District 9
Ich komme grade aus'm Kino, wo ich den vielleicht letzten großen Film dieses Jahres sah - District 9, der sich in seiner Laufzeit in Amiland schon eine bemerkenswerte Reputation erspielte. Peter Jacksons aktuelles Werk hat, bis auf eine Ausnahme, eine Menge Lob bekommen. Ich war gespannt, ob er wirklich so gut war, wie das Internet mir erzählen wollte.Worum geht es? 20 Jahre vor Beginn des Handlung erschien ein großes Raumschiff über Johannesburg, Südafrika - und verharrte dort reaktionslos. Als die Menschen mit Hubschraubern hinaufflogen und sich hereinschnitten, entdeckten sie die Passagiere. Die wie eine Mischung aus Kakerlake und Shrimp (so auch der Spitzname für die Aliens) aussehenden Kreaturen sind total fertig, unterernährt, orientierungslos. Wie Arbeiter einer Insektenkolonie ohne Königin. Die Menschen versuchen die Außerirdischen aufzupäppeln und mit ihnen in Kontakt zu treten.
Zwanzig Jahre später, zu Beginn des Filmes, leben die Aliens immer noch in dem Sperrgebiet, das eigentlich nur als Auffangbecken diente, von den Menschen getrennt in Slum-artigen Zuständen. Apartheid, nudge nudge, wink wink. Die Regierungen und die großen Konzerne haben eigentlich nur Interesse an der Technologie der fremden Wesen, vor allem an ihren Waffen. Die Hauptfigur, Wikus van de Merwe, ist ein spießiger Bürohengst, der für die paramilitärische Multinational United arbeitet. Blackwater, nudge nudge, wink wink. Er ist mit der Leitung der Umsiedlung der Aliens in einen anderen Bereich beauftragt und kommt, als District 9 von den MNU-Männern geraidet wird, in Kontakt mit einer Flüssigkeit, die seine DNS verändert - was ihn ins Visier seiner Arbeitgeber stellt.
Und, war gut? "Ja, aber", sage ich. Ja, die Grundidee der Handlung ist toll, es ist ein origineller Ansatz für das Erste-Kontakt-Szenario, es ist eine starke Aussage gegen Rassismus, es ist gleichzeitig ein guter Actionfilm und ein Drama, der Wechsel zwischen normaler Filmkamera und Aufnahmen eines Kameramannes im Film selbst bzw durch die Nachrichten funktioniert gut, die Effekte sind der Wahnsinn und viele Szenen sind enorm fesselnd, Köpfe explodieren, das ist immer gut, all das trifft zu, ABER. Aber der Film, in seiner Schlussphase, als er zum reinen Action-Klopper umschaltet, hat einige Zeilen im Dialog, an denen ich mich sehr stieß. Zum Beispiel fast alles, was der Antagonist, ein hochrangiger Militär-Typ vom MNU so von sich gibt. Sachen wie "Ich liebe es, dieser Viecher zu töten" schreien nach einem Schurken-Lachen und Blitzen im Hintergrund, wie Frau Dr. Merkel es praktiziert. Sowas gehört in einen Uwe Boll Film. Oder wenn die Hauptfigur dem Alien, das ihm hilft, dann zuruft, er solle gehen, sich um seinen Jungen kümmern, er würde sie (die Bösen) schon aufhalten. Und dann sagt der Alien-Typ "Nein, ich lasse dich nicht zurück!". Herrjemine. So viel kitschiges Filmpathos gehört nicht in einen Film dieses Kalibers. Das klingt jetzt dramatischer, als es ist.
Fazit: District 9 ist trotz dieser kurzen Ausfälle ein ganz fantastischer Film der sowohl Inhalt als auch Krawumm-SciFi-Action bietet, eine tolle Hauptfigur (zu Beginn ist Wikus zum Brüllen komisch) entwickelt und insgesamt einer der besten Filme des Jahres ist.
Nun habt ihr euch vielleicht gefragt, wieso im Bild zu diesem Post das Haus aus "Up" fliegt. Tja, ich finde, dass es 2009 so ist, wie es 2008 auch schon war - es gibt zwei Filme (mal von Basterds abgesehen, der ist auf Platz 3), die die vermutlich besten des Jahres sind. Zum einen der ernsthafte, zum anderen der eher lustige. Letztes Jahr war es noch der ernsthaftere, der unterm Strich in meinen Augen besser war, wir sprechen natürlich von Batman - The Dark Knight und Iron Man. Dieses Jahr scheint mir aber der lustigere Film, "Up" nämlich, der leicht bessere und damit der beste Film des Jahres zu sein. Wirklich, "Up" ist einer der besten Filme, die Pixar je gemacht hat, und das will was heißen. Unbedingt auf Englisch angucken. Apropos: "Oben"? Fucking OBEN? Mother of FUCK, ist "Up" wirklich zu kompliziert für den deutschen Markt? Meine Fresse!














7 Comments:
Nun ja, meiner Meinung nach bleibt "Watchmen" der beste Film des Jahres. Aber das liegt einfach an meinem Empfinden für filmische Ästhetik. "District 9" schaue ich mir ganz sicher auch noch an. Verspreche ich mir doch einiges von.
BTW: Kleine Mogelpackung, denn Peter Jackson war nur Produzent. Auf dem Regiestuhl hockte jemand anders.
Ups!
Watchmen war dieses Jahr? Hm. Der war gut, aber Basterds war besser.
Jap, Up ist zu kompliziert. Da fragen dann die Kids was ein "Up" sein soll ;=)
Klingt nach nem netten Abend mit Bier und Popcorn. Sollte doch mal wieder ins Kino gehen....
Zumal "up" eben nicht "oben" ist. Ich wär ja für "Aufwärts!" ;)
"Aufwärts" klingt aber so nach, hm, raus aus der Krise. "Oben" ist schon okay. :-)
Mich hat District9 nicht begeistert. Auch nicht in der Orginalfassung, wo der Protagonist anfangs noch um einiges lustiger ist. Ein guter Film, keine Frage, hat mich aber nicht endgueltig ueberzeugt.
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