P(f)osten
Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel von und zu Guttenberg saß mit leichtem Unwohlsein in dem langen Flur im Kanzleramt, während draußen das Unwetter des Jahres tobte. Der Stuhl war unbequem. Ein solch dünnes Polster war der gepflegte, adelige Po nicht gewohnt. Den anderen hochrangigen Ministern, die neben ihm saßen, erging es ähnlich. Viele rutschten auf ihren Plätzen unruhig und mit gequältem Blick hin und her. Rainer Brüderle tippte immer wieder mit der Fußspitze auf, was ihm tadelnde Blicke von Frau von der Leyen einbrachte. Franz Josef Jung bohrte in der Nase. Eine gewisse Anspannung lag in der Luft.Karl-Theodor merkte, dass er ins Schwitzen gebracht wurde von der Hitze, die die Fackeln an den Wänden abstrahlten. Sie waren eigentlich unnötig, von der Decke hingen Lampen, aber Frau Dr. Merkel war nicht davon abzubringen, dass sie dem Ambiente zuträglich wären. Der ehemalige Wirtschaftsminister zog ein Taschentuch mit seinem Monogramm drauf aus der Jackett-Tasche und tupfte sich unauffällig die Stirn. Er begutachtete zum hundertsten Mal die Bilder, die die Kanzlerin hatte aufhängen lassen, zumeist sehr schlecht mit Photoshop zusammengestückelte Bilder von Franz Müntefering und sonstigen SPD-Berühmtheiten in Rüschenkleidern.
Mit einem Quietschen öffnete sich die große, schwere, mit komplizierten Reliefs verzierte Tür einige Meter neben den wartenden Politikern und Wolfgang Schäuble rollte heraus. Sofort waren alle Blicke auf ihn gerichtet. "Und, was haste?", fragten Ilse Aigner und Ronald Pofalla wie aus einem Mund. Schäuble zuckte mit den Schultern. "Finanzministerium", sagte er. Norbert Röttgen senkte betrügt den Blick, während bei einigen anderen Erleichterung durch ein Seufzen und Zurücklehnen bekundet wurde. Cool wie von Guttenberg war, nickte er nur.
Hinter Wolfgang Schäuble trat nun ein Buschmann aus dem Raum. Er trug eine Holzmaske mit bunten Federn dran, einen Lendenschurz, einige Lederriemen und Sandalen vom Aldi, ansonsten war er nackt und mit obskuren Symbolen bemalt. Der deplatziert wirkende Wilde watschelte gebeugt an Schäuble vorbei und winkte von und zu Guttenberg heran. Dieser nahm es mit Würde und stellte sich vor den Burschen, der ihm, wie schon Schäuble zuvor, die Augen mit einem Tuch verband, von dem sich selbst der aufmerksamste Zuschauer nicht erklären konnte, woher er es gezogen hatte. Der Buschmann legte seine Hand auf Guttenbergs Schulter und führte ihn in den Raum hinter der massiven Tür.
Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel konnte durch die dicke, nach Arsch riechende Augenbinde absolut nichts sehen. Seine Schritte hallten in dem Saal. Das einzige, das ihn führte, war die Hand des Buschmannes auf seiner Schulter, dann ließ auch die los. Er blieb stehen. Kurz horchte er in die Stille, dann hörte er ein Schnippen. Etwas wurde in seine Hand geschoben. Etwas längliches...an einem Ende spitz...am anderen breit...ein Pfeil. Eine Art Dartpfeil, wie es sie in diesen Kneipen gibt, von denen ihm erzählt wurde. Dann dröhnte Angela Merkels Stimme durch den Raum. "Dreh disch na reschts un wirf den Pfeil eenfach irjentwo gradeoos.", sagte die mächtigste Frau Deutschlands. Wieder ertönte ein scharfes Schnippen, und Guttenberg hörte das Tappen von Schritten, vielen Schritten, auf dem Boden. Er tat wie ihm geheißen, drehte sich um 90° nach rechts und warf mit viel Kraft den Pfeil.
Ein gellender Schmerzensschrei hallte durch den Saal und die Schritte verstummten. Plötzlich zog ihm der Eingeborene die miefende Augenbinde vom Gesicht. Kurz rieb sich Karl-Theodor die Augen, dann blickte er gradeaus. In dem mächtigen Raum, wenige Meter vor ihm, standen einige zerzaust aussehende Menschen - Männer und Frauen, alle mit ähnlichen T-Shirts bekleidet. Karl-Theodor sah, dass auf den Shirts Wörter standen. Einer der Männer lag auf dem Boden - in seinem Knie steckte der Pfeil. Der Eingeborene latschte zu ihm herüber und zog ihn auf die Beine. "Verteidijung, wa", sagte Frau Dr. Merkel. Von und zu Guttenberg erkannte nun im Zwielicht des Saals, dass die Namen von Ministerien auf die T-Shirts der verwirrt dreinblickenden Leute gedruckt waren und drehte sich herum. Angela Merkel saß in ihrer schwarzen Robe mit dem hohen Stehkragen auf einem schwarzen Sessel mit sehr hoher Rückenlehne, auf deren Spitze ein skelettierter Adler hockte. Sie hielt eine Kette in der Hand, an derem anderen Ende irgendetwas im Dunkel neben dem Thron kauerte. In diesem Moment zuckte draußen ein mächtiger Blitz vom Himmel und warf ein fahles Licht in den Saal. Als er erkannte, was neben der Kanzlerin an der Kette saß, stieß er einen kurzen Schrei aus. Guido Westerwelle verschluckte sich vor Schreck fast an dem kleinen, gelben Gummiball, den er als Knebel im Mund trug, und die Kette klirrte.
"Da haste deenen Postn", sagte Frau Doktor Merkel und machte eine vage Handgeste. Der Buschmann, der grade den verletzten Arbeitslosen aus dem Pulk geschliffen hatte, schlurfte nun zu von und zu Guttenberg, der sich noch vor der Kanzlerin verneigte, und dann von dem Eingeborenen aus dem Raum geführt wurde. "Verteidigung", dachte er sich. "Hey, dann darf ich vielleicht in der Öffentlichkeit ein Säbel tragen. Cool.".
Labels: Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel von und zu Guttenberg














11 Comments:
Hömma, so laaangsam fühl ich mich hier bissl naja, tzäh. Vergiss was ich schrieb. Manno! :D
We...Wi...Wa...HÄÄÄÄÄÄH?
Kann ich dir das fern der Blogöffentlichkeit irgendwo erklären?
Schon lange nicht mehr so gelacht!
Allerdings kann ich mich errinnern, dass du seinen Namen immer ausschreiben wolltest...
@Mary: OH GOTT DAS IST JA ENTSETZLICH DU ARME FRAU
@Madse: Aufmerksam! Sehr gut! Ja, wollte ich, aber es wäre dem Lesefluss und der Abwechslung dann doch zu abträglich.
und dachte schon die hätten gewürfelt. aber mit pfeilen auf arbeitslose werfen ist natürlich viel realitätsnäher.
würfeln, haha, wie blöd ich doch manchmal bin.
Ja, ist DAS nicht grausam?!
Na meen Freund! Dit mit den Dialekt müssn wa aber noch ma übn, wa? Wenn de willst, jeb ick dir da jahne Nachhilfe. Ick hab mir da nich so. ;-)
Davon abgesehen ein saugeiler Text, der genau das trifft, was ich auch gedacht hab, als ich von den Ministerposten gelesen hab.
@Maak: Ein wenig mehr Ernsthaftigkeit zu diesem seriösen Thema bitte.
@Mary: Ich bin immer noch schockiert. Wie du damit leben kannst...wenn das die Leute wüssten!
@PhanThomas: Wie hieße es denn richtig? Ich bitte um Verbesserung!
Das ist eben nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt, bitte versteh das doch! Ich meine, es hat ja jeder so seine Gehemnisse und ich möchte eben nicht, dass noch mehr Leute davon erfahren, es ist auch so schon peinlich genug!!!
@Mary: Kann ich gut nachvollziehen. Ich meine...man merkt es dir so auch gar nicht recht an, du erscheinst ganz normal, und dann sowas. Wow. Einfach nur wow.
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