Von prophet am Freitag, Juli 31, 2009 um 18:35

Feigheit zur Lücke

Hach, was ist San Andreas lange her. Damals waren Computerspiele noch was richtig tolles. Meine kürzliche Flucht in Serien wie Scrubs und Top Gear geriet leider ein wenig aus der Puste und so gab ich schließlich dem Verlangen nach, das von mir seit dessen Erscheinen eher misstrauisch beäugte GTA 4 käuflich zu erwerben. Ich fasse mich auch (für dieses Thema verhältnismäßig) kurz, wurde doch schon alles schreibenswerte drüber geschrieben.
Was lässt einen das Spiel nicht alles tun. Dart spielen, an Spieleautomaten daddeln, sich betrinken, Bowlen gehen, Stripperinnen löschen und Spam aus unseren E-Mails angaffen, alberne Hüte kaufen, mit Frauen ausgehen (wie im echten Leben: den Aufwand nicht wert), Billard spielen, Straßenmusikern Geld zuwerfen, alte Frauen überfahren, Essen essen, auf den Zug warten, Tischdeckchen häklen (stimmt nicht) und mein absoluter Favourit, unserer Hauptfigur beim Fernsehen gucken zugucken. Was einen das Spiel aber nicht lässt, ist in Ruhe. Ständig rufen Personen, die man im Laufe der Missionen traf an und fragen, ob man nicht Lust hätte, mit ihnen Zeit zu verbringen. Man hat übrigens nichts davon. Nein, Cousin Roman, ich möchte NICHT 10 Minuten Spielzeit damit verbringen, dich durch die Stadt zu fahren und mit dir einen triefenden Burger zu essen, um dich dann zurückzufahren. Hier hätte Rockstar Mut zur Lücke haben müssen und diesen ganzen albernen Kram streichen sollen, hätte bestimmt bis zu 2 GB eingespart. Von all den unnötigen, vom eigentlichen Spiel ablenkenden Nebenbei-Aktivitäten ist das Fernsehen, und davon war ich überrascht, mit Abstand am besten. Rockstar hat schon mehrmals mit Radiosendungen bewiesen, wie großartig sie Popkultur auf die Schippe nehmen können, aber das Programm der beiden Fernsehsender ist wirklich zum Brül-len. Ebenso toll sind die Moderatoren und die Werbung im Radio, auch wenn die Musik mir in GTA 4 nicht so besonders gefällt. Dafür kann man wieder eigene MP3s importieren, die man auch moderieren lassen kann. Und dessen sind sich die Moderatoren bewusst: The Future of Music - you, alone in a dark room, stealing music off the internet. Fantastisch, wenn die gehässigen Moderatoren die (eigene) Musik permanent auch noch schlecht machen. Man merkt, Rockstar hat kapiert, wie der Humor ihres Publikums funktioniert und setzt es großartig um.
Ebenso großartig umgesetzt sind die Charaktere. Auch wenn viele nur bestimmte Klischees vertreten (der Italo-Mafiosi, der kiffender Jamaicaner, der selbstverliebte Steriod-Junkie, die Tucke, der Gangster (im afroamerikanischen Sinne), der korrupte Cop), sie überzeugen. Wer auch immer die Synchronsprecher für die GTA-Spiele castet, der Mensch ist fantastisch in seinem Job! Wäre es ein Film, spräche ich von guter schauspielerischer Leistung. Die Personen sind einfach stimmig. Deshalb mache ich auch lieber Missionen als scheiss Darts zu spielen - jede Cutszene ist hundertmal spannender. Athmosphäre ist wohl das Wort, das all dies umspannt. Und da punktet GTA 4 as FUCK.
Wo ich mich hingegen ärgern muss ist die Technik. Werden Grafikoptionen hochgeschraubt, kostet das Punkte, deren Limit sich am Speicher der Grafikkarte orientiert. Nur leider ist dies ein schwachsinniger Maßstab und würde die Grafik bei mir auf 256 MB (=Spiel potthässlich) reduzieren. Also haxxortrixx angewandt und die Sperre umgangen. Nun verwende ich etwa 500 MB und habe praktisch keine Ruckler, nur manchmal werden Texturen SEHR spät geladen, so dass man in grauerMatsche steht statt auf hochauflösendem Asphalt, und manchmal sind Texturen, wo keine sein sollten, so dass die Sicht versperrt wird, auch mit Patch 1.4. Vom "Social Club", quasi dem Launcher des Spieles, will ich gar nicht erst sprechen. Nur soviel: Er nervt.
Hab ich irgendwas vergessen? Achja! DAS SPIEL! Ja, tatsächlich gibt es da noch das eigentliche Spiel mit dem Autofahren und Schießen, das sich mit aller Gewalt hinter den cinematischen Cutszenes und dem aufgesetzten Minigame-Kombinat versteckt. Die Fahrten sind durch die realistischere und somit WEIT trägere Steuerung vor allem über weite Strecken manchmal recht anstregend und man ist dankbar, wenn man mit dem Hubschrauber die Zielorte direkt anfliegen kann. Dennoch macht es Spaß, mit dem Motorrad durch den engen Verkehr der Innenstadt zu jagen. Was sich meiner Ansicht nach verbessert hat sind die Feuergefechte, was am Deckungs-System liegt, das Gears of War kaum besser haben kann. Alles kann als Deckung dienen, an die man sich lehnt und um Ecken ballert. Super. Die Missionen bieten zwar Abwechslung, aber die langweilige Sorte wiederholt sich recht oft (Fahre nach A und erschieße B). Es sind aber auch positive Überraschungen dabei, wie etwa die Entführung einer Mafiosi-Tochter. Sie versucht ihr Auto zu verkaufen, und man gibt sich als interessierter Käufer aus, um sie dann bei der Probefahrt zu entführen. Das tolle: Sie greift einem mehrfach ins Lenkrad, was verdammt gefährlich wird, wenn man schnell fährt, oder sie winkt und schreit aus dem Cabrio heraus nach den Polizeiautos, an denen man vorbeifährt und zieht so deren Aufmerksamkeit auf sich. Hab ich so vorher in noch keinen Spiel gesehen. Den Rest der Fahrt schimpft sie, bis sie durch einen schnellen Ellenbogenstoß ruhig gestellt wird. Oder die Mission, wo man sich auf einem fahrenden Truck halten muss. Oder die mit der Motorroller-Verfolgungsjagd im Park. Oder die wo man mit dem langsamen Müllwagen fliehen muss. Aber auch die weniger originellen Missionen wie "Erschieße alle Gegner und renne zum Ausgang des Gebäudes" können toll sein, wenn das Gebäude ein Museum ist und bei den Feuergefechten die obligatorischen T-Rex-Skelette in den Ausstellungshallen getroffen werden und auseinanderfallen, so dass die Gegner mit etwas Glück von herabfallenden Dino-Kiefern zermalmt werden. Saucool. Von solch prägnanten Missionen gibt es etwa gleich viele wie von komplett belanglosen, generischen. Wieder der Apell an die Entwickler: Weniger (von letzteren) wäre mehr gewesen.
So ziemlich meine Kernaussage zu GTA 4. Würde man ein wenig streichen, nämlich die ständigen Anrufe der "Freunde", die 08/15 Missionen und die unnützen Minispiele, hätte man mehr Zeit für ein wenig Bugfixing. Dann wäre GTA 4 noch großartiger, als es eh schon ist. Sollte dies mein letztes Spiel sein: Es war eine gute Wahl.
Die behindertste Mission von allen ist übrigens diese: Man hat 22 Dollar und wenige Cents und kriegt den Auftrag, zum Rasenmähermann zu fahren und den bestellten Ersatz für den von jemand anders verlorenen Tankdeckel abzuholen. Anders als sonst muss man sich auf der Fahrt an die Verkehrsregeln halten und darf nicht abkürzen! Um den Deckel kaufen zu können, kriegt man vom Auftraggeber ein Bündel Geld, das man aufsammeln muss. Dann fährt man zum Laden und will dieses beschissene Stück Plastik für 23 Dollar nochwas kaufen, merkt DORT aber, dass man zum Einsammeln von Geld nicht nur drüber laufen muss, sondern auch nen Knopf drücken muss, und das Spiel benachrichtigt einen nicht! Man selbst hat aber etwa einen Euro zu wenig im Besitz, so dass ein Auslegen des Geldes nicht möglich ist. Also muss man den scheiss Weg zurückfahren, das Geld aufsammeln, wieder hin, Deckel kaufen, zurück. Und man kriegt nichtmal was dafür! Sinnloseste aller Missio....oh Moment, das war gar nicht in GTA 4, sondern in RL 2. Die Unterschiede werden aber auch immer geringer.

Von Balthazzar am Mittwoch, Juli 29, 2009 um 20:55

Ich werd' zum fucking Hausmann

Ich bin im Krieg und im Krieg nimmt man keine Gefangenen.

Besser gesagt bin ich seit gut einem Monat entwurzelt, ich habe dem Norden den Rücken gekehrt und sitze nunmehr im Ausland. Fürth, München, um genau zu sein, wo ich als Trainee (hübsche Umschreibung für "Praktikant") bei der Games Aktuell angestellt bin. Macht Spaß, ist aber überhaupt nicht Thema jetzt (Genauso wenig wie dass Prophet momentan an GTA IV sitzt, Beschwerdebericht folgt).

Um eines klar zu stellen: Ich bin nicht faul, ich bin kein verwöhntes Einzelkind (zumindest nicht verwöhnt), man hat nur einfach nie wirklich die Leistung im Haushalt von mir gefordert. Klar habe ich seit neun Monaten einen Drill Instructor (Freundin), aber in der kurzen Zeit ist aus mir kaum mehr als ein blutiger Anfänger geworden.
So muss ich mir nun meine Sporen on tha streets ... ähem ... in der Mietwohnung verdienen.

Wäsche waschen, Bügeln, Bad putzen, Kochen, bring it on. 1996, Rage Against the Machine, Evil Empire, Vietnow.

"Fear is your, fear is your, fear is your only god!"

Ja, Kalk, faltige T-Shirts, überlaufende Töpfe, Angst ist euer Gott, aber ich habe keine Angst mehr! Ist man erst auf sich alleine gestellt, merkt man schnell, was wirklich wichtig ist in der Schlacht. Treibende Beats, quietschende Gitarren und Lyrics, die Säure verspritzen.

Badezimmer, Toilettenreiniger unter die Schüssel, einwirken lassen. Essigreiniger für die Dusche, nicht die Rillen vergessen!

"So have no illusions boy, vomit up all ideals and serve, sleep and wake and serve ..."

Scheiß drauf, ich bin kein Teil der Maschine, Badezimmerspiegel, Glasreiniger.

"Yeah you're trying to tire me, tire me? *pfft pfft* So get the fuck from in front of me!"

Badezimmer sauber, auf zum Bügeln. 2000, immernoch RATM, Renegades.

"Because I'm housin' *bügel* Relate to the matter as I drop the bomb!"

Fuck, die Bügelwäsche ist glatt gedampft, das Badezimmer gereinigt. Zeit für die Jagd!
Putenfleisch, Reis, gemischter Salat, ein scharfes Messer. Fleisch hacken, mit Zwiebeln braten. Auf den Reis aufpassen, nicht überkochen lassen, Deckel auf halbacht. Salat mit Thousand Island Dressing und Salat-Gewürzen, nicht die gesunde Komponente vergessen!

"Here is something you can't understand, how I could just ... kill a meal!" (oder so)

Ausgewogene Mahlzeit. Überleben gesichert. Das System wird mich nicht kriegen, ich bin autark. Gib mir Reiniger, Kochutensilien, eine Waschmaschine, 'nen Bügeleisen und klassischen Rock, ich starte meine eigene Revolution.

Von prophet am Sonntag, Juli 26, 2009 um 19:23

Mein schlechter Vergleich

Mein Verhalten was Serien angeht stößt sich an dem Modell des Fernsehens: Ich ertrage es nicht, jeweils eine Woche zu warten bis eine neue Folge erscheint, die ich dann sehen muss, wenn der Sender es mir anbietet. Ich bevorzuge es, sehr viele Folgen auf einmal, direkt hintereinander zu schauen, und so innerhalb kurzer Zeit viel der Serie meiner Wahl aufzusaugen. So geschah es mit dem Großteil von House, so geschah es mit Trailer Park Boys in Gänze, so geschieht, nein, geschah es in den letzten paar Tagen mit Scrubs. Was mir an Serien immer wieder gefällt, was es im echten Leben so kaum gibt, ist, dass fast alle Leute in ausformulierten Monologen reden UND DENKEN und aus Erlebtem moralisch lernen. Man stelle sich vor, im echten Leben liefe es wie am Ende einer Folge Scrubs.

Alle Nebengeräusche werden leiser, die Kamera zoomt an mein nachdenkliches Gesicht heran und die ersten Töne einer Gitarre kündigen ein Indypop Acoustic Alternative Rock Lied an (das cover von hey ya ist großartig, beim Lesen anhören). Meine Stimme erklingt mit einem leichten Hall-Effekt.
...Manchmal scheint es nach einer langen Zeit voller Probleme so, als wäre kein Ende in Sicht und als wären die Hindernisse auf unserem Weg unüberwindlich. Ob es nun um die Bewältigung der Fehler aus der Vergangenheit geht...
Überblendung. Peter Harry steht in seinem Büro in Kiel vor der großen Scheibe, an die der Regen prasselt. Er hat seine Krawatte gelockert und schaut müde aus. In seinen Brillengläsern spiegelt sich die graue, nasse Welt vor der Scheibe und er guckt gedankenverloren durch das Glas. Die Kamera zeigt die Zeitungen, die auf seinem Arbeitstisch liegen - gefüllt mit Titelseiten, auf denen von der Auflösung des Landtages und den Skandalen um seine Involvierung in die Zahlungen an den Chef der HSH geht. Peter Harry dreht sich um, guckt zu seinem Tisch und seufzt.
...um Erwartungen, die alle gegenwärtig an einen stellen...
Überblendung. Steve Ballmer stützt seinen Kopf auf seine Hand. Ihm gegenüber sitzt eine feuchtgekämmte Auswahl der teuren Anwälte, die beauftragt wurden, mit den Klagen der EU-Kommission wegen der angeblichen Markteinschränkung durch den Internet Explorer in Windows 7 zu dealen. Sie berichten ihm davon, dass der andauernde Prozess aussichtslos erscheint und alle angeordneten Proteste gegen die Entscheidung der Kommission ausweglos sind. Ballmer massiert sich die Stirn und starrt auf die Akten, die vor ihm liegen.
...oder um die Gestaltung der eigenen Zukunft.
Überblendung. Ich liege in meinem Ohrensessel (nein wirklich!) vorm PC. Die Rollos sind heruntergelassen, es ist dunkel und durch die Abhitze von Rechner und Bildschirm warm im Raum. Ich rutsche noch ein wenig, um eine bequemere Position zum Skifliegen zu finden und blicke dabei zufällig auf mein Abiturzeugnis, das auf dem Schreibtisch mir gegenüber liegt. Ich denke daran, dass selbst der größte Gammler, den ich kenne, ab nächstem Monat endlich einen Job hat (Viel Glück!) und klicke die nächste Folge Scrubs an. Hab ja Zeit.
Dabei müssen wir oft feststellen, dass das größte Hindernis in unserem Weg oft nur unsere eigene Sturheit ist, die wir mit einer einzigen starken Entscheidung überwinden können.
Überblendung. Peter Harry setzt sich und tippt eine Nummer in sein Telefon ein. Nach kurzem Warten sagt er: "Hallo Dirk, ich bins. Ich muss mit dir wegen dem Geld reden. Hör mal. Das war so nicht in Ordnung..."
Überblendung. Steve Ballmer lehnt sich in seinem ächtzenden Sessel zurück und blickt die Decke an. "Also gut", sagt er, "wir geben nach. Bieten wir halt auch andere Browser an. Was solls." Die Anwälte gucken erstaunt.
Überblendung. Ich liege in meinem Sessel und will die nächste Folge Scrubs anklicken. Ich gucke kurz ins Nichts. Dann setze ich mich stattdessen aufrecht hin, schließe den Tab und tippe die Adresse der Jobbörse der Arbeitsagentur ein. Die Kamera zoomt raus, die nächste Einstellung zeigt wieder mich, wie ich durch Listen von Ausbildungsplätzen scrolle.
Wenn wir durch andere endlich lernen, dass das eigentliche Hindernis nur in unserem Kopf sitzt, erscheint es oft gar nicht mehr so groß und abschreckend und ist schneller überwunden, als man erst glaubte.


...Nur IST das Leben keine Scrubs-Folge. Carstensen hat Herrn Nonnenmacher nicht angeraten, das Geld nicht anzunehmen, weil er auf einmal moralische Klarheit erfahren hat, sondern weil er nun in den Wahlkampf für die vorgezogene Neuwahl gehen muss und glaubt, so noch ein wenig PR zu retten. Microsoft hat das Installationsangebot anderer Browser nicht eingebaut, weil Steve Ballmer in sein Herz geblickt hat, sondern weil es juristisch keinen anderen Weg gab und eine Strafgebühr der EU ihn zu teuer zu stehen kommen würde. Außerdem glaube ich nicht, dass die Option für die alternativen Browser allzu auffällig präsentiert sein wird. Und ich...ich hab mir ein, zwei Stellen kurz näher angeschaut und dann weiter Scrubs geguckt. Das Leben ist nunmal leider keine romantisch-idealistische Fernsehserie.

Von Balthazzar am Donnerstag, Juli 23, 2009 um 20:17

Profits of Doom

Ich lege es wirklich nicht darauf an, mich mit dutzenden von Leuten zu umgeben, die täglich vom Untergang unserer Welt predigen. Vielleicht liegt es an meinem Gesicht, vielleicht wirke ich so naiv auf Andere im Allgemeinen, dass mich jeder darüber aufklären möchte, wie schlecht es uns doch geht. Letzten Endes vertrauen sich mir viele Leute an, egal welcher Stimmung sie gerade nachjagen.

Wahrscheinlich sind die Untergangs-Propheten gar nicht mal in der Überzahl, aber ich erinnere mich von allen Gruppen mit am liebsten an sie, da sie meiner Meinung nach zu den interessanteren Individuen gehören. Werft doch mal zum Beispiel einen Blick auf den hiesigen Propheten (obacht, dünnes Eis ...).
PropheT steht für die harte Realität, die einem förmlich ins Gesicht springt und die ich trotzdem übersehe. Sei es nun die weltgrößte private Söldnerorganisation, die mittlerweile in der Lage ist, sich Hochgeschwindigkeitsjets mit Langstreckenraketen für GELD zu kaufen, sei es einfach eine der unzähligen Verbrechen von Politikern egal welcher Nationalität, er sieht soviel mehr als ich.

Ein anderer Prophet in meinem Umfeld ist mein Vermieter, seines Zeichens ein Teil unserer immer kleiner werdenden geistigen Elite. Er hat mehrfach studiert, ist aktuell erneut bei einem Fernstudium neben der Arbeit und allgemein immer auf der Höhe, was unsere demographische und wirtschaftliche Entwicklung angeht. Seine Quelle ist das statistische Bundesamt und er tischt mir die Wahrheiten auf, die nicht sofort ersichtlich sind. Er weiß von der Kalten Progression, von den Problemen unserer Wirtschaft und den Zusammenhängen, die dahinter stehen und warum unsere Rente auf lange Sicht hin kollabieren wird.

Beide haben eines gemeinsam: Sie informieren sich, was im Zuge des Vormarschs des Internets fast schon lächerlich einfach ist, möchte man meinen. Warum informiere ich mich also nicht einfach selbst? Warum weiß PropheT so viel mehr über Politik und das allgemeine Geschehen als ich?
Bin ich in Wahrheit wirklich nur ein simpler Geist? Ich denke nicht, ansonsten würden mich die Gedanken der Propheten nicht so sehr interessieren, dass ich ihnen jedes Mal aufs Neue gespannt zuhöre.

Grenzt mich meine Arbeit als Praktikant so sehr ein, dass ich nichts mehr wahrnehmen kann? Das kann trotz meiner Überstunden auch nicht sein, da ich in meiner Redaktion vor meinem Rechner eigentlich direkt am Nerv der Ereignisse sitze. Rein Theoretisch sind die aktuellsten Neuigkeiten nur einen Klick entfernt ...

Letzten Endes genüge ich mir selbst. Hier ein bisschen Musik hören und Gitarre spielen, dort ein bisschen Videospiele und Bücher konsumieren, schließlich noch die Freundin am anderen Ende von Deutschland anrufen - eigentlich bin ich voll ausgelastet und glücklich dabei.
Sollte mich das traurig stimmen? Bin ich verpflichtet, über alle Krisen Bescheid zu wissen?

Am wichtigsten noch: Macht mich das zu einem besseren Menschen? Der Vermieter legt beim Kopfrechnen ungefähr mein dreifaches Tempo vor und kennt sich bestens mit dem deutschen Bürokratiemonster aus und trotzdem übersieht der Intellektuelle, dass seine Freundin insgeheim in ihre Heimat zurückkehren will.

Natürlich sollte man seine Augen nicht absichtlich verschließen, wenn man nicht blindlings in den nächstbesten Abgrund stürzen will. Aber was bringt es einem wirklich, sich tagein, tagaus mit dem zu beschäftigen, was unsere Welt systematisch zerstört? Verfängt man sich nicht in einer Spirale aus recherchieren, sich ärgern und schließlich immer verbitterter werden?

Nachvollziehen kann ich es nicht, dafür ticke ich einfach zu andersartig, es beeindruckt mich aber jedes Mal wieder aufs Neue.

Von prophet am Mittwoch, Juli 22, 2009 um 11:13

Wenn die Musi spuit

16 - Blaze Of Incompetence [2006] []
Man nehme Lair of the Minotaur, entferne die Dreckkruste, entferne die Aggression und die catchy Riffs und tadaaa - man hat die Band "16". Ganz so schlimm wie das jetzt klingt ist es nicht, die Mischung aus Sludge und Stoner Metal funktioniert, jedoch fehlt es an eigenen Ideen und vor allem an herausragenden Songs, die im Ohr hängen bleiben. So ist Blaze Of Incompetence zwar ein solides Album mit dröhnendem Sound und dicken Gitarren, aber leider ohne genug Schwung, um toll zu sein.

Absu - Absu [2009] []
Wie klingt eine Black- / Thrashmetal Band, die ihr erstes Album seit acht Jahren aufnimmt und Experimente wagt? Fan-fucking-tastisch! Mal klingt man nach den alten Celtic Frost, mal symphonisch nach Emperor, in den Soli mal nach Prog, mal haut man lupenreines, brutales Thrash-Geriffe raus, auf das Sodom stolz wären. Voran gepeitscht werden alle Song von Drummer und Sänger McGovern, der sich locker mit Frost messen kann. Großartiges Album voller irre eingängier Riffs mit viel Abwechslung und viel Wumms dahinter. Top.

Akimbo - Forging Steel And Laying Stone [2006] []
Converge plus Cancer Bats plus frühe Torche plus leicht einen an der Waffel gleich Akimbo, deren leicht irrer Hardcore mit Noise und Stoner Rock liebäugelt. Das heißt viel Geschreie, das heißt die Gitarren sind irgendwo zwischen Moshparts und...funky vermittelt den falschen Eindruck, das heißt sehr unterschiedliche Tempi, das heißt sehr eigenständige Songs, die zwar nicht alle geglückt sind, aber im großen und ganzen ein ambitioniertes Album abgeben. Gefällt sicher nicht jedem, mir schon.

Gary Moore - Out in the Fields-The Very Best Of [1998] []
Gary Moore spielte schon mit Thin Lizzy, B. B. King oder den Skid Row, nach denen sich DIE Skid Row benannten. In seinen Solo-Alben spielt er fast schon poppigen Blues bis Hard Rock, mit 80er Synthies und (technisch tollen) Soli, die in mittelmäßigen Romanzen gespielt werden könnten. Sein bekanntester Song ist wohl "Over the Hills and far away", ja genau, den haben Nightwish mal gecovert. Auch wenn es schon Kitsch ist - eine gute Sammlung kraftvoller Rock und Blues Songs für übern Tellerrand. Mal ne Chance geben.

Kreator - Pleasure To Kill [1986] []
Schluss mit lustig. Das was Kreator 1986 auf Pleasure to Kill abfeuerten, bremst nicht für melodisches Gedudel oder lange Songaufbauten. Wenn Trivium auf der einen Seite des Thrash stehen, steht dieses Album auf der anderen und eckt an Death Metal an. Mit (fast nur) durchgetretenem Gaspedal keift sich Mille die Seele aus dem Leib, tritt das Album die Hörer von Song zu Song, feiern die Gitarren sich selbst. Raining Blood ist zivilisiert hiergegen. Geil, auch wenn es der Melodik eines Enemy of God entbehrt.

KISS - Creatures Of The Night [1982] []
Nachdem sie poppig geworden waren, nahmen sich KISS damals vor, wieder zu ihren härteren Wurzeln zurückzukehren. Und genau deshalb halte ich Creatures of the Night für so ein gutes Einstiegsalbum für KISS, wenn man aus meiner Richtung kommt, weil sich hier zwar super eingängige Songs finden, die aber immer noch Power, einen gewissen Tritt haben, allen voran der Titeltrack. Dass Paul Stanley ein absolut brillianter Sänger ist, brauche ich wohl nicht hervorzuheben. Verdienter Klassiker.

Skitsystem - Stigmata [2006] []
Rock : Punk wie Punk : Hardcorepunk wie Hardcorepunk : Crust Punk. Die Schweden vom inzwischen aufgelösten Skitsystem schreddern sich gnadenlos brutal durch 12 Songs, die eigentlich langweilen müssten, es irgendwie aber nicht tun. Mit tiefem Geschreddere, Aggro-Geschreie und tightem Getrommel werden dem Hörer die Songs um die Ohren geprügelt. Atempause? FUCK YOU! Wenn Bolt Throwers Musik ein Panzer ist, dann ist dieses Album ein Panzer mit Heckspoiler und Punk-Vinyls auf 200 km/h.

Von prophet am Montag, Juli 20, 2009 um 12:44

Smooth Criminal

Manch einer mag sich fragen, was all das Geraffel zu bedeuten hat, das im Moment hier bei uns im hohen Norden abgeht und aktuell die Nachrichten dominiert. Eine kleine, unsachliche Erklärung:
Im Februar 2003 fassten Schleswig Holstein und Hamburg zusammen die Hamburgische Landesbank mit der Landesbank Schleswig-Holstein zur HSH Nordbank zusammen, was von Hamburgs Bürgermeister von Beust als "eine neue Ära der Zusammenarbeit" betitelt wurde. Ihr Vorzeigeprojekt, das den Ländern zu fast 60% gehört und etwa den Hamburger Finanzsenator Michael Freytag im Aufsichtsrat sitzen hatte (von Beust sagte, die Bank habe eine "geringe Einflussnahme" durch die Politik, hahaha), sollte, entgegen jeder wirtschaftlichen Realität, (durch die Beteiligung der Länder) Geld in die Kassen spülen. Ebenjene großartige neue Landesbank vermeldete im November 2007 einen Verlust von 91.000.000 Euro durch US Immobilien, an denen sie beteiligt war, weil die Landesregierungen entschieden, dort Risikogeschäfte einzugehen und Casino zu spielen. Das war den Landesregierungen jedoch herzlich egal, die Landesbank hat als Prestigeobjekt zu laufen, weshalb auch aus den Kassen der Länder (man bemerke: Schleswig Holstein gilt inzwischen als pleite) nach jedem neuen Flop Geld in die Bank gepumpt wurde. Die Bank widerum versicherte der Politik durch vage Versprechungen immer wieder, dass Gewinne eingefahren werden würden, womit sich diese auch einwickeln ließ.
Trotz eben dieser Summen, die den Jahreshaushalt der beiden Länder jedes Mal wieder über 50.000.000 Euro belasten (man stelle sich mal vor das Geld ginge an Schulen), musste die Bank Ende letzten Jahres 30.000.000.000 Euro Hilfe vom Bund beantragen - und bekam sie auch. Bedingung für die staatliche Finanzspritze war jedoch, dass die Spitzengehälter der Manager sich auf 500.000 Euro Maximum beschränken.
Hier kommt nun der aktuelle Anlass: Der Vorstandsvorsitzende der HSH Nordbank, Herr Nonnenmacher, bekam von Peter Harry Carstensen, zusammen mit von Beust inzwischen der große Entscheider bei der Bank, mehr als fünf Mal so viel Geld als "Sonderprämie" ausgezahlt, nämlich 2.900.000 Euro. Carstensen UND von Beust genehmigten diese Zahlung, Carstensen jedoch ohne das S-H Parlament, das darüber zu entscheiden hätte, zu informieren. Schlimmer noch, Carstensen behauptete in einem Brief, dass die SPD dieser Zahlung explizit zugestimmt hätte. Diese behauptet, davon nichts gewusst zu haben, wurde jedoch von Innenminister Lothar Hay angeblich darüber informiert - eine offizielle Zustimmung gab es jedoch anscheinend nicht.
Inzwischen gab Carstensen zu, dass er gelogen hat. Nein, gelogen, das gab er nicht zu, er sagte, er sei "vielleicht ein bisschen flott hinweggegangen", über die Formulierung, dass das Parlament seine illegalen Geldgeschäfte legitimiert hätte. Und nun, da diese Lügen, denn nichts anderes ist es, ans Tageslicht kommen, kann ich Herrn Stegner, dem schleswig-holsteinischen SPD-Chef, nur Recht geben, wenn er sagt: „Jemand, der die Koalition gesprengt und das Parlament belogen hat, sollte nicht daran denken, den Landtag aufzulösen, sondern der sollte eher zurücktreten“. Ganz meine Meinung. Belogene Bevölkerung des Nordens, deren Steuergeld von inkompetenten, gierigen Politikern in dubiosen Geldschiebereien verloren wurde:

YOU'VE BEEN HIT BY (dsch dsch)
YOU'VE BEEN STRUCK BY (dsch)
A SMOOOOOTH CRIMINAL!

Von prophet am Samstag, Juli 18, 2009 um 17:38

Gigantomaniac

Bleiben mir denn nur noch die BBC World News? Während CNN bedenklich Partei ergreift und darüber berichtet, wie in New York die Pommesbuden per Twitter (sowieso der Liebling von CNN) ihre täglich wechselnden Standorte posten, sind die beiden einzigen deutschen Fernsehnachrichten die ich mir angucken kann, ohne den Wunsch zu verspüren, ständig Dinge auf den Bildschirm zu werfen, die Tagesschau und die ZDF heute Nachrichten, die zwar auch ihre Mankos haben und teils sehr einseitig berichten, jedoch immer noch weit über dem unfassbaren Schrott stehen, den die Privatsender wagen als "Nachrichten" zu verkaufen.
Letztere, die heute-Nachrichten also, haben seit gestern ein neues Studio, dessen Kosten sich auf dreißig Millionen Euro belaufen. Nur nochmal zur Erinnerung: Das ZDF bekommt die GEZ Gebühren, die man in Deutschland zu zahlen hat. Dreißig Millionen Euro. Was bekommt der undankbare, da sich beschwerende Zuschauer dafür? Einen fucking gigantischen Raum mit einem Tisch, dessen wahnwitzige Größe so unnötig ist wie die gegenwärtig tägliche Verwendung von Sendezeit auf Fahrradfahren. Die Farbauswahl mag ok sein, aber mehrfach kritisiert wurde der Mangel an Lesbarkeit der Schrift. Tolle neue Features: Während Ancorman Steffen Seiber redet, fliegen im Hintergrund die Bilder zum Beitrag wie in der Powerpoint-Präsentation eines Siebtklässlers, der sein erstes Referat halten muss, jeweils mit kleiner Rutsch- und Auflöse Animation davon und sobald der Videobeitrag beginnt, zoomt die Kamera auf den Ausschnitt im Hintergrund. Dreißig Millionen Euro. Acht Themen pro Sendung. Acht. Ich zähle mal kurz wie viele Themen nur auf der Startseite von etwa Economist.com verfügbar sind...irgendwas inne 20en.
Anstatt das Geld auf fancy shiny bling bling 3D Animationen und Augenwischerei zu verwenden, hätte das ZDF das Geld lieber in mehr Korrespondenten investieren sollen. Oder dafür ausgeben, die Sendezeit auf Kosten der Werbung zu erhöhen, um mehr Themen anzusprechen. Aber nicht dafür, die Moderatoren in einem Umfeld zu zeigen, das auf den ersten Blick als mittelmäßig gerendert zu erkennen ist. Wenn das ZDF glaubt, dass es seine Zuschauerzahlen, die sich im freien Fall befinden, dadurch stabilisiert, dass es den Nachrichten eine neue Optik gibt, die, Zitat, "dem Sehgefühl junger Zuschauer" entspricht, dann hat es sich aber mal sowas von geschnitten. Man stelle sich vor, sie hätten sagenhafte 30 Millionen Tacken in die Inhalte investiert, die sie präsentieren, denn darauf kommt es dem Zuschauer an. Das wäre es nämlich, was gute PR bringt. Und nicht ein gigantischer leerer Plastikraum. Ach, und bevor ich es vergesse: lol Fernsehnachrichten, das News-Medium, das nach den Printnachrichten als nächstes ausstirbt.

Von prophet am Donnerstag, Juli 16, 2009 um 15:54

Ich werd zum fucking Koch

What in the FUCK. Ich werde noch zu sonem richtigen Feinschmecker, sonem Komet. Da ich Nichtsnutz ja den ganzen Tag nichts zu tun habe, gucke ich seit gestern die fucking großartige kanadische Comedy-Serie "Trailer Park Boys" - und das staffelweise. Fucking großartig, eine Schande, dass sie nie in Deutschland laufen wird. Aber zum Thema: Eine der Figuren, Randy, hat eine fucking gigantische Plautze, was an seinem enormen Cheeseburgerkonsum liegt. Das ganze fuckoff Gelaber über Cheeseburger macht einem natürlich Hunger (Shitfernsehen mit ihren fucking unterschwelligen Gehirnmanipulationsnachrichten) und so sah ich heute meine Gelegenheit gekommen: Mir waren so oder so Mini-Frikadellen provided. Waren auch schon auf. Statt aber wie sonst die faule Shitsau zu sein und mir eine Handvoll von den Dingern einfach zu reinzuziehen, um durch den Tag zu kommen, hab ich mir die Cocksucker gegriffen, Käse drüber getan (und ich mag eigentlich keinen Käse), ab in die Mikrowelle, so dass der Käse drüber fein zerbackt, dann fucking Ketchup auf Brot geschmiert, die Fucker mit dem Käse rauf aufs Brot - jetzt wird es richtig übertrieben - eine fucking Gurke (!) genommen und in Scheiben geschnitten, so dass auf jede goddamn Frikadelle eine Gurkenscheibe kam und das ganze dann so gegessen. Jesus fucking Christ it was amazing. Bestes motherfucking Essen ever, gnomesaying. Fucking Trailer Park Boys beeinflusst mein Essverhalten. Wenigstens hat es mein dirty fucking Vokabular nicht minipuliert.

Von prophet am Dienstag, Juli 14, 2009 um 10:19

Duell des Grauens

Zwei im ersten Halbjahr 2009 auf DVD erschienene Action-Filme kamen mir in den letzten Tagen unter die Augen und kämpften hart und erbittert darum, welcher denn nun schlechter sei und, oh boy, sie sind beide verdammt gut im furchtbar sein. Es waren die Film-Adaption von Max Payne und der dritte Teil der Transporter-Serie, die mich in all ihrer Entsetzlichkeit besuchten. Der Ausgang dieses internen Kräftemessens des Müllkinos ist so knapp, ich weiß jetzt, zu Beginn des Posts noch nicht, welchen ich furchtbarer fand. Machen wir uns nun also auf und vergleichen erstmal die positiven Seiten:

Positives an Max Payne:
Der Film hat, zugegeben, eine nette Optik, die primär aus vier Farben besteht: Schwarz, Grau, ein wenig Weiß und sehr pointiert Orange. An mehr Töne kann ich mich nicht erinnern. Der Film Noir Look gefiel mir und irgendwie fiel der Schnee immer so komisch langsam, das hatte schon was. Und....äh....
Positives an Transporter 3:
Jason Statham oleee oleee. Zwar hab ich ihn bis auf Revolver immer noch nicht gut schauspielern sehen, aber er ist einfach ne coole Sau. Das bleibt ihm ja mal sagen unbenommen. Dann fährt er nen sehr schicken Audi. Und äh...

Und das war es auch schon. Viel kann man damit nicht wettmachen. Kommen wir nun zu den negativen Aspekten, was ein wenig länger dauern wird. Sie werden auch nicht in irgendeiner Reihenfolge erscheinen oder formal angemessen dargestellt werden. Es ist nur stupides Gepöbel. Ich muss für die kommenden Abschnitte zwar vor massiven Spoilern warnen, aber ebenso davor, diese Filme jemals persönlich anzuschaun, daher ist es wohl nicht allzu dramatisch, wenn ich jetzt alles verrate. Augen zu und durch.

Negatives an Max Payne:
Das ALLERschlimmste war in meinen Augen folgendes: Seine Frau ist ja tot und es ist durchaus legitim, seine Erinnerungen an sie zu zeigen. Aber wenn er sie dann in einen weißen Kleidchen auf ihn zuspazieren sieht, und er kurz vorm Sterben ist, und sie dann zu ihm sagt "no Max, not yet", woraufhin er out of fucking nowhere enorme Kräfte mobilisiert, dann ist das Kitsch auf My Little Pony Niveau. Viel platter geht es nicht? Doch! Denn wenn Marky Mark (auf den komm ich gleich!) in versucht heftiger Tonlage sagt: "I don't believe in heaven...but i do believe in angels" und dann seine lachende Frau mit dem fröhlich glucksenden Baby gezeigt wird, dann versucht der Film, sich selbst an Kitsch zu übertreffen. Anders klischeehaft ist, als Marky Mark (gleich!) die Wunderdroge, die Supersoldaten aus den Konsumenten macht (oh wie originell), selbst einnimmt und dann wie ein Idiot um sich ballernd eine Gruppe von Security-Leuten niederballert, wobei seine weit aufgerissenen Augen gezeigt werden, die im Licht des Mündungsfeuers irre blitzen. Eine Einstellung, die man nichtmal in Rambo 4 gefunden hat, weil die sich dafür zu sehr geschämt hätten.
Marky Mark? Furchtbar! Der Kerl sieht einfach nicht so aus, wie es die Rolle erfordert. Zu jung, zu frisch, zu dynamisch, man nimmt ihm den gebrochenen Mann einfach nicht ab. Als ich seine deutsche Synchro im einleitenden Wegwerf-Monolog hörte, musste ich schnell auf Englisch umstellen, da es sonst noch entsetzlicher und monotoner geklungen hätte. Totales Fehlcasting.
Es gibt in dem Film zwar ne Menge Schießereien, aber diese sind stets vom Typ "der Held trifft ohne hinzugucken durch Glück den bösen Schergen mit seiner Pistole ins Knie, während diese mit ihren MGs Magazin um Magazin auf ihn schießen aber nie treffen". Nie stimmt nicht, ihm wird einmal in die Schulter geschossen, aber diese Schusswunde taucht danach nie wieder auf. Wie ist der Einsatz der für die Spiele prägnanten Zeitlupe? Nun, sie kommt vor, aber wenn, dann ist sie oft so stark, also die Zeit wird so sehr verlangsamt, dass man sich wünscht, man hätte sie weggelassen.
Anderes Thema: Wie kommts, dass ich nach nur zwei Szenen mit dem, der sich am Ende überraschend als der Böse heraussstellt, wusste, dass er sich am Ende überraschend als der Böse heraussstellt? Vermutlich, weil in einem solchen Film NIE, aber auch NIE der ältere, verdächtig freundliche Mann, der Chef in einem Pharmakonzern ist und in seinem Büro in dem Hochhaus vor einer großen Glasscheibe Whiskey trinkt, einer von den guten sein kann, sondern sich immer am Ende überraschend als der Böse heraussstellt. Es war einfach viel zu offensichtlich. Wie sehr die Schwester von dem, was sie im Film Mona Sax nennen, nervt, geht da fast schon unter. Gute Schauspieler sucht man in diesem Film vergebens. Ein Beispiel für jemanden, der in diesem Film nicht schauspielern kann? Ludacris! Ja, Ludacris spielt mit, bekannt für seine schwierigen Charakterstudien und ausdrucksstarke....no, wait...
Uh, und nochwas - die Vogelmenschenmonstertieredämen, die den Konsumenten der Wunderdroge erscheinen, sehen zwar vereinzelt noch recht cool aus, werden aber dann lächerlich, wenn sie zu lange im Bild sind und zu nahe an der Kamera stehen. Es ist einfach zu viel des Guten.
Alles in allem scheitert Max Payne also an folgendem: Durchschaubarer Handlung mit ebenso durchschaubaren Figuren, schwacher schauspielerischer Leistung, eimerweise Kitsch und fehldosierten Effekten.

Negatives an Transporter 3:
Osteuropäische Frauen haben in Filmen nichts verloren. Ich habe noch keine Frau mit hartem osteuropäischem Akzent in einem Film gesehen, die nicht genervt hat. Ebenso ist es in Transporter 3 - die Tussi, die er diesmal umherfahren muss stört von der ersten bis zur letzten Minute, jedoch immer auf andere Weise, da sie, wie auch die Rolle des Frank Martin, ständigen Schwankungen unterliegt. Die Schreiber haben es tatsächlich nicht hingekriegt, die Charaktere konstant zu halten, und nein, das zählt nicht unter "Facetten einer Persönlichkeit", es sind einfach Kontinuitätsfehler. Mal ist Frank der seriöse, stille Typ, der nur seinen Job machen will, dann ist er der freundliche Kerl der nicht aufhören kann zu reden, wtf. Die osteuropäische Trulla ist zuerst schweigsam und verweigert jegliche Kooperation, dann nimmt sie Drogen und ist aufgedreht und aggressiv fröhlich, um dann wie eine Klette an Frank zu hängen und unsterblich in ihn verliebt zu sein, nachdem sie für 2 Minuten die tiefsinnige Denkerin gab. Ich wiederhole: Die Charaktere haben keine durchgehende Persönlichkeit und wirken somit unglaubwürdig.
Oh, und wo wir bei Charakteren sind: Wer dachte, dass die Bulgarenbitch Kopfschmerzen bereitet, der kennt Otto noch nicht. Otto ist Deutscher, also dick und bärtig, lädt den Statham auf ein Schnitzel ein und ist Automechaniker (ich denke mir das nicht aus!). Otto kann neben Autos auch rein zufällig mit Computern umgehen was bedeutet, ohne Scheiss, dass er sich ab und zu mal "ins Pentagon häkkt" und dort in deren Dokumenten wühlt. Weil Häkker das tun. Sich ins Pentago.....FFFFFF-.....ganz ruhig. Otto weiß auch sofort um das Explosivarmband, das Statham mit sich trägt, weil man sowas halt irgendwie in KfZ/Häkker-Kreisen kennt...Auch gut sind die beiden Idioten am Anfang, die ein Giftmüllfass (darum gehts eigentlich im Film) aufmachen, weil sie glauben, dass Schnaps darin ist. Weil alle Matrosen dumme Menschen sind. Deshalb.
Entsprechend behindert sind die Dialoge - aus irgendeinem Grund muss die Slavenschlampe immer über Essen reden, was...nervt. Es macht keinen Sinn und es nervt. Als Frank sie fragt, was sie gerne isst, und sie mit hartem Akzent "Braten" sagt (ja, Braten!) vergeht einem so ziemlich alles. Ebenso sinnfrei ist der französische Kommisar, mit dem sich Frank angefreundet hat, der um seine Vergangenheit weiß, aber ihm immer hilft...irgendwie. Könnte auch eine Figur aus den Taxi-Filmen sein.
Was noch? Actionszenen. Boah. Beispiel: Verfolgungsjagd auf einer Landstraße, wo trotz schnellen Schnitten kein Geschwindigkeitsgefühl aufkommen mag. Als zwei nebeneinander fahrende LKWs (das bekannte 5-Stunden-Überholmanöver auf der Autobahn, nur halt auf der Landstraße) den Weg blockieren, wirft Frank den (zwei Tonnen schweren) Audi A8 auf zwei Räder (kurz ruckartig lenken, Gas und Bremse gleichzeitig, Fenster hochkurbeln und Radio aus) und fährt zwischen den LKWs durch, was ihm jedoch keinerlei Geschwindigkeitsvorteil bringt. Aber man wollte die Szene gern im Film haben. Anderes Beispiel: Nahkampf gegen viele Bösewichter. Die Szene gibt es zweimal im Film. In beiden Szenen zieht sich Statham teilweise aus, nur damit die weiblichen Zuschauer mehr von ihm zu sehen bekommen. Gerechtfertigt wird das Ausziehen dadurch, dass er sein Hemd um seine Gegner wickelt, um sie damit an sich heranzuziehen...erm...ja...
Was man immer wieder im Film sagen möchte ist "Nein, nein, das geht nicht". Man kann einen 2t schweren Audi nicht mit einem einzigen luftgefüllten Schlauchboot aus einem See heben. Der Audi kann nicht nach zwei Metern Anlauf einen halben Zugwaggon umgraben. Nei-En.
Alles in allem scheitert Transporter 3 also an folgendem: Die charakterlich schwankenden Charaktere nerven ALLE von vorne bis hinten, die Actionszenen sind komplett sinnfrei und existieren nur um ihrer selbst willen, die Handlung...welche Handlung?


Welcher der beiden ist nun unterm Strich schlechter? Ich bin mir nach all dem Getippe immer noch nicht sicher. Beide sind auf ihre eigene Art entsetzlich. Max Payne hat mehr Kitsch, dafür ist Transporter primitiver. Beide wirken, als hätte man sie ohne viel Mühe produziert, ohne sich wirklich Gedanken zu machen. Beide sollte man einfach nur weiträumig umgehen. Furchtbare, ganz furchtbare Filme. Keine Ahnung, welcher schlechter ist. Für mich ist es vermutlich Transporter 3, weil ich den Düster-Look von Max Payne gut finde. Niemand sollte dies für sich selbst entscheiden müssen, weil niemand auch nur einen von beiden gucken sollte. Finito.

Von prophet am Sonntag, Juli 12, 2009 um 14:08

Beute statt Rente

Auch wenn ihn sonst alle scheisse finden: Ich mag Peer Steinbrück. Er ist meist der erste aus den Reihen der Spitzenpolitik, der die Klappe aufreißt und sagt, was Sache ist, auch wenn es noch so unpopulär ist. Die letzte flammende Diskussion, die er anfachte, war die um die Rentengarantie, die die aktuelle Noch-Regierung zu geben verspricht. Steinbrück war der erste prominente Politiker, der dies kritisierte, da es für ihn finanziell nicht tragbar ist und nun haben auch andere Politiker wie Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel von und zu Guttenberg entdeckt, dass es auch junge Wähler gibt, die man abschrecken könnte, so dass sie sich dieser Position anschlossen.
{Ernsthafter Vermerk meinerseits: Wenn man sich die Ergebnisse der Studien anhört, die sich mit der Lebensqualität der Rentner in Altersheimen befassen, dann muss man berücksichtigen, dass man die Renten auf gar keinen Fall signifikant senken darf - wie viel Prozent aller alten Menschen in Pflegeheimen war unterernährt? 15? Wie viele waren laut dieser Studie wundgelegen, weil die Pfleger sie nicht oft genug wendeten? Das hat nichts mit würdevollem Lebensabend zu tun. Und das waren noch nicht mal die besonders billigen Heime. Altersarmut ist ganz ganz ekelig.}
Selbe Zeit, anderes Gebiet: ThyssenKrupp, Deutschlands größtes Stahl- und Rüstungsunternehmen und somit repräsentativ für die Branche, hatte einen Gewinnverlust um satte 63 Prozent zwischen Oktober bis Dezember und muss deshalb wieder Angestellte entlassen. Was hat das mit den Rentnern zu tun? Ganz einfach, ich hatte eine zündende Idee, wie wir sowohl den Karren mit den Alten als auch die Stahlindustrie aus dem Dreck ziehen können. Folgendes Szenario: Alle Alten werden zwangsrekrutiert und als Soldaten eingesetzt, ThyssenKrupp liefert Munition, Fahrzeuge, etc. Da die Rentner scheinbar eine so hohe Belastung für die nachfolgenden Generationen darstellen, werden die Renten gekürzt, was jedoch dadurch ausgeglichen wird, dass den alten Soldaten ausdrücklich gestattet wird, beim besiegten Feind nach Lust und Laune zu plündern, zu rauben und zu brandschatzen. Die so gewonnenen Reichtümer können sie in eine quantitative und qualitative Steigerung des Pflegedienstes investieren, so dass es zudem eine hohe Nachfrage nach Altenpflegern gibt, neue Chancen tun sich im Arbeitsmarkt auf. Opel baut doch eh Opa-Autos, die können auf Kettenfahrzeuge umschulen. Wenn die Alten wissen, dass von dem Erfolg ihrer militärischen Operationen ihr persönlicher Wohlstand abhängt, dann sind sie auch engagierter, denn nichts motiviert mehr als Gier. Außerdem sind Senioren bestimmt hervorragende Soldaten, mit ihrer reichen Lebenserfahrung und so. Vorbildliches Beispiel: Cohen der Barbar, bekannt aus den Scheibenweltbüchern (und der furchtbar langweiligen Verfilmung, die gestern im TV lief). Wieso nicht der Omma (wie beim irren Polterer) Klingen an den Rollstuhl schnallen und dem Feind entgegenfahren? Eine neue Lebensaufgabe (töten und rauben) bedeutet, wieder Freude am Leben zu haben, hat man doch ein Ziel vor Augen, außer alleine in einem Altenheim dahinzuvegetieren. Daher sage ich: Alte an die Front, auf dass sie ihren Lebensabend würdevoll verbringen, ohne den jüngeren Generationen Chancen zu verbauen!
(das hervorragende Titelbild von Paul Kidby)

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Von prophet am Freitag, Juli 10, 2009 um 10:59

Sampler

// Was gibt es denn heute schönes im deutschen Fernsehen? *tieflufthol*. Die Hit-Giganten. Mensch, ein Garant für Qualitätsfernsehen und gute Musik! Was ist denn diesmal das Thema? Die Top 30 #4 Chart-Erfolge der Popmusik der 80er? Nein. Es ist: "die Top 30 der besten Country- und Folksongs". Vergleichen wir doch mal Soll- und Ist-Wert. Wen sie dazu im Repertoire haben müssten: Johnny Cash, Bob Dylan, Hank Williams, Willie Nelson, Waylon Jennings, Merle Haggard, Bruce Springsteen, die Charlie Daniels Band, Neil Young, vielleicht noch Tom Waits, David Allan Coe, Kris Kristofferson, George Jones, wenn sie Kommerz werden wollen noch Dolly Parton, die Liste ließe sich ewig fortsetzen. Wen sie stattdessen haben: Truck Stop. Lynn Anderson (wer?). Tom Astor (wer?). Jane Comerford (die von Texas Lightning?). Johnny Hill (wer?) mit seinem Smash-Hit "Ruf Teddybär eins-vier" (WAS?). Als qualifizierte Kommentatoren für dieses große musikalische Feld haben sie sich Andrea Kiewel (wer?), Bürger Lars Dietrich (OH GOTT NEIN) und Volker "Zack" Michalowski (OH GOTT NEIN) eingeladen........muss ich da jetzt überhaupt noch was zu sagen? Nee, oder?

// Ich fand mich gestern Abend schon richtig heftig, als ich mit meinen instrumentalen Fähigkeiten, die sich fast schon mit denen eines Stängels Broccoli messen können, auf meiner E-Gitarre T.N.T. runtergekloppt hab. Der dritte Song, den ich größtenteils spielen kann, nach "Come as you are" und "Iron Man". Und man spielt so und die Fingerkuppen der linken Hand lösen sich langsam aber sicher auf und schmärzen, was aber in Ordnung geht, da macht es BOINK und es haut mir eine Saite raus. Nicht gerissen, aber irgendwie gelöst baumelte sie in der Luft umher. Ärgerlich. Muss rauskriegen, wie ich das Ding wieder einspanne. Auf Ukulele klingt T.N.T. nämlich so richtig scheisse.

// Apropos Iron Man: Den Song schlug mir er hier vor, als ich ihn nach super-simplen, aber bekannten Songs fragte. Gute Idee das, denn auf diese Weise kam ich dazu, mir doch noch das "Paranoid"-Album von Sabbath zu holen, die ich sonst ja immer so mittel fand. Lustig, wenn man eine eigentlich fremde Tracklist betrachtet aber alle Titel bereits kennt, weil man von fast jedem der Songs schon mindestens ein Cover gehört hat (bsp). Kurzum: Mir wurde klar, wieso dieses Album so einflussreich und bedeutsam für die weitere Entwicklung vergleichbarer Musik ist. Einfach eine Scheibe Allgemeinbildung. Das selbe Phänomen, dass ich Musik, die ich seit langem eigentlich hätte mögen müssen, es aber nicht tat, sehr spät doch noch für mich entdecke und dann umso besser finde, habe ich aktuell bei Death, vor allem ihrem Album "Symbolic". Ich erinnere mich noch daran, die Band mal in einer Diskussion ums gleichnamige Genre gebasht zu haben, was dann sofort den Shitstorm provozierte. Nun aber find ichs großartig. Mein Geschmack folgt wohl Darwin'schen Gesetzen. Es entstehenen zufällige Mutationen (ach, hör ich mir mal ein Lied Death an), die dann dem Selektionsdruck unterliegen (hey, das ist ja gut!). Jedenfalls mag ich jetzt auch Sabbath und Death.

Von prophet am Dienstag, Juli 07, 2009 um 20:29

Die Wurzel des Übels

Es war eine regnerische Nacht in der Urzeit. Draußen schüttete es wie aus Ureimern auf den Urwald, während in der Urhöhle die Urmenschen sich um das erst kürzlich erfundene U...Feuer scharten. Die meisten Höhlenmenschen beschäftigten sich vor allem mit dem Pulen der Flöhe und Zecken aus den groben Tierfellen, die sie um ihre bereits stark behaarten Körper trugen, und mit gelegentlichem Grunzen, da die gepflegte Unterhaltung erst diverse Jahrhunderte später erfunden werden würde. So ergaben sich lange Abende, mit viel Pulen und viel Grunzen. Ab und zu verbrannte sich jemand an dem Feuer, was immer für einen kurzen Lacher gut war.
Besonders erfolgreiche Jäger, die zumeist an ihren vielen Narben und dicken Oberarmen zu erkennen waren, sahen sich an Gesellschaftsabenden wie diesem immer von den Frauen dieser Zeit umringt. Je erfolgreicher ein Jäger war, desto höher war sein Ansehen und desto mehr Frauen umgaben ihn, um von seinem Erfolg und seinem Reichtum zu profitieren. Einige Dinge waren halt schon immer so. Man konnte an den Höhlendamen erkennen, wie gut sich der Mann bei der Jagd auf das mächtige Mammut oder den sehnigen Säbelzahntiger geschlagen hatte - je besser er war, desto weiter hingen die großen, behaarten Brüste seiner Gesellschaft herab.
Es gab nun aber einen Höhlenmenschen, der sich nicht mit derartigen Erfolgen schmücken konnte, hatte er doch bei der Jagd immer versagt. Er fühlte sich seinen Mit-Urmenschen geistig weit überlegen, so dass ihm die Brü...Frauen zugestanden hätten. Dieser eine Höhlenmensch, dessen Nase vermutlich weit spitzer war als die der anderen, denn intelligente Leute haben keine breiten Nasen, saß an diesen sonst so sozialen Abenden etwas ab von der Meute und starrte in den Regen hinaus, der vom Himmel fiel und hatte Gedankengänge, die seiner Zeit weit voraus waren. So etwas wie Gier gab es von Natur aus, aber Hinterlist und Falschheit mussten noch erfunden werden. Und so saß er und dachte, doch ihm fehlte immer das entscheidende Sprungbrett für seine Pläne. Doch an diesem einen bedeutenden Abend war es soweit, und die Geschichte stolperte ein ganzes Stück vorwärts. Wer weiß, was in den nächsten Jahrtausenden passiert wäre, wenn es diesen einen Höhlenmenschen noch am Mittag des Tages erwischt hätte.
Es donnerte an diesem einen bestimmten Abend aus den schwarzen, mächtigen Wolkenbergen am Himmel heraus, und alle Höhlenmenschen in der Höhle blickten aus selbiger besorgt heraus. Vor allem die besonders starken, breitnasigen, erfolgreichen Jäger guckten doof und verängstigt aus der Wäsche. Nur dieser eine Höhlenmensch nahm es hin, die kollidierenden warmen und kalten Luftmassen beeindruckten vielleicht diese Idioten, so dachte er damals, aber er selbst war höchstens mäßig interessiert. Irgendwann riss ein heller Blitz den Himmel entzwei und warf gleißendes Licht durch den Höhleneingang, das den gesamten Stamm panisch zusammenzucken ließ. Die Frauen warfen sich an ihre bulligen Männer, die jedoch auch verunsichert und irgendwie leicht panisch waren. Jener einzelne Höhlenmensch wandte seinen Blick von der Meute ab, der Nacht entgegen und spottete im Geiste noch über diese dämlichen Halbaffen, als ein zweiter Blitz vom Himmel zuckte, der nicht nur den Urwald und die Höhle, sondern auch den Geist dieses einen Urmenschen erleuchten sollte. Wie der Blitz selbst, der mit gewaltiger Kraft Licht in das Dunkel der Nacht hämmerte, riß eine Idee im Geiste des Höhlenmenschen alle Aufmerksamkeit an sich und schmetterte eine so gewaltige Eingebung in sein Bewusstsein, dass er scharf Luft einsog und die Augen aufriss. Die Wucht dieser Idee sollte nicht nur ihn, sondern die gesamte Menschheit erschüttern.
Mit Schwung sprang er auf und stellte sich in den Höhleneingang, so dass seine Silhuette vor dem immer wieder von Blitzen durchzuckten Nachthimmel eine relativ einschüchternde Erscheinung bot. Und er muss es in diesem Moment irgendwie artikuliert haben, was angesichts des damals sehr beschränkten Vokabulars schwierig erscheint. Er muss seine kratzende Stimme erhoben und geschrien haben: "ÄH!", muss er gerufen haben, dann ich glaube, sowas wie Äh gab es schon immer, "HELLES LICHT ist.....Mächtiges Wesen, noch mächtiger als ganze Herde Mammut...und....Mächtiges Wesen kann man aber nicht sehen....aber das gibt es trotzdem ...SEHR wütend, ja.....WÜTEND....und es weiß alles...nur ICH verstehe es......JA! Mächtiges Wesen kann alles und sieht alles, auch wenn es keinen naturwissenschaftlich hieb- und stichfesten Beweis für seine Existe...", er merkte an diesem Punkt wohl, dass sein Stamm Probleme hatte, ihm folgen zu können. "Äh,...MÄCHTIGES WESEN IM HIMMEL! WÜTEND! Ihr müsst...äh....tun, was es mir sagt....ja! Oh, äh, sprich mächtiges Wesen...", sagte er und gestikulierte wohl wild umher. Dann donnerte es wieder, und er schrie seinen entsetzten Stamm an: "Das allmächtige unsichtbare wütende Wesen im Himmel will, dass ihr mir eure Frauen, mehr Fleisch und euren Schmuck aus Knochen gebt, weil es euch sonst alle irgendwie umbringt! Äh, Jawohl! Und malt Tiere an die Wände, um es zu besänftigen. Das Wesen im Himmel hat gesprochen!", beendete er seinen Monolog. Panisch gaben ihm die Jäger, die zwar stark, aber geistig auf dem Niveau einer Topfpflanze waren, ihre Frauen, mehr Fleisch, ihren Knochenschmuck und wonach auch immer es ihm sonst verlangte. Der Erfolg dieses Manövers war beeindruckend, und der hinterlistige Urmensch trieb sein perfides Spiel mit dem ausgedachten allmächtigen Monster im Himmel immer weiter.

So muss es irgendwann angefangen haben. Nun, Äonen später, bringen sich Nachbarn gegenseitig um, weil ihre Vorstellungen von dem allmächtigen Wesen in den Wolken voneinander abweichen. Und warum all der Krieg und das Leid? Wegen ein paar Fellen und Knochenschmuck.

Von prophet am Samstag, Juli 04, 2009 um 16:19

Der fiktive TV-Orgasmus

Die folgende Sendung liefe ohne Werbeunterbrechung statt Gerichtsshows und Talkshows im Fernsehen, nach den seriösen Nachrichten und vor den albernen Black Metal-Musikvideos: Anthony Bourdain kann seine Sendung nicht selbst moderieren, da ihm ein fetter Junge Chilli (mit Kastenbrot) serviert hat, in dem die Eltern des reisenden Allesessers verarbeitet waren. Vertreten wird Bourdain in seiner Sendung von Dittsche. Dittsche jetz, näh. Dittsche issas Stichwort. Dittsche begibt sich zur kulinarischen, ma sagn, Endeckungsreise in den Westerwald. Dort gastiert er bei Einheimischen, den Ludolfs ( "Pure Romantik! Fantastisch!" "Bidde! BIDDE!"). Peter kocht, um den norddeutschen Gast zu beeindrucken, das beste Gericht, das in seiner Macht steht (Nudeln. Mit Schwamm-Seestern-Sauße.), hat jedoch das Verfallsdatum übersehen, so dass Dittsche kollabiert. Er wird ins Krankenhaus gebracht, wo sich herausstellt, dass seine Ohnmacht nicht vom Essen herrührt - eine Diagnose ist kaum zu stellen, deshalb wird er ins Princeton Plainsborough zu Dr. Greg House überstellt, der sich an einer Diagnose unseres gestreiften Freundes schwertut, hat er doch Halluzinationen und ist abgelenkt, da erstens sein letzter Patient, Captain Reynolds, eine Menge Stress bedeutete und zweitens Cuddy ein Date mit Dr. Nick hat, den House für einen Pfuscher hält. Dittsche bringt House zu der Ansicht, dass es Cuddy ja unbenommen bleibt, ein Privatleben zu führen.
Am Ende der Folge stellt sich heraus, dass der Seestern in der Sauce von Peter Ludolfs Nudeln mit einer Chemikalie in Kontakt kam, die Sandleute absondern, so dass dieses klebrige Zeug und die Schleimhaut des Seesterns miteinander reagierten und eine für den norddeutschen Magen gefährliche Verbindung eingingen. House kann Dittsche, der nun Schuhverkäufer werden will (Schumi-Ledde! BIDDE!), entlassen und kümmert sich aus kurzzeitiger, guter Laune heraus noch um den altpreußischen Rentner mit der kaputten Hand, der sich über Kopfschmerzen beklagt. Die Sendung endet mit einem alten Mastodon-Song im Hintergrund und dem Schlussbild, in dem Stephen Colbert und John Stewart im Abfalleimer armdrücken, während 13 und Al Borland eine Affäre beginnen.

Ich weiß, es ist schwer, sich diese Serie vorzustellen, aber es geht, mit einer Meeeeenge Faaaantaasiiiieeee.

Von prophet am Donnerstag, Juli 02, 2009 um 20:11

Why don't you all fff-

Die letzte hammercoole, abgefahrene, dufte, affengeile Idee der Medien, um eine heterogene Altersgruppe oberflächlich zusammenzufassen, indem man einen beliebigen, aus der Luft gegriffenen Aspekt hinter das Wort "Generation" stellt, ist scheinbar, Achtung, "Generation O", ja O, aufgegriffen von Marc Pitzke, für Spiegel Online. O. O wie O-Saft? Wie Onanie? Wie Orakel? Wie Olga? Wie Osterweiterung? Wie Om nom nom? Wie Obst? Wie Opfer? Wie Oh Gott, wie werden alle sterben? Wie Ork? Wie Ok? Wie Obergine (danke doobe)? Wie Online vielleicht? Auch nicht? Nein, gemeint ist "O wie Obama", schließlich bedeutet er einer bestimmten amerikanischen Altergruppe doch alles auf der Welt und definiert ihr Leben wie sonst kein anderer Aspekt ihrer Existenz. Naja. Vielleicht mag es in diesem einen Beispiel angemessen erscheinen, steht er doch für den Wechsel auf eine bestimmte Denkweise, die diese Generation vertritt, doch geht es mir persönlich enorm gegen den Strich, Leute mit "Generation Bla" abzustempeln. Es wird einfach zu oft von den Medien getan, und wenn es dann wieder um die sich aufplusternde Internetzensur (Sichtschutz statt Ursachenbekämpfung) geht, dann heißt es wieder, die "Generation Internet", die "Generation C64", die Generation weißichwas wehrt sich gegen den Staat, hält die SPD für unwählbar, etc etc.
Man kann eine gesamte Generation nicht unter einem Wort zusammenfassen. Das geht nicht. Wie auch in jeder Generation davor gibt es welche, die wollen das Parlament hängen sehen (ein Bild, das mir gefällt), dann gibt es welche, die sind politisch vollkommen uninteressiert und dann gibt es solche, die treten der Jungen Union bei. *schauder* Es wachsen neue Menschen aller Gesinnungen nach, manche sterben aus und werden durch neue Einstellungen ersetzt. Es gibt in meinem Alter Leute, die Volksmusik machen und hören. VOLKS. MU. SIK. Es gibt Leute jungen Alters, die graue Pullover tragen und Physik studieren. Es gibt Menschen im selben Alter, die Bücher schreiben, die Menschen berühren. Es gibt von allem was. Wie es auch schon in der Generation davor der Fall war und wie es auch in der Generation danach der Fall sein wird. Es gibt keine reine, unverfälschte "Generation Internet", es gibt nur Generationen, auf die dies mehr zutrifft, weniger zutrifft oder eben gar nicht zutrifft. Also hört auf mit dieser Schubladen-Scheisse, denn wenn ihr, ihr, die ihr sowas schreibt, lange genug einer Altersgruppe einen Stempel aufdrückt und sie auf einen idiotischen gemeinsamen Nenner zwängt, dann glaubt ihr das vielleicht irgendwann selbst. Und dann wärest ihr überrascht, wie individuell der Mensch doch sein kann. Generation "Ich kann diesen Generation-Scheiss nicht mehr hören" wäre vielleicht eine Idee.

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