Er ist ganz lieb...
Der WDR irritiert mich. Einerseits hat dieser Sender Programme wie den WDR Rockpalast, der u.a. schonmal ein Konzert von Baroness (siehe letzter Post) übertrug. Andererseits gibt es dann so Sendungen wie "Tiere suchen ein Zuhause", ein bekanntes Format, bei dem eine Frau leicht gehobeneren Alters ein Tierheim nach dem anderen abklappert und mit dem lokalen Pflegepersonal spricht. Leider gibt es jemandem in meinem Haushalt, der sich diese unfassbare Scheisse anguckt. Stupides Fernsehen, das an Blödheit nur schwer zu übertreffen ist, läuft es doch immer wieder auf dasselbe hinaus. Hunde, die irgendwo auf Mallorca aufgegabelt und nach Deutschland gebracht wurden werden vor die Kamera gestellt, wo sie dann einfach warten und am besten noch mit Knopfaugen in die Kamera gucken müssen. Und die Zeilen des Pflegepersonals und der Moderatorin sind scheinbar immer identisch."So, das war Lotte, die kecke Wieseldame", sagt die Moderatorin dann und tastet sich vorsichtig über die tiefen, blutenden Kratzer im Gesicht. "Kommen wir nun wieder zu den Hunden. Und wen haben wir denn da als nä- JA DU BIST JA EIN HÜBSCHER, JA FEIN BIST DU, JA BIST DU EIN LIE-", beginnt sie in diese Unart zu verfallen, mit Tieren A) überhaupt zu reden, die verstehen dich nicht B) wie mit einem gefühlsmäßig sehr labilem, behindertem Kind zu reden. Hört! Auf! Damit! Dann wird sie in ihrem Gequietsche aber unterbrochen, weil der Pitbull, der ihr da gegenübersitzt, anfängt, die Zähne zu fletschen und sie anzuknurren. "Ja, das ist der Wotan, er ist ein Bullterrier", sagt die urwüchsige Pflegerin mit dem starken Akzent dann immer, "das ist ein ganz Lieber. Jahh, ru-hig, Wotan. Den Wotan haben wir aus einer Familie geholt, da ging es ihm gar nicht gut." "Oh." "Ja weil der Wotan war da den ganzen Tag an der Kette, die ihm den Hals abgeschnürt hat und er wurde immer wieder getreten. Seine Eigentümer haben ihn praktisch nur benutzt, um ihn auf Kampf abzurichten. Ja, sssccchhht, ist ja gut du!" "Na, da hat aber einer Energie", sagt die Moderatorin dann sichtlich unbehaglich und betont es so, als wäre es lustig, was sie da gesagt hat. "Oh ja, er hat sehr viel Energie, was dann aber auch schonmal in Aggressionen umschlagen kann, dabei ist er aber ein ganz ganz erm, ganz Lieber. Der Wotan kann leider nur noch auf einem Auge sehen und humpelt ein wenig, äh, aber das tut seiner Lebensfreude keinen Abbruch.", sagt die Pflegerin, was im Gebell des vor Hass schäumenden Wotan dann aber untergeht. "Wie steht es denn um die Familieneignung von Wotan?", stellt die Moderatorin dann ihre auswendig gelernten Fragen. "Naja also der Wotan kommt eigentlich mit allen gut zurecht. Nur....er mag keine Kinder. Also sobald er einen Menschen unter anderthalb Metern Körpergröße sieht, da verbeißt er sich sofort. Wir hatten einmal einen Praktikanten, der war kleinwüchsig, und ähm............", sagt die Pflegerin und ihr Blick wird leer.
"Nun äh", versucht die Moderatorin die Szene zu retten, "dafür versteht sich der Wotan dann aber gut mit anderen Tieren, nicht wahr?". "....was? Oh erm, naja also nein, also der Wotan mag generell also schonmal keine anderen Tiere, vor allem Katzen greift er praktisch sofort an, genauso wie andere Hunde, äh Vögel, Pferde, Kühe, Kamele, Tapire, Giraffen, vor allem Pudel sind für ihn ein rotes Tuch, dann äh Reptilien wird er auch sofort aggressiv, äh ja." "Also keine Kinder und keine anderen Tiere." "Oh, und auch erwachsene Menschen verträgt er nicht besonders gut, da beißt er schonmal gerne zu. Und laute Geräusche kann er auch nicht ab, wenn ein Auto vorbeifährt, dann versucht er, es zur Strecke zu bringen. Dafür kann der Wotan sehr laut bellen", was der Zuschauer gemerkt hat, weil Wotan schon die ganze Zeit über bellt und knurrt und tobt. "Der Wotan ist also mehr etwas für erfahrenere Hundehalter, die auch mit seinem Jähzorn umgehen können. Dann äh, er frisst recht viel und braucht SEHR viel Platz, wobei er sich aber nur bewegt, um anzugreifen. Und er ist sehr jähzornig."
Der Moderatorin fällt nicht mehr viel ein, sie guckt immer wieder besorgt in Richtung des schmalen Pfahles, an den Wotan angebunden ist. Er hat sie bisher ohne ein Blinzeln angestarrt. "Gibt es denn noch weitere Kosten, auf die sich erfahrenere Hundefreunde beim Wotan einstellen müssen?" "Ja ähm, also der Wotan ist außerdem stark methadonabhängig und muss mindestens viermal am Tag eine Spritze kriegen, und er hasst Spritzen. Aber er liebt Methadon. Und Beißen. Aber er ist ein ganz Lieber, nichtwahr? A-haha!" "A-haha! Erm, ja, gut, der Wotan." Langsam steht die Moderatorin auf und geht rückwärts von Wotan weg, dem der Schaum vorm Mund steht.
Und so geht es mit jedem Tier. Das Frettchen hat die Beulenpest, die Katze zerfetzt alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist, der Hund beißt am liebsten in kleine Kinder hinein. Aber das ist egal. Denn das sind alles eigentlich ganz, ganz liebe Tiere. In jeder. Einzelnen. Sendung.




























[Eine Filmeinspielung folgt]
[Zu sehnen ist eine Straße voller Leute, die allesamt wie Obdachlose aussehen, zerrissene Kleidung tragen und schmutzig sind.]
Der traditionelle Regierungssitz Deutschlands, er ist nun verlassen. Nach langem Bemühen um eine Eindämmung des Armutsbezirkes der Stadt, der sich jedoch den gesamten Rest der Stadt einverleibte, ist die Bundesregierung nun weggezogen. Die von der weiterhin andauernden Wirtschaftskrise betroffene Metropole mit einer Arbeitslosenquote von über 90% wird vor allem von Migranten bewohnt. Die hohe Kriminalitätsrate erklärt sich laut Polizeichef Derring durch die Mentalität der Ausländer.
[Ein älterer Herr mit Schnurrbart und wuscheliger Frisur wird gezeigt, er trägt eine schwarze Uniform.]
„Das ist.....das muss man sich mal vorstellen, eine REINE.......Einstellungssache! Neeeech? Die WOLLEN es doch so! Und nicht anders. Schon immer, ich sag es. Ja.“
[Der Reichstag wird gezeigt. Punks schlurfen um ihn herum, die Wände sind voller Graffiti.]
Nach Verlassen der öffentlichen Gebäude nahm der Bodensatz der Bevölkerung sich der Räumlichkeiten an. Nach nicht lange anhaltender Zerstörungswut seien die Asozialen dazu übergegangen, die Gebäude als Schlafplätze zu nutzen oder sich von ihnen zu stürzen, so die Beobachtungen der Polizei.
[Die Kamera zoomt an das Gebäude ran. Ein Mann in einem zerfetzen Bademantel schreit in Richtung Kamera: „Fickt euch ihr dreckigen Kapitalistenschweine! AAAAAh-HAHAHA!“]
[Schnitt, ein gigantisches schwarzes, monolithisches Gebäude wird gezeigt. Deutsche Flaggen wehen von ihm herab, auf ihnen das Zeigen des Göttlichen.]
Indessen ist der Umzug nach Quickborn beendet und die Räumlichkeiten sind bezogen. Das neue Gebäude, dass der Göttliche aus dem Erdreich hob, ist aus einem Stück geschlagen und besteht vor allem aus schwarzem Marmor. Trotz Wegfall der Kosten für das eigentliche Gebäude müssen nun noch die Gelder in den Haushalt einrechnet werden, die für den Umzug anfielen.
[Ein Bundestagsabgeordneter der nationalsozialistischen Spaßpartei, er ist als Clown verkleidet und hüpft auf einem Pogostock auf und ab, spricht in die Kamera.]
„Nun sicherlich entstanden einige Kosten beim Umzug hier nach Quickborn und die müssen bewältigt werden, aber bisher hat sich das Modell, alles auf Pump zu bezahlen als recht solide erwiesen – zudem muss eindeutig gesagt werden, dass im neuen Gebäude durch die Lüftungsschächte der Gestank von Armut nicht mehr ins Gebäude hineinkommt und der Gestank der Faulheit von innen nach außen gepustet wird.“
[Das Gebäude ist in der Totalen zu sehen.]
„Zusätzlich zu den reguären Zahlungen schlug Finanzminister Lorenz vor, einige Tiere und arme Menschen zu opfern, um den Göttlichen gnädig zu stimmen.“
[Schnitt zurück ins Studio]