Reis und Ehre
Die Speichellecker um Graf von Snappsenbeiser gackerten amüsiert, was ihnen erneut einige Blicke des Restes der noblen Gesellschaft des Empfanges eintrug. Die jungen Männer kümmerte dies jedoch nicht, waren sie doch vertieft in das geheuchelte Interesse an dem Geschwätz des jungen, aalglatten Adeligen, der in seinen Ausführungen über verschiedene lokale Berühmtheiten sehr herablassend wurde. "Und da schubste ich diesen Flegel mit meinem Gehstock davon", erzählte er in selbstgefälligem Ton und untermalte seine Erzählung mit stochernden Gesten, "und als er mit seinem Gesäß auf dem Boden landete riet ich ihm, doch vielleicht einmal seine Almosen in Seife und weniger in Schnaps zu investieren!". Das Gelächter der Kriecher um ihn herum war ihm sicher, und er genoß die Aufmerksamkeit, die er von diesen Männern bekam. Für von Snappsenbeiser waren sie genauso Teil des Pöbels wie das Gelump auf der Straße, aber sie alle stammten aus reichen und noblen Familien und damit ertrug er die Gesellschaft dieser Dilettanten. Er fuhr mit leicht erhöhter Lautstärke fort, da er den Klang seiner eigenen Stimme sehr genoß. "Was ist eigentlich von diesem jungen Fräulein der Weidmarks zu halten? Mich deucht, dieses junge, naive Ding sollte das Studieren vollends aufgeben, ein Weib mit solchen Hüften und so wenig Hirn gehört in ein anderes Gewerbe, wenn sie verstehen, meine Herren!", laberte er vor sich her, seine Worte immer wieder bejubelt von den Schleimern um ihn herum und geächtet von den älteren Herrschaften , die ihn zwar am liebsten des Saales verwiesen hätten, sich aber seiner gesellschaftlichen Stellung bewusst waren."A-HA-HA-Ha! Vorzüglich!", warf einer der Schmeichler ein, "sagt, guter Graf, was haltet ihr von diesem...Reis?". Von Snappsenbeiser zog amüsiert eine Augenbraue hoch. "Reis, sagt ihr? Ein Verschnitt von einem Gentleman, ein alter Zauderer. Und wäre es seiner neutralen Art und Weise, die mich abstößt, nicht genug, er klebt auch noch, wenn man ihn nicht richtig kocht! Jede Nudel oder Kartoffel ist ihm haushoch überlegen.", ließ er sich herab. Wieder tosender Beifall von den Armleuchtern um ihn herum, das er mit einem dezenten Lächeln hinnahm. Da spürte von Snappsenbeiser ein leichtes Pochen an der Schulter und drehte sich um. Das falsche Lächeln verging ihm sofort. Direkt vor ihm stand Reis. Er trug einen klassischen Zwicker und einen Zylinder, den an den Ecken hochstehenden Schnurrbart hielt er perfekt gepflegt und seine Körner waren blütenweiß gewaschen. Reis räusperte sich ungehalten und hob mit tiefer, nach Reis klingender Stimme an: "Verzeihen sie, Snappsenbeiser, aber ich kam nicht umhin, mir ihr dümmliches Gerede anhören zu müsssen. Sie haben mich in meiner Ehre gekränkt und ich fordere Wiedergutmachung. Ein Duell zwischen Gentlemen, bis auf den Tod! Ich erwarte sie...", donnerte er und holte eine Taschenuhr aus seiner Schale, wobei einige Reiskörner herausfielen, "...um Punkt 21 Uhr an der alten Eiche im Park! Guten Tag!", sagte Reis und verließ den Saal.
Von Snappsenbeiser stand mit offenem Mund und krampfenden Händen still wie eine Laterne. Er war überrumpelt. Seine Speichellecker hatten jegliches Lachen verloren und befanden sich nun in einer Art Betretenheit, vermischt mit Zweifeln und einer gewissen Furcht. Langsam und mit entsetzem Blick drehte er sich zu seinen Kriechern um, die allesamt plötzliches Interesse an ihren Fußspitzen hatten. Die Stimmung im Rest des Saales dafür war frappierend gestiegen.














1 Comments:
also ich find's gut...^^
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