Von prophet am Dienstag, Januar 20, 2009 um 20:30

This Defining Silence

Auch wenn er sein Amt erst seit wenigen Stunden bekleidet - Barack Obama hat schon jetzt etwas erreicht, das respektabel und von unwahrscheinlichem Wert ist. Er hat es geschafft, eine Generation von Politikverdrossenen zu mobilisieren, als Politiker modern und lebendig zu erscheinen. Zumindest für kurze Zeit ist in Amiland die Regierung nicht mehr der Feind. Das alles hat er erreicht, ohne konkrete Erlässe oder Ähnliches, sondern durch eine Ideologie, die er rüberbringt, wie es sonst kaum jemand kann. Das versteht man in dem Moment seiner Rede, in dem er sagt "...these things are old" und dann "...these things are true", und in seinen kurzen Redepausen trotz irrwitzig gigantischer Menschenmengen eine Totenstille herrscht, die mich mehr beeindruckt hat als alle seine Formulierungen. Die Menschen hören ihm tatsächlich zu.
Was mir auch auffiel - seine Rede klang gut. Also, äh, sie beinhaltete zwar das Pathos, das Amerikaner so lieben, aber sie war dem Anlass würdig. Nur...wenn Obama sagt, "the oath is taken amidst gathering clouds and raging storms", dann klingt das fucking epic. Dann fragt man sich, wieso es derartige Reden nicht in Deutschland gibt. Und DANN übersetzt man, der man grad in Englisch denkt, das ganze auf Deutsch und denkt sich, dass Mudder Merkel, wenn sie an ihrem Pult stünde und sagte, (jetzt bitte diese furchtbare Stimme einblenden) "der Eid wurde inmitten sich türmender Wolken und tobender Stürme geschworen", dann wäre es wahrscheinlich anzunehmen, dass ihr Team sie vom Mikrophon wegzerren würde und sich dafür entschuldigen würde, dass die Kanzlerin nicht ganz bei Sinnen sei. Es klingt einfach SCHEISSE. Ein wenig nach ManOwaR, aber in schlecht, und genau das finde ich irgendwie unwahrscheinlich schade. Selbst wenn deutsche Politiker den Mut aufbrächten rethorisch gute Reden zu halten, es würde trotzdem niemals so würdevoll und fucking epic wirken, wie es ein Amerikaner erstens und ein Barack Obama zweitens hinkriegt. Achja, und auch wenn es inzwischen jedem klar sein müsste und man es nicht mehr hören kann: Eine Nation, die von religiösen Hardlinern und erzkonservativen Traditionalisten seit Generationen gelenkt wurde, hat einen Mann ins das höchste Amt der Welt gewählt, der Schwarz ist und Hussein heißt. Vielleicht ist der Change ja schon da. Nun muss man sehen, ob er auch wirklich auf politischer und wirtschaftlicher Ebene eintritt, aber das ist ein GANZ anderes Feld.

4 Comments:

Blogger Frau Schmidt sagte...

Sehr guter Beitrag. Ich kanns selber auch immer noch nicht richtig glauben, dass ein Schwarzer Präsident geworden ist.

Aber ich glaube, du kannst das auch nicht vergleichen. Amerikaner WOLLEN sowas hören - Europäer nicht. Andersherum würde das auch nicht funktionieren. Trotzdem witzig, sich das Merkel mal vorzustellen, wenn sie mit der wirklich grauenhaften Lispelstimme einen solchen Satz raushaut :-D

Manowar in schlecht, hehehe...

21.01.2009 08:12:00  
Blogger Maak sagte...

nice text und ne menge wahrheit drin!

zu manowar auf deutsch fällt mir allerdings nur ein "ick hab ein hairtz aus stahl". :-D

21.01.2009 10:28:00  
Blogger Darth Puma sagte...

Ich persönlich bin ein Freund klarer Worte.
Mir wäre es lieber, die deutschen Politiker kämen in ihren Reden ohne viel Drumherum schnell und sachlich zum Punkt.

21.01.2009 19:48:00  
Blogger PropheT sagte...

@Darth Puma: Darum distanziere ich hier auch zwischen tatsächlicher Arbeit (worunter reguläre Reden fallen würden) und so Ausnahmefällen wie dem von der Amtsübergabe.

@Maak:
Schlag' die Schlacht,
Leb wie Du willst.
Ich kenn' keine Not
Und keine Angst vor'm Tod.
Schlag' die Schlacht,
Du hast die Wahl,
Ich hab' ein Herz aus Stahl.

21.01.2009 20:34:00  

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