Twatter
Dass sog. "Web 2.0" (ich HASSE diesen Begriff) Services in der Aufmerksamkeit des Hobby-Journalismus stehen ist nicht weiter verwunderlich und nicht weiter bedeutend. Aber wenn schon die FAZ oder CNN (heute im TV gesehen) drüber berichten, dann finde ich das bemerkenswert. Subjekt des Berichtes ist Twitter, das sich nun ja schon seit längerem zunehmender Beliebtheit erfreut. Twittern ist wie Bloggen, nur mit sehr kurzen Texten, dadurch schneller, afaik ohne Bilder und meiner Ansicht nach nichts anderes als ein Instant Messenger ohne feste Gesprächspartner. Dadurch ergibt sich auch schon mein größer Kritikpunkt an der Plattform: Wer im IM mit jemandem schreibt, der kann seinem Gesprächspartner jeden belanglosen Dreck erzählen, man weiß ja, mit wem man da 'spricht'. Bei Twitter wird es aber in die gesamte Welt hinausgepustet. Bedarf es wirklich einer Plattform, in der jeder Hans Wurst seinen langweiligen Alltag mit der Welt teilt? Sind andere Menschen tatsächlich so interessant, dass man quasi live mitverfolgen muss, was sie tun? "Mein Rücken juckt", "Habe Langeweile" und "Stuhl heute hart - muss bequemere Sitze kaufen" halte ich für Dinge, die keiner Publikation bedürfen und selbst wenn dies der Fall wäre sind die getwitterten Texte wohl kaum so ausformuliert, wie es andere Medien erzwingen würden, so dass Twitter auch kaum lyrischen Wert bietet.Das Medium für sich entdeckt haben auch schon Politiker, um möglichst volksnahe und modern zu erscheinen - Obama macht es, wie so oft, vor. Thorsten Schäfer-Gümbel bzw jemand, der sich für ihn ausgab, machte es im hessischen Wahlkampf nach. Wer allerdings scheinbar noch nicht den Weg zu Twitter gefunden hat sind Geschäftsleute, die daraus wirklichen Profit schlagen. Bisher wird mit Twitter kein Geld verdient, was Ansatz der FAZ ist. Die Herrschaften von Spreeblick meinen, eine Antwort gefunden zu haben, nämlich Premium Accounts, die etwa SMS-Support böten. Jedoch finde ich diese Idee zu kurzsichtig. Youtube etwa hat weit mehr User als Twitter, wirft aber nicht ansatzweise so viel Gewinn ab wie Google zum Zeitpunkt ihrer Großinvestition gehofft hatte. Das selbe gilt für 4chan: 5 Millionen Visitors pro Monat, trotzdem ist Moot immer noch pleite. Mögen auch einige Potential in dem Medium Twitter, oder sagen wir lieber, in dem Medium, das Twitter werden könnte, sehen, ich glaube kaum, dass das Modell langfristig wirklich Geld einbringen wird. Was passiert, wenn man viel, VIEL Geld in Dinge investiert, deren Werte großen Schwankungen unterlegen sind und die an sich keinen Sachwert haben, sieht man in den Börsencrashes die schon zwei Mal zu Weltwirtschaftskrisen geführt haben, oder, um ein weniger drastisches Beispiel zu nehmen, zum Platzen der IT-Blase im Jahre 2000. Meinungen zum Thema Twitter?














5 Comments:
Ich sehe es ähnlich wie Du.
Twitter verweigere ich mich. Aber ich bin schon kein Freund von SMS.
Zu dem finde ich, dass die Sprache unter diesen kurzen und oft belanglosen Sätzen leidet. Kein Wunder, wenn heutzutage immer mehr Menschen über einen geringen Wortschatz verfügen.
Ich versuche seit Wochen den Sinn in Twitter zu erkennen.
Twitter - eine Plattform für "Web 2.0" Exhibitionisten?
Twitter - 140 Zeichen Seelenstriptease für die Welt.
Sinnlos aber vielleicht eine Form der Therapie für die Nutzer?
@Puma: SMS tippen bin ich zu faul für, ich ruf kurz an.
@Kekz: Möglich.
Twitter erfüllt in noch idealerer Weise das Bedürfnis der Menschen, Belanglosigkeiten herauszublasen als ein Blog das könnte.
Zwei Dinge beruhigen mich aber immer noch:
1. muss man es ja nicht lesen.
2. wird der größte Teil der Twitterer über kurz oder lang (vermutlich eher über kurz) ohnehin keinen Bock mehr darauf haben, die Welt mit Uninteressantem aus seinem Leben zu versorgen.
Die enorme Zahl von nach 2 - 3 Einträgen verwaisten Blogs spricht da ja eine recht eindeutige Sprache.
Braucht kein Mensch!
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