Von prophet am Freitag, September 25, 2009 um 11:32

Arkham Asylum (Spiel)

Nach der bemerkenswerten Graphic-Novel Vorlage nun das letzte Woche erschienene Spiel, bei dem meine Einschätzung "noch längst nicht durch" nicht so recht treffend war - zwei Tage intensiven Daddelns und ich war fertig. Hat es sich die Lorbeeren verdient?
Die Story: Der Joker und Massen seiner Handlanger lassen sich mit verdächtig wenig Gegenwehr schnappen und nach Arkham einliefern. Kaum im Gebäude bricht der Joker auch schon aus - und übernimmt mit seiner Kumpane die Kontrolle in der Anstalt. Batman muss sich seinen Weg durch die Handlanger des Jokers, gefährliche Insassen und altbekannte Feinde bahnen, um seinen Erzrivalen zu stoppen. Achtung Spoiler: Es stellt sich heraus, dass der Joker eine Chemikalie namens "Titan" stehlen will, die in der Anstalt entwickelt wurde. Wer damit injiziert wird, wird zu einem riesigen, aggressiven Muskelberg - genau das Richtige, um eine Privatarmee von Monster-Schlägern für den Joker zu erschaffen. Ende Spoiler.

Was an diesem Spiel gefällt mir nicht? Poison Ivys Stimme, wenn sie dieses blecherne Hallen hat, ist nerviger als jede Klingelton- oder Wahlwerbung. Die Spieldauer ist nicht wirklich hoch. Commissioner Gordon sieht zu aufgepumpt aus. Kleinigkeiten. Aber dann gibt es noch einen großen Kritikpunkt: Die...wie sage ich das...Videospieligkeit. Die Bosskämpfe, die wie in jedem Nintendo-Spiel der letzten 15 Jahre ablaufen: Erst auf und ab rennen, um nicht getroffen zu werden, dann den Kopf/das Auge/die eine große, rot glühende Schwachstelle treffen, die der Boss kurzzeitig dem Spieler entgegenstreckt, das ganze drei Mal wiederholen. Der Oberwelt-Hub. Die Gadgets, die es nur gibt, damit man erst später bestimmte Areale betreten kann. Die unzähligen Lüftungsschächte. Arkham Asylum klammert sich an Konventionen wie Harley Quinn an den Joker. Das einzige, das fehlt, sind goldene Bananen, die man einsammeln muss, um neue Level zu öffnen. Ich kann verstehen, dass man sich an altbewährte Mechanismen hält, vor allem, wenn sie so gut funktionieren wie hier, aber es sprang mir in Arkham Asylum so extrem ins Gesicht, vor allem bei den Bossfights. Scarecrow hat im Spiel drei Auftritte - alle drei werden durch zum Niederknien großartige Halluzinationen eingeleitet, ein absolutes Glanzstück, fantastisch, nur um dann DREI FUCKING MAL den selben, bescheuerten Boss-"Kampf" abzuspielen.

Ungeachtet dieser zur Schau gestellten Konventionen ist Arkham Asylum ein großartiges Spiel. Die Unreal-3-Grafik ist gut, ebenso die Musik. Die Anstalt ist toll düster und abwechslungsreich gestaltet. Die meisten Sprecher sind überzeugend. Die Details! Batmans Anzug und Cape bekommen Risse und Schnitte. Als einer von Jokers Handlangern eine "Gästeliste" durchgeht um zu gucken, ob er Batman hereinlässt, kann man kurz auf das Klemmbrett schauen: Es steht nur "Batman" darauf, in großen, roten Buchstaben, doppelt unterstrichen. Wenn man stirbt, erscheint der aktuelle Widersacher auf dem Bildschirm und verspottet Batman. Und dann gibt es die Kämpfe. Bisher war Altair aus Assassins Creed der Maßstab für flüssige Kämpfe. Verglichen mit Batman ist Altair ein betrunkener, fetter, träger, alter Mann auf Rollschuhen. Das "FreeFlow" genannte Kampfsystem macht Batman zum ultimativen Nahkämpfer, er hat immer einen Konter, einen Angriff, ein Ausweichmanöver. Das funktioniert so dermaßen gut, dass man bald keine aneinander gereihten Einzelschläge mehr sieht, sondern eine einzige, perfekte, fugenlose Bewegung. Man spielt mit den Schlägern des Jokers. Kann man einen Schlag nicht mehr kontern, greift man einen anderen Gegner und wirft sich über ihn hinweg. Steht ein Gegner hinter Batman und bewegt sich von ihm weg, duckt sich der Fledermausmann, stößt sich mit den Händen ab und verpasst ihm einen Dropkick ins Genick. Der schiere Wahnsinn. Sämtliche Nahkämpfe in Spielen werden sich von nun an damit messen müssen. Referenz.
Batman wäre aber nicht Batman, wenn er nicht auch lautlos Gegner ausschalten würde. Die Stealth-Passagen wirken nicht gekünstelt, sondern ergeben sich aus der Situation - wenn sieben Gegner mit MGs patrouillieren, kann man nicht einfach auf sie zustürmen, Batman ist nicht kugelsicher. Extrem hilfreich ist dabei der "Detective Mode", eine Art Röntgen- und Nachtsicht, die Gegner und einige Objekte auch durch Wände anzeigt.
Ach, und das vielleicht wichtigste habe ich noch vergessen: It is the goddamn Batman! Mit dem Cape und dem Batmobil und alles! COOL!

Um es auf den Punkt zu bringen: Arkham Asylum ist ein großartiges Spiel, das zwar etwas konventionell ist, sich aber durch das Maßstäbe setzende Kampfsystem, die Atmosphäre und die Tatsache, dass man fucking Batman spielt, absolut dringlich empfiehlt. Was The Dark Knight für den Film war, ist Arkham Asylum für Spiele. Derbe gut.

2 Comments:

Blogger mys sagte...

Bestimmt ein cooles Spiel. Wird hoffentlich bald günstiger ;)

25.09.2009 20:00:00  
Blogger Maak sagte...

hab's gerade angefangen. macht aber sehr guten eindruck.

26.09.2009 19:00:00  

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