Von prophet am Freitag, August 21, 2009 um 00:15

Inglourious Basterds

Kapitel 1 - Einleitung
Man fährt am laut ZDF und gefühlt heißesten Tag des Jahres los und kommt im Gewitter wieder nach Hause. Wo war ich indessen? Zum zweiten Mal in dieser Woche im Kino, diesmal um Quentin sein "Inglourious Basterds" zu gucken. Ich war gespannt, was er nach dem öden Death Proof fabrizieren würde. Der Trailer wirkte nach meinem Geschmack. Absichtliches Trash-Kino.

Kapitel 2 - Inhalt
Die Handlung spielt zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges in Frankreich, folgt zwei Unternehmen, Hitler zu erledigen und ist, typisch für Quentin und egal ob es Sinn macht, in Kapitel unterteilt. Im ersten wird der Antagonist, Offizier Hans Landa, genannt "Judenjäger" vorgestellt, auf dessen Befehl hin eine jüdische Familie erschossen wird. Eine junge Frau kann entkommen. Kapitel zwei zeigt die Rekrutierung und kurz den Einsatz der titelgebenden Basterds, einer brutalen Sondereinsatztruppe um Lieutenant Aldo Raine, deren Ziel es ist, die Nazis mit der gnadenlosen Menschenverachtung zu treffen, die sie selbst zelebrieren. Kapitel drei zeigt, was aus der jungen Frau geworden ist: sie betreibt unter dem Namen Emmanuelle Mimieux ein Kino im Umfeld von Paris - als sie gezwungen wird, Goebbels großen neuen Propagandastreifen vorzuführen. Und Landa ist für die Sicherheit bei der Veranstaltung zuständig. Emmanuelle will die Gelegenheit nutzen, sich an den Nazis zu rächen. Kapitel vier zeigt, wie die Basterds trotz einer aufgeflogenen Deckung den Plan fassen, Hitler in ebenjenem Kino zu erwischen. In Kapitel fünf schließlich wird der Film vorgeführt, und beide Pläne treten in Kraft, wenn auch nicht so, wie geplant.

Kapitel 3 - Bewertung
Wie jeder Quentin hat auch dieser Film das Problem - unglaublich lange Strecken sind nur mit Dial...nein, Monologen gefüllt. Die sind in diesem Falle zum Glück gut, auch wenn sich manche Szene wirklich zu lange hinzieht. Ich kann aber immer nochvollziehen, wieso er sie verwendet - denn beide Über-Vorträge bauen in gefährlichen Situationen enorme Spannungen auf, die vor allem im zweiten Falle mit aller Heftigkeit zuschnappen. Gut geschrieben sind sie wirklich. Abseits von den endlosen Referaten gibt es noch einen Batzen roher, dreckiger Gewalt, die, halten sie sich fest, Frau von der Leyen, super war; sowie einen Haufen wirklich sehr lustiger Szenen. Hauptverantwortlicher für den Spaß war Christoph Waltz, der für seine Rolle als Standartenführer Hans Landa zu Recht den Best Actor Award in Cannes kriegte. Dessen unfreiwillige Komik ist der Hammer. Das Beste am Film. Man merkte, dass der ganze Saal den selben Humor hatte. "Hans Landa" mit seinem Philosophieren, seiner aufdringlichen Art und seiner Unangemessenheit war klasse. Es war aber nicht nur er, auch andere Szenen haben diesen kranken Humor, der bei mir genau ankommt. So sind absolut alle Szenen mit Hitler und mit Goebbels zum Brüllen, das gleiche gilt für den Bash, den Raine über die Deutschen ablässt.
Etwas seltsam fand ich die Mischung der Musik - mal Ennio Morricone (HOLY MOTHER OF FUCK YEAH) und Retro-Filmmusik, mal die Musik dieser Zeit, mal unpassend moderne Musik. Kam im großen und ganzen aber wirklich gut rüber, vor allem, wenn der Spaghetti-Western Sound zum Zuge kam.
Schauspielerisch gut war neben Christoph Waltz in meinem Augen auch Diane Kruger als deutsche Schauspielerin und Basterds-Informantin sowie Mélanie Laurent als Emmanuelle. Der größte Name im Film, Brad Pitt als Aldo Raine, bekleckert sich jedoch nicht grade mit Ruhm. Übrigens war der Film voller kleiner Überraschungen, etwa Mike Myers (ja, Austin Powers) als britischer General, Bela B. als Platz-Anweiser im Kino, Sam Jackson als Erzähler oder Harvey Keitel als Vorgesetzter der Basterds, den man über Funk hört.

Kapitel 4 - Fazit
Dieser Film ist Quentin, von den ausufernden Monologen über die brutale Action bis zu der Komposition aus Bild und Ton. Man muss ihm auf jeden Fall eingestehen: Inglourious Basterds ist so gut geworden, wie er nur werden konnte. Die Besetzungen von Landa und Goebbels sind pures Gold und die riesen Vorträge sind trotz ihrer Überlänge sehr authentisch gespielt. Insgesamt hätte man ihn an einigen Stellen etwas kürzer machen können und die gewonnene Zeit in tatsächliche Aktionen der Basterds investieren sollen - denn wie die ihren Ruf unter den Deutschen aufbauen, wird praktisch komplett übersprungen. Schade.
Alles in Allem ein echt guter Film. Zwar tut Quentin nur das, was er schon immer getan hat, aber er macht es diesmal besonders gut. Wenn man also die Wahl hat, ob man Inglourious Basterds oder Public Enemies gucken soll - guckt Basterds. Wirklich. Allein die humorigen Stellen sind es wert.

Kapitel 5 - Epilog
An Quentin merkt man das, was ich an meiner Begleitung für diesen Film auch festgestellt habe - die meisten Menschen ändern sich. Und manche so überhaupt nicht. Das kann mal irre nervig sein und negative Auswirkungen haben, aber manchmal tut es auch einfach gut. Vor allem, wenn man über das selbe Detail gleichzeitig lacht. "Mmmmmhhhhh. Huu~goo." Irre.

2 Comments:

Blogger mys sagte...

Schönes Review.

22.08.2009 22:11:00  
Blogger Darth Puma sagte...

Ja, in den Film muss ich auch unbedingt rein. Schön, das er Dir ganz gut gefallen hat. Ich bin jedenfalls schon gespannt.

24.08.2009 07:33:00  

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