Heißer Flüssigfussball
Ich würde gerne das Lustigste des gestrigen Tages erzählen, aber dazu muss ich ein wenig ausholen.Ich und Fußball, das ist ne lange Geschichte. Angefangen hat es alles in meiner frühesten Kindheit (Komma Herr Doktor). Ich erinnere mich noch an einen Tag, da saß ich bei Oma am Küchentisch und vor mir lag irgendeine Zeitung oder Zeitschrift, die zum Auftakt der Bundesliga-Saison damals eine große Aufstellung der Mannschaften im Vergleich abgedruckt hatte und ich, für den Fußball damals etwas anonymes war, was man alleine im Hinterhof mit einem Gummiball tat, blätterte nun diese Seiten durch und glotzte die Spielerphotos an. Ich war fest entschlossen: eines der Teams musste mir doch gefallen. Also entschied ich nach dem einzig entscheidenden Kriterium: Wessen Spieler mir am sympatischsten erschienen. Man verzeihe mir, ich war SEHR jung. So kam ich nach wenigen Minuten zu dem Schluss, dass es Borussia Dortmund sein soll, mit Spielern wie Thomas Helmer und Jürgen Kohler und der Stefan Reuter, und Andi Möller, und der Dings. Und der Junge und der mit der Hakennase. Und wie sie alle hießen.
Einige Jahre darauf. Fußball WM 1998 in Frankreich, ich schreie den Fernseher an, weil Christian Wörns von meinem BVB im Viertelfinale sonen Kroaten umgrätscht und dafür die Rote Karte gezeigt bekommt. Die 10 deutschen Spieler fliegen hochkant mit 0:3 vom Platz und aus dem Turnier. Was hab ich mich aufgeregt.
Springen wir ein Jahre vor. Fußball war was tolles. Ich war seit einer Weile im Fußballverein des Dorfes aktiv, wohl mit Abstand der Schlechteste in der Jugend-Mannschaft und deshalb immer nur Auswechselspieler. Zu Hause an der Wand hing die Bundesliga-Stecktabelle vom Kicker oder wem auch immer. Der Gruppenzwang hatte mir inzwischen den HSV und die grässlichen Bayern, die immer nur gewonnen haben, nähergebracht und so war ich zutiefst erschüttert, als die Klassenfahrt in der Fünften genau auf das Champions League Endspiel 1999, Bayern gegen ManU fiel. Schweinerei. Ich ließ das Spiel auf Video für mich und meinen damaligen besten Freund aufnehmen und guckte es mit ihm, als wir wieder zu Hause waren. Die niederschmetternde Niederlage der Bayern hatte man uns schon vorher einfühlsam beigebracht („Die hamm verlorn“). Wir waren am Boden.
Wir springen wieder ein wenig weiter. Aus dem Verein war ich ausgetreten. Ich hatte keinen Spaß mehr am Spielen, nur noch Frust. In den Jahren des Spielens hatte ich insgesamt EIN Tor geschossen. Über Bundesliga informierte ich mich nur noch grob, ab und zu guckte ich ein Länderspiel, aber das regelmäßige Zugucken, wie drei Abwehrspieler ideenlos den Ball hin- und herschieben, das musste nicht mehr sein.
Begeben wir uns nun in die jüngste Vergangenheit. Ich habe seit JAHREN kein Interesse mehr an Fußball. Null. So gar nicht. Geht mir komplett am Arsch vorbei. Die Schrottmannschaft, die Oliver Pocher gegen die Bayern führte (0:13) fand ich jedoch lustig, daher guckte ich mir dieses Spiel an. Dann, ein ganzes Stück später, guckte ich das Eröffnungsspiel der Bundesliga, Wolfsburg gegen Stuttgart, die letzten beiden Meister-Mannschaften. Und gestern dann schaute ich mir die zweite Halbzeit von Deutschland gegen Aserbaidschan und das volle Spiel Holland gegen England an. Es ist jetzt nicht so, als würde ich gezielt nach Spielen suchen und die dann gucken, aber es ist eine echte Alternative zu dem Scheiss, der sonst im Fernsehen läuft, wenn ich des PCs überdrüssig bin, was entsetzlich oft der Fall ist in den letzten Tagen. Ich war überrascht, wie gut ich durch die Spiele unterhalten wurde.
Kommen wir nun zum Anfang des Textes zurück. Ich guckte also zu, wie die deutsche Nationalmannschaft die Aserbaidschaner zerstörten, die aber auch nie ihre Chancen nutzten. Die Kamera zeigte dann einen (seit kurzem offiziell) deutschen Spieler, der am Spielfeldrand auf und ab lief, Dehnübungen machte, was man halt so macht, wenn man eingewechselt werden soll. Der Kommentator beschrieb zu diesem Bild sinnigerweise, was dieser Mann dort tat. Seine Aussage bestand aus dem Namen und der Aktivität des Spielers.
Das hat der Kommentator gesagt:














7 Comments:
Hm, da greif ich dann doch lieber zum Buch, bevor ich mir aus lauter Langeweile Fußball antue.
Übrigens stelle ich gerade eine Absonderlichkeit fest: Wenn man eines deiner Postings liest und auf Kommentar klickt, dann sieht man vor dem weißen Hintergrund des Kommentarfensters schwarze Streifen. Die kommen aber nicht von der Technik, sondern von den Augen. :-) Interessant.
Na da hast du ja ein Leben voller fußballerischer Erfahrung hinter dir.
Ich für meinen Teil mag Fußball, wenn auch nicht mehr so wie in meiner Jugend. Da hab ich alles konsumiert, was nur anäherungsweise damit zutun hatte. Aber heutzutage ist Fußball nur noch ein Massenprodukt. Da macht das gucken kaum noch Spaß.
Aber spielen tu ich immer noch. Das hat seinen Reiz nicht verloren. Auch wenn ich meine ganzen Tore an einer Hand abzählen kann ;-)
Der Mann heißt wie ein Heißgetränk und er "wärmt sich auf"!
Du erzaehlst deine Lebensgeschichte, nur um einem flachen Wortwitz Platz zu geben?
@Madse: Herzlichen Glückwunsch, du hast das Prinzip dieses Blogs offiziell durchschaut!
Aufwärmen, ich schmeiß mich weg.
Achtung, Frauenkommentar!
- Bayern und ManU hatte ich erst live vor der Nase, das war toll!
- Mein Bruder ruft mich immer an, damit ich ihn online die Torjägertabelle nachschauen kann.
- Ich guck Fußball nur aus Langweile. Und zur EM und WM, dann aber richtig mit Flaggen am Balkon. Oder mit Hans und nem Bier auf meinem Kunstrasen, während Susi liest. *g*
- Dreh mal das Ergebnis bei Pocher gegen die Bayern um.
- Sogar Fußball vermag das Sommerloch besser zu füllen, als diese scheiß Medien! [Man verzeihe mir meine Kraftausdrücke, aber das ist ein Fußballkommentar!]
- Kommentatoren sind auch nicht mehr, was sie mal waren.
Ende der Frauendurchsage!
@Mary: Ergebnis ist gedreht, NICHT, DASS JEMAND DAS VERWECHSELT!
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