Waffen und Geld
Die Zahlen, die seit Monaten in den Medien umherfliegen, sind enorm. 102 Milliarden Euro, die die HRE bereits an Hilfen bekommen hat, und trotzdem droht ihnen die Enteignung. 161 Millionen Euro, die an die Manager der AIG als Bonuszahlungen geflossen sind. Und mein Favourit: 1750 Milliarden Dollar, die in der größten Wirtschaft der Welt als Defizit erwartet werden. Einer der Gründe, warum ich die letzte Zahl (Quelle: Tagesschau) so mag ist, weil nicht von 1,75 Billionen die Rede ist, sondern von 1750 Milliarden. XKCD hat es bereit richtig ausgedrückt: Die Zahlen müssten ausgeschrieben werden, damit den Leuten, die jeden Tag in der Zeitung von dreistelligen Millionenbeträgen lesen, wieder ein Gefühl für die Größenordnung dieser Summen vermittelt wird. Also, um mit gutem Vorbild voranzugehen: Das US Defizit soll 1,750,000,000,000 Dollar betragen. Diese Schreibweise finde ich viel würdiger, das Ausmaß des Scheitern der Wirtschaft auszudrücken, als eine 1,75. Wenn es jetzt mit dem Kurs weitergeht, dass die Staaten jeden dämlichen Konzern, der sich nicht mehr selbst tragen kann, retten müssen, dann wird schlichtweg mehr Geld gebraucht. Also wird mehr Geld gedruckt, das Geld verliert an Wert und die Zahlen werden noch höher. In Ungarn gab es bereits eine enorm hohe Inflation, die zwar von 8,8% auf 8,5% zurückging, dennoch ist das Geld bei denen massiv entwertet. Nochmal der Vollständigkeit halber: Das Geld, das sich die Leute in Ungarn ihr Leben lang erarbeitet haben und gespart haben, ist um den genannten Prozentsatz entwertet. Sie haben weniger. In meinem Vokabular ist das Diebstahl. Und zwar, weil sich irgendwelche Hedgefondmanager in New York an der Börse verspekuliert haben. Wie weit sowas gehen kann sehen wir in Afrika, wo in manchen Ländern ein Ei 100 Billiarden derer Währung kostet.Aber zurück zu unseren Freunden in Amiland. Dort muss nun im Budget umdisponiert werden und dafür bietet sich der dank der Bush-Regierung gewaltige Verteidigungs-Etat an. Konkret stehen die F-22 Raptor Kampfjets im Fokus, die pro Stück 351,000,000 Dollar nur für den Bau kosten, dazu kommen natürlich Wartung und Kraftstoff. Und wofür werden die Dinger gebraucht? Falls die Taliban mit ihren fucking Senkrechtstartern aus ihren Höhlen geflogen kommen und den Ungläubigen auch in der Luft den Dschihad erklären? Also bitte! (Obwohl ich mich wundern muss, warum der Osama in seiner Höhle mitten in der Wüste am Arsch der Welt immer einen voll aufgeladenen Camcorder hat.) Der einzige Grund, warum man derartige Flugzeuge bauen lassen will, ist, weil man einen Feind hat, der in etwa gleichwertige Flugzeuge hat. So einen Feind GIBT es aber nicht. Die Angst, etwa vor den Russen, ist ein Anachronismus aus Zeiten des Kalten Krieges. Douglas Macgregor war Colonel bei der US Army, hat an Operation Desert Storm teilgenommen, hat einen Shitload an Verdienstorden bekommen und gilt durch seine Artikel und Bücher als einer der bedeutendsten, erfahrendsten und geschätztesten militärischen Publizisten der Welt, und dieser Mann sagt, dass er "keinen Grund, warum wir nicht exzellente Beziehungen mit Russland haben sollten", sehe.
Saxby Chambliss, Senator aus Georgia, verteidigt den Bau des F-22 damit, dass an ihm sehr viele Jobs hängen, und mit dieser Position ist er bei weitem nicht alleine. Hier mal folgende Überlegung: Das, was ihr baut, wird gebaut, weil die Regierung in Washington ihre Auftragskiller, denn nichts anderes ist das Militär, mit den mächtigsten Waffen der Welt ausstatten will. Ihr habt keine eigenständige Existenzgrundlage. Ihr seid komplett abhängig von dieser Nachfrage. Ihr seid Angestellte. Ihr baut Maschienen, um Menschen zu töten. Noch eine Überlegung: Der Bau dieser Maschienen, die techisch sicher sehr anspruchsvoll sind und entsprechend viel Know-How erfordern, bedarf hochqualifizierter Arbeitskräfte. Diese Ingenieure, Techniker und Elektriker, die an diesen Maschienen arbeiten, müssen ein so hohes Können besitzen, dass ich mir wirklich sehr sicher bin, dass diese Leute eine Bereicherung für jeden anderen Produktionszweig wären, der nachhaltig die Lebensqualität von Menschen erhöht, anstatt sie umzubringen. Das ist die große Aufgabe, der sich Obama entgegenstellen muss: Diese Leute erst sicher in anderen Jobs unterzubringen, um dann diese ganze beschissene Waffenindustrie abzubauen.
Oder, wenn das nicht geht, dann machen es die USA wie immer - sie rüsten erst ein anderes, ärmliches Land mit ihren alten Waffen aus um dann gegen dieses in den Krieg zu ziehen, wie in Nahost geschehen. Verkauft doch den Taliban eure alten Flugzeuge, die werden sich freuen, dann könnt ihr sie mit euren neueren Jets vom Himmel ballern!














2 Comments:
Und wieder mal ein äußerst gelungener und vor allem sehr guter Artikel von Dir!
Dazu gibt es wirklich nicht mehr viel zu sagen. Schöne denkrichtige Kritk.
Da ist es wirklich schade, dass dies in Amerika (und in Europa ebenso) keinen Arsch kratzen wird, geschweige denn etwas ändern wird. Aber was solls, solange es noch Menschen gibt, die nicht mit Scheuklappen in der Welt herumrennen, ist das schon was wert.
schliesse mich okami itto an.
Kommentar veröffentlichen
<< Home