dabei gibt es wieder ein Pro und ein Kontra: Altair kann mit einem Affenzahn über die Dächer der Stadt krackseln, Häuserschluchten überspringen, sich an hunderttausend Kanten festhalten und macht damit jede Flucht spektakulär. Wirklich, die Verfolgungsjagden sind der Hammer, vor allem wenn man die Menge ausnutzt, um die Wachen zu verlangsamen, um dann über schmale Balken zu springen und auf dem nächsten Dach zu verschwinden. ABER. Um wirklich unterzutauchen, gibt es nur vier Möglichkeiten: Man mischt sich unter eine Gruppe Mönche, man setzt sich seelenruhig auf eine Bank, ODER, und diese beiden Möglichkeiten sind die beiden häufigsten und damit ausgelatschtesten: Man springt in einen von fünf Milliarden Heuwagen oder verschwindet in dem Kasten auf dem Bild oben links, was auch immer er darstellen soll. Jedenfalls stehen die Dinger auf jedem zehnten Dach und erscheinen mir etwas unrealistisch. Wieder also das Repetative.

Etwas das auch ständig vorkommt, an sich nicht langweilig werden dürfte, aber es durch einen Kniff wird, sind die Kämpfe gegen die Wachsoldaten. Praktisch gesehen ist ja jeder Kampf anders, was allein schon durch die wechselnden Austragungsorte bedingt ist (enge Gasse, offener Platz, Häuserdach). Allerdings lernt man relativ schnell den Konter, der, im richtigen Moment eingesetzt, den Gegner mit einem eleganten, toll animierten Schlag aus der Actionperspective tötet. Leider läuft es meistens darauf hinaus, darauf zu warten dass einer der Gegner zuschlägt, um ihn dann zu kontern, so dass man die großartigen Kontermoves bald alle schon gesehen hat. Sicher kann man auch Gegner in Marktstände schubsten und ihre Verteidigung durchbrechen und Messer auf sie werfen, aber der Konter ist das mit Abstand effektivste. Trotzdem machen die Kämpfe Spaß, zumal sie dank der nach kurzer Eingewöhnung unglaublich gut funktionierenden Steuerung super koordiniert werden können. Ebendiese Steuerung ist es auch, die einem das Über-Die-Dächer-Stratzen so extrem einfach macht, so dass man sich mindestens die Hälfte der Zeit auf den Dächern bewegt.
Auf zwei Sachen muss ich noch eingehen: Die Städte und das, was dazwischen ist. Wie bereits erwähnt gibt es drei Städte (Damaskus, Akkon und Jerusalem), die alle drei wirklich sehr groß sind, in denen sich Massen von Menschen (deren Dichte kann man in den Optionen einstellen, ich hatte sie halt auf Maximum) bewegen, die ihrem Tagewerk nachgehen oder einfach durch die Gegend latschen.
Dabei setzt, bis auf einige auffällige Ausnahmen, der "den Typen hab ich schon 10mal gesehen" - Effekt erst relativ spät ein. Die Masse verhält sicher aber glaubwürdig, und umso cooler ist es, sich mit ganz dezentem Schieben einen Weg durch sie zu bahnen. Bis auf die Türme haben die Gebäude in meinen Augen kaum einen Wiederholungseffekt. Verbunden sind die Städte durch ein Umland, das zwar wie die Städte selbst keine Interaktion zu Leuten bietet, jedoch eine gewisse Weite vermittelt und mit dem Pferd flott durchquert werden kann und auch einige bekletterbare Türme bietet, ansonsten aber nur Pampa mit einigen vereinzelten Dörfern darstellt. Dann gibt es auch noch die Festung der Assassinen, zu der man nach jedem erfolgreichen Attentat zurückkehrt, jedoch dient diese mehr zu Eingewöhnung und ist eigentlich nur ein Dorf mit einer Burg. Später werden einem die Reitwege erspart, man kann sich direkt in die Büros der Städte teleportieren.

Handlung: Wie erwähnt und allgemein bekannt spielt AC während dem Dritten Kreuzzug, in dessen Verlauf die Organisation der Assassinen Altair losschickt, um neun Leute umzubringen, die in einer Verbindung zusammenstehen, die erst spät im Spiel wirklich deutlich wird. Da sich unter den Zielen sowohl Muslime als auch Christen befinden, ist es ganz offensichtlich eine Organisation, die außerhalb der religiösen Grenzen steht. Dabei wird die Handlung durch Altair's Schlussfolgerungen und zwei Personen erzählt: Das jeweilige Ziel der Attentate, sowie Al Mualim, der Anführer der Assassinen. Wie inzwischen wohl auch jeder mitgekriegt hat, geht AC über die Mittelalterliche Handlung hinaus und bietet einen Science - Fiction Hintergrund. Für alle, die es selbst erleben wollen sage ich nur: Die Einbettung der Mittelalterhandlung in die SiFi-Handlung funktioniert super, die Story erfährt eine viel größere Tiefe dadurch, und es ist wirklich nicht von Anfang an alles klar. Und genau darum ist die Handlung von AC toll: Sie ist nicht schon von Anfang an komplett durchschaubar.
Für alle, die wissen wollen, worum es bei dem SiFi-Kram geht, hier die Versionen mit leichten Spoilern und mit massiven, alles aufklärenden Spoilern:

Leichte Spoiler
In der nicht allzu fernen Zukunft wird der Barkeeper Desmond von Abstergo Industries entführt und muss sich für sie in ein Gerät namens "Animus" begeben. Was Abstergo rausfand: Der Mensch besitzt nicht nur eigene, sondern auch genetische Erinnerungen. Desmond, Nachfahre der Assassinen, soll für sie etwas in der Zeit Altairs herausfinden, indem er dessen Erlebnisse nachspielt und sich so Stück für Stück erinnert. Der zuständige Wissenschaftler und seine Assistentin lassen einen bis kurz vor Schluss im Unklaren, jedoch werden immer wieder Andeutungen gemacht. Das Spiel schaltet nach jedem Kapitel zurück in den SiFi-Teil, wo Desmond nur in dem Raum mit dem Animus und in seinem Zimmer (ein Bett, ein Schrank, ein Tisch und ein Stuhl) Bewegungsfreiheit hat und den Wissenschaftlern der bösen großen Firma ausgeliefert ist.

Massivste Spoiler
Also gut, ihr habt es so gewollt. Die Leute die Altair umbringen muss sind allesamt Templer, die Richard Löwenherz stürzen wollen und stattdessen selbst die Welt beherrschen wollen. Dazu wollen sie sich des Edensplitters bedienen, einem religiösen Artefakt mit Massengehirnwäsche-Fertigkeiten. Der Anführer der Assassinen....noch könnt ihr es überspringen...ist natürlich auch einer von denen und will einfach den Schatz nicht teilen und alleine herrschen. Am Ende tötet man ihn und findet in dem Edensplitter eine Art Hologramm zu anderen Artefakten.
Die Abstergo Corporation ist die moderne Version die Templer, die die ganze Zeit über existierten, und jeder technische Durchbruch stammte von ihnen, und irgendwie haben sie halt derbe die Macht, und mit dem Edensplitter, den sie immer noch suchen, wollen sie die WELTHERRSCHAFT an sich reißen! Ganz am Ende soll Desmond sterben, weil er nun nutzlos ist, aber die Assistentin von Doc überzeugt sonen Abteilungsleiter, dass man ihn noch braucht, und da Desmond auf einmal Altair's Adlerauge hat kann er so geheime Botschaften an den Wänden sehen und es stellt sich heraus, dass die Assistentin auch von den Assassinen ist. Somit bleibt Desmond zwar im Komplex bei denen Gefangen, aber hat damit ja eine Verbündete, während die Templer nun nach den anderen Artefakten suchen. Krass, oder? Nun habt ihr euch das Ende versaut!


Bewertung: Es fällt mir schwer, mich bei diesem Spiel in Zahlen auszudrücken. Einerseits hat man vor den Attentaten tatsächlich immer den selben Ablauf, sind die die Untertauchmöglichkeiten immer die selben, ist einfach der ganze Ablauf extrem repetativ. Andererseits sind die Videosequenzen der Hammer, die Attentate cool, die Gespräche mit den Zielen tiefsinnig und die Handlung angenehm komplex, außerdem sind die Kämpfe super UND in AC macht mir Klettern und Springen zum ersten Mal richtig Spaß! Also richtig richtig. Einerseits sieht das Spiel unglaublich geil aus, andererseits ist die letzte Passage extrem lame (Kämpfe in Schlauchförmigen Levels). Einerseits ist die Bevölkerung der Städte die Glaubwürdigste die ich kenne, andererseits nerven viele Details oft. Einerseits macht das Spiel einen Heidenspaß, andererseits langweilt man sich manchmal ein wenig. Ich will die eigentliche Bewertung in zwei Varianten fassen:

Version #1: 8/10 Punkten wegen toller Grafik, Story, Athmosphäre und Leichtgängigkeit, aber nicht noch mehr wegen dem ständigen Wiederholen von Pflichtübungen. Ein sehr gutes Spiel, das sich absolut lohnt, auch wenn es in einigen Punkten die Erwartungen nicht erfüllte.

Version #2: Ich will ein Beispiel geben. Ich kämpfe in einer engen Gasse. Der Wachmann schlägt zu, ich merke, mein Konter käme zu spät, also springe ich zur Seite. Er schlägt voll zu und sticht einem seiner Kollegen voll in den Hals. BÄM. Oder ich kriege es genau hin, auf der Flucht scharf um eine Ecke zu biegen und genau von der Häuserkante in den Heuhaufen zu springen. Oder ich springe vom Dach, will nem Wachmann die Armklinge in den Hals rammen und lande aus versehen auf einer zufällig vorbeispazierenden Omma.
Was ich damit sagen will:

Nicht alles ist das Wahre. Aber Alles ist erlaubt.

3 Comments:

Blogger Neurotic Shadow sagte...

Ich hab des Spiel auf PS3 durchgezockt und war am Ende doch irgendwie wieder mal in der gleichen Situation wie bei Metroid Prime: Corruption und auch Ratchet & Clank: DAS soll es jetzt gewesen sein???

Gut, der Endkampf in AC ist recht interessant, aber ich fand ihn doch reichlich ernüchternd. Und was mir die gewonnenen Fähigkeit GANZ am Ende bringen sollte wusste ich auch nicht ganz, gut ich kommte wandmalereien sehen :O...

Aber im großen und ganzen geb ich dir recht, das Spiel ist gut :)

14.04.2008 22:37:00  
Blogger Maak sagte...

zocken werd ich's auf jeden fall, kaufen aber wohl nicht.
wer kann es mir denn jetzt wohl mal "leihen"?

15.04.2008 07:54:00  
Blogger PropheT sagte...

@Shadow: Aye, das hatte ich auch, hab ne Weile um gebraucht, um das Ende zu, nun, zu kapieren, weil diese Wandmalereien ja ne Aussage haben.

17.04.2008 16:42:00  

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