Feigheit zur Lücke
Hach, was ist San Andreas lange her. Damals waren Computerspiele noch was richtig tolles. Meine kürzliche Flucht in Serien wie Scrubs und Top Gear geriet leider ein wenig aus der Puste und so gab ich schließlich dem Verlangen nach, das von mir seit dessen Erscheinen eher misstrauisch beäugte GTA 4 käuflich zu erwerben. Ich fasse mich auch (für dieses Thema verhältnismäßig) kurz, wurde doch schon alles schreibenswerte drüber geschrieben.Was lässt einen das Spiel nicht alles tun. Dart spielen, an Spieleautomaten daddeln, sich betrinken, Bowlen gehen, Stripperinnen löschen und Spam aus unseren E-Mails angaffen, alberne Hüte kaufen, mit Frauen ausgehen (wie im echten Leben: den Aufwand nicht wert), Billard spielen, Straßenmusikern Geld zuwerfen, alte Frauen überfahren, Essen essen, auf den Zug warten, Tischdeckchen häklen (stimmt nicht) und mein absoluter Favourit, unserer Hauptfigur beim Fernsehen gucken zugucken. Was einen das Spiel aber nicht lässt, ist in Ruhe. Ständig rufen Personen, die man im Laufe der Missionen traf an und fragen, ob man nicht Lust hätte, mit ihnen Zeit zu verbringen. Man hat übrigens nichts davon. Nein, Cousin Roman, ich möchte NICHT 10 Minuten Spielzeit damit verbringen, dich durch die Stadt zu fahren und mit dir einen triefenden Burger zu essen, um dich dann zurückzufahren. Hier hätte Rockstar Mut zur Lücke haben müssen und diesen ganzen albernen Kram streichen sollen, hätte bestimmt bis zu 2 GB eingespart. Von all den unnötigen, vom eigentlichen Spiel ablenkenden Nebenbei-Aktivitäten ist das Fernsehen, und davon war ich überrascht, mit Abstand am besten. Rockstar hat schon mehrmals mit Radiosendungen bewiesen, wie großartig sie Popkultur auf die Schippe nehmen können, aber das Programm der beiden Fernsehsender ist wirklich zum Brül-len. Ebenso toll sind die Moderatoren und die Werbung im Radio, auch wenn die Musik mir in GTA 4 nicht so besonders gefällt. Dafür kann man wieder eigene MP3s importieren, die man auch moderieren lassen kann. Und dessen sind sich die Moderatoren bewusst: The Future of Music - you, alone in a dark room, stealing music off the internet. Fantastisch, wenn die gehässigen Moderatoren die (eigene) Musik permanent auch noch schlecht machen. Man merkt, Rockstar hat kapiert, wie der Humor ihres Publikums funktioniert und setzt es großartig um.
Ebenso großartig umgesetzt sind die Charaktere. Auch wenn viele nur bestimmte Klischees vertreten (der Italo-Mafiosi, der kiffender Jamaicaner, der selbstverliebte Steriod-Junkie, die Tucke, der Gangster (im afroamerikanischen Sinne), der korrupte Cop), sie überzeugen. Wer auch immer die Synchronsprecher für die GTA-Spiele castet, der Mensch ist fantastisch in seinem Job! Wäre es ein Film, spräche ich von guter schauspielerischer Leistung. Die Personen sind einfach stimmig. Deshalb mache ich auch lieber Missionen als scheiss Darts zu spielen - jede Cutszene ist hundertmal spannender. Athmosphäre ist wohl das Wort, das all dies umspannt. Und da punktet GTA 4 as FUCK.
Wo ich mich hingegen ärgern muss ist die Technik. Werden Grafikoptionen hochgeschraubt, kostet das Punkte, deren Limit sich am Speicher der Grafikkarte orientiert. Nur leider ist dies ein schwachsinniger Maßstab und würde die Grafik bei mir auf 256 MB (=Spiel potthässlich) reduzieren. Also haxxortrixx angewandt und die Sperre umgangen. Nun verwende ich etwa 500 MB und habe praktisch keine Ruckler, nur manchmal werden Texturen SEHR spät geladen, so dass man in grauerMatsche steht statt auf hochauflösendem Asphalt, und manchmal sind Texturen, wo keine sein sollten, so dass die Sicht versperrt wird, auch mit Patch 1.4. Vom "Social Club", quasi dem Launcher des Spieles, will ich gar nicht erst sprechen. Nur soviel: Er nervt.
Hab ich irgendwas vergessen? Achja! DAS SPIEL! Ja, tatsächlich gibt es da noch das eigentliche Spiel mit dem Autofahren und Schießen, das sich mit aller Gewalt hinter den cinematischen Cutszenes und dem aufgesetzten Minigame-Kombinat versteckt. Die Fahrten sind durch die realistischere und somit WEIT trägere Steuerung vor allem über weite Strecken manchmal recht anstregend und man ist dankbar, wenn man mit dem Hubschrauber die Zielorte direkt anfliegen kann. Dennoch macht es Spaß, mit dem Motorrad durch den engen Verkehr der Innenstadt zu jagen. Was sich meiner Ansicht nach verbessert hat sind die Feuergefechte, was am Deckungs-System liegt, das Gears of War kaum besser haben kann. Alles kann als Deckung dienen, an die man sich lehnt und um Ecken ballert. Super. Die Missionen bieten zwar Abwechslung, aber die langweilige Sorte wiederholt sich recht oft (Fahre nach A und erschieße B). Es sind aber auch positive Überraschungen dabei, wie etwa die Entführung einer Mafiosi-Tochter. Sie versucht ihr Auto zu verkaufen, und man gibt sich als interessierter Käufer aus, um sie dann bei der Probefahrt zu entführen. Das tolle: Sie greift einem mehrfach ins Lenkrad, was verdammt gefährlich wird, wenn man schnell fährt, oder sie winkt und schreit aus dem Cabrio heraus nach den Polizeiautos, an denen man vorbeifährt und zieht so deren Aufmerksamkeit auf sich. Hab ich so vorher in noch keinen Spiel gesehen. Den Rest der Fahrt schimpft sie, bis sie durch einen schnellen Ellenbogenstoß ruhig gestellt wird. Oder die Mission, wo man sich auf einem fahrenden Truck halten muss. Oder die mit der Motorroller-Verfolgungsjagd im Park. Oder die wo man mit dem langsamen Müllwagen fliehen muss. Aber auch die weniger originellen Missionen wie "Erschieße alle Gegner und renne zum Ausgang des Gebäudes" können toll sein, wenn das Gebäude ein Museum ist und bei den Feuergefechten die obligatorischen T-Rex-Skelette in den Ausstellungshallen getroffen werden und auseinanderfallen, so dass die Gegner mit etwas Glück von herabfallenden Dino-Kiefern zermalmt werden. Saucool. Von solch prägnanten Missionen gibt es etwa gleich viele wie von komplett belanglosen, generischen. Wieder der Apell an die Entwickler: Weniger (von letzteren) wäre mehr gewesen.
So ziemlich meine Kernaussage zu GTA 4. Würde man ein wenig streichen, nämlich die ständigen Anrufe der "Freunde", die 08/15 Missionen und die unnützen Minispiele, hätte man mehr Zeit für ein wenig Bugfixing. Dann wäre GTA 4 noch großartiger, als es eh schon ist. Sollte dies mein letztes Spiel sein: Es war eine gute Wahl.
Die behindertste Mission von allen ist übrigens diese: Man hat 22 Dollar und wenige Cents und kriegt den Auftrag, zum Rasenmähermann zu fahren und den bestellten Ersatz für den von jemand anders verlorenen Tankdeckel abzuholen. Anders als sonst muss man sich auf der Fahrt an die Verkehrsregeln halten und darf nicht abkürzen! Um den Deckel kaufen zu können, kriegt man vom Auftraggeber ein Bündel Geld, das man aufsammeln muss. Dann fährt man zum Laden und will dieses beschissene Stück Plastik für 23 Dollar nochwas kaufen, merkt DORT aber, dass man zum Einsammeln von Geld nicht nur drüber laufen muss, sondern auch nen Knopf drücken muss, und das Spiel benachrichtigt einen nicht! Man selbst hat aber etwa einen Euro zu wenig im Besitz, so dass ein Auslegen des Geldes nicht möglich ist. Also muss man den scheiss Weg zurückfahren, das Geld aufsammeln, wieder hin, Deckel kaufen, zurück. Und man kriegt nichtmal was dafür! Sinnloseste aller Missio....oh Moment, das war gar nicht in GTA 4, sondern in RL 2. Die Unterschiede werden aber auch immer geringer.

































