"Mein Gott hat einen Hammer..."
"...deiner ist an ein Kreuz genagelt." Für mein Thema gibt es zwei Anlässe. Der erste ist, dass ich mich demnächst kurzzeitig als Wikinger verkleiden muss, was an dieser Stelle aber nichts zur Sache tut. Der zweite ist das Aufstellen des Maibaumes, das heute Abend bei uns im Dorf stattfindet. Dieses anachronistische Brauchtum, das auf irgendwelche altskandinavisch-germanisch-heidnischen Rituale zurückgeht, die im Angesicht des inzwischen angekommenen Frühlings Fruchtbarkeit symbolisieren sollen, erfährt eine erstaunlich hohe Popularität in unserem Landen, wie mir scheint. Nun ist unsere heutige Gesellschaft vor allem von der christlichen Kultur geprägt, was ja daran lag, dass das Römische Reich, dem auch das heutige Deutschland zugehörig war (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation und so), kurz vor dem Jahre 400 christianisiert wurde. Die spinnen, die Römer. Trotz ihrer Bemühungen, dem Westeuropäischen Provinzen den christlichen Glauben aufzudrücken und alle anderen Religionen in diesem Raum auszuradieren, blieben einige heidnische Relikte. Etwa das Aufstellen eines Maibaumes, oder das populäre Beispiel der Wochentage, wo doch etwa der Freitag nach Freya und der Donnerstag nach Thor benannt ist, was sich mit Friday/Thursday ja auch in die Englische, also wohl wichtigste Sprache der Welt übertragen hat.In der Gegenwart werden altertümliche Bräuche natürlich immer unwesentlicher für den Alltag der Menschen. Dieses ganze heidnische, nordeuropäische Kulturgut verschwindet nach und nach, auch wenn sich diverse Bands wie, um nur eine zu nennen, Falkenbach und Konsorten konstant bemühen, diesen Spirit am Leben zu erhalten. Eines der großen Probleme, dem sich eine verstärkte Betonung dieses Kulturkreises gegenübersieht, ist die starke Belastung, die durch die Nationalsozialisten entstanden ist. Weil Heinrich Himmler so besessen war von seiner Vorstellung einer germanischen Ursprungsrasse und deren Brauchtümern wurden viele Symbole und Begriffe entwendet und mit dem verblendeten Irrsinn dieser Massenmörder dauerhaft beschmutzt. Was schade ist, weil diese Kultur nichts dafür kann, dass sie diverse Jahrhunderte später so missbraucht wurde.
Nun finde ich die Schwebe zwischen den Relikten der heidnischen und der christlichen Kultur ja eher lahm. Allein schon aus dem Grund, dass die Mythologie, die jeweils hinter diesen Religionen steckt, ja gradezu zu einem Vergleich der Coolness zwingt, der so enorm eindeutig ausgeht.
Vergleichen wir doch einmal die jeweiligen Fiktionen - was bietet das Christentum als das Bindeglied zwischen der obersten Gottheit und der Menschenwelt? Jesus Christus. Er konnte auf Wasser laufen. Er konnte Wasser in Wein verwandeln (konnte er also auf Wein laufen?). Er lehrte, dass sich Konflikte durch Passivität (andere Wange) lösen lassen. Er konnte einige Kranke heilen. Er wurde von einem seiner Anhänger hintergangen und hingerichtet. Dann lebte er kurz wieder und war dann wieder tot.
Wen hat dagegen die nordisch-germanische Mythologie? Thor. Er ist der Beschützer der Menschenwelt. Er ist das Sinnbild für Männlichkeit und Stärke. Er benutzt den mächtigsten Hammer Asgards als Waffe, der von Zwergen geschmiedet wurde, der, wenn er geworfen wird, in Thors Hand zurückkommt. Er hat den Donner in seiner Macht. An Ragnarök, dem Tag, an dem die Welt der Götter untergeht, stellt sich Thor der Midgardschlange, einem der mächtigsten Monster aller Zeiten, um die Welt zu beschützen. Er besiegt die gigantische Schlange im Kampf, stirbt aber an ihrem Gift.
Muss ich wirklich noch ausschreiben, wer hier gewinnt? Doch es ist nicht nur das - das Christentum hat zwar, wie auch dieser nordische Glaube, einige coole Monster: konkret Behemoth, Leviathan und Ziz, aber es tut kaum etwas mit diesen Figuren. Wozu gute Charaktere einführen, wenn man nichts mit ihnen macht? Während der heidnische Glaube noch was mit der Midgardschlange und dem Fenriz-Wolf tut, wird von den drei christlichen Ungeheuern nur gesagt, dass sie irgendwann von Gott erschaffen wurden und, dass er sie an "Harmagedon" vernichten wird, einfach so, mit einem (!) Schwertschlag. Irgendwie...ein wenig lasch und ohne jeglichen Spannungsbogen. Anderes Beispiel: Frauen. In der heidnischen Mythologie gibt es, wie auch zum Beispiel in der griechischen, weibliche Götter, die auch mehr können als nur dekorativ auf einer Wolke zu stehen - Freya ist die Anführerin der Walküren und ihr stehen die Hälfte der Geister der im Kampf gefallenen Krieger zu, die andere Hälfte geht an Odin. Gleichberechtigung gibt es deshalb natürlich insgesamt nicht, aber es ist Frauen gegenüber verhältnismäßig fair. Dagegen das Christentum: Es gibt einen Gott. Und das ist ein Kerl. Und Frauen sind schmutzig, sobald sie nicht mehr jungfräulich sind. Ende!
Ich könnte jetzt noch ewig so weitermachen, wie cool die nordische Mythologie ist und wie scheisse langweilig die christliche Mythologie ist, wie blöd doch das Christentum mit seinen faschistoiden Grundzügen ist und wie die heidnischen Glauben viel stärker das Individuum betonen. Aber ich glaube, ihr kapiert auch so, was ich meine.
Kurzum: Dieser ganze nordeuropäische Glaube ist mir wesentlich sympatischer als das Christentum, das die Römer nach Mitteleuropa verschleppt haben und das sich bis heute mit dem Bisschen heidnischen Brauchtums zu dem verschwommenen Hintergrund vermischt, vor dem heute unsere gegenwärtige Gesellschaft aufgeplustert thront. Manchmal kann man noch einige der paganen Silhuetten erkennen, die im Dunst hinter unserer aktuellen Kultur wabern, doch es sind nur die Schatten dessen, was eigentlich so dermaßen abgefuckt cool ist.














3 Comments:
Der zunehmende Einfluss des Christentums im Römischen Reich koinzidiert nicht rein zufällig mit den Anfängen dessen Unterganges...
Mein Gott hat eine Altbierbrauerei. :)
Hab's kapiert.
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