Von prophet am Donnerstag, September 24, 2009 um 10:52

Arkham Asylum (Original)

A Serious House on Serious Earth. Was bringt eine Adaption, wenn man die Vorlage nicht kennt? Das von allen Medien höchstgelobte Spiel mit selbigem Namen ist seit letzter Woche zu haben und auch ich habe zugeschlagen. Da ich aber noch längst nicht durch bin, folgt der Post zum Spiel noch. Jetzt geht es mir um die Graphic Novel, die 1989 erschien, wenige Jahre, nachdem Batman den neuen, düstereren Kurs eingeschlagen hatte.
Die Story: Commissioner Gordon ruft Batman herbei, denn der Joker hat Arkham Asylum, die Hochsicherheits-Anstalt für geisteskranke Kriminelle in seine Gewalt gebracht. Kein Kunststück, so oft wie er schon daraus ausgebrochen ist. Joker, das Personal als Geiseln genommen, verlangt von Batman, dass er in der Anstalt mit ihm Verstecken spielt - und nach einer Stunde lässt Joker alle Insassen frei, die es auf den Fledermausmann abgesehen haben. Batman sucht in der Anstalt nach einem Ausweg, wobei ihm seine alten Widersacher begegnen (Scarecrow, Mad Hatter, Killer Croc...) und sein eigener Verstand extrem auf die Probe gestellt wird. Abwechselnd mit diesen aktuellen Geschehnissen gibt es Flashbacks aus dem Leben von Amadeus Arkham, dem Gründer der Anstalt, der selbst immer mehr dem Wahnsinn verfiel. Achtung Spoiler: Es stellt sich heraus, dass Dr. Cavendish, der Leiter der Anstalt, Arkhams Tagebücher fand und sich als auserwählt ansah, dessen Mission zu vollenden. Arkhams demente Mutter sah sich immer von einer dunklen Macht bedroht, die Arkham als "The Bat" bezeichnete. Dr. Cavendish erkannte dieses Monster in Batman wieder und lockte ihn in die Anstalt, um ihn umzubringen. Ende Spoiler.
Der Stil des "Comics" ist so gar nicht comichaft, sondern eine Mischung aus Surrealismus, teilweise so abgehackten, zerstückelten Seiten, dass man von Expressionismus sprechen muss, dann aber auch immer wieder durchsetzt mit sehr naturalistischen Bildern und das ganze in allen erdenklichen kalten und dunklen Farbtönen. Alles ist verzerrt, beängstigend, dunkel, genau so wie der Geisteszustand der Insassen - und vielleicht auch von Batman selbst. Es ist anstrengend zu lesen, aber dafür umso anspruchsvoller und einzigartiger. Immer wieder gibt es Anspielungen auf Alice im Wunderland, ein schöner Vergleich damit, wie sich Batman in den Kaninchenbau der Anstalt wagt.

Comics werden den Ruf, an eine junge Leserschaft gerichtet zu sein, vielleicht nie ganz loswerden. Aber Arkham Asylum ist ein gestörter, dunkler Trip durch den Verstand und so extrem sowohl in Storytelling als auch optischer Gestaltung, dass man schon von erwachsener Kunst sprechen muss.

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