Von prophet am Sonntag, August 30, 2009 um 12:11

Kanzlerwelten

Mit dumpfem Druck schoben sich Frank-Walter Steinmeiers Bodyguards durch die Horden der Photographen und Journalisten. Jetzt, wo der Wahlkampf in seine heiße Phase hätte gehen sollen, war er besonders gefragt von der Presse. Jeder der Nachrichtenfritzen winkte ihm zu und brüllte ihm Fragen entgegen. Frank-Walter lächelte nur und spazierte weiter durchs Blitzlichtgewitter. Einige der Fragen drangen durch den Lärm zu ihm durch. Etwa: „Herr Steinmeier, das SPD Wahlprogramm beinhaltet keinerlei Aussage darüber, wie Geld eingespart werden soll um die 1,6 Billionen Staatsschulden am Wachsen zu hindern, was werden sie tun?“. Frank-Walter reagierte nicht darauf. Denn im Wahlprogramm der SPD stand genau das, was sie vorhatten, dagegen zu zun, und was ihm persönlich dazu einfiel: absolut gar nichts. Er ließ sich nicht weiter von den Pressefritzen behelligen, lächelte ein wenig in die Kameras und schlenderte weiter zu seinem Dienstwagen, während seine Bodyguards einen Weg freischaufelten. Sorgen machte er sich vor allem um seine Haare, war er sich doch bewusst, dass die meisten Bürger ihn seiner fluffigen weißen Haare wegen mochten. Ein Termin zur erneuten Bullensperma-Behandlung war mal wieder überfällig. Der Lärm der Nachrichtenkasper kam nun nicht mehr vorrangig von vorne, sondern von hinten. Er sah auf, sie waren an seinem Dienstwagen angekommen. Einer seiner Leibwächter, wie auch immer sein Name war, hielt die Tür der teuren, deutschen Limousine auf und ließ Frank-Walter einsteigen.
Die Tür schwang zu und der Minister rutschte ein wenig auf den Ledersitzen hin und her, den Blick noch einmal über die Presse schweifen lassend. Der Wagen setzte sich in Bewegung. Frank-Walter seufzte und pulte sich Fusseln vom edlen Jackett, als etwas Buntes am Rande seines Gesichtsfeldes seine Aufmerksamkeit erregte. Langsam drehte er den Kopf und blickte die Gestalt an, die auf dem anderen Rücksitz des Autos Platz genommen hatte. Es schien sich um eine Art Wilden zu handeln, ein Buschmann oder sowas. Der Kerl trug eine Holzmaske und einen Lendenschurz sowie einige Lederriemen um den sehnigen, braunen Leib, an denen einige bunte Federn befestigt waren. Und dieser exotische...Mensch starrte ihn direkt an. Ein starkes Unwohlsein machte sich in Steinmeiers Magen breit, doch sich seiner Rolle als Außenminister gewahrt, ermahnte er sich, fremde Kulturen hinzunehmen, mochten sie auch noch so verstörend und primitiv wirken. Trotzdem, der Mann war ihm unheimlich.
„Was zur Hölle haben Sie in meinem Dienstwagen verloren?“, fragte F.-W. staatsmännisch. Der Buschmann rührte sich nicht. „Wie kommen Sie überhaupt hier herein? Ich werde sie unverzüglich...“, maulte der Kanzlerkandidat. Überraschend schnell zog der Wilde ein Blasrohr aus dem Nichts hervor und pustete hinein. Mit einem fleischigen Geräusch und stechendem Schmerz rammte sich der kleine Pfeil in den Hals des Ministers, der nach einem kurzen, gluggernden Schrei bewusstlos in seinen Sitz sank.

Dunkelheit umgab ihn. Frank-Walters Körper fühlte sich steif an, unbeweglich. Mühsam versuchte er, die Augen zu öffnen. Es gelang ihm nicht und er verlor wieder das Bewusstsein.
Stunden später, er kam erneut zu sich, doch wieder spürte er, dass sich seine Glieder kaum bewegen ließen. Er stand. Sein ganzer Körper war taub, aber er stand. Er hörte ein Rauschen, vielleicht von Stimmen. Schritte. Menschen waren um ihn herum. Mit viel Anstrengung schaffte er es, seine Augen zu öffnen. Verschwommen sah er die Decke einer Halle...wo war er? Er konzentrierte sich und stöhnte und ächzte qualvoll, als er seinen Oberkörper in Bewegung brachte und sich drehte. „uuuuuuoooooaaaaaawwwwwggggghhh“, würgte er hervor, und er sah eine junge Frau. Sie starrte ihn mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen an, dann fing sie an panisch zu schreien und wegzurennen. Mehrere andere Leute stimmten in das Gekreische mit ein und liefen ebenso davon. Entsetzen breitete sich aus.

Der nächste Tag. Auf dem großen Schreibtisch im Kanzleramt lagen diverse Zeitungen. Sie alle hatten die selbe Titelstory: „Steinmeier gibt Zombie-Darbietung“, „Horror in Ausstellung“, „Kandidat sucht Körperwelten heim“. Frank-Walter Steinmeier war, in einen Gummianzug gesteckt und mit buntem Plastik beklebt, bei einer Körperwelten-Schau gefunden worden, wo er als Ausstellungsobjekt verkleidet mehrere Stunden still stand, so dass niemand seine Anwesendheit bemerkte, bis er sich plötzlich zu bewegen begann. In der Massenpanik, die durch den scheinbaren Zombie hervorgerufen wurde, wurden mehrere Menschen zu Tode getrampelt.
Angela Merkel lachte, und Blitze zuckten vom Himmel. Sie drehte sich, und ihr schwarzes Cape mit dem hohen Stehkragen wirbelte herum. Finster lächelnd schritt sie den schwarzen Marmor hinab bis zu dem Buschmann, der, wie an so vielen Orten, stark deplatziert wirkte. Sie hielt ihm ein Glas mit Champagner hin, das er sich zögerlich griff. „Ugu-Ma-Bugu-Schakkka!“, sagte Frau Doktor Merkel, lachte noch einmal böse, gefolgt von den Blitzen natürlich, und trank das Glas auf einmal leer. Der Buschmann kratzte sich am Hinterkopf, dann biss er ein Stück aus dem Glas und kaute genüsslich darauf herum.

Von prophet am Freitag, August 28, 2009 um 18:37

Bei Carmen Nebel nicht Willkommen

Dinosaur Jr. - Farm [2009] []
Alternative Post-Grunge Indie Punk Hard Pop Garagen Rock. Oder sowas. Ein wenig erinnern mich Dinosaur Jr. ja immer an Chevelle, nur dass die Gitarren nicht so massiv sind und sie weit verzerrter klingen...und irgendwie freundlicher, heller. Nicht so schnulzig wie die alten und nicht to tight wie die aktuellen Poets of the Fall. Leicht verträumt, muss man fast schon sagen. Irgendwo an der Grenze zur Entspannung, aber trotzdem auf den Punkt, ohne zu luschig zu werden. Ein schniekes, lockeres Album, das man sich super oft anhören kann, ohne dass es je nerven würde, dafür aber leider nie wirklich fesselt.


Fightstar - Be Human [2009] []
Ja, was ist denn DA passiert? Fightstar, die sonst entweder tolle Metal-Cover oder Rock, der in bedenklichen Gefilden schippert spielen, haben auf "Be Human" ein kleines Orchester und Chöre und sowas. In fast jedem Song. Und dem nicht genug, in zwei Songs versuchen sie sich an Metalcore-Gekeife. Mit Streichern im Hintergrund. Wow. Also einen Mangel an Experimentierfreudigkeit kann man ihnen wirklich nicht vorwerfen. Die Arragements ergänzen die Lieder tatsächlich sinnvoll (wie ala S&M), dennoch verlieren sie schnell an Moment. Jenseits der Spielereien ist das Songwriting leicht schwächer als zuvor.


Soilent Green - A Deleted Symphony For The Beaten Down [2001] []
Ein ganz hervorragendes Album, um darüber rumzunerden! Das ist sowohl Sludge als auch Grindcore als auch Death Metal. Nicht vermischt, sondern hintereinander. Mal dröhnt man im Low-Tempo vor sich hin, dann kommt das Grind-Gehächsle, dann schaltet man in dissonantes Riffing ala Cannibal Corpse. Innerhalb eines Liedes! Sehr schwer in eine Schublade zu stecken. Das es auf die Kauleiste gibt, steht außer Frage. Leider verlieren sie sich immer wieder in Tempowechseln, so dass viele Songs dann zusammengewürfelt wirken. Kein schlechtes Album, aber eher was für Leute, die die Musik eh mögen.


Napalm Death - Scum [1987] []
Wenn man es dann mal tatsächlich hört, versteht man, wieso dieses Album, zusammen mit Terrorizers "World Downfall", als bedeutendestes und einflussreichstes Grindcore-Album überhaupt gilt. Was die 1987 (!) abgezogen haben findet sich heutzutage auf jedem guten Album dieses Genres. Die kleinen Spielereien, die gegenwärtig Pig Destroyer und Konsorten so cool machen, lassen sich auf dieses Album zurückverfolgen. Auch wenn ich bei solchen Alben oft eher skeptisch bin, Scum kann auch heute, satte 22 Jahre später, absolut alle billigen Goregrind und Porngrind Schrottalben locker an die Wand spielen. Allgemeinbildung.


Celldweller - Chapter 1 of Wish Upon A Blackstar []
Es war ein CS-Luckshot-Video, wo ich zum ersten Mal Celldweller hörte, Switchback um genau zu sein. Eine ganze Weile später bekam ich das komplette Album von 2003 in die Griffel und war begeistert von der Mischung aus Electronica, Metal, weiß ich was allem. Dann gab es eine Demo namens "Birthright", aber sonst nichts. Seit wenigen Tagen, sechs Jahre später also, gibt es endlich zwei richtige neue Songs, die als Vorboten für das kommende Album dienen: das geil krachende "Louder Than Words" und das ruhigere, aber treibende "So Long Sentiment". Vor allem ersteres macht Mut, dass Klayton es schaffen könnte, an den super Erstling anzuschließen. Bleibe gespannt.


Megadeth - Head Crusher [], 1320 []
United Abominations war ganz ok und Death Magnetic war gut. An den beiden wird sich "Endgame" messen müssen. Wenn das gesamte Album, das nächsten Monat kommt, so gut ist, wie die vorab veröffentlichten Singles (und die paar Songs auf Youtube, *hust*), dann wird Mustaine mit Metallica den Boden wischen. Arschtightes Riffing und beeindruckende Soli, auf die Marty Friedmann stolz wäre, beide Songs könnten auf Rust in Peace stehen. Und das will was heißen. Wenn sich jetzt auf dem fertigen Album keine Songs finden, die Totalausfälle sind, dann müsste "Endgame" eines der besten Alben des Jahres werden. Oh dear.

Von prophet am Montag, August 24, 2009 um 11:09

Drift It, Freak It, Hate It, Makes Us

// Der enorme Top Gear-Konsum der letzten Tage katalysierte sowohl meine Abscheu gegenüber billigen, nicht lustigen deutschen Fernsehproduktionen als auch mein sonst stillgelegtes Verlangen, nochmal Racedriver GRID zu spielen. Ge...dacht, getan. Bei der Suche nach dem letzten Patch musste ich ernüchtert feststellen, dass der 1.3er seit Ewigkeiten angekündigt war, aber nie erschien; dasselbe gilt für das 8-Ball Pack, das neue Autos liefert und für die PC-Version immer noch nicht zu haben ist. Ein weiterer Zusatzinhalt in Form diverser V8 Supercars wurde auch angekündigt, aber wer weiß, ob daraus je was wird. Schade, ist GRID doch immer noch ungeschlagen das tollste Rennspiel, das ich je gespielt habe. Und diesmal, wo ich mich eh neu eingewöhnen muss - Bremsassistent (=ABS) aus, Lenkassistent aus. Autos, die sich vorher wie Boote fuhren, fahren sich jetzt wie Boote auf einem Meer aus Sirup. Außerdem kann man nichtmehr einfach mit der normalen Bremse um Kurven driften, man muss die Handbremse ziehen, was das Geschlidder bemerkenswert weiter, die Qualmwolken größer (siehe Titelbild) und das Fahren insgesamt cooler macht. Hat man den Bogen einmal raus, schmeißt man seinen Murcielago nur noch quer um die Kurven. WOOHOO! Ein Heidenspaß. Experimentell habe ich zudem nach der besten Musik zum Fahren gesucht - und es war nicht The Prodigy oder Qemists, sondern ZZ Top.

// Wenn man eine Anzeige aufgibt weil man nach jemandem sucht, der IT-artige Arbeit erledigen soll, dann sollte man möglichst präzise sein, worin genau diese Arbeit besteht. Was soll ich denn bitte von einer Anzeige halten, in der nach einem "Computer Freak" (steht da wortwörtlich so) auf 400€ Basis gesucht wird? Klingt, als wäre der Job, sich in ein Kellerloch zu verkriechen, sich dort am Computer zu beschäftigen und von 400€ im Monat komplett leben zu können. Ich wäre ideal für den Job! Danach kommt als Qualifikationsprüfung dies: "Dir sind Begriffe wie [Chip, der I/O kontrolliert], [Grafikprozessor], [4 Netzwerkbegriffe] nicht fremd?". Was sagt das über den Job? Ich gehe durch die 4:2 Rate von Netzwerkkrams aus. Naja. Es ist ein Versandhandel für...Fingernägel....kram....zeug...Wieso braucht man dafür Versandhandel? Fingernägel hat doch schon jeder!

// Ich finde es nachvollziehbar, wenn amerikanische Senatoren sich gegen die Gesundheitsreform stellen, weil ihnen bestimmte Aspekte daran nicht gefallen und sie wollen, dass es vorher noch in konkreten Punkten abgeändert wird, um diese dringlich notwendige Maßnahme (die müssen heute ja, bevor sie den Krankenwagen rufen, überlegen, ob sie sich das leisten können) so gut wie möglich umzusetzen. Verständlich, sowas muss diskutiert werden. Aber wenn Think-Tanks wie Sarah "Hurr Pa Durr" Palin, die sich bereits letztes Jahr aufgrund ihrer Dummheit bis auf die Knochen blamierte, in der Öffentlichkeit von den "Death Panels", also den Todes-Ausschüssen für Alte sprechen, was dann von so dreckigen Faschisten wie Bill O'Reilly über ihre konservativen Scheisseschleudern auf FOX in die Köpfe der dümmlichen Redneck-Bevölkerung als "Kommunismus" geprügelt wird, deren Birnen eh schon von Republikanischer Propaganda und der Kirche zu Grütze geschreddert wurden, so dass diese Menschen ihre von McDonalds gemeißelten 150 Kilo aufwärts auf die Straße quälen und ein Pappschild in die Luft halten, auf dem steht: "Tod Obama, Michelle und ihren zwei dummen Kindern!", dann komme ich wieder nicht umher zu denken, dass die Republikaner und ihre konservativen Kettenhunde in den Medien für mich all das repräsentieren, was die Welt an Amerika so hasst.

Von prophet am Sonntag, August 23, 2009 um 15:36

Distortion

Der trübe Regen trommelte leise an das schmale Fenster und lief in dünnen Bahnen an der Scheibe herab. Perry kniff die Augen zusammen und betrachtete den alten Mann und die alte Frau, die gebeugt zum Haus nebenan gingen. Beide trugen schwarz. Der Mann zog seine Keycard aus der Tasche, öffnete die Tür und hielt sie für seine Frau auf, die ins Haus ging, er selbst aber blieb noch kurz stehen, nahm seinen schwarzen Hut vom Kopf und blickte nach oben, der massiven Wolkendecke entgegen, die die Megacity zu ersticken schien. Er wischte sich die Augen, dann trat auch er ins Haus.
Perry kratzte sich mit schabendem Geräusch am Hals und drehte sich vom Fenster weg. Schlurfend schob er sich durch die hohen Papierstapel, die seine Wohnung dominierten. Etwa drei Viertel von ihnen waren bedruckt. Bisher. Es war alles der selbe Druck: Ein Krake mit grimmigem Gesicht oben, in der Mitte ein Slogan und unten einige Halbsätze in Listenform. Auch wenn er versuchte, es sich abzugewöhnen, wieder blickte Perry hinüber zu dem kleinen Ventilationsschacht, vor den er einen hohen, mit Hüten behangenen Kleiderständer gestellt hatte. Die Hüte hatte er extra dafür gekauft. Sie verstellten den Schacht komplett. Und doch warf er immer wieder einen kontrollierenden Blick darauf. Er war sich sicher, dahinter ein Objektiv entdeckt zu haben.
Ächtzend ließ er sich auf seinen hölzernen Stuhl fallen und hockte sich vor seinen Computer. Er musste sich immer noch an die Handhabung gewöhnen, die so viel komplizierter und aufwändiger war als die der modernen Pods und Gears und was man in dieser Stadt alles verwenden musste. Keine bunten Icons, die man mit Touch einfach auf dem Bildschirm umherschob und vor allem keine Assistenten, die analysierten, was man tat, um dann Verbesserungsvorschläge zu geben. Das hier war harte, unangenehme Arbeit. Aber er wollte es so. Mit den Dokumenten, die er auf dieser von jeglichen offiziellen Netzen abgekapselten Maschiene hatte in Gears zu arbeiten, nein, da hätte er auch gleich nackt und um sich schießend in eine Ordinatoren-Station stürmen können, mit einem Schriftzug auf der Stirn: „Bitte nehmt mich fest!“. Er scrollte durch die Bilder, die er heute morgen aus dem Ausland bekommen hatte. Bei ihrer Beschaffung wäre er fast erwischt worden.
Die Photos, sie waren mit einer kleinen Drohne aufgenommen worden, zeigten Bilder einer rostigen Plattform zum Abbau irgendwelcher Gase. Sie stand in einer öden, grauschwarzen Landschaft, gefüllt nur mit Steinen, nicht mit Pflanzen. Man konnte die Tageszeit nicht genau feststellen, wie es in den Badlands nunmal so war. Ein Senkrechtstarter landete unweit der Plattform und Männer in Infanterie-Rüstungen stiegen aus. Alle trugen Gewehre, aber niemand ein Abzeichen, nichtmal der Transporter. Einige Bilder später standen die Männer vor den großen, stählernen Rohren, die Luken an den Seiten hatten. Im Bild darauf zielten sie alle auf das selbe Ziel. Perry tippte wieder ein Bild weiter. Einige Soldaten waren umgefallen, einige fielen grade und alle anderen blickten ziellos umher. Blut schien sich auf dem Boden auszubreiten. Nächstes Bild. Alle lagen auf dem Boden. Nächstes Bild. Eine handvoll Männer in braunen, weiten Mänteln stand um den Haufen der Toten herum. Auch sie trugen alle Gewehre, aber weitaus primitivere, als die der gefallenen Soldaten. Nächstes Bild. Sie sammelten die Waffen der Erschossenen auf. Nächstes Bild. Die Männer zeigten auf etwas außerhalb des Bildes. Nächstes Bild. Der Senkrechtstarter hatte abgehoben und schwebte nun vor dem dunklen Himmel. Nächstes Bild. Er explodierte in einem riesigen Feuerball. Perrys Augen wurden immer größer. Nächstes Bild. Die Männer in den brauen Mänteln klopften einem der ihren auf die Schulter. Er hielt eine altmodische Panzerfaust. Perry zögerte. Hatte er diesen Mann nicht schonmal gesehen? Er zoomte an das Gesicht heran und verlor die Fassung. Ungläubig lehnte er sich zurück. Wen er vor sich sah, da war er sich ziemlich sicher, war einst einer der wichtigsten Köpfe des Kraken. Chef-Etage. Hatte mehr Transparenz für den Mega-Konzern versprochen, doch bevor es irgendwelche Resultate gab, hatte er einen Unfall mitten in der Stadt. Krachte mit seinem Mini-Flieger in einen der Wolkenkratzer. Die ganze Stadt hatte es gesehen, die Kameras sogen den Moment damals auf.
Mit zitternden Händen schloss Perry die Bilderserie und starrte auf den leeren Bildschirm. In seinem Kopf ratterte es. Mehrere Minuten saß er da, ohne eine Regung, alleine mit seinen Gedanken beschäftigt. Es war still in seiner dunklen Wohnung mit den vielen Stapeln. Nur den Regen und das Hintergrundsummen der Stadt hörte er. Es klang wie ein Schwarm Bienen, wenn der Zug auf seiner Hochbahn vorbeizischte. Nicht, dass es Bienen noch geben würde.
Ein blechernes Geräusch gongte durch sein Wohnzimmer und durch seinen Verstand. Er stand auf und ging an die Tür, schaltete den kleinen Monitor ein und sah die Frau, die draußen stand. Er kannte sie nicht. Sie trug einen langen, hellgrauen Mantel und weiße Kleidung darunter. Schlecht aussehen tat sie nicht. Sie blickte in die Kamera und hielt einen Ausweis vor die Linse. Fluchend lief er auf und ab. Scheisse, was jetzt? „Ich bin nicht da“ würde nicht funktionieren. Der Mini-Lautsprecher übertrug ihre Stimme von draußen. „Perry, ich weiß, dass Sie da sind. Entweder Sie machen jetzt die Tür auf oder ich komme einfach so rein.“ Schweiß perlte seine Stirn hinab. Wenn die die Unmengen an Flugblättern sehen...
Mit einem Krachen sprang seine Tür auf. Noch bevor er sich komplett umgedreht hatte traf etwas hartes sein Kinn und schickte ihn zu Boden. Durch die Sterne, die er sah, drang die Stimme der Frau nicht mehr hindurch.

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Von prophet am Freitag, August 21, 2009 um 00:15

Inglourious Basterds

Kapitel 1 - Einleitung
Man fährt am laut ZDF und gefühlt heißesten Tag des Jahres los und kommt im Gewitter wieder nach Hause. Wo war ich indessen? Zum zweiten Mal in dieser Woche im Kino, diesmal um Quentin sein "Inglourious Basterds" zu gucken. Ich war gespannt, was er nach dem öden Death Proof fabrizieren würde. Der Trailer wirkte nach meinem Geschmack. Absichtliches Trash-Kino.

Kapitel 2 - Inhalt
Die Handlung spielt zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges in Frankreich, folgt zwei Unternehmen, Hitler zu erledigen und ist, typisch für Quentin und egal ob es Sinn macht, in Kapitel unterteilt. Im ersten wird der Antagonist, Offizier Hans Landa, genannt "Judenjäger" vorgestellt, auf dessen Befehl hin eine jüdische Familie erschossen wird. Eine junge Frau kann entkommen. Kapitel zwei zeigt die Rekrutierung und kurz den Einsatz der titelgebenden Basterds, einer brutalen Sondereinsatztruppe um Lieutenant Aldo Raine, deren Ziel es ist, die Nazis mit der gnadenlosen Menschenverachtung zu treffen, die sie selbst zelebrieren. Kapitel drei zeigt, was aus der jungen Frau geworden ist: sie betreibt unter dem Namen Emmanuelle Mimieux ein Kino im Umfeld von Paris - als sie gezwungen wird, Goebbels großen neuen Propagandastreifen vorzuführen. Und Landa ist für die Sicherheit bei der Veranstaltung zuständig. Emmanuelle will die Gelegenheit nutzen, sich an den Nazis zu rächen. Kapitel vier zeigt, wie die Basterds trotz einer aufgeflogenen Deckung den Plan fassen, Hitler in ebenjenem Kino zu erwischen. In Kapitel fünf schließlich wird der Film vorgeführt, und beide Pläne treten in Kraft, wenn auch nicht so, wie geplant.

Kapitel 3 - Bewertung
Wie jeder Quentin hat auch dieser Film das Problem - unglaublich lange Strecken sind nur mit Dial...nein, Monologen gefüllt. Die sind in diesem Falle zum Glück gut, auch wenn sich manche Szene wirklich zu lange hinzieht. Ich kann aber immer nochvollziehen, wieso er sie verwendet - denn beide Über-Vorträge bauen in gefährlichen Situationen enorme Spannungen auf, die vor allem im zweiten Falle mit aller Heftigkeit zuschnappen. Gut geschrieben sind sie wirklich. Abseits von den endlosen Referaten gibt es noch einen Batzen roher, dreckiger Gewalt, die, halten sie sich fest, Frau von der Leyen, super war; sowie einen Haufen wirklich sehr lustiger Szenen. Hauptverantwortlicher für den Spaß war Christoph Waltz, der für seine Rolle als Standartenführer Hans Landa zu Recht den Best Actor Award in Cannes kriegte. Dessen unfreiwillige Komik ist der Hammer. Das Beste am Film. Man merkte, dass der ganze Saal den selben Humor hatte. "Hans Landa" mit seinem Philosophieren, seiner aufdringlichen Art und seiner Unangemessenheit war klasse. Es war aber nicht nur er, auch andere Szenen haben diesen kranken Humor, der bei mir genau ankommt. So sind absolut alle Szenen mit Hitler und mit Goebbels zum Brüllen, das gleiche gilt für den Bash, den Raine über die Deutschen ablässt.
Etwas seltsam fand ich die Mischung der Musik - mal Ennio Morricone (HOLY MOTHER OF FUCK YEAH) und Retro-Filmmusik, mal die Musik dieser Zeit, mal unpassend moderne Musik. Kam im großen und ganzen aber wirklich gut rüber, vor allem, wenn der Spaghetti-Western Sound zum Zuge kam.
Schauspielerisch gut war neben Christoph Waltz in meinem Augen auch Diane Kruger als deutsche Schauspielerin und Basterds-Informantin sowie Mélanie Laurent als Emmanuelle. Der größte Name im Film, Brad Pitt als Aldo Raine, bekleckert sich jedoch nicht grade mit Ruhm. Übrigens war der Film voller kleiner Überraschungen, etwa Mike Myers (ja, Austin Powers) als britischer General, Bela B. als Platz-Anweiser im Kino, Sam Jackson als Erzähler oder Harvey Keitel als Vorgesetzter der Basterds, den man über Funk hört.

Kapitel 4 - Fazit
Dieser Film ist Quentin, von den ausufernden Monologen über die brutale Action bis zu der Komposition aus Bild und Ton. Man muss ihm auf jeden Fall eingestehen: Inglourious Basterds ist so gut geworden, wie er nur werden konnte. Die Besetzungen von Landa und Goebbels sind pures Gold und die riesen Vorträge sind trotz ihrer Überlänge sehr authentisch gespielt. Insgesamt hätte man ihn an einigen Stellen etwas kürzer machen können und die gewonnene Zeit in tatsächliche Aktionen der Basterds investieren sollen - denn wie die ihren Ruf unter den Deutschen aufbauen, wird praktisch komplett übersprungen. Schade.
Alles in Allem ein echt guter Film. Zwar tut Quentin nur das, was er schon immer getan hat, aber er macht es diesmal besonders gut. Wenn man also die Wahl hat, ob man Inglourious Basterds oder Public Enemies gucken soll - guckt Basterds. Wirklich. Allein die humorigen Stellen sind es wert.

Kapitel 5 - Epilog
An Quentin merkt man das, was ich an meiner Begleitung für diesen Film auch festgestellt habe - die meisten Menschen ändern sich. Und manche so überhaupt nicht. Das kann mal irre nervig sein und negative Auswirkungen haben, aber manchmal tut es auch einfach gut. Vor allem, wenn man über das selbe Detail gleichzeitig lacht. "Mmmmmhhhhh. Huu~goo." Irre.

Von prophet am Dienstag, August 18, 2009 um 11:41

Public Enemies

Das Gangsterszenario im Chicago der 1930er Jahre ist in meinem Augen auf der Coolness Skala verdammt weit oben. Zu ebenjener Zeit spielt der seit dem 6ten August laufende, auf wahren Begebenheiten basierende "Public Enemies", der sich um John Dillinger (Johnny Depp) dreht, der mit seiner Bande zu dieser Zeit Banken ausraubte und vom FBI, allen voran Agent Purvis (Christian Bale) gejagd wurde. Während Dillinger mehrere Banken überfällt und der Bundespolizei immer wieder entkommt, selbst, nachdem sie ihn schon eingesperrt haben, trifft er eine Frau (Marion Cotillard), mit der er sich vom Verbrechertum absetzen will, sobald er genug Geld über hat. Dabei wird der Kampf zwischen Mobstern und dem FBI immer härter, das herrschende Syndikat verweigert ihm die Rückendeckung, seine Freundin wird verhaftet und schließlich ist Dillinger selbst der letzte Überlebende seiner Gang, um den sich die Schlinge zuzieht.
Dillinger selbst wird von Johnny Depp, der tatsächlich auch noch Rollen spielen kann, die weder albern noch gaga sind, überzeugend gespielt, jedoch wurde dem Charakter außer dem zur Schau gestellten Selbstvertrauen, der Coolness auch in Schießereien und dem seltenen Gentleman-Gehabe wenig an Wesenszügen zur Verfügung gestellt, sein gesamter Hintergrund wird von ihm in vier Sätzen zusammengefasst. Ebenso ist es mit seiner Freundin, die weltfremd und schüchtern ist und Dillingers Arbeit nicht gutheißen kann, sich jedoch zu ihm hingezogen fühlt. Leider sind die Charaktere dadurch viel zu schnell durchschaut und somit wird die Lovestory des Filmes enorm öde. Was der Film leider auch benutzt sind Nebencharaktere, die nur eine Eigenschaft haben sollen - der grobschlächtige, brutale FBI Agent, der Dillingers Freundin ohrfeigt; der dämliche Bankräuber der unnötige Risiken eingeht und um sich ballert; et cetera. Ich sage nicht, dass die Schauspieler schlecht sind, ich sage, dass die Charaktere schlecht bzw. zu oberflächlich geschrieben wurden. Kaum funktioniert die Gewichtung zwischen den Gegenspielern Dillinger und Purvis, da sich die beiden Personen auf unterschiedlichen Wegen nie ebenbürtig erscheinen, zumal Dillinger die Staatsmacht oft wie Idioten darstehen lässt, etwa, als er persönlich in ihr Büro marschiert.
Was leider ebensowenig wie die Charaktere rüberkam, war, wieso Dillinger als eine Art Volksheld galt und bei der Bevölkerung so beliebt war, die Wirkung der ersten Weltwirtschaftskrise kommt nicht wirklich durch und man wundert sich, wieso die Leute ihm im Auto bei seiner Verhaftung zuwinken.
Großartig macht der Film jedoch die Actionszenen, die Verfolgungsjagden in Oldtimern und Schießereien mit Tommy-Guns sind super inszeniert und wirken dabei erfreulich realistisch, was auch an der Kameratechnik liegen mag - der Film wurde digital aufgenommen und nicht auf 35 mm, außerdem wurden oft recht wackelige Handkameras verwendet und die Beleuchtung hält sich sehr zurück. Dadurch sieht der gesamte Film aus, als wäre er nicht mit professionellen Filmkameras aufgenommen worden. Andere Leute finden, dass das abstoßend billig aussieht. Ich fand das grade gut, weil man so ein viel stärkeres Gefühl von Realismus und Mittendrin bekommt. Geschmackssache. Mir ist es positiv aufgefallen.

Fazit: Ein guter Actionfilm, ein sehr schlechter Charakterfilm, ein guter Historienfilm, ein grauenvoller Liebesfilm. Die 139 Minuten hätte er nur haben brauchen, wenn er nicht so oberflächlich geblieben wäre. Kann man gucken, muss man aber nicht. Tipp: Wenn man auf das Szenario steht und sich mehr Tiefe erhofft, dann möge man, wenn man es nicht schon kennt, das großartige Road To Perdition anschauen.

Von prophet am Sonntag, August 16, 2009 um 15:19

Enden

// Ende des Spiels. Chrono Trigger habe ich gestern Nacht abgeschlossen. Mein Eindruck hat sich auch durch die späteren Spielphasen nicht geändert: nette Auflockerung des Kampfsystems, tolle Musik, aber irgendwie zünden die Charaktere nicht. Hauptfigur Crono bleibt extrem farblos und die Nebencharaktere (bis auf Frog und Magus) sind alle recht eindimensional. Vielleicht bin ich so wenig überwältigt, weil ich so viele Vergleiche ziehen kann, die es '95 noch nicht gab. Wie dem auch sei, insgesamt ist es ja wirklich kein schlechtes Spiel und 16- und 8-bit Titel haben ja immer einen gewissen Charme.

// Ende des Buches. Ebenfalls durch habe ich jetzt "Die Kriegssprachen von Pao", ein SciFi Roman von Jack Vance, geschrieben 1958, meine Ausgabe ist von 1985. Die Handlung verkürzt: Der Herrscher des Planeten Pao (der frappierende Ähnlichkeiten mit China aufweist) wird ermordet und sein Bruder nutzt die Gelegenheit, um den Thron zu besteigen. Bevor er den Thronerben Beran, den Protagonisten, töten kann, entkommt dieser mit dem Gelehrten Palafox vom Planeten Breakness, wo er im Exil aufwächst und an den Universitäten dieser Welt der Intellektuellen ausgebildet wird. Jahre später ersucht der tyrannische Thronräuber Palafox um Hilfe: sein Volk wird von kriegerischen Clans (Dschingis Khan lässt grüßen) ausgeblutet. Palafox Hilfe erfolgt durch Sprachen, die isolierten Paonesen aufgezwungen werden, denn die Sprache beeinflusse das Denken, so die Grundidee des Buches. Eine Sprache wird für Krieger ersonnen, eine für Techniker.
Als Beran eines Tages auf Pao zurückkehrt und sich nach einigen Jahren unter falscher Identität offenbart und mit Palafox Hilfe sein Amt mit Gewalt an sich reißt, sind die spezialisierten Untertanen in der Lage, die Clans, die immer noch ihre Tribute kassieren, zu besiegen. Mit Berans Herrschaft und dem Sieg über die Clans gedeiht Pao, doch nach mehreren Jahren muss Beran erkennen, dass ihm die Herrschaft entgleitet - durch die separierte Kriegerkaste und durch Palafox, der seine eigenen Interessen durchsetzt.
Ein netter Ansatz, das mit den Sprachen, aber letzten Endes entscheiden doch Blut und Morde die Geschicke der Charaktere. Erst ganz am Schluss wird angedeutet, dass eine Mischsprache aus den drei bisherigen auf Pao den Frieden bringen könnte. Außerdem ist es wieder der einzelne Mensch, der alleine die(se) Welt rettet, der zudem eher mäßig sympatisch ist. Auch der Gegenspieler, Palafox, ist leider flacher, als zu hoffen wäre. Insgesamt ein mittelmäßiges Buch, das sein Potential nicht ansatzweise entfaltet.

// Ende der Tarnung. Habe den dringlichen Verdacht, dass Schäuble Batman ist. In soner ARD Polit-Gesprächsrunde haben sie gesagt, dass er genau das tut, was sein Amt von ihm erfordert, nämlich gewagte Thesen für die Öffentlichkeit zur Diskussion zu stellen, die dann entscheidet, ob das so akzeptabel ist. Also ist es seine Aufgabe, den Hass für sowas wie die Forderungen nach Online Überwachung auf sich zu ziehen. Und Dark Knight lehrt uns, dass Batman das auch tut, dass er dafür gehasst werden soll, dass er nicht das ist, was Gotham will, sondern das, was Gotham braucht, weil er das nämlich erträgt. Oder so. Äh. Jedenfalls würde es mich nicht wundern, wenn Schäuble des Nachts aus seiner Höhle rollt und Verbrechen persönlich bekämpft.

Von prophet am Donnerstag, August 13, 2009 um 19:41

Heißer Flüssigfussball

Ich würde gerne das Lustigste des gestrigen Tages erzählen, aber dazu muss ich ein wenig ausholen.

Ich und Fußball, das ist ne lange Geschichte. Angefangen hat es alles in meiner frühesten Kindheit (Komma Herr Doktor). Ich erinnere mich noch an einen Tag, da saß ich bei Oma am Küchentisch und vor mir lag irgendeine Zeitung oder Zeitschrift, die zum Auftakt der Bundesliga-Saison damals eine große Aufstellung der Mannschaften im Vergleich abgedruckt hatte und ich, für den Fußball damals etwas anonymes war, was man alleine im Hinterhof mit einem Gummiball tat, blätterte nun diese Seiten durch und glotzte die Spielerphotos an. Ich war fest entschlossen: eines der Teams musste mir doch gefallen. Also entschied ich nach dem einzig entscheidenden Kriterium: Wessen Spieler mir am sympatischsten erschienen. Man verzeihe mir, ich war SEHR jung. So kam ich nach wenigen Minuten zu dem Schluss, dass es Borussia Dortmund sein soll, mit Spielern wie Thomas Helmer und Jürgen Kohler und der Stefan Reuter, und Andi Möller, und der Dings. Und der Junge und der mit der Hakennase. Und wie sie alle hießen.
Einige Jahre darauf. Fußball WM 1998 in Frankreich, ich schreie den Fernseher an, weil Christian Wörns von meinem BVB im Viertelfinale sonen Kroaten umgrätscht und dafür die Rote Karte gezeigt bekommt. Die 10 deutschen Spieler fliegen hochkant mit 0:3 vom Platz und aus dem Turnier. Was hab ich mich aufgeregt.
Springen wir ein Jahre vor. Fußball war was tolles. Ich war seit einer Weile im Fußballverein des Dorfes aktiv, wohl mit Abstand der Schlechteste in der Jugend-Mannschaft und deshalb immer nur Auswechselspieler. Zu Hause an der Wand hing die Bundesliga-Stecktabelle vom Kicker oder wem auch immer. Der Gruppenzwang hatte mir inzwischen den HSV und die grässlichen Bayern, die immer nur gewonnen haben, nähergebracht und so war ich zutiefst erschüttert, als die Klassenfahrt in der Fünften genau auf das Champions League Endspiel 1999, Bayern gegen ManU fiel. Schweinerei. Ich ließ das Spiel auf Video für mich und meinen damaligen besten Freund aufnehmen und guckte es mit ihm, als wir wieder zu Hause waren. Die niederschmetternde Niederlage der Bayern hatte man uns schon vorher einfühlsam beigebracht („Die hamm verlorn“). Wir waren am Boden.
Wir springen wieder ein wenig weiter. Aus dem Verein war ich ausgetreten. Ich hatte keinen Spaß mehr am Spielen, nur noch Frust. In den Jahren des Spielens hatte ich insgesamt EIN Tor geschossen. Über Bundesliga informierte ich mich nur noch grob, ab und zu guckte ich ein Länderspiel, aber das regelmäßige Zugucken, wie drei Abwehrspieler ideenlos den Ball hin- und herschieben, das musste nicht mehr sein.
Begeben wir uns nun in die jüngste Vergangenheit. Ich habe seit JAHREN kein Interesse mehr an Fußball. Null. So gar nicht. Geht mir komplett am Arsch vorbei. Die Schrottmannschaft, die Oliver Pocher gegen die Bayern führte (0:13) fand ich jedoch lustig, daher guckte ich mir dieses Spiel an. Dann, ein ganzes Stück später, guckte ich das Eröffnungsspiel der Bundesliga, Wolfsburg gegen Stuttgart, die letzten beiden Meister-Mannschaften. Und gestern dann schaute ich mir die zweite Halbzeit von Deutschland gegen Aserbaidschan und das volle Spiel Holland gegen England an. Es ist jetzt nicht so, als würde ich gezielt nach Spielen suchen und die dann gucken, aber es ist eine echte Alternative zu dem Scheiss, der sonst im Fernsehen läuft, wenn ich des PCs überdrüssig bin, was entsetzlich oft der Fall ist in den letzten Tagen. Ich war überrascht, wie gut ich durch die Spiele unterhalten wurde.

Kommen wir nun zum Anfang des Textes zurück. Ich guckte also zu, wie die deutsche Nationalmannschaft die Aserbaidschaner zerstörten, die aber auch nie ihre Chancen nutzten. Die Kamera zeigte dann einen (seit kurzem offiziell) deutschen Spieler, der am Spielfeldrand auf und ab lief, Dehnübungen machte, was man halt so macht, wenn man eingewechselt werden soll. Der Kommentator beschrieb zu diesem Bild sinnigerweise, was dieser Mann dort tat. Seine Aussage bestand aus dem Namen und der Aktivität des Spielers.

Das hat der Kommentator gesagt:
"Cacau wärmt sich auf." Get it?

Von prophet am Dienstag, August 11, 2009 um 12:33

Realvirtuelle Zeitreise

Oktober letzten Jahres spielte ich Final Fantasy VI, das ich besser in Erinnerung habe, als es im damaligen Post beschrieben ist. Da GTA 4 mit Belohnungen für erfüllte Nebensächlichkeiten geizt, habe ich dem mit FF6 vergleichbaren, da ebenfalls von Square entwickelten Chrono Trigger mal eine Chance gegeben, das bekanntermaßen eine recht hohe Reputation genießt. Ja, ich weiß, das Spiel ist von 95. Ich mach es auch kurz. Worum geht es in dieser Zeitreise in die 16-bit Ära? Um Zeitreisen (hach wie ulkig). Hauptfigur Crono (ohne h) reist mit maximal zwei seiner insgesamt sechs Mitstreiter durch verschiedendste Zeitalter, von der (Familie-Feuerstein-artigen) Steinzeit über die (Fantasy-Mittelalter) jüngere Vergangenheit und Gegenwart bis zur postapokalyptischen Zukunft (authentischer und düsterer als Fallout 3). Ebenjene Apokalypse gilt es aufzuhalten, und was sonst außer einem einzelnen, gigantischen Monster könnte diese hervorrufen.
Was macht Chrono Trigger besser als Final Fantasy VI, mit dem es sich mir gegenüber messen muss? Die (immer noch Runden-basierten) Kämpfe. Statt Random Encounter erscheinen die Gegner auch im normalen Spielverlauf sichtbar, der Kampf beginnt, wenn man ihnen zu nahe kommt, was sich aufgrund der Levelform jedoch häufig nicht vermeiden lässt. Gekämpft wird dann direkt an dieser Stelle und nicht in einem einheitlichen Raum für dieses Gebiet. Außerdem stehen die Kombatanten nicht wie angewurzelt herum - Gegner rennen umher, die eigenen Figuren werden von großen Gegnern gegen Wände geschleudert, große Gegner werfen kleine Gegner. Auch gibt es Kombo Attacken, etwa wird Cronos Schwertwirbel mit Luccas Flammenwerfer zum Feuerwirbel. Wirkt wesentlich flüssiger und natürlicher als die FF-Zufallskämpfe.
Worin sind FFVI und CT gleich gut? In Optik und Musik. Beide sind so schick, wie man mit 16bit sein kann und beide haben wirklich gute, prägnante Musik.
Worin ist Final Fantasy besser als Chrono Trigger? Im Erzählen der Handlung und dem Aufbau der Charaktere. Bisher ist es wie bei FFVI zu Beginn: Alle Charaktere reihen sich so ein, ohne einen Hintergrund oder...Charakter zu haben. Mit Ausnahme von Frog. Der ist cool as fuck. Was man aber in meinem Augen niemals machen sollte, ist eine recht begrenzte Anzahl permanenter Mitstreiter zu stellen und dann aus der Hauptfigur einen Taubstummen zu machen. Ja, Crono sagt kein Wort. Fatal. Außerdem sind viele der Nebenfiguren recht uninteressant, wie die Prinzessin, die sich ihrem gestrengen Vater nicht beugt und lieber Abenteuer erlebt (lame).
So oder so, ein charmantes Retro-Spiel mit überraschend gutem Kampfsystem. Ich hoffe einfach mal, dass das Beste noch kommt. Bestimmt. War bei FF auch so.

Von prophet am Sonntag, August 09, 2009 um 15:05

Konventionen und Konfessionen

Demiricous - Two (Poverty) [2007] []
Ich weiß nicht, wieso mich diese Band immer an Lamb of God denken lässt, wirklich ähnlich sind sie sich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass dieser Ami-Death/Thrash eine ähnlich trockene Produktion besitzt, ähnlicht tight gespielt wird mit schreddernden Gitarren und hartem Getrommel dahinter und damit ähnlich großartig klingt. Sicherlich nichts weltbewegend neues, aber das volle Brett in handwerklich einwandfreier Ausführung und herausragenden Liedern wie "Knuckle Eye" oder "Tusk and Claw". Besser als Dew-Scented und Konsorten!

LaZarus A.D. - The Onslaught [2009] []
Oh wie gerne wir doch DevilDriver wären! Ooooooh, so gerne! Dabei machen sie auf diesem ihrem Debüt nichtmal irgendwas falsch, nur leider nichts wirklich herausragend gut. Grundsolider Groove/Thrash/bisschen Death, wie man ihn von D.D. oder Sanctity kennt, mit mäßig abwechslungsreichem Songwriting im oberen Mittelmaß. Kann man sich auf jeden Fall anhören, braucht allerdings ein wenig mehr Identität. Das klingt jetzt negativer als es eigentlich ist. Potential haben sie ja. Sie müssen es nur besser ausspielen.

Pitiful Reign - Visual Violence [2008] []
Das an Evildead erinnernde Cover kündigt es an: Retro-Thrash, der die Bay Area der 80er zelebriert. Der Vergleich mit Gamma Bombs Sound bietet sich an. Mehr noch als bei Lazarus A.D. darf man keine Überraschungen erwarten. Macht aber nix. Denn diese Briten haben den Bogen ganz enorm raus, man merkt die Spielfreude. Von all den Alben dieses populären Stils ist dies eines der besten, die mir untergekommen sind. Nur leider haben alle diese Bands ein Problem: Gegen Bonded By Blood kommen sie nich an. Keiner.

Terror - The Damned, The Shamed [2008] []
*seuftz* Und wieder aus der Reihe "Alles schonmal gehört", diesmal: Zeitgenössischer Hardcore-Punk, New Yorker Style. Also so, wie Sick of it All und Hatebreed klingen. Wie schlagen sich die noch relativ jungen Terror? Ganz gut. Aber es fehlt diese Eingängigkeit, die den beiden erwähnten Bands ihre Sonderstellung einbrachte. Sowas wie "Die Alone" fehlt auf diesem Album. Nicht, dass es nicht genügend Gangshouts gäbe, nein nein, alles da. Aber irgendwie will der Funke nicht ganz zünden. Ok, aber austauschbar.

-

DJ Morgoth - Mashups []
Ich hatte es grad as Twieht gepostet - DJ Morgoth macht Mashups aus den unterschiedlichsten Stilen, seien es Motörhead und Gorillaz, Nirvana und Rick Astley, Avril Lavigne und Testament, In Flames und Celldweller, Fear Factory und die Fantastischen Vier, dem Mann ist nichts zu heilig. Manche Lieder funktionieren eher so mittel, bei anderen kann man gar nicht glauben, wie gut die zusammen klingen. Chuck Billy und Avril Lavigne zB. Bei der gewaltigen Bandbreite ist auch für jeden was dabei. Unbedingt mal reinhören.

Baroness - The Sweetest Curse []
Zusammen mit dem zweiminütigen, melodischen Intro "Bullhead's Psalm" der erste Song, den Baroness in leider eher mäßiger Qualität von ihrem im Oktober erscheinenden "Blue Record" veröffentlichten. Der eher konservative Fünfminüter klingt nach ein paar Durchläufen vielversprechend - es ist immer noch unverwechselbar Baroness, das Lied selbst ist aber eigenständig und vor allem Baizleys Geschreie und das Solo nach der Hälfte der Zeit sind der Wahnsinn. Sphärisch und doch Sludgerock. Das wird das Album des Jahres.

Und erm...
...auch wenn ich mich ein wenig sehr dafür schäme: Ich hab in den letzten Tagen relativ viel Fernsehen geguckt, und dabei immer wieder durchs sog. Musikfernsehen gezappt, dort dieses Lied mehrmals gehört und peinlich berührt feststellen müssen, dass ich das gut finde. Das auf alten Nashville Country getrimmte Musikvideo find ich auch noch lustig. Aber das Lied...SCHEISSE wieso mag ich das? Bei so viel Gewohntem (siehe komplette Alben oben) ist DAS doch mal was neues. Ist das jetzt gut oder schlecht?

Von prophet am Donnerstag, August 06, 2009 um 22:22

Alles, das glänzt

Man verzeihe mir, wenn es daran erinnert...
...mit wehenden Haaren kamen die jungen Frauen des kleinen, abgeschiedenen Dorfes im Abendlicht zum Marktplatz gestürmt, als sie hörten, wer hier wieder kurz auf seiner Reise halt gemacht hatte. Euphorisch jauchtzend eilten sie in immer größer werdenden Schaaren in Richtung des kleinen Platzes in der Dorfmitte, wo sich ein junger Mann mit gepflegtem Haar und modern geschnittener Kleidung grad von seinem grauen Pferd schwang und in den Satteltaschen kramte. Er hörte das Getrampel nicht, bis er ein Räuspern hinter seinem Rücken hörte, sich umdrehte und in die erwartungsvollen Gesichter der Dorfbewohner und vor allem derer Töchter und Frauen aufsah. Die Meute hatte sich mit unerwartetem Tempo um ihn versammelt und, wenn ihn sein kurzes Umschauen nicht täuschte, umzingelt und von allen Fluchtwegen abgeschnitten. Er ahnte, worauf es hinauslief. Mal wieder. Dabei hatte er beim letzten Mal, als er hier war, recht deutliche Anweisungen von dem bulligen Schmied mit den stark behaarten Schultern erhalten. „Barde“, hatte dieser in einem Ton gesagt, der seinen Hammerschlägen gleichkam, „wenn du nicht aufhörst unsere Weiber mit deinen Geschichten aufzuhetzen, dann reiße ich dir deine giftige Zunge mit glühenden Zangen heraus!“. Der junge Mann mit dem Spitzbart fragte sich, ob die Wut inzwischen abgekühlt war. Vermutlich nicht. Man weiß ja, wie diese Leute vom Land sind.
„Äh...seid gegrüßt, werte Leute. Ich, äh, bin nur auf der Durchreise und halte nur kurz, um mein Pferd zu tränken und auch mich ein wenig zu stärken. Äh, ich werde nicht lange bleiben. Ja.“, stammelte er sich aus seiner Lage. Vergebens. Eine der jungen Frauen, sie hatte ihr blondes Haar in zwei strammen Zöpfen geflochten (nicht das einizige, was an ihr stramm war, WOOHOO), wurde dezent nach vorne gestoßen. Sie schwankte einen Schritt auf den Mann zu, dann lächelte sie ihn an. „Werter Herr Barde, sagt, habt ihr nicht von neuen Abenteuern zu berichten?“, fragte sie in so süßer Stimme, dass man sofort Karies bekam. Der Musiker schmolz dahin. 'Verdammt', dachte er sich. „Nun äh,“ sagte er, „ich habe vielleicht Zeit für eine kleine Geschichte“. Er sah, wie sich die Gesichter der Meute aufhellten. Eine ältere, dicke Frau zwinkerte ihm sogar zu. Sich räuspernd wandte er sich um und zog die Laute aus einer der Satteltaschen. Er konnte das leichte Stechen der bohrenden Blicke der Alten spüren, die auf Holzstühlen, die so knorrig waren wie sie selbst, vor ihrer Türe saßen und finster zu ihm herüberstarrten.
„Wohlan, liebe Leute, welch' Lied kann ich euch singen, welche Neuigkeiten wollt ihr hören? Des Königs Armee und ihr Marsch auf die B...“ „Nein, nein!“, tönte es aus vielen Hälsen. Er nickte. Das Publikum sollte kriegen, was es wollte, wenn er nicht mit faulem Obst beworfen werden wollte, auch wenn das in diesem Dorf noch nie der Fall gewesen war. Hier blieb es bei Beifall in den Massen und Morddrohungen im Einzelnen.
„Nun, wie wäre es mit, äh...den kuriosen Zoten der Barone in den südlichen...“, erneut wurde er von Ablehnung unterbrochen. Seit wann waren diese Trampel so wählerisch? Nachdenklich spazierte er ein paar Schritte und setzte sich auf einen der großen Steine, die unter dem alten Baum in der Mitte des Platzes lagen. Er zupfte kurz jede Saite einmal an. Die junge, blonde Frau von zuvor sprach ihn erneut an. „Wieso....berichtet ihr nicht von den neuesten Abenteuern des tapferen Ritters, mit dem ihr reist und von dessen Taten ihr uns schon mehrmals erzähltet?“, fragte sie schüchtern. Kopfnicken und vereinzeltes „Ja!“-Gerufe unterstützten ihren Standpunkt. Der Barde fing an, zu schwitzen. „Der Ritter, ja, natürlich, der. Sicher, alles, was ihr wünscht. Ja.....lasst mich nur kurz überlegen....“
Verflucht noch eins. Nun musste er improvisieren. Seine Berufserfahrung lehrte ihn: Wenn die Leute in ihren Erwartungen enttäuscht werden, dann geht es dem Musiker an den Kragen. Das betraf nicht nur die künsterlische Darbietung, sondern auch den Inhalt des Vorgetragenen, auch wenn der Barde dafür keine Verantwortung trägt. Der Ritter. Großartig. Er reiste wirklich mit diesem Mann und berichtete dann von dessen Abenteuern, die er ein wenig aufbauschte und dramatisierte, jedoch im Kern bei der Wahrheit blieb. Nur war es dann halt ein Heer statt einem Dutzend, das er allein besiegte, was solls. Aber nun...das letzte Mal, als er hier war, sang er von dessen glorreichem Triumpf über die finsteren Inquisitoren des Wissens, was die Leute noch mehr für ihn begeisterte. Wenn er nun aber davon singen würde, wie es aktuell um den Rittersmann stand, würde er nicht nur seine Zunge rausgerissen bekommen. 'Lüg, Junge, Lüg', dachte er sich.
„Also gut“, eröffnete er, und die Leute strahlten ihn noch gieriger an. Jetzt galt es, keinen Fehler zu machen. „Als wir das letzte Mal von unserem tapferen, gutherzigen Ritter hörten, hatte er grade die finsteren Inquisitoren des Wissens überlistet. Und nun...“, er zupfte einige Akkorde, um es als Kunstpause erscheinen zu lassen, „ruht er sich natürlich nicht aus, sondern strebt wie immer neuen Heldentaten entgegen. Nimmer müde, stets erfüllt von Mut und Tatendrang. Jawohl....“, wieder eine kurze Pause und ein wenig Gedudel auf der Laute. Nun kam es drauf an. 'Was hat er getan. Was nur. Denke nach. Was hat der Herr diesmal erlebt...was ist glaubhaft...verdammtnocheins....uh, das könnte...wenn diese Hinterwäldler die Geschichte schon kennen bin ich geliefert. Hoffen wir, dass nicht nur Waschen noch nicht bis hierhin vorgedrungen ist.' Tiefes Durchatmen.
„...auf seinem Ritt durch die Lande begegnete er einem Boten. Der keuchende Mann war ein Gesandter von König Arthur, der von dem Geschick und der Kraft unseres Ritters gehört hatte und den es nun nach dessen Diensten verlangte. Und so ritt unser wackerer Krieger zum Hofe des Königs und trat ihm unter die Augen. Der dicke alte König“, hier machte er eine kurze Pause, um die Leute kichern zu lassen. Es war zwar unerhört, dass der Pöbel über den Adel lachte, aber die Leute taten es trotzdem mit viel Genuss, „beauftragte den Ritter mit einer schwierigen Mission. Er....sollte....erm.....“, kam er ins Stocken. Einige Augenbrauen hoben sich. „...die Tochter des Königs retten.“, warf er rasch hinzu, was anerkennendes Seufzen bei den Frauen hervorrief. Der Zauber seiner Erzählung fing an, zu wirken. Die Männer stellten sich vor, der Ritter zu sein, die Frauen träumten davon, vom Edelmann in schimmernder Rüstung gerettet zu werden. Mit viel Fantasie sponn der Barde seine Geschichte weiter und spielte dazu auf seiner Laute. Er erfand garstige Gnome, die die bezaubernde Prinzessin entführt hatten, die der Ritter in einem gigantischen Blutbad niederstreckte.
Zum Glück fiel niemandem auf, dass er sich den Quatsch nur ausgedacht hatte. Als er fertig war und das Lied mit einigen offen angeschlagenen Saiten beendete, war es, als würde sein Publikum aus einem wundervollen Traum erwachten, die Leute schüttelten die Köpfe und blickten sich um. Inzwischen war es merklich dunkler geworden. Mit Applaus und einigen Münzen zeigten sie, dass seine Geschichte angekommen war. Der Barde verbeugte sich, fuhr sich erschöpft durch den Spitzbart und steckte das Geld ein. Aus einiger Entfernung winkte ihm noch das blonde Mädchen von zuvor zu. Er winkte zurück, da hörte er einige der Frauen in seiner Nähe murmeln, davon, dass sie ihren Ehemännern, sobald sie nach Hause kämen, von dem Lied des Barden erzählen würden und verlangen würden, dass sich ihre Männer mehr wie der Ritter benehmen würden.
Und jene Männer wären dann sicher nicht besonders gut auf den Musiker zu sprechen, der hastig seine Taschen pakte und sich auf sein Pferd schwang. Er würde zügig abreisen, bevor schäumende Ehemänner aus ihren Häusern gestürmt kämen, um ihn zu zerstümmeln. Das musste nicht sein.

Er war einige wenige Meilen von dem kleinen Dorf entfernt, da schwankten seine Gedanken, von dem schnellsten Weg hinfort, über zum Ritter. Von dem, was er im Dorf besungen hatte, stimmte kein Wort. Der Ritter war nach seinem Kampf mit den Wissens - Inquisitoren enorm heruntergekommen. Er hatte sich in seiner Burg verschanzt, das Schwert an die Wand gehängt und seitdem absolut nichts unternommen. Es war ein bemitleidenswerter Anblick. Der Mann schwelgte in Selbstmitleid, langweilte sich oder starrte einfach nur ins Kaminfeuer, für Stunden, ohne eine Regung. Die Inquisitoren hatten ihn mehr Lebenskraft gekostet, als er gedacht hatte. Nun war er nur noch ein Schatten seiner selbst, freudlos und müde. Die Gefährten, die ihn auf seinen Reisen begleitet hatten, hatte er schon seit langem verwunschen und nie wieder gesehen. Welch trauriger Anblick.
Der Barde nickte zur Selbstbestätigung. Er hatte gut dran getan, den Leuten nicht die Wahrheit zu berichten. Sie hätten sie nicht hören wollen. Sie hätten ihn mindestens aus dem Dorf gejagt. So bekamen alle, was sie wollten. Der Barde bekam sein Geld und die Leute ihre Geschichte. Nun musste der Musiker nur aufpassen, dass er sich beim nächsten Mal in dem Dorf nicht verplapperte und stattdessen bei seiner heutigen Geschichte blieb. Schließlich hatte er mit seiner Zunge noch so einiges vor.

Von prophet am Montag, August 03, 2009 um 12:57

Bunt-Gemischtes

// Das erste Mal seit Januar wieder Google-Referrer bei Searchrequest gepostet. Sind wieder die dollsten Sachen dabei.
// Die guten Menschen von Opera haben aktuell einen Wettbewerb laufen, bei dem man einen Text zum Thema "innovation in technology" schreiben und einreichen soll, der mindestens ein Opera-Feature beinhalten und um die 400 Wörter lang sein soll. Eingereicht werden darf via myOpera-Blogpost bis zum 25ten August, die Community stimmt über die Artikel ab, dann gibt es eine zweite Runde, und die Autoren der besten Beiträge dieser Runde werden dann bei Opera eingeladen - zum Bewerbungsgespräch für ein Praktikum über ein halbes Jahr in Oslo. Und ratet mal wer da mitmacht. Den aktuellen Stand der Abstimmung kann man [hier] einsehen. Ich gewinn zwar eh nicht, aber man kann ja mal nur so aus Scheiss mitmachen...ich hätte auch ehrlich gesagt viel zu viel Angst, dort zu gewinnen.
// Nun, da ich die Story von GTA 4 abgeschlossen habe, was bleibt mir da vom Spiel? Die Bonusmissionen wie Rennen fahren, Autos besorgen, Dope transportieren oder (statt den altbekannten Paketen) alle Tauben abknallen bieten keine reizvolle Belohnung. Stattdessen fährt man ein wenig umher, provoziert die Polizei auf 6 Sterne oder probiert sich an ein paar Stunts. Dabei sind Videos wie dieses oder dieses pure Ketzerei. Entweder bin ich WIRKLICH so maßlos schlecht, oder die XBox 360 Version nimmt es mit der Schwerkraft nicht so ganz genau.
// Baroness werden ihr neues Al....ach lest es doch einfach hier. Und nein, keine Sorge, ich werde daraus nichts regelmäßiges machen, ich bleibe hier.

Von prophet am Sonntag, August 02, 2009 um 12:49

Das 7½te Siegel

Schweden im 14ten Jahrhundert nach Christus - der Ritter Antonius Block kehrt mit seinem Knappen nach zehn langen Jahren aus den Kreuzzügen zurück. Durch das Grauen und die Sinnlosigkeit des Krieges desillusioniert und in seinem Glauben tief erschüttert erreicht der Ritter seine Heimat, die er von der Pest verwüstet vorfindet. Ganze Landstriche sind entvölkert und er sorgt sich um seine Frau, die in seiner Burg auf ihn wartet. Erschöpft von der Reise machen er und sein Knappe halt an der Küste und ruhen für einige Stunden. Während Antonius aufs Meer hinausstarrt und über seinen Glauben sinniert - er will, doch empfindet er nur grauenvolle Leere - nähert sich ein blasser Mann in schwarzer Kutte. Der Ritter fragt ihn, wer er sei. "Ich bin Tod", antwortet der Mann. Er sagt Antonius, dass er schon lange an seiner Seite sei. "Ich weiß", sagt dieser. "Bist du bereit?", fragt der Tod ihn. "Mein Fleisch ist ängstlich, aber ich bin es nicht", sagt Antonius.
Tod breitet seinen Mantel aus und nähert sich dem Ritter, da gebietet jener ihm, inne zu halten. Tod lächelt. "Das sagen alle. Aber ich gewähre keinen Aufschub." Der Ritter lächelt zurück. "Du spielst Pokemon, nicht wahr?", fragt er gewitzt. Tod zögert. "Woher weißt du davon?" "Hooh", lacht der Ritter, "Ich habe es in Bildern gesehen.". Tod gibt zu, ein geschickter Spieler zu sein. Der Ritter hält dagegen und behauptet, besser zu sein und gegen den Tod spielen zu wollen. Dieser fragt nach Antonius Beweggründen, doch der Gerüstete gibt ihm keine Antwort. Der Tod stimmt zu und die beiden setzen sich gegenüber. Beide holen einen grauen Kasten mit rosa Knöpfen aus ihren Gewändern. "Solange ich standhalte, lebe ich. Wenn ich gewinne, gibst du mich frei", sagt Antonius. Der Tod reicht ihm ein schwarzes Link-Kabel.
Mit einem aufblitzenden Pokeball beginnt das Duell. Beide Spieler sind äußerlich entspannt, doch höchst konzentriert. Antonius ingame-Name ist "Smokey McPott", der des Todes "BLAU". Der Ritter schickt sein erstes Pokemon in den Kampf - ein Lv. 8 Karpador. Der Tod lächelt ein wenig und schickt sein Lv. 5 Safcon in den Kampf. Das Karpador hat mehr INIT, daher ist es zuerst dran - und benutzt Platscher, die einzige Attacke, die es beherrscht. Nichts passiert. Tod befiehlt seinem Safcon, Härtner zu benutzen, die einzige Attacke, die es beherrscht. Safcons Verteidigungswert steigt.
Fünf Jahre später. Tod und Antonius spielen noch immer und füllen die AP von Platscher und Härtner mit den Unmengen an Items auf, die sie sich jeweils ercheatet haben. Antonius Knappe rät seinem Herren seit fünf Jahren an, sein Lv.100 Mewtwo einzuwechseln, doch der Ritter brummt immer nur aus seinem inzwischen langen Bart heraus, dass der Herr seinem Karpador zum Sieg verhelfen wird. Der pragmatische Knappe schüttelt den Kopf, sagt, dass es keinen Gott und keinen Teufel gäbe, dass es nur das Nichts ist, in das man starrt und in dem man sich selbst widerspiegelt, doch Antonius hört ihn nicht. Er ist zu beschäftigt, auf den A-Knopf zu hämmern.
Ich muss mir endlich die Pokemonwitze abgewöhnen.

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