Statische Spannungen
Sludge. Sludge ist eine sehr unterschiedlich ausfallende Mischung aus Hardcore und Doom Metal (der klassische Heavy Metal in langsamer, schwerer, basslastiger, düsterer, als Begründer dieser Musikrichtung gelten die ollen Black Sabbath). Unter dieses Genre fallen zB die Melvins (deren Genrezuordnung mir unmöglich erscheint), dann die frühen Mastodon (leider nicht mehr), The Ocean, Lair of the Minotaur, aber auch Bands mit Post-Rock Anleihen wie Neurosis, ISIS, Cult of Luna oder Baroness. Letztere gründeten sich auf einem Konzert von Kylesa, um die es mir geht, deren Klang mehr in Richtung Hardcore als Doom einzuordnen ist. Die Kapelle besteht wohlgemerkt aus fünf Leuten: Zweimal Gitarre und einmal Bass, und alle drei steuern Gesang bei, daneben gibt es zwei Schlagzeuger, was man dem Sound der Band leider kaum anmerkt. Nachdem ich ewig brauchte, bis mir das letzten Endes doch tatsächlich gute "Time Will Fuse Its Worth" mit dem unfassbar genialen "Where the Horizon Unfolds" von 2006 gefiel, entschied ich mich, dem 2009er Album "Static Tensions" eine Chance zu geben, obwohl ich irgendwo im Intrawebz ein Review zu dieser CD überflogen hatte, das mit schwachen 6/10 endete.Dennoch wurde Static Tensions angeschafft, am Stück durchgehört und - nanu - das ist ja unfassbar gut! Welcher geschmacklose Vollidiot hat dieses Review geschrieben? Wie dem auch sei, das Album steigt mit Getrommel ein, das unvermittelt in die sägenden Riffs des Openers "Scapegoat" übergeht, der in meinen Augen der beste Song des Albums ist. Das gehobene Tempo, das Riffing, das peitschende Getrommel dahinter und der schon mitgröhlbare Refrain ("Dig Them Up! Dig Them Up! Or let the pendulum swing!") fügen sich organisch ineinander. Großes Kino. Es gibt auf dem gesamten Album keinerlei Totalausfälle - das schwere "Said and Done", das ultramelodische "Only One", dessen Gitarre wie schon im dramatischen "Running Red" frappierend nach Baroness klingt, das vor allem gegen Ende unfassbar treibende "Perception", das beschwörend-düstere "Unknown Awareness", der lässige Schlusssong "To Walk Alone" - alle Songs haben ihre ganz eigenen Qualitäten, sind zwar vielfältig, aber passen zueinander. Kritik üben kann man vielleicht am Schlagzeugeinsatz - der ist zwar auf gar keinen Fall schlecht, aber das volle Potential von zwei Schlagzeugern wird bei Weitem nicht ausgeschöpft - und dem Gesang von Gitarristin Laura, der zwar eine gewisse Variabilität ermöglicht, aber eher nervig ist.
Alles in allem ist "Static Tensions" zusammen mit "Wavering Radiant" das Beste, das ich dieses Jahr gehört habe und Sludge das Genre, das ganz alleine den Metal am Leben erhalten, ach was sag ich, zum Erblühen bringen kann. Ganz großes Kino also für alle, die ohne Scheuklappen durch ihr musikalisches Leben gehen und nicht drauf bestehen, dass Metal im weitesten Sinne Schwerter, Drachen, Ficken und "MEEETAAAAL IS FOREEEVEEER"-Gekreische beinhalten muss.














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