Von prophet am Sonntag, Mai 31, 2009 um 22:24

Er ist ganz lieb...

Der WDR irritiert mich. Einerseits hat dieser Sender Programme wie den WDR Rockpalast, der u.a. schonmal ein Konzert von Baroness (siehe letzter Post) übertrug. Andererseits gibt es dann so Sendungen wie "Tiere suchen ein Zuhause", ein bekanntes Format, bei dem eine Frau leicht gehobeneren Alters ein Tierheim nach dem anderen abklappert und mit dem lokalen Pflegepersonal spricht. Leider gibt es jemandem in meinem Haushalt, der sich diese unfassbare Scheisse anguckt. Stupides Fernsehen, das an Blödheit nur schwer zu übertreffen ist, läuft es doch immer wieder auf dasselbe hinaus. Hunde, die irgendwo auf Mallorca aufgegabelt und nach Deutschland gebracht wurden werden vor die Kamera gestellt, wo sie dann einfach warten und am besten noch mit Knopfaugen in die Kamera gucken müssen. Und die Zeilen des Pflegepersonals und der Moderatorin sind scheinbar immer identisch.

"So, das war Lotte, die kecke Wieseldame", sagt die Moderatorin dann und tastet sich vorsichtig über die tiefen, blutenden Kratzer im Gesicht. "Kommen wir nun wieder zu den Hunden. Und wen haben wir denn da als nä- JA DU BIST JA EIN HÜBSCHER, JA FEIN BIST DU, JA BIST DU EIN LIE-", beginnt sie in diese Unart zu verfallen, mit Tieren A) überhaupt zu reden, die verstehen dich nicht B) wie mit einem gefühlsmäßig sehr labilem, behindertem Kind zu reden. Hört! Auf! Damit! Dann wird sie in ihrem Gequietsche aber unterbrochen, weil der Pitbull, der ihr da gegenübersitzt, anfängt, die Zähne zu fletschen und sie anzuknurren. "Ja, das ist der Wotan, er ist ein Bullterrier", sagt die urwüchsige Pflegerin mit dem starken Akzent dann immer, "das ist ein ganz Lieber. Jahh, ru-hig, Wotan. Den Wotan haben wir aus einer Familie geholt, da ging es ihm gar nicht gut." "Oh." "Ja weil der Wotan war da den ganzen Tag an der Kette, die ihm den Hals abgeschnürt hat und er wurde immer wieder getreten. Seine Eigentümer haben ihn praktisch nur benutzt, um ihn auf Kampf abzurichten. Ja, sssccchhht, ist ja gut du!" "Na, da hat aber einer Energie", sagt die Moderatorin dann sichtlich unbehaglich und betont es so, als wäre es lustig, was sie da gesagt hat. "Oh ja, er hat sehr viel Energie, was dann aber auch schonmal in Aggressionen umschlagen kann, dabei ist er aber ein ganz ganz erm, ganz Lieber. Der Wotan kann leider nur noch auf einem Auge sehen und humpelt ein wenig, äh, aber das tut seiner Lebensfreude keinen Abbruch.", sagt die Pflegerin, was im Gebell des vor Hass schäumenden Wotan dann aber untergeht. "Wie steht es denn um die Familieneignung von Wotan?", stellt die Moderatorin dann ihre auswendig gelernten Fragen. "Naja also der Wotan kommt eigentlich mit allen gut zurecht. Nur....er mag keine Kinder. Also sobald er einen Menschen unter anderthalb Metern Körpergröße sieht, da verbeißt er sich sofort. Wir hatten einmal einen Praktikanten, der war kleinwüchsig, und ähm............", sagt die Pflegerin und ihr Blick wird leer.
"Nun äh", versucht die Moderatorin die Szene zu retten, "dafür versteht sich der Wotan dann aber gut mit anderen Tieren, nicht wahr?". "....was? Oh erm, naja also nein, also der Wotan mag generell also schonmal keine anderen Tiere, vor allem Katzen greift er praktisch sofort an, genauso wie andere Hunde, äh Vögel, Pferde, Kühe, Kamele, Tapire, Giraffen, vor allem Pudel sind für ihn ein rotes Tuch, dann äh Reptilien wird er auch sofort aggressiv, äh ja." "Also keine Kinder und keine anderen Tiere." "Oh, und auch erwachsene Menschen verträgt er nicht besonders gut, da beißt er schonmal gerne zu. Und laute Geräusche kann er auch nicht ab, wenn ein Auto vorbeifährt, dann versucht er, es zur Strecke zu bringen. Dafür kann der Wotan sehr laut bellen", was der Zuschauer gemerkt hat, weil Wotan schon die ganze Zeit über bellt und knurrt und tobt. "Der Wotan ist also mehr etwas für erfahrenere Hundehalter, die auch mit seinem Jähzorn umgehen können. Dann äh, er frisst recht viel und braucht SEHR viel Platz, wobei er sich aber nur bewegt, um anzugreifen. Und er ist sehr jähzornig."
Der Moderatorin fällt nicht mehr viel ein, sie guckt immer wieder besorgt in Richtung des schmalen Pfahles, an den Wotan angebunden ist. Er hat sie bisher ohne ein Blinzeln angestarrt. "Gibt es denn noch weitere Kosten, auf die sich erfahrenere Hundefreunde beim Wotan einstellen müssen?" "Ja ähm, also der Wotan ist außerdem stark methadonabhängig und muss mindestens viermal am Tag eine Spritze kriegen, und er hasst Spritzen. Aber er liebt Methadon. Und Beißen. Aber er ist ein ganz Lieber, nichtwahr? A-haha!" "A-haha! Erm, ja, gut, der Wotan." Langsam steht die Moderatorin auf und geht rückwärts von Wotan weg, dem der Schaum vorm Mund steht.

Und so geht es mit jedem Tier. Das Frettchen hat die Beulenpest, die Katze zerfetzt alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist, der Hund beißt am liebsten in kleine Kinder hinein. Aber das ist egal. Denn das sind alles eigentlich ganz, ganz liebe Tiere. In jeder. Einzelnen. Sendung.

2 Comments:

Blogger Mary Malloy sagte...

Hihihi, böse! Hihihi, guuut! :p

01.06.2009 12:48:00  
Blogger Darth Puma sagte...

Meine Mutter sieht sich die Sendung auch immer an. Stimmt schon, dass dort überwiegend "Problemfälle" vorgestellt werden. Ich würde solche Tiere nicht nehmen. Ich finde es aber gut, wenn sich Menschen solcher Viecher annehmen oder es zumindest versuchen.

02.06.2009 12:44:00  

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