Von prophet am Donnerstag, Mai 21, 2009 um 21:59

Die Flut

"Ich schreibe das hier mit letzter Kraft - als es anfing zu regnen, dachte sich noch niemand etwas dabei. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir begriffen, dass es nicht mehr aufhören würde. Als ich bei meiner Oma nach dem Rechten schaute und triefend das Haus betrat, wobei ich die halbe Waschküche flutete, fragte sie mich noch: "Regnt dat butn?". Die Wetterdienste erfuhren die größte Aufmerksamkeit aller Zeiten, doch sie konnten nie Neues verkünden. Die Kirche fing an, von einer neuen Sintflut zu reden, einer Strafe Gottes, um die Sünder büßen zu lassen. Wenn wir alle genug beteten, würde es schon aufhören, sagten sie. Viele fielen darauf herein.
Es hörte nicht auf, Gebete hin oder her. Die Überschwemmungen waren enorm. Und dann, von einem Tag auf den anderen, hörte es auf. Kein Regen mehr. Nichts. Die meisten Städte waren überflutet, von vielen ländlichen Gegenden hatte man seit Wochen nichts gehört. Aber es hatte plötzlich aufgehört, einfach so, und die Wetterdienste hatten keinen blassen Schimmer. Wir schwelgten trotz aller Verluste im Jubel darüber, dass es zu Ende war. Dann kamen die Flutwellen. Irgendwer sagte was von Seebeben, ich weiß nicht. Die Wellen waren gigantisch, höher als alles, was Menschen je erbaut hatten. Sie spülten die Städte hinfort wie Spielzeug. Die größte Zerstörung aller Zeiten, die uns das Genick brechen sollte. Die Wellen hielten nicht lange an, doch sie richteten unvorstellbaren Schaden an. Als es dann auch mit denen endlich vorbei war, waren Milliarden über Milliarden gestorben. Die Armen in den Dritte-Welt Ländern zuerst. Dann wir. Einige hatten sich rechtzeitig auf Schiffe begeben und genug Vorräte mitgenommen. Genug für ein paar Wochen. Es verging jedoch Monat um Monat, und ihnen ging das Essen und das Trinkwasser aus. Niemand wusste, wo es noch fruchtbaren Boden gab. Alle Ernten der Welt waren fortgespült. Aller Ackerboden war entweder noch unter Wasser oder von dem, was die Wellen mit sich gerissen hatten verseucht. Aller Schmutz der Städte war von dem Wasser aufgesammelt worden und über das gesamte Land verteilt worden. Krankheiten grassierten, und dann begannen wir uns gegenseitig zu bekämpfen, jeder versuchte, für sich oder seine Gruppe das zu erkämpfen, was er kriegen konnte, Essen, Trinken, Kleidung. Doch d r Umstieg auf das Leben auf dem Wasser kam zu rapide. Es gab keine Versorgung mehr. Nichts. Fisch vielleicht, ber der hilft auch nicht weiter, wenn Skorbut der eigenen Familie den K pf abfault.
Ich weiß nicht mehr, wie lange genau es her ist. Kalender haben j de Relevanz verl ren. Mir geht die T nte aus, um zu s hreibe . Wer a c immer das hier fin et, wann auch i er, er soll das W ssen um den Un erga d r Mens hen bewah ", stand auf dem zerknitterten Zettel, den 'K'thclph, Sohn von Byd, in der Tentakel hielt. Er las ihn desinteressiert, knüllte ihn zusammen und warf ihn über eine seiner zahlreichen Schultern. Mit platschenden Schritten wanderte er weiter durch die Schiffe, die an der Küste vor unzähligen Jahren aufgelaufen waren, auf der Suche nach der Pornographie, die die Zivilisation dieses Planeten hinterlassen haben müsste. 'K'thclph hatte gehört, die Bewohner dieses Planeten hätten außergewöhnlich viel davon produziert, und solche exotischen Absonderlichkeiten verkauften sich besonders gut an die Leute, denen er alten Schrott verschiedendster Planeten zu Wucherpreisen andrehte. Sammler halt.

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