Von Balthazzar am Donnerstag, Juli 23, 2009 um 20:17

Profits of Doom

Ich lege es wirklich nicht darauf an, mich mit dutzenden von Leuten zu umgeben, die täglich vom Untergang unserer Welt predigen. Vielleicht liegt es an meinem Gesicht, vielleicht wirke ich so naiv auf Andere im Allgemeinen, dass mich jeder darüber aufklären möchte, wie schlecht es uns doch geht. Letzten Endes vertrauen sich mir viele Leute an, egal welcher Stimmung sie gerade nachjagen.

Wahrscheinlich sind die Untergangs-Propheten gar nicht mal in der Überzahl, aber ich erinnere mich von allen Gruppen mit am liebsten an sie, da sie meiner Meinung nach zu den interessanteren Individuen gehören. Werft doch mal zum Beispiel einen Blick auf den hiesigen Propheten (obacht, dünnes Eis ...).
PropheT steht für die harte Realität, die einem förmlich ins Gesicht springt und die ich trotzdem übersehe. Sei es nun die weltgrößte private Söldnerorganisation, die mittlerweile in der Lage ist, sich Hochgeschwindigkeitsjets mit Langstreckenraketen für GELD zu kaufen, sei es einfach eine der unzähligen Verbrechen von Politikern egal welcher Nationalität, er sieht soviel mehr als ich.

Ein anderer Prophet in meinem Umfeld ist mein Vermieter, seines Zeichens ein Teil unserer immer kleiner werdenden geistigen Elite. Er hat mehrfach studiert, ist aktuell erneut bei einem Fernstudium neben der Arbeit und allgemein immer auf der Höhe, was unsere demographische und wirtschaftliche Entwicklung angeht. Seine Quelle ist das statistische Bundesamt und er tischt mir die Wahrheiten auf, die nicht sofort ersichtlich sind. Er weiß von der Kalten Progression, von den Problemen unserer Wirtschaft und den Zusammenhängen, die dahinter stehen und warum unsere Rente auf lange Sicht hin kollabieren wird.

Beide haben eines gemeinsam: Sie informieren sich, was im Zuge des Vormarschs des Internets fast schon lächerlich einfach ist, möchte man meinen. Warum informiere ich mich also nicht einfach selbst? Warum weiß PropheT so viel mehr über Politik und das allgemeine Geschehen als ich?
Bin ich in Wahrheit wirklich nur ein simpler Geist? Ich denke nicht, ansonsten würden mich die Gedanken der Propheten nicht so sehr interessieren, dass ich ihnen jedes Mal aufs Neue gespannt zuhöre.

Grenzt mich meine Arbeit als Praktikant so sehr ein, dass ich nichts mehr wahrnehmen kann? Das kann trotz meiner Überstunden auch nicht sein, da ich in meiner Redaktion vor meinem Rechner eigentlich direkt am Nerv der Ereignisse sitze. Rein Theoretisch sind die aktuellsten Neuigkeiten nur einen Klick entfernt ...

Letzten Endes genüge ich mir selbst. Hier ein bisschen Musik hören und Gitarre spielen, dort ein bisschen Videospiele und Bücher konsumieren, schließlich noch die Freundin am anderen Ende von Deutschland anrufen - eigentlich bin ich voll ausgelastet und glücklich dabei.
Sollte mich das traurig stimmen? Bin ich verpflichtet, über alle Krisen Bescheid zu wissen?

Am wichtigsten noch: Macht mich das zu einem besseren Menschen? Der Vermieter legt beim Kopfrechnen ungefähr mein dreifaches Tempo vor und kennt sich bestens mit dem deutschen Bürokratiemonster aus und trotzdem übersieht der Intellektuelle, dass seine Freundin insgeheim in ihre Heimat zurückkehren will.

Natürlich sollte man seine Augen nicht absichtlich verschließen, wenn man nicht blindlings in den nächstbesten Abgrund stürzen will. Aber was bringt es einem wirklich, sich tagein, tagaus mit dem zu beschäftigen, was unsere Welt systematisch zerstört? Verfängt man sich nicht in einer Spirale aus recherchieren, sich ärgern und schließlich immer verbitterter werden?

Nachvollziehen kann ich es nicht, dafür ticke ich einfach zu andersartig, es beeindruckt mich aber jedes Mal wieder aufs Neue.

4 Comments:

Blogger PropheT sagte...

Ich sehe auch nicht viel mehr als du, ich lese nur an den richtigen Stellen und höre den richtigen Leuten zu, zum Beispiel Spiegelfechter oder Georg Schramm, denn das sind die Leute, die sich wirklich ihre Informationen von den ursprünglichen Quellen (statistisches Bundesamt, du sagst es selbst) holen. Anstatt meine Meinung auf deren Bewertungen und Schlüssen aufzubauen, sollte ich lieber deren Quellen selbst lesen und dann für mich bewerten. Insofern bin ich da überhaupt nicht over-the-top.

Ich kann aber auch verstehen, dass man keinen Bock hat, sich zu informieren, weil vieles davon sich ständig im Kreis dreht und doch nur darauf hinausläuft, dass man von Politik und Wirtschaft von vorne bis hinten ausgebeutet wird. Es ist monoton. Aber ich besitze die Eigenschaft, mich immer wieder neu drüber ärgern zu können. "Volkszorn" ist das Stichwort.
Vielleicht ist es auch nur eine Phase und in zwei Jahren hab ich völlig resigniert, bin vollends verbittert, wie du sagst, und nehme nur noch hin, wie diese Faschistenschweine von Schwarz Gelb uns bluten lassen werden.

Ein simpler Geister oder schlechter Mensch bist du deswegen sicher nicht.

24.07.2009 13:39:00  
Blogger Maak sagte...

what the...?!?

wie lang hab ich denn nix mehr vom balthazzar gelesen... wenn überhaupt schon mal?

24.07.2009 13:44:00  
Blogger Okami Itto sagte...

Japp, balthazzar, das frage ich mich auch sehr häufig, denn ich gewinne ebenso den Eindruck, nicht nur durch PropheT, dass ich in derlei Dingen absolut unwissend bin. Deswegen kann ich Deinen Beitrag absolut nachvollziehen und Du hast wunderbar das Problem ausgedrückt, welches ich auch immer wieder am eigenen Leib erfahre, wenn es um Politik geht - man kommt sich wie ein Idiot vor (zumindest ich...).

Doch ich denke PropheT hat ganz Recht, wenn er sagt, dass das Interesse eben durch diesen ewigen Kreislauf schwindet, der nun mal klar vor unseren Augen in der ewigen Acht rotiert. Und das nicht erst seit der Neuzeit! So ereignet es sich seit der Mensch sich angefangen hat zu organisieren!
Neu ist nichts daran, es wiederholt sich immer und immer. Daran wird sich garantiert auch in Zukunft nichts ändern.

Es ist ein Trauerspiel. Aber gerade deswegen finde ich Deine Einstellung auch nicht verkehrt, dass Du trotzdem Dein Leben lebst. Denn, wie PropheT es bereits bemerkt hat: eigentlich ist dieser Kreislauf nahezu jedem bewusst. Wie wir damit umgehen steht halt auf einem anderen Blatt.

24.07.2009 22:58:00  
Blogger Balthazzar sagte...

Das einzige, was schade daran ist, ist dass sich deshalb wohl auch in Zukunft nichts dran ändern wird.

Ich bin gerade erst 20 und mich kümmert das politische Geschehen nicht mehr wirklich, eben weil ich denke, dass man nichts ändern kann.

Wer sitzt denn bei uns in Deutshcland an der Macht? Keiner, mit dem ich mich im Entferntsten indentifizieren kann!

Und so geht es den meisten in meinem Alter, bis wir selbst alt und verbittert sind. Aber hey, dann sind wir wenigstens bereit, selbst Politik zu machen :-)

26.07.2009 17:46:00  

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