Von prophet am Sonntag, August 31, 2008 um 12:23

Auf den Ohren

Volbeat - Guitar Gangsters & Cadillac Blood (2008)--> 8/10
Die ersten beiden Volbeat-Alben wurden von der Presse zu Recht fast ausnahmslos mit Höchstnoten bewertet. Vom dritten Album waren vorab bereits einige Songs zu hören, von denen ich einen gut, einen sehr mittelmäßig und einen unerträglich fand. Gleich zwei Songs auf dem fertigen Album beginnen Reggae-artig, in einem Song werden Streicher eingesetzt, in einem gibt es eine (schreckliche) Gastsängerin. Abwechslung gibt es also allemal auf dem neuen Werk der Dänen. Etwas, dass es allerdings nicht mehr so sehr gibt wie noch auf den Vorgänger ist aber: Volbeat. Dieser krasse Mix aus 50er Jahre Rockabilly und Metal tritt leicht in den Hintergrund, der Sound ist "normaler". Den typischen Klang findet man zum Glück immer noch ("Hallelujah Goat"), aber er ist nicht mehr ganz so präsent. Drei besonders gelungene Songs sind das schon im Vorfeld veröffentlichte "Wild Rover of Hell", ein Tribut an Metallica, "I'm so lonesome I could cry", ein Hank Williams-Cover sowie das ultraheavy "Find That Soul". Insgesamt erreichen Volbeat, so finde ich, nicht ganz die over-the-top-Qualität ihrer beiden vorherigen Alben, aber sie haben es immer noch drauf. Empfehlung.

Jeff Loomis - Zero Order Phase (2008)--> 9/10
Wie schon Sänger Warrel Dane veröffentlicht nun auch Nevermore-Gitarrist Jeff Loomis ein Soloalbum und im Gegenzug zu Danes taugt dieses auch etwas. Man stelle sich einen der begabtesten Gitarristen der heutigen Musikwelt vor, der ein von Bass und Drums begleitetes 54 minütiges Hammersolo spielt. Dabei ist das Album an keiner einzigen Stelle langweilig, nie. Loomis lässt sich nämlich nicht dazu hinreißen, die CD mit reinem Gitarrengewichse zu füllen, sondern spielt stets den Songs zuträglich. Dabei schwanken die Stimmungen der Lieder von Traurig Episch Getragen ("Sacristy") bis hin zu Ich Trete Dir In Die Fresse ("Race against Desaster", zusammen mit Cannibal Corpse-Gitarrist Pat O´Brien). Sämtliche einer Gitarre möglichen Facetten werden ausgereizt und Jeff Loomis spielt wie der Teufel. Vielleicht werden sich viele am fehlenden Gesang stören, aber ich bin der Meinung, dass bei der Gitarrenarbeit kein Gesinge nötig ist. Hammeralbum, bin beeindruckt.

Motörhead - Motörizer (2008)--> 8/10
"Good Evening. We are Motörhead. We play Rock'n'Roll." Muss ich wirklich noch was zu Motörhead sagen? Wohl kaum. Nach dem überwältigend geilen Inferno und dem mittelmäßigen Kiss of Death war ich gespannt, was nun kommt. Die Qualität eines Motörhead-Albums lässt sich nur an Details ablesen, und hier stehen sie gut. "Teach you how to sing the Blues", "Buried Alive" oder "Rock Out" könnten auch auf Inferno stehen, packen also den Dampfhammer aus. Warum ist es also nicht brilliant? Weil Songs wie "Time is Right", "One Short Live" oder auch "When the Eagle screams" irgendwie langweilig sind. Was soll man insgesamt sagen? Es ist fucking Motörhead. Like it or fuck off.

Meshuggah - obZen (2008)--> 9/10
Meshuggah machen die vielleicht abgefuckteste Musik, die ich kenne. In ein Genre einzuordnen, was sie spielen, ist eh unmöglich. Industrial Math Hardcore Post Noise Thrash Progressive Death Wacko Metal. Polyrythmik ist das Stichwort, normale Takte oder Songstrukturen sucht man auch auf obZen vergebens. Meshuggah spiele, wie schon seit einigen Jahren, ihren gestörten Mix aus komplexen Drummustern, harten Bass, schreddernden Gitarren und schäumendem Geschreie. Kranker Scheiss, aber ich finde es aus unerfindlichen Gründen unglaublich gut. Meshuggah sind in dieser Beziehung wie Motörhead - man mag es oder man hasst es, und große Unterschiede gibt es nicht zwischen den Alben. DOCH STOP! obZen bietet etwas, das Meshuggah seit Ewigkeiten nicht mehr hatten: Der Opener "Combustion", einer der besten Songs des Jahres, in dem sie sämtliche Komplexität fallen lassen, auf 4/4 Takte zurückschalten und einfach wie blöde rum......thrashen. Man mag es kaum glauben, dass eine so abgedrehte Band so einen simplen, energetischen Song auf die Beine stellen kann. Ganz ganz groß.

Rotten Sound - Cycles (2008)--> 9/10

Zusammen mit Pig Destroyer können diese Burschen den modernen Grindcore tragen. Was einst Carcass und Anhang waren, sind heute die Genannten. Keine Kompromisse. Rotten Sound kennen zwei Spielarten: Langsame, malmende Schwere und Nackenbrechendes Tempo. Die achtzehn Songs, von denen nur zwei über drei Minuten lang sind, verlieren sich im Gegensatz zu anderen Bands nie in sinnlosem Geprügel, sondern das Geblaste und Gekeife fomt stehts schlüssige Songs, die mit zu dem Besten gehören, was dieses Genre bietet. Das ganze kommt nie "erzwungen" rüber, sondern wirkt immer locker und voller Energie. Das ist es wohl, was man Rotten Sound unbedingt zusprechen muss - Power. Empfehlung für alle, die ihre Boxen zerstören wollen.

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