Oblivion - Das Album beginnt mit dem coolen, athmosphärischen Intro, das bereit aus den im Vorfeld erschienenen Making Of-Clip erschien. Instrumental kein schlechter Song, jedoch ist der Gesang, vor allem zu Beginn des Liedes wie eine Ohrfeige, da man mit Geschreie und Geröhre wie in "The Wolf is Loose" gerechnet hat, aber dafür...Geweine kriegt. Von allen Songs auf dem Album hat Oblivion die schlechteste Gesangsspur. Die instrumentale Version, die der Single beiliegt, hilft gewaltig, dieses Lied zu mögen. Oblivion gipfelt mit einem extrem lässigen, abgefahrenen, spacigen Gitarrensolo, das an Bluesgitarristen denken lässt. Insgesamt muss ich dennoch sagen, dass Oblivion für mich der vielleicht schwächste Track auf dem Album ist, da der Gesang wirklich unerträglich ist und ihm einfach das Kaliber für einen Opener fehlt. Von der Bedrohlichkeit und dem Donnern, das in den Vorabpreviews erwähnt wurde, fehlt jede Spur. Es ist ein Rock-Song. Adieu, Sludge?
Divinations - Nach einem scheinbar auf einem Banjo gespielten Intro und Hochgeschaukel schaltet Divinations, die Single, erstmal einen Gang hoch und ist der Song mit dem höchsten Durchschnittstempo und dem meisten Punch. Trotzdem besitzt er nicht die Härte, die etwa noch ein "Crystal Skull" hatte. Was mich wenig zu begeistern vermag ist der Refrain, dafür gefällt mir das Solo mit seinem metallischen Geschredder super. Divinations ist ein sehr variabler, stark geschichteter Track, der der zugänglichste auf dem Album ist. Trotzdem bleibt ein flaues Gefühl...das ist die erste Single zum Album? Hoffentlich war es das nicht schon, denn wenn das der beste Track ist, ist das Album eher enttäuschend.
Quintessence - Ein wirrer Song, der mit hohen Gitarren und Midtempo gedankenverloren wirkt, es wird klar, was mit den "Classic Rock" Ansätzen gemeint ist. Wo ich wirklich lange dran zu kämpfen hatte war der Refrain, der aus, kein Scherz: "
Let it go, Let it go, Let it go, Let it go, Let it goooooo!" besteht. Inzwischen kann ich es mir anhören ohne mich haltlos übergeben zu müssen, schließlich ist das Riffing im Refrain das vllt härteste auf dem Album. Quintessence ist irgendwie auf keiner klaren Linie - einerseits die verträumt-wirren Strophen, die klingen, als hätte sie jemand talentiertes in betrunkenem Zustand geschrieben, und dann dieser primitive Refrain.
Die letzten anderthalb Minuten müssen jedoch noch hervorgehoben werden, da der Song in dieser Zeit einen komplett anderen Kurs nimmt. Erst kramt er aus dem Nichts komplexe Gitarrenläufe hervor, die so auf "Bladecatcher" hätten sein können, dann haut er ultraheavy Sludge-Riffs raus und mit dem hernieder donnernden Schlagzeug sowie dem beschwörenden Geröhre von Troy Sanders klingt er endlich wie ein Song , der auch auf Remission hätte stehen können. Wäre der gesamte Song wie diese letzten anderhalb Minuten, er wäre der beste des Albums.
The Czar - Verzerrte Keyboards mit einer hypnotisierenden Melodie schweben umher, die dann der eigentlichen Band begleitet werden, die dann auch das Ruder übernimmt. Hier fällt vor allem der Bass positiv auf. Der stark an Ozzy erinnernde Gesang von Brent, die vielen übereinander liegenden Schichten von Sounds und Melodie erzeugen eine beklemmende, fast schon verloren wirkende Athmosphäre, die zwischen Melancholie und Entspannung schwankt. Der immerhin zehnminüte Song macht dann einen Schlenker, richtiges, straffes Riffing stetzt ein, Gitarrenläufe wechseln zwischen heavy und dynamisch, darüber der wirklich frappierend an Ozzy erinnernde Gesang. Nach dieser Phase geht es zurück in entspanntere Gefilde, die sehr getragen wirken und wieder die bluesartige Gitarre haben. Irgendwie weiß dieser Track nicht was er sein will, am passendsten wäre wohl Classic Rock Blues Progressive Epos.
Ghost of Karelia - Der vielleicht entspannteste Song des Albums, der mit der hellen Hauptmelodie und dem sphärischen Gedröhne dahinter und dann mit dem langgezogenen, zum Mitsingen einladenden Gesang im Refrain sehr zurückgelehnt wirkt. Trotzdem schafft es Sanders, mit seinem Gesang eine finstere, spannende Athmosphäre aufzubauen und dem Song ein..."mysteriöses" Etwas zu geben, man verzeihe mir den Ausdruck. Man bleibt durchgehend im gemäßigten Tempo und vermeidet bis auf vorübergehende Schwere allzu hart herausstechende Elemente, der ganze Song ist sehr flüssig und homogen im positiven Sinne. Einer der besten Songs auf dem Album.
Crack The Skye - Nach einer athmosphärischen Einleitung, die fast auf einer Augenhöhe mit der von "Sleeping Giant" ist, wird der Titeltrack zunehmend düsterer und schwerer. Der beschwörende Gesang in den ersten Strophen stammt von Scott Kelly von den extrem einflussreichen Neurosis und wird immer wieder durchbrochen von den seltsam positiven, hellen Gesangseinlagen von Troy Sanders, die dann am Ende den Song übernehmen und aus der erdrückenden Düsternis am Anfang in positivere Gefilde schweben. Leider. Denn die erste Hälfte mit ihren schweren, schleppenden Rythmen gefällt mehr als die zweite Hälfte mit ihrem nervigen Gesang, der durch die gute Gitarrenarbeit kompensiert wird.
The Last Baron - Akustikgitarren und sehr ruhiger, sphärischer Gesang kündigen zunächst ein Lied an, das wie eine Mischung aus "Hearts Alive" und Oblivion in entspannt klingt. Und das soll 13 Minuten gehen? Hauerha! Das geht dann so die ersten 2:20 und ist sehr entspannend, dann kommen Gitarren dazu, die in ihrer epischen Intonierung die besten Seiten des Classic Rock Ansatzes darstellen, den man auf dem Album hat. Es folgt eine kurze Bridge mit Gitarre und Wiederhall, die von dem plötzlich aus dem Tiefschlaf erwachten Brann Dailer besucht wird und sich zu der besten Phase des gesamten Albums aufbaut, die mit knarrenden Gitarren und großartigem Riffing sowie eingängigem und ausnahmsweise mal nicht blödem Gesang den Höhepunkt des Albums darstellt, der bestätigt, dass es die Band doch noch draufhat. Superschnelles Gitarrengefrickel, das erneut extrem positiv an "Bladecatcher" erinnert. Riffing, das fast schon an "Capillarian Crest" denken lässt. Brann Dailor, den sie endlich mal von der Leine lassen. Melodien, die sich wie am Ende von "Crystal Skull" entfalten. Der Refrain, der zwar nur aus dem Namen des Songs besteht, aber dabei pervers eingängig ist.
Nach dieser ekstatischen Phase schaltet die Band dann wieder zurück zur Akustik, die den Song eingeleitet hat, der Kreis schließt sich. Und nach dem Austoben davor tut die Entspannung gut. The Last Baron ist für mich definitiv der beste Song auf dem Album.
Mastodons Crack The Skye, auf das ich nun so ewig gewartet habe, ist Alles in Allem eher eine Enttäuschung. Oblivion ist für mich Schund. The Last Baron ist großartig und kann mit den Songs auf Blood Mountain konkurrieren. Der Titeltrack ist wie Neurosis in gestrafft. Aber mir fehlt etwas...diese aus allen Poren triefende, boshafte Heavyness, die es noch auf Remission gab, das nackenbrechende Stampfen, Röhren und Toben auf Leviathan. Mastodon sind ruhiger geworden. Weniger Sludge, mehr...Rock. Crack The Skye ist kein schlechtes Album. Aber es ist nicht das Album, das es hätte sein könnten. Wenn es darum geht, mal etwas Neues zu versuchen, hatten sie definitiv Erfolg und ein ruhigeres Album sei ihnen wirklich gegönnt. Aber hoffentlich legen sie sich nicht auf diesen Weg fest, denn auf Dauer würde er massiv Credits kosten. Ich zweifle aber nicht daran, dass das Album noch wächst und in einem Jahr sehe ich es bestimmt anders als jetzt.
Und denkt dran Leute, bis Samstag könnt ihr noch abstimmen!