Transmetropolitan 1/2
Die ferne Zukunft: Spider Jerusalem, einst einer der bedeutendsten Journalisten der "City" (es wird nie ein Name genannt, erinnert aber an New York), lebt seit fünf Jahren zurückgezogen in seiner schrottigen Hütte irgendwo in den Bergen. Er floh vor den Fans und der Stadt, weil ihn beides nur noch krank gemacht hat. Nach diesen fünf Jahren klingelt sein Telefon - sein Publisher zwingt ihn per Vertrag zu zwei weiteren Büchern. Spider kehrt also zurück in den Sumpf, vor dem er geflohen ist. Die Handlung der Comicserie "Transmetropolitan", die von 1997 bis 2002 erschien, setzt beim Anruf des Verlegers ein und folgt Spider, wie er wieder als Journalist Fuß fasst. In dem dystopischen Szenario in dem gigantischen Haufen Dreck, der die namenlose Stadt ist, versucht Spider, seine Art von Journalismus zu beleben: Die Wahrheit, die gnadenlose Wahrheit, auch wenn sie noch so wehtut und noch so vielen Authoritäten und Behörden vor den Kopf stößt. Dabei ist er selbst nicht im Geringsten besser als der Abschaum, über den er berichtet und oft muss der Leser selbst entscheiden, ob der freischaffende Journalist noch zu den Guten gezählt werden kann. Es gibt einen übergeordneten Handlungsbogen, unterteilt in mehrere zusammenhängende Ausgaben, die dann jeweils eine große Story darstellen - der zweite große Handlungsblock etwa beschäftigt sich mit dem Wahlkampf um den Posten des Präsidenten der USA und wie Spider sich nach langem Zögern doch noch hineinziehen lässt.Es sind zwei Dinge, die diese Comic Reihe von 60 Ausgaben, von denen ich aktuell die Hälfte durch habe, so großartig machen - erstens die Hauptfigur. Spiders Motive in allen Ehren, aber seine Methoden sind unter aller Sau. Auch wenn sie ihren Zweck erfüllen. Dabei bewegt sich Spider von Höhe zu Tiefe, von Arroganz zu Selbsthass, von Denker zu Schläger, vom Verfechter der Wahrheit um jeden Preis zum schmutzigen Betrüger, vom ausgeglichenen Typen zum aggressiven Junkie. Er ist ein Arschloch, aber man versteht, wieso er es ist. Ein praktisches Beispiel: Auf der Straße steht ein Vater mit seinem Sohn, Papa singt ein Lied darüber, dass Jesus Liebe bedeutet und so weiter (Religion ist eine der großen Zielscheiben in diesem Comic), der Junge hält die Hand auf. Spider bleibt stehen, tritt dem singenden Vater volle Kanne in die Eier und drückt dem Jungen dann Geld in die Hand. Zweitens das Szenario. Die gigantische Stadt mit ihrer futuristischen Technologie und ihrem Kultur-Liberalismus, die sowohl schön als auch gnadenlos hässlich sein kann. Wobei "hässlich" weit häufiger der Fall ist. Der Dreck, in dem der "new scum" erstickt. Der schwarze Humor, den diese Serie daraus zieht. Das Katalysieren der heutigen Probleme auf ein ganz neues Ausmaß. Ein ebenso abstoßendes wie auf morbide Art und Weise faszinierendes Szenario.
Ich bin ja an sich nicht so der Leser von Comics. Richtigen, nicht diese Webcomics. Ich kenne auch niemanden persönlich, der je diese Art von Comics gelesen hätte. Aber wenn man dann doch so etwas wie Transmetropolitan für sich entdeckt, dann fängt man an, sich enorm dafür zu begeistern und ich bin schon heiß auf die anderen 30 Issues.














2 Comments:
Wo bekommt man die Ausgaben gebuendelt her?
http://en.wikipedia.org/wiki/Transmetropolitan#Collections
da stehen die ISBN-Nummern
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