Von prophet am Mittwoch, Juni 24, 2009 um 17:59

Der Heitz und die Albae

Der letzte Heitz war schon eine Weile her - jetzt schickte sich mit "Die Legenden der Albae – Gerechter Zorn" (der Untertitel verrät es, es wird fortgesetzt werden) das neueste Werk des vielleicht besten deutschen Fantasy-Autors an, dessen Ruf zu verteidigen.
Worum geht es? Die Handlung setzt etwa ein Jahr vor den Geschehnissen von "Die Zwerge" ein und endet zeitgleich mit dem Beginn desselbigen. In dem Land jenseits des Steinernen Torwegs, der zu Beginn von "Die Zwerge" fällt, werden die beiden Albae Sinthoras und Caphalor von den Unauslöschlichen, den Herrschern über Dsôn Faïmon, das Albenreich, mit einer Mission betreut - sie sollen zusammen mit einem Dämon in Verhandlung treten, der dem Albenheer mächtige Unterstützung im Ansturm auf den Steinernen Torweg gewähren soll. Doch bereits die Reise zum Dämon gestaltet sich als schwierig - einerseits, weil der Weg dorthin durch das Reich der giftmischenden Gnome, genannt Fflecx (nix mit der Säge zu tun) und der brutalen Barbaren führt, andererseits, und das ist der Fokus des Buches, weil Sinthoras und Caphalor enorm unterschiedliche Ansichten haben und sich gegenseitig so gar nicht leiden können. So geraten die beiden schon vor ihrer Abreise aneinander, müssen sich aber zusammenreißen, weil sie ihren Auftrag erfüllen müssen, was sie aber nicht davon abhält, stets den anderen ausstechen zu wollen. Soviel zur Handlung.
Denn damit kommen wir auch schon zu meinem Hauptkritikpunkt: Die Charaktere sind so schwach geschrieben. Sinthoras und Caphalor hat man bereits nach wenigen Seiten durchschaut, der eine ist der Schmock, der sich nur um seinen gesellschaftlichen Aufstieg kümmert, das Reich vergrößert wissen will, eingebildet ist und zunächst Antipathien sammelt, der andere ist der bodenständige Typ mit den echten Freunden, der Familie und dem Gehöft, der das Reich vorerst nur verteidigen will. Fertig. Später in der Handlung erfahren beide noch starke persönliche Einschnitte, die jedoch sehr abrupt kommen und in, für meinen Geschmack, zu kurzen Zeiträumen zu starke Persönlichkeitsänderungen bewirken, so dass am Ende beide kaum noch Unterschiede vorweisen und noch flacher werden. Ich weiß nicht. Irgendwie hat man die beiden Charaktere schnell durchblickt und somit sind sie für sich genommen nicht wirklich interessant. Schade. Ebenso gibt es eine dritte Hauptfigur, eine menschliche Sklavin, die aus freien Stücken zu den Albae ging, weil sie zu sehr in ihrem Bann stand, in deren Kopf nach und nach immer mehr Zweifel aufkeimen, jedoch bleibt auch diese Person leider zweidimensional und kann den Leser nicht wirklich an sich binden. Ja, ich glaube, das ist es. Es fehlt die persönliche Verbindung zu den Figuren dieses Buches. Wer damals die Zwerge gelesen hat, weiß, wie sehr man sich für Tungdil und vor allem den guten Ingrimmsch begeistern konnte, wie nahe einem diese Figuren am Ende des Buches standen. Aber so eine Figur fehlt in diesem Buch. Da kann Calphalor am Anfang NOCH so anständig (für die Verhältnisse seines Volkes) daherkommen, es wirkt einfach zu sehr gewollt. Man merkt sofort, dass der Herr Heitz mit Gewalt versucht, diese Figur als die zu verkaufen, die man mögen soll. Weil er doch verhältnismäßig nett ist. Aber irgendwie funktioniert es nicht. Was ich auch bemängeln muss, sind einige einfach unnötige Szenen, die genau den Fehler machen, den Amateur-Filme ständig begehen: Lauf-/Reiseszenen, Caphalor, wie er durch die Landschaft reitet und seinen Gedanken nachhängt. Schlichtweg unnötig.
Ansonsten gibt es in dem Buch schon einige interessante Figuren, allen voran der Galran Zhadar, über den ich hier aber nicht mehr verrate. Verdacht: (Das ist glaub ich der Typ, unter dessen Obhut Tungdil stand, als er im Schlund war, dieser mächtige Kerl, den er Vraccas nannte!) [Text markieren um ihn zu lesen]. Auch ist es nett, über die Hauptstadt der Albae zu lesen, mit ihren morbiden Kunstwerken und der düsteren Architektur. Hat was. Gemetzel gibt es in diesem Buch in dem üblichen Maße, es gibt genug "Action", auch wenn es eher wenige wirklich interessante Gefechte sind.
Unterm Strich ist "Gerechter Zorn" also bei weitem nicht die Jessia Albae (HURR) der Fantasybücher, aber sicher kein Albae-Traum (Double-HURR!), auch wenn das halbae (Multi-HURR!) Buch es auch getan hätte. Man verzeihe das albaerne (Mega-HURR!) Wortspiel. Man reiche mir meine Salbae (Ultra-HURR!)! Von Dove, die mit der Schwalbae (MoMoMoMoMonster-HURR!)! 'schuldigung.

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