Von prophet am Mittwoch, September 24, 2008 um 11:11

Confinement

Mit einem hellen Ping öffnete sich die Fahrstuhltür und Mr. Kaine stieg heraus. Mit großen, in der Halle widerhallenden Schritten ging er auf seinen Sohn zu, der gelangweilt auf einem der hellen Kunststoffstühle am Gang saß. Mr. Kaine winkte ihm und der Junge stand auf und nahm seine Jacke und die Mütze vom Kleiderständer.
„Zieh dich ordentlich an“, ermahnte der Vater, „es wird kälter.“ Es wurde immer kälter.
Mit einem Nicken verabschiedete er sich von der Dame am Tresen und verließ mit dem Knaben das Gebäude des Konzernes. Die Sonne schien matt über der Megacity, die Wolken türmten sich auf wie mächtige Festungen und der Wind schnitt scharf um jeden Winkel. Mr. Kaine zog seinen Mantel enger und stellte den Kragen auf. Einige Tauben flatterten auf, als Vater und Sohn an ihnen vorbeigingen. Der Junge blickte unter seiner Kappe zu seinem Vater herauf, dessen Gedanken irgendwo im trüben Nichts zwischen dem Rauschen der Züge im Hintergrund, dem Weg durch die richtigen Straßen und geistiger Erschöpfung trieben.
„Wer...“, der Junge räusperte sich, „Wer ist das eigentlich für den du da arbeitest?“, fragte er.
„Naja für Google, das weißt du doch.“, entgegnete sein alter Herr. Mit dieser Antwort wurde ihm aber nicht Genüge getan. „Jaja, aber...wieso sind die denn so?“. Mr. Kaine sah mit hochgezogener Augenbraue zu seinem Sohnemann herab. „Also...du äh....hattet ihr das noch nicht in der Schule?“
„Nein“. „Nun, äh, du kennst doch Home. Du weißt schon, die Seite mit dem Suchfeld in der Mitte, wo die ganzen Nachrichten und so stehen, die die jeder anders hat.“ „Ja.“ „Naja, damit haben sie angefangen. Ist lange her. Also, nicht genau damit. Das war noch vor dem Krieg und der Krise, weißt du.“ Kaine wartete auf ein beipflichtendes Brummen des Jungen, aber er bekam keines. „Mir scheint, ihr habt noch einiges an Material nachzuholen.“. Mr. Kaine holte tief Luft, was, wie sein Sohn wusste, einen geschichtlichen Vortrag ankündigte, die meistens die konzentrierte Langeweile waren. So ging er weiterhin neben seinem Vater her, nickte immer mal und blickte in die Gassen, die sich zwischen den riesigen, graubraunen Gebäudeblöcken auftaten. Die Sonne erreichte diese Gassen nicht, so dass sie, vor allem auf den tieferen Stadt-Ebenen von Verbrechern und, dessen war sich der Junge sicher, Monstern bewohnt wurden. Müll lag in ihnen und angeblich auch tote Menschen.
Sein Vater indessen bemerkte die geistige Abwesenheit seines Sprösslings nicht und referierte im Spazieren. „Tja, die zweite große Finanzkrise am Anfang des Jahrhunderts hat alles verändert. Die Armen wurden immer ärmer, die Reichen wurden zum Mittelmaß degradiert. Die einzigen, die aus der Krise gesund hervorgingen waren die ganz großen Weltkonzerne. Zum Beispiel Google. Oder das, was heute die Generals sind. Oder X-on. Jaja. Die haben's richtig gemacht damals, sich nicht auf einen Bereich beschränkt und haben sich rechtzeitig von der Börse gelöst. Weißt du, Sohn, das war das Problem der Wirtschaft damals: Alles war auf Werten aufgebaut, die niemand hatte. Äh.“
Der Knabe beobachtete eine Ratte, die aus einem Gulli kroch und einen Fetzen Müll hinter sich herzerrte. Eine Dame, die ebenfalls diese sonst leere Straße benutzte, kreischte unterdrückt und machte einen weiten Bogen um die Kreatur.
„Da fing es an, mit den Staaten und den Konzernen. Die Staaten hatten irgendwann kein Geld mehr, die Konzerne schon. Die haben irgendwann ja auchnoch Geld von den Staaten gekriegt. Die haben sich abgesichert. Seit der großen Überwachungswelle hat eh niemand mehr die Staaten gemocht, nicht wahr? Und äh,....wo war ich? Achja, also, und dann kam der Krieg.“
Kaine Junior blickte zum Himmel und betrachtete die Wolken. Das Sonnenlicht fiel trüb und zäh wie Sirup durch die dicken Berge aus weißen Zeug, das mal aussah wie ein Drache, mal wie ein Mecha, mal wie ein Pod. Vom Krieg hatte er schon gehört, aber er konnte sich in seinem Alter noch nichts darunter vorstellen. Er wusste auch nicht, wer gewonnen hatte. Niemand hatte je von einem Sieger gesprochen.
„Der Krieg hat alles noch schlimmer gemacht. Die Staaten wurden extremer in ihren Positionen, die Kriegskosten fraßen die Haushalte auf, ja, und äh, als dann die erste große Bombe fiel, da war eh alles zu spät. Religion spielte damals auch eine große Rolle. Deshalb leben wir auch in den Megacities, verstehst du? Weil man an vielen Orten nicht mehr leben kann, wegen den Bomben. Ja?“ „Mhm.“ Ein grauer Zug raste auf den Schienen hoch über der Straße hinfort. Das Knistern kurz bevor er kam und nachdem er weg war fand der Junge irgendwie schon immer faszinierend.
„Und äh“, fuhr sein Vater fort, „nach dem Krieg waren die Staaten am Ende, viele viele Menschen tot oder unter dem Existenzminimum, nicht.....Viele haben gesagt, die Menschen wären am Ende. Also, alle Menschen. Und dann kamen die Konzerne. Sie haben alles wieder aufgebaut. Die meisten der Megacities gehören zum absoluten Großteil den Kons, schließlich waren sie es, die noch Geld und Mittel hatten. Irgendwie haben sie ja auch am Krieg verdient, aber äh.....wie auch immer, jedenfalls haben die Kons dann die Städte aufgebaut und den Menschen wieder Arbeit gegeben.“
Mit lautem Brüllen raste ein Glider quer über die Straße hinweg und zog eine dünne Spur aus dunklem Rauch hinter sich her. Eingeschüchtert zog der Kleine den Kopf ein, während einige ältere Männer, die auf einer Parkbank saßen, dem PersonalFlugzeug eine geballte Faust hinterherschüttelten, als könnten sie den Piloten damit beeindrucken.
„Den Konzernen gehört also die Welt, Junge. Merk dir das. Sie haben zum richtigen Zeitpunkt das Richtige getan, im Gegensatz zu den Staa...“. Sie bogen an der Kreuzung nach links ab und Mr. Kaine verstummte sofort. Ein Ordinator patroullierte mit gezücktem Knüppel die Straße entlang. Kaine legte seinem Sohn eine Hand auf die Schulter und führte ihn langsam, mit bemessenen Schritten an dem Mann in der Uniform, die einige als Rüstung bezeichneten, vorbei. Ohne einen Blick durch die Gläser der Gasmaske zu werfen gingen Vater und Sohn vorbei. Nachdem sie ein gutes Stück von dem Wachmann, der grade jemandem nach seinem Account fragte weg waren, drehte sich Mr. Kaine noch einmal um, wandte sich wieder nach vorne und erzählte nun im Flüsterton weiter. „Also, darum benutzen wir Home und Titan und Gears und all das, weil die Firma für die ich arbeite diese Stadt gebaut hat und weil ihre Angebote in dieser M.C. halt....das sind, was man halt nehmen kann.“ Kaine merkte, dass seine Argumentation unschlüssig und sein Satzbau schlichtweg falsch waren. „Beantwortet das deine Frage?“
„Ja Papa.“, sagte der Junge, der seit diversen Minuten nicht mehr zugehört hatte. Er zog seinen Pod aus der Jackentasche und guckte auf die Zahlen, die vor dem weißen Hintergrund auf dem Display glommen. Auf der glatten Oberfläche spiegelten sich sein Gesicht, der aufgewühlte Himmel und die großen Türme der Megacity. Er steckte das Gerät wieder in die Tasche. Neben ihm wirbelten in einem Hologramm Photos von Menschen umher. Kindern wie ihm, aber auch Erwachsenen. Die Photos wurden, wie in einem Strudel, angezogen und formten schließlich das Logo, das überall in der Stadt zu sehen war.
„Und und und....äh....“, fing der Junge an. „Was ist denn nun noch?“, fragte Mr. Kaine. „Ääääh....was machen die anderen Konerrze?“ Mr. Kaine seufzte. „Das ist ein zu weites Feld, Junge.“

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Angesichts der kurzen Spielzeit von Crysis Warhead drängte es mich danach, auch die Multiplayer-Variante Crysis Wars zu installieren und sei es nur, um alles probiert zu haben, wofür ich ja Geld ausgegeben habe. Kurzum: Crysis Wars ist tatsächlich so schlecht besucht wie ich geglaubt hatte, die meisten Server sind einfach leer. Dabei ist das Spiel an sich gar nicht schlecht - die Gefechte machen durchaus Spaß und durch die Nanosuits bekommen sie zusätzliche Operationsmöglichkeiten, wobei vor allem der Cloak sehr nützlich ist. Im Vergleich zum normalen Deathmatch kamen mir die Power-Struggle Gefechte, die stark an Battlefield erinnern, eher zäh und langweilig vor aber das mag Geschmackssache sein. Wie dem auch sei, Crysis Wars ist ein tatsächlich spielbarer, wenn auch verbesserungswürdiger Multiplayer-Shooter mit schöner Grafik, guten Settings (kompletter Flugzeugträger!) und viel zu wenig Spielern.

Ich spiele also neulich, seit längerer Zeit wieder, UT3, was mir einen Heidenspaß macht. Irgendwann bemerkte ich, dass auf dem Server einer war, der ständig per Chatzeile dazwischen laberte, wofür man eigentlich keine Zeit haben sollte. Die stupiden Anmerkungen ("lol") ließen es mich schon vermuten, doch die ultimative Bestätigung kam von ihm (Name spare ich mir) selbst: "anyone over 18 here?" "who is 14?", etc. Ich wies ihn freundlich darauf hin, dass er sich lieber auf das Spiel an sich konzentrieren möge, worauf ein "what means stfu?" und ein "german, don't understand shorties" kam. Als könne er nicht schon erbärmlich genug sein, schob er ein "how old are you, stfu?" zurückkam. Vor lauter Schäumen und Zähnefletschen verlor man total die Konzentration auf's Spiel. Nächste Map: Er wieder, wieder nur am Schnacken, schrub irgendwann "wait my mouse is empty" und bewegte sich von dortan nicht mehr. MEINE FRESSE! Wer lässt bitte die Gören aus dem Behindertenkindergarten UT3 spielen? KOTZEN könnt ich!

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2 Comments:

Blogger Madse sagte...

Tolle Erzaehlung! In schoene Dystopie verpackt. Find ich grossartig.

@ UT3: Da hat sich wohl ein CS-Kiddie im Spiel geirrt... omfge, Maus leer, wie kann man so scheisse sein...

24.09.2008 16:38:00  
Blogger Maak sagte...

gute geschichte...
...nee moment. böse geschichte.

mal schaun wie lang es noch bis dahin dauert.

25.09.2008 07:21:00  

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