Von prophet am Dienstag, September 29, 2009 um 16:36

Spiel's nochmal, Sam

Suffocation - Suffocation []
Das selbst-betitelte 2006er beweist, dass nicht alle alteingesessenen Death Metal Bands so müde sein müssen wie Obituary. Suffocation kloppen sich vital durch die 44 Minuten Spielzeit und zeigen, dass sie sowohl brutal und stumpf als auch technisch können. Leider sind Suffocation Allrounder, die in nichts herausragend glänzen. Vital Remains sind brutaler, Kronos sind bei gleich extremer Härte melodischer und eingängiger. Cannibal Corpse sind schmissiger. Ein gutes Album, das sich aber viel zu wenig traut.


Nebula - Apollo []
Nebula haben das selbe Problem wie Suffocation - sie machen nichts falsch, aber man kann spontan eine Reihe von Bands nennen, die das selbe besser machen, nur geht es diesmal um Stoner Rock. Wieso soll ich mir Bands wie Nebula oder The Atomic Bitchwax anhören, wenn QOTSA, Orange Goblin oder Unida das bessere Songwriting haben? Von der Produktion her können sie mithalten, aber eigene Ideen höre ich hier absolut keine raus. Balthazzar meinte mal gutlaunig "Stoner Rock ist immer gut". Sorry, seh ich anders.


SUNN O))) & Boris - Altar []
Interessant! Das 2006er Album der Drone-Spinner von SUNN O))) und der 'Wir spielen 10 Genres in einem einzigen Song'-Japaner von Boris hat im wesentlichen zwei Arten von Songs - zum einen die hellen, klaren, wie The Sinking Belle, die nach Earth klingen, zum anderen die typischen Sunn-Songs wie Blood Swamp, die dem Hörer mit einem Bataillon Panzer übers Gesicht fahren. Von schönen Momenten bis zum finstersten, kalten Grauen reicht die Palette dieser Kollaboration. Vielleicht ein einfacherer Weg, zu SUNN O))) zu finden.


Rodrigo y Gabriela - Rodrigo y Gabriela []
Mexikanisches Akustik-Gitarren Duo, das irgendwas zwischen Flamenco und Alternative Rock spielt. Ganz gut, kann man sich anhören. Aber um ehrlich zu sein - mir geht es nur um einen der Songs, nämlich das Cover, das sie von Metallicas Orion spielen, sowieso einer der saucoolsten, most epic Songs überhaupt, ganz hervorragend transportiert von den beiden. Stairway to Heaven haben sie auch gecovert, aber wen interessiert der Rotz. Orion holy mother of fuck yeah!


Jacques Loussier Trio - Satie: Gymnopedies/Gnossiennes []
Das Jacques Loussier Trio sind drei Musiker, die klassische Komponisten wie Bach oder Vivaldi als Jazz-Interpretationen spielen. Erik Satie war ein französischer Komponist, der dem modern minialistischem Impressionismus...also das ist halt so Klassik am Klavier. Und die spielen seine "Gymnopedies" und die "Gnossiennes", was auch immer das jetzt heißt. Klavier, Kontrabass, Jazz-Drums. Entspannende, angenehme Musik, von der ich nichts verstehe, die sich aber nett anhört.


Superpowerless - Moonwalker EP []
Auch wenn es mir suspekt vorkommt, wenn Musiker aktuell Michael Jackson - Tribute einspielen, der Chiptune-Artist Superpowerless hat Anfang des Monates eine EP mit 8-Bit Covern von Jackos Songs Smooth Criminal, Billie Jean, Beat It und natürlich Thriller veröffentlicht, die man sich für umsonst runterladen kann. Absolut lohnenswert, die bekannten Melodien funktionieren hervorragend im Gameboy-Sound, der mir ja sowieso sympathisch ist. Wem eigentlich nicht? Also, runterladen, kost' ja nix!

Von prophet am Sonntag, September 27, 2009 um 23:37

Liebes Schwarz-Gelb,

...die Speisekarte war ja schon recht dürftig, aber nun bekomme ich nicht mal meine Links-Grüne Bestellung! Was ist das denn für ein Lokal? Doch bevor ich mehr Mudder Merkel, mehr CSU, mehr Schäuble, mehr Zensursula, Guido als Außenminister, die Schaffung einer Geheimpolizei, keinen Mindestlohn, aber Mindesthonorare für Anwälte, Bürgergeld statt Hartz 4 (dasselbe in magerer), einen Extra-Klacks Sterben in Afghanistan, mehr Armut für die Armen, viel mehr Reichtum für die Reichen, Privatisierung von Allem, mehr Atomkraft so wie sie ist, die Familien-Packung Online-Überwachung und Zensur, vielleicht sogar endlich ein Killerspiele-Verbot, mehr hirnlose PR-Aktionen wie das Verscherbeln von Opel, vielleicht eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und was nicht alles aufgetischt bekomme, das ich dann fressen muss, möchte ich die neue Koalition mit einem kleinen Dessert begrüßen, das meine Gefühle für unsere kommende Regierung ausdrückt.
Lass es dir schmecken, Schwarz-Gelb!

Von prophet am Freitag, September 25, 2009 um 11:32

Arkham Asylum (Spiel)

Nach der bemerkenswerten Graphic-Novel Vorlage nun das letzte Woche erschienene Spiel, bei dem meine Einschätzung "noch längst nicht durch" nicht so recht treffend war - zwei Tage intensiven Daddelns und ich war fertig. Hat es sich die Lorbeeren verdient?
Die Story: Der Joker und Massen seiner Handlanger lassen sich mit verdächtig wenig Gegenwehr schnappen und nach Arkham einliefern. Kaum im Gebäude bricht der Joker auch schon aus - und übernimmt mit seiner Kumpane die Kontrolle in der Anstalt. Batman muss sich seinen Weg durch die Handlanger des Jokers, gefährliche Insassen und altbekannte Feinde bahnen, um seinen Erzrivalen zu stoppen. Achtung Spoiler: Es stellt sich heraus, dass der Joker eine Chemikalie namens "Titan" stehlen will, die in der Anstalt entwickelt wurde. Wer damit injiziert wird, wird zu einem riesigen, aggressiven Muskelberg - genau das Richtige, um eine Privatarmee von Monster-Schlägern für den Joker zu erschaffen. Ende Spoiler.

Was an diesem Spiel gefällt mir nicht? Poison Ivys Stimme, wenn sie dieses blecherne Hallen hat, ist nerviger als jede Klingelton- oder Wahlwerbung. Die Spieldauer ist nicht wirklich hoch. Commissioner Gordon sieht zu aufgepumpt aus. Kleinigkeiten. Aber dann gibt es noch einen großen Kritikpunkt: Die...wie sage ich das...Videospieligkeit. Die Bosskämpfe, die wie in jedem Nintendo-Spiel der letzten 15 Jahre ablaufen: Erst auf und ab rennen, um nicht getroffen zu werden, dann den Kopf/das Auge/die eine große, rot glühende Schwachstelle treffen, die der Boss kurzzeitig dem Spieler entgegenstreckt, das ganze drei Mal wiederholen. Der Oberwelt-Hub. Die Gadgets, die es nur gibt, damit man erst später bestimmte Areale betreten kann. Die unzähligen Lüftungsschächte. Arkham Asylum klammert sich an Konventionen wie Harley Quinn an den Joker. Das einzige, das fehlt, sind goldene Bananen, die man einsammeln muss, um neue Level zu öffnen. Ich kann verstehen, dass man sich an altbewährte Mechanismen hält, vor allem, wenn sie so gut funktionieren wie hier, aber es sprang mir in Arkham Asylum so extrem ins Gesicht, vor allem bei den Bossfights. Scarecrow hat im Spiel drei Auftritte - alle drei werden durch zum Niederknien großartige Halluzinationen eingeleitet, ein absolutes Glanzstück, fantastisch, nur um dann DREI FUCKING MAL den selben, bescheuerten Boss-"Kampf" abzuspielen.

Ungeachtet dieser zur Schau gestellten Konventionen ist Arkham Asylum ein großartiges Spiel. Die Unreal-3-Grafik ist gut, ebenso die Musik. Die Anstalt ist toll düster und abwechslungsreich gestaltet. Die meisten Sprecher sind überzeugend. Die Details! Batmans Anzug und Cape bekommen Risse und Schnitte. Als einer von Jokers Handlangern eine "Gästeliste" durchgeht um zu gucken, ob er Batman hereinlässt, kann man kurz auf das Klemmbrett schauen: Es steht nur "Batman" darauf, in großen, roten Buchstaben, doppelt unterstrichen. Wenn man stirbt, erscheint der aktuelle Widersacher auf dem Bildschirm und verspottet Batman. Und dann gibt es die Kämpfe. Bisher war Altair aus Assassins Creed der Maßstab für flüssige Kämpfe. Verglichen mit Batman ist Altair ein betrunkener, fetter, träger, alter Mann auf Rollschuhen. Das "FreeFlow" genannte Kampfsystem macht Batman zum ultimativen Nahkämpfer, er hat immer einen Konter, einen Angriff, ein Ausweichmanöver. Das funktioniert so dermaßen gut, dass man bald keine aneinander gereihten Einzelschläge mehr sieht, sondern eine einzige, perfekte, fugenlose Bewegung. Man spielt mit den Schlägern des Jokers. Kann man einen Schlag nicht mehr kontern, greift man einen anderen Gegner und wirft sich über ihn hinweg. Steht ein Gegner hinter Batman und bewegt sich von ihm weg, duckt sich der Fledermausmann, stößt sich mit den Händen ab und verpasst ihm einen Dropkick ins Genick. Der schiere Wahnsinn. Sämtliche Nahkämpfe in Spielen werden sich von nun an damit messen müssen. Referenz.
Batman wäre aber nicht Batman, wenn er nicht auch lautlos Gegner ausschalten würde. Die Stealth-Passagen wirken nicht gekünstelt, sondern ergeben sich aus der Situation - wenn sieben Gegner mit MGs patrouillieren, kann man nicht einfach auf sie zustürmen, Batman ist nicht kugelsicher. Extrem hilfreich ist dabei der "Detective Mode", eine Art Röntgen- und Nachtsicht, die Gegner und einige Objekte auch durch Wände anzeigt.
Ach, und das vielleicht wichtigste habe ich noch vergessen: It is the goddamn Batman! Mit dem Cape und dem Batmobil und alles! COOL!

Um es auf den Punkt zu bringen: Arkham Asylum ist ein großartiges Spiel, das zwar etwas konventionell ist, sich aber durch das Maßstäbe setzende Kampfsystem, die Atmosphäre und die Tatsache, dass man fucking Batman spielt, absolut dringlich empfiehlt. Was The Dark Knight für den Film war, ist Arkham Asylum für Spiele. Derbe gut.

Von prophet am Donnerstag, September 24, 2009 um 10:52

Arkham Asylum (Original)

A Serious House on Serious Earth. Was bringt eine Adaption, wenn man die Vorlage nicht kennt? Das von allen Medien höchstgelobte Spiel mit selbigem Namen ist seit letzter Woche zu haben und auch ich habe zugeschlagen. Da ich aber noch längst nicht durch bin, folgt der Post zum Spiel noch. Jetzt geht es mir um die Graphic Novel, die 1989 erschien, wenige Jahre, nachdem Batman den neuen, düstereren Kurs eingeschlagen hatte.
Die Story: Commissioner Gordon ruft Batman herbei, denn der Joker hat Arkham Asylum, die Hochsicherheits-Anstalt für geisteskranke Kriminelle in seine Gewalt gebracht. Kein Kunststück, so oft wie er schon daraus ausgebrochen ist. Joker, das Personal als Geiseln genommen, verlangt von Batman, dass er in der Anstalt mit ihm Verstecken spielt - und nach einer Stunde lässt Joker alle Insassen frei, die es auf den Fledermausmann abgesehen haben. Batman sucht in der Anstalt nach einem Ausweg, wobei ihm seine alten Widersacher begegnen (Scarecrow, Mad Hatter, Killer Croc...) und sein eigener Verstand extrem auf die Probe gestellt wird. Abwechselnd mit diesen aktuellen Geschehnissen gibt es Flashbacks aus dem Leben von Amadeus Arkham, dem Gründer der Anstalt, der selbst immer mehr dem Wahnsinn verfiel. Achtung Spoiler: Es stellt sich heraus, dass Dr. Cavendish, der Leiter der Anstalt, Arkhams Tagebücher fand und sich als auserwählt ansah, dessen Mission zu vollenden. Arkhams demente Mutter sah sich immer von einer dunklen Macht bedroht, die Arkham als "The Bat" bezeichnete. Dr. Cavendish erkannte dieses Monster in Batman wieder und lockte ihn in die Anstalt, um ihn umzubringen. Ende Spoiler.
Der Stil des "Comics" ist so gar nicht comichaft, sondern eine Mischung aus Surrealismus, teilweise so abgehackten, zerstückelten Seiten, dass man von Expressionismus sprechen muss, dann aber auch immer wieder durchsetzt mit sehr naturalistischen Bildern und das ganze in allen erdenklichen kalten und dunklen Farbtönen. Alles ist verzerrt, beängstigend, dunkel, genau so wie der Geisteszustand der Insassen - und vielleicht auch von Batman selbst. Es ist anstrengend zu lesen, aber dafür umso anspruchsvoller und einzigartiger. Immer wieder gibt es Anspielungen auf Alice im Wunderland, ein schöner Vergleich damit, wie sich Batman in den Kaninchenbau der Anstalt wagt.

Comics werden den Ruf, an eine junge Leserschaft gerichtet zu sein, vielleicht nie ganz loswerden. Aber Arkham Asylum ist ein gestörter, dunkler Trip durch den Verstand und so extrem sowohl in Storytelling als auch optischer Gestaltung, dass man schon von erwachsener Kunst sprechen muss.

Von prophet am Montag, September 21, 2009 um 17:18

That's no Mohn...it's a space station!

Bekanntermaßen sind wir nicht im Krieg. Schon gar nicht in einem Angriffskrieg, das verbietet ja das Grundgesetz (Art.26). Dennoch sterben bemerkenswert viele Soldaten im Einsatz und Frau Dr. Merkel (die nur im Kriegsfall Oberbefehlshaberin der Bundeswehr ist) verleiht Tapferkeitsorden an die, die lebendig zurückkommen. Nun haben wir es mit einem Feind zu tun, der keine Uniform trägt, den man nicht erkennt, bis er sich wenige Meter vor einem in die Luft sprengt. Wie ist einem solchen Feind beizukommen, einem Feind, der den eigenen Soldaten nicht offen gegenübersteht? Die USA grübeln seit Vietnam darüber.
Die seit damals angewandte Methodik, einfach auf alles zu schießen, was einheimisch aussieht, gehört eingemottet. Die Lösung liegt doch auf der Hand, und ich beanspruche sie hiermit als MEINE Idee: Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Taliban ihren dummen Krieg gegen den Rest der Welt mit Opium finanzieren. Selbst der Bruder von Karsai, der sich seine Amtszeit selbst verlängert hat, ist in dem Geschäft. Darum bringen die Taliban die Bauern auch dazu, Schlafmohn anzubauen statt Getreide - weil es sich für sie besser bezahlt macht.
NUN meine geniale Lösung: Wieso lässt man nicht die dahin siechende Agrarwirtschaft der USA massiv Schlafmohn anbauen, in großem Stile? Das schafft in den USA Arbeitsplätze auf diesem Sektor - und dann fluten die Amis den Markt mit ihrem billigen Opium, machen die Preise kaputt und treffen die Taliban dort, wo es ihnen wehtut, nämlich in ihren Geldbörsen. Nix heiliger Krieg wenn sie kein Geld mehr haben, um sich neuen Sprengstoff zu kaufen. Was hat denn Rom, das Deutsche Reich und die Sowjetunion gestürzt, wenn nicht die Pleite, was hat denn jetzt die kapitalistische Welt so erschüttert, wenn nicht wirtschaftliche Instabilität? Der Kapitalismus kann ein richtiges Dreckschwein sein - warum nicht daraus einen Vorteil ziehen?
Länder wie Mexiko, Kolumbien oder Laos und Nachbarn werden zwar Einwände erheben, weil die nämlich auch viel Geld durch Drogenanbau verdienen, aber hey, Fuck Them. Wenn sich die USA endlich mal an einen meiner Master-Pläne halten würden, dann wäre durch Opium-Inflation der Endsieg über die Taliban bis spätestens 2015 erreicht. Aber nein, sie hören einfach nicht auf mich.

Von prophet am Freitag, September 18, 2009 um 12:52

Cool für Sekunden

Eine der größten journalistischen Tugenden ist eine klare, eindeutige Ausdrucksweise, durch die der Leser unmissverständlich vermittelt bekommt, was der Autor sagen möchte. Allegorien, Symbole, Euphemismen, Sinnbilder, all dies kann natürlich benutzt werden, um einem Text einen literarischen Wert einzuimpfen, jedoch muss der Schreiber vor allem bei knapp formulierten Nachrichten Zurückhaltung zeigen, wenn ansonsten der Inhalt der Meldung verfälscht wird.
Die Tagesschau meldet(e) heute auf ihrer Internetseite: "Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel von und zu Guttenberg lässt neueste AKW-Typen untersuchen", soweit nichts besonderes, halten doch CDU und CSU seit Jahrzehnten an der Fortsetzung des Atomstroms fest, doch dann las ich folgenden Satz: "Wirtschaftsminister zu Guttenberg lässt in seinem Haus die Sicherheit der modernsten Generation von Atommeilern testen.". Ich war zutiefst beeindruckt. Sollte ich Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel vollkommen falsch eingeschätzt haben? Vielleicht war er gar nicht der aalglatte, schmierige, verweichlichte Adelige für den ich ihn hielt. Jemand, der Experimente mit extrem gefährlichen Energiequellen in seinem eigenen Haus zulässt, der ist ein ausgekochter, harter Hund, ein eiskalter Irrer, the Main Man. Ich hatte es schon vor Augen: In seinem Märchenschloss, mitten im Foyer, steht ein riesiger Generator, grünes Licht strahlt heraus, Pumpen pumpen, die Halle erzittert vor Lärm, und mittendrin steht unser aller Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel, die brennende Zigarre im Mundwinkel, grinsend. "WHOOOZE HAAAAAOUUUUWZE?", brüllt er gegen den Lärm an. Er winkt sich einen der Ingenieure heran, der in meiner Vision so aussieht wie Johannes Schlüter, und fragt ihn: "Sagen Sie, mein Bester, es geht der Partei um die Sicherheit der Meiler, was wäre nötig, um solch einen Apparat zur Explosion zu bringen?". "Nuchja", sacht der Johannes Schlüter Ingenieur, "datt brauch schon nen diggen Terroranschlach um datt Ding kaputt zu kriegn, die Hülle is stabil. Datt einziche is, datt dat von innen zuviel Druck gib, weil irgendwer auf diesen roten Knopf drück", kommt die Antwort und er zeigt auf einen großen, roten, schönen, glänzenden Knopf. Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel lacht. "Diesen Knopf?", fragt er und drückt ihn. FRAGGA-BOOOOOOM!
So zumindest meine Vision. Doch dann holte mich die ernüchternde Realität in Form des eigentlichen Artikels der Tagesschau ein. "Das Bundeswirtschaftsministerium von Karl-Theodor zu Guttenberg hat einen Auftrag zur Untersuchung der Sicherheit von modernen Atommeilern vergeben.", heißt es da. Oh, die Enttäuschung, Ach, die falsche Hoffnung. Und ich hatte für einen Moment geglaubt, von und zu Guttenberg wäre...cool. Liebe Tagesschau: Ein Ministerium ist kein "Haus". Vielleicht ein Gebäude, aber kein "Haus". Vielleicht habe ich in letzter Zeit auch einfach zu viel Lobo gelesen.

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Von prophet am Dienstag, September 15, 2009 um 09:47

Megadeth - Endgame

Metallicas Death Magnetic beförderte sie in die Glaubwürdigkeit zurück. Im Nachhinein bin ich nicht mehr so begeistert, was daran liegt, dass es sich recht schnell tot hört und auf Dauer nicht bissig genug ist. Dennoch - Death Magnetic war so oder so ein mindestens gutes Album. Jetzt, ziemlich genau ein Jahr später, erscheint Megadeths Endgame, und egal wie alt die Fehde sein mag, die beiden Bands werden sich immer miteinander messen lassen müssen. Die beiden Vorboten des Albums kündigten schon einiges an, aber das...

01. Dialectic Chaos
Der instrumentale Opener ist vor allem eine Gedächtnisstütze, eine Erinnerung daran, dass Dave Mustaine ein Ausnahmegitarrist ist, der andere Ausnahmegitarristen um sich schart. Einst war es ein Marty Friedman, heute ist es Chris Broderick (Jag Panzer, Nevermore(!)), und hier duelliert sich der Neuling mit Mustaine auf höchster Shred-Augenhöhe, ohne auch nur eine Sekunde zu vergessen, dass sie immer noch ein Lied zusammen spielen sollen. Wenn Gitarren fliegen könnten und in der Luft miteinander Sex haben würden, dann würde es so klingen.

02. This Day We Fight!
Dialectic Chaos klingt aus und wird sofort durch nackenbrechend schnelle, knallharte Riffs hinweggepustet - Mustaine keift angepisst wie ewig nicht mehr, das Drumming peitscht den Song gnadenlos vorwärts, das tiefe, harte Riffing und kurze, perverse Gitarrenfrickeleien wechseln sich ab - This Day We Fight erinnert an Take No Prisoners in zeitgemäßer, perfekter Produktion. Der Flix bezeichnete mal ein Seeed Live-Album als "Musik-gewordenen Espresso". Wenn dem so ist, ist dieser Song ein Kilo Kokain. Holy Fuck. Als würde sich Mustaine das Hemd vom Leib reißen, Schaum vorm Mund haben und brüllen, wer sich mit ihm anlegen wolle.

03. 44 Minutes
Das angenehm melodische Intro mit den Polizeifunk-Samples wird von dem schweren, groovenden Midtempo-Rythmus abgelöst, der Bass demonstriert seine Präsenz, das Schlagzeug donnert hernieder. Mustaine knurrt die Story von dem Feuergefecht, das sich Polizei und Bankräuber 97 in Hollywood geliefert haben. Der zum Mitsingen verleitende Refrain greift dann wieder die melodische Gitarre aus dem Intro auf. Die Kombination aus den groovenden Strophen, dem Refrain und schließlich dem besten Solo auf dem gesamten Album geht beeindruckend gut auf. Dieser Song wird sich, so meine Prognose, dauerhaft im Live-Repertoire verankern.

04. 1,320
Die zweite der Vorveröffentlichungen. Das Brüllen von viel zu großen Motoren, dann ein uptempo Holy Wars-artiges Riff, das Schlagzeug hämmert hinein, die Gitarren stellen sich um auf tief und röhrend. Voll Spielfreude hauen sich Megadeth durch den Song, bis alles bis auf das Schlagzeug ausklingt - Getrommel Getrommel, Gitarrensex. Harter, schneller, ausufernder, dreckiger Gitarrensex. Kirk Hammet liegt, wie ein kleines Mädchen flennend, zu Hause im Keller. Mit Motorengeräuschen endet der Song. Nach vier Liedern stellt man fest, dass man bisher noch nichts gehört hat, was kein absolut brillianter, hervorragender, handwerklich perfekter Metal Song ist.

05. Bite The Hand That Feeds
Der erste austauschbare Song des Albums. Nicht schlecht, alle Zutaten sind da, aber irgendwie fehlt es an der Identität, die das Album bis zu diesem Punkt hatte. Erinnert mich irgendwie an Sleepwalker. Treibend, natürlich wieder mit mal einstimmigen, mal zweistimmigen Soli, die anderen Gitarristen die Hände brechen würden, und einem coolen Abschluss, aber über weite Strecken zu gesichtslos.

06. Bodies
Etwas langsamer als "Bite The Hand..." und mit einem melodischeren Refrain, mit mehr Breaks, aber im wesentlichen nicht viel anders als ebenjener. Und wieder: kein schlechtes Lied, hat seine Daseins-Berechtigung, das Solo am Ende des Songs könnte von Judas Priest sein, die aus dem Brunnen der Virtuosität getrunken haben, aber irgendwie...geht im Vergleich zu den ersten Songs des Albums unter. Sagte grade jemand "Youthanasia"?

07. Endgame
Der Titeltrack beginnt mit Mustaine, der in ein Megaphon schnackt (das mag er irgendwie), die Instrumentalisierung ist düster, bedrohlich, langsam, bedrückend. Nach dem generischen Refrain mit dem schwachen Text gallopieren die Gitarren wie Iron Maiden es nicht besser können und das Tempo wird angezogen, das kreischende Solo trifft die Stimmung des Songs auf den Punkt, was sich über das zweite, dritte und vierte Solo dann leider nicht mehr sagen lässt. Technisch großartig sind natürlich alle vier. Ein guter Song, aber es fehlt an einem Refrain, der mit dem Rest des Liedes mithalten kann.

08. The Hardest Part Of Letting Go... Sealed With A Kiss
Ach Herrje. Nichts gegen die Akustikgitarre am Anfang, aber die Streichinstrumente klingen dann doch zu kitschig, und das "...you've such a pretty face" trägt noch dazu bei. Nach den schmierigen ersten hundert Sekunden platzen die bekannten Gitarren hinein, die irgendwie mit einer fast schon orientalisch klingenden Melodie unterlegt sind. Die Spielerei vom Anfang verliert sich dann und der Song nähert sich dem Rest des Albums an - und greift im letzten Drittel nochmal den Anfang auf. Ja nee, Herr Mustaine. A Tout Le Monde war ja gut, aber sowas hier, das muss nicht sein. Eine in meinen Augen missglückte Halbballade.

09. Head Crusher
Die erste der Vorveröffentlichungen. Head Crusher fällt mir der Tür ins Haus und rammt sich nach dem schwachen Song davor seinen Weg zur Anerkennung des Hörers - mit Erfolg. Das angezogene Tempo mit dem uber-simplen Riff im Refrain haut ordentlich rein und ist catchy as fuck. Irgendwann hört man Mustaines Stimme dann durch ein Megaphon (kein Megadeth-Wortwitz) und der Song lässt im Tempo nach...um dann ins primitivste, groovende 1-Akkord-Geriffe zu springen. Trifft meinen Geschmack. Dabei bleibt es dann auch nicht allzu lange, das Schlagzeug, Mustaines Gesang und noch ein kurzes Solo bringen den Song wieder auf Linie.

10. How the Story Ends
Gehobenes Midtempo, gefälliges Riffing, toll eingängiger Refrain, gute Melodieführung, in der Mitte kurze Experimente mit Akustikgitarren und wieder Solo-Passagen, die andere Gitarristen beschämt in der Ecke stehen lassen. Eine donnernde Bridge zum zweiten Refrain...könnte auf "Countdown..." stehen. Dieser Song funktioniert gut, aber nicht ganz so gut wie 44 Minutes. Insgesamt aber wirklich zufriedenstellend.

11. The Right To Go Insane
Nach ultrafiesem Bass-Geschrubbe pressen sich die Gitarren rein - pressen trifft es, der eher langsame Song ist extrem heavy, um dann im Refrain mit leichtem Echo in Mustaines Stimme die getragene Catchyness eines "Of Mice And Men" zu erreichen. Nach mehr Strophe, die den Hörer in seinen Sitz drückt, folgt nochmal eben eines der besten Soli des Albums, das durch sein hohes Tempo eigentlich gar nicht zum Song passt, aber das Album so ausklingen lässt, wie es angefangen hat - mit einer Machtdemonstration in Sachen Können an der Gitarre.

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Fazit:
Was habe ich an diesem Album auszusetzen? "The Hardest Part Of Letting Go" hat einen nachvollziehbaren Ansatz, der aber in meinen Aug...äh, Ohren nicht aufgeht. Drei der Lieder könnte man als Füllmaterial bezeichnen. An manchen Stellen, vor allem im Refrain des Titeltracks, fallen die Lyrics dem Hörer als schwach auf. Äh...und das Titelbild sieht doof aus. Ich glaub das war's.
Mit "Endgame", das man aktuell auf ihrer MySpace-Seite komplett streamen kann, liefert Dave Mustaine sein bestes Album seit Rust In Peace ab, und das ist eines der besten Metal Alben, die es je gab. Mit Chris Broderick hat er einen Glücksgriff getätigt, was die beiden auf dieser CD an den Gitarren abfeiern, das ist pervers. Da kann Death Magnetic noch so gut sein - Endgame wischt mit Metallica den Boden. Dass wir es hier mit einem der besten Alben des Jahres 2009 zu tun haben, brauche ich ja wohl nicht noch hervorzuheben.

1-Satz-Zusammenfassung:
Mustaine ejakuliert Metallica mit seinem Gitarrenpenis mitten ins Gesicht.

Von prophet am Sonntag, September 13, 2009 um 20:40

Der nackte Inhalt

Nein, den Schund gucke ich mir nicht an. Ich schalte ab, bevor eine der beiden Pappfiguren etwas sagen kann. Das Unterhaltsame an dem, was das Fernsehen als "spannendes" "Duell" (hier Sitcom-Lachen einblenden) aufbauscht, ist für mich nur das Trara drumherum, die Inszenierung von Bedeutung. Wie bemüht diese Nicht-Journalisten doch sind, das ganze Event als interessant zu verkaufen. Sogar, man halte sich fest, Computerprogramme (!) werden eingesetzt, um Wolken-Diagramme aus den Schlagwörtern der Polit-Kasperle zu erstellen, anhand derer sich die unentschlossenen, scheinbar nicht aufpassenden Zuschauer ein Bild davon machen können, was den Politikern wichtig ist. Wenn Frank-Walter sagt "Steuern, Steuern, ach was weiß ich schon von Steuern, Steuern für alle, mehr davon, nur her mit den Steuern, Steuern Schmeuern", dann erscheint es ganz groß in dem Diagramm und daraus erkennt man, dass er sich mit Steuer-Fragen auskennt. Um mal ein Beispiel zu nennen, wie wenig es bei dieser Sendung um den nackten Inhalt geht. Oder wie wäre es mit den 90 Sekunden Antwortzeit? Mehr als die Verpackung, Parolen, Phrasen und Schlachtrufe passt dort nicht hinein.
Generell - wer sich anhand dessen, welche Einzelperson reißerischer Sabbeln kann, für eine Partei entscheidet, liest Bild-Zeitung, liegt im Unterhemd vor RTL und schlägt seine Frau. Sollen sie ruhig Deutschland zu einem Überwachungs- und Polizeistaat mit Bundeswehr im Einsatz gegen die eigene Bevölkerung umwandeln - solange unsere Angie zackig daherredet, ist es ok. Die Inhalte, für die die Kandidaten eintreten, sind seit langem frei einsehbar [CDU/CSU] [SPD]. Jetzt geht es nur noch um Show. Wer wählt schon Inhalte? Apropos Inhalte: Erwähnte ich schon, dass keine einzige der Parteien, die im Parlament sitzen, in ihrem Wahlprogramm auch nur in einem Wort erwähnt, wie sie die 1730000000000 € Staatsverschuldung umkehren, stoppen oder auch nur verlangsamen will? Keine einzige der Parteien. Steuersenkungen, Frau Merkel? Sicher. Wenn die FDP dann mitentscheidet, gibt es die - für die obersten Einkommensschichten. Einsparen kann man dafür bei den Arbeitslosen. Heißt dann "Bürgergeld".
Nein, den Schund gucke ich mir nicht an. Wählen kann man eh keinen von beiden. Und wenn dann morgen die Presse bis ins kleinste Detail analysiert, inwiefern das Blinzeln und Schwitzen von Frank-Walter und das Stocken und Umformulieren von Angie etwas über ihre Redner-Qualitäten aussagt, dann, das verrate ich schon jetzt, wird kein Wort darüber fallen, was sie überhaupt gesagt haben.

Von prophet am Donnerstag, September 10, 2009 um 22:41

District 9

Ich komme grade aus'm Kino, wo ich den vielleicht letzten großen Film dieses Jahres sah - District 9, der sich in seiner Laufzeit in Amiland schon eine bemerkenswerte Reputation erspielte. Peter Jacksons aktuelles Werk hat, bis auf eine Ausnahme, eine Menge Lob bekommen. Ich war gespannt, ob er wirklich so gut war, wie das Internet mir erzählen wollte.
Worum geht es? 20 Jahre vor Beginn des Handlung erschien ein großes Raumschiff über Johannesburg, Südafrika - und verharrte dort reaktionslos. Als die Menschen mit Hubschraubern hinaufflogen und sich hereinschnitten, entdeckten sie die Passagiere. Die wie eine Mischung aus Kakerlake und Shrimp (so auch der Spitzname für die Aliens) aussehenden Kreaturen sind total fertig, unterernährt, orientierungslos. Wie Arbeiter einer Insektenkolonie ohne Königin. Die Menschen versuchen die Außerirdischen aufzupäppeln und mit ihnen in Kontakt zu treten.
Zwanzig Jahre später, zu Beginn des Filmes, leben die Aliens immer noch in dem Sperrgebiet, das eigentlich nur als Auffangbecken diente, von den Menschen getrennt in Slum-artigen Zuständen. Apartheid, nudge nudge, wink wink. Die Regierungen und die großen Konzerne haben eigentlich nur Interesse an der Technologie der fremden Wesen, vor allem an ihren Waffen. Die Hauptfigur, Wikus van de Merwe, ist ein spießiger Bürohengst, der für die paramilitärische Multinational United arbeitet. Blackwater, nudge nudge, wink wink. Er ist mit der Leitung der Umsiedlung der Aliens in einen anderen Bereich beauftragt und kommt, als District 9 von den MNU-Männern geraidet wird, in Kontakt mit einer Flüssigkeit, die seine DNS verändert - was ihn ins Visier seiner Arbeitgeber stellt.
Und, war gut? "Ja, aber", sage ich. Ja, die Grundidee der Handlung ist toll, es ist ein origineller Ansatz für das Erste-Kontakt-Szenario, es ist eine starke Aussage gegen Rassismus, es ist gleichzeitig ein guter Actionfilm und ein Drama, der Wechsel zwischen normaler Filmkamera und Aufnahmen eines Kameramannes im Film selbst bzw durch die Nachrichten funktioniert gut, die Effekte sind der Wahnsinn und viele Szenen sind enorm fesselnd, Köpfe explodieren, das ist immer gut, all das trifft zu, ABER. Aber der Film, in seiner Schlussphase, als er zum reinen Action-Klopper umschaltet, hat einige Zeilen im Dialog, an denen ich mich sehr stieß. Zum Beispiel fast alles, was der Antagonist, ein hochrangiger Militär-Typ vom MNU so von sich gibt. Sachen wie "Ich liebe es, dieser Viecher zu töten" schreien nach einem Schurken-Lachen und Blitzen im Hintergrund, wie Frau Dr. Merkel es praktiziert. Sowas gehört in einen Uwe Boll Film. Oder wenn die Hauptfigur dem Alien, das ihm hilft, dann zuruft, er solle gehen, sich um seinen Jungen kümmern, er würde sie (die Bösen) schon aufhalten. Und dann sagt der Alien-Typ "Nein, ich lasse dich nicht zurück!". Herrjemine. So viel kitschiges Filmpathos gehört nicht in einen Film dieses Kalibers. Das klingt jetzt dramatischer, als es ist.
Fazit: District 9 ist trotz dieser kurzen Ausfälle ein ganz fantastischer Film der sowohl Inhalt als auch Krawumm-SciFi-Action bietet, eine tolle Hauptfigur (zu Beginn ist Wikus zum Brüllen komisch) entwickelt und insgesamt einer der besten Filme des Jahres ist.

Nun habt ihr euch vielleicht gefragt, wieso im Bild zu diesem Post das Haus aus "Up" fliegt. Tja, ich finde, dass es 2009 so ist, wie es 2008 auch schon war - es gibt zwei Filme (mal von Basterds abgesehen, der ist auf Platz 3), die die vermutlich besten des Jahres sind. Zum einen der ernsthafte, zum anderen der eher lustige. Letztes Jahr war es noch der ernsthaftere, der unterm Strich in meinen Augen besser war, wir sprechen natürlich von Batman - The Dark Knight und Iron Man. Dieses Jahr scheint mir aber der lustigere Film, "Up" nämlich, der leicht bessere und damit der beste Film des Jahres zu sein. Wirklich, "Up" ist einer der besten Filme, die Pixar je gemacht hat, und das will was heißen. Unbedingt auf Englisch angucken. Apropos: "Oben"? Fucking OBEN? Mother of FUCK, ist "Up" wirklich zu kompliziert für den deutschen Markt? Meine Fresse!

Von prophet am Dienstag, September 08, 2009 um 14:28

Die Straßen werden brennen

Wir alle leben doch in einer Illusion relativer Sicherheit. Wir glauben in unserer mitteleuropäischen Hochnäsigkeit, dass uns keine Gefahr droht, dass unser System funktioniert und dass durch ISO-Normen und Kontrollen unser wackeliges Konstrukt, das wir Zivilisation nennen, vor jeglichen Erschütterungen gefeit ist. Unser einziges Problem ist, wie wir uns in dem engen Rahmen, den wir uns selbst geschreinert haben, möglichst bequem positionieren können, wie wir uns mit Luxus zuschütten lassen können, den wir nie wirklich gebraucht haben. All unsere Gedanken mit Schauklappen gezäumt und auf den Konsum gerichtet, schaufeln wir hirnlos ins uns hinein, was uns zum Fraße vorgeworfen wird. Wir stellen uns an den Trog der Großkonzerne, nehmen schweigend hin, was sie uns vorsetzen, solange es nur die gleiche Brühe ist, die wir schon gestern schlucken sollten, denn solange alles nach Plan läuft, nehmen wir es hin. Auch wenn der Plan sagt, dass wir wieder und wieder den selben Grütz den Rachen herabgestopft kriegen, wir können damit leben, solange alles plangemäß erfolgt. Grade wir Deutschen sind ein Volk von Menschen, die jeden Fraß herabwürgen, den die Mächtigen uns vorsetzen, und wenn es uns nicht mehr gefällt - dann nörgeln wir, aber wir unternehmen nichts. Denn die träge, aber empfindliche Stabilität, in der wir alle so bequem leben, möchte niemand anstubsen und zu Fall bringen. Die da oben, die wissen schon, was sie tun. Aber was, wenn nicht? Gerät das Konstrukt ins Wanken, begräbt die stürzende Elite alles unter ihr in Trümmern?
Ich glaube, ebendies ist grade passiert. Vor wenigen Minuten. "Die da oben" sind aus dem Gleichgewicht geraten, und im Sturz haben sie uns die Scheuklappen abgerissen. Ich bin mir noch nicht sicher, wie weitreichend die Konsequenzen dessen sind, was geschah. Wer weiß, welche langfristigen Auswirkungen es auf die Gesellschaft hat - nur eines ist sicher: Das bequeme, schöne Leben in Fesseln, wie wir es vorher kannten, hat hiernach keine Zukunft. Die Dinge haben sich geändert - für immer. Dieses Ereignis öffnet der Menschheit die Augen, ob sie will oder nicht. Wir werden vielleicht Zivilisation neu definieren müssen. Der Mensch muss sich ganz neu erfinden. Es wird ein unruhiges Kapitel im Geschichtsbuch, aber ein nötiges, denn was passiert ist, erschüttert unser aller verblendete Gutgläubigkeit und Blauäugigkeit so enorm, dass wir nie wieder an die alten Grundsäulen glauben können, die zuvor unser Leben bestimmten. Dies könnte das Ereignis sein, dass die Religion entgültig abschafft, denn wie kann es danach einen Gott geben..........In meiner Mini-Tüte mit den kleinen original Haribo Gummibärchen war grad eine kleine Colaflasche. Ich dachte erst, es wäre das erste braune Gummibärchen, ein Mutant, aber es war eine Colaflasche. In einer Gummibärchentüte. Nichts wird mehr sein, wie es einmal war.

Von prophet am Freitag, September 04, 2009 um 14:01

Grob Gehackt

// Apropos Opera: Erinnern wir uns an den Wettbewerb bei denen? Es galt, einen Artikel zu schreiben, über den die Community dann abstimmt, die besseren kommen in eine zweite Runde, und die drei Bestplatzierten davon bekommen ein Bewerbungsgespräch in Oslo für ein sechsmonatiges Praktikum. Nun, entgegen aller Erwartungen und Statistiken hab ich es in die zweite Runde geschafft! Oh Joy! Nun gilt es, eine (vollkommen beliebige, wtf) Top 10 Liste zu verfassen. Ich hab einen Haufen Ideen, aber die meisten davon taugen absolut nichts. Will versuchen, noch diese Woche eine Liste zu realisieren. Hoffe noch auf die entscheidende Eingebung. Vorschläge gerne in die Kommentare.

// Vor kurzem gebündelt die Comic-Serie "The Walking Dead" gelesen. Empfehlenswert. Der Titel verrät es schon: Die Hauptfigur Rick hat den Z-Day verpennt und als er aus seinem Koma aufwacht, ist die Welt von den wankenden Toten überrannt. Also macht er sich auf um herauszufinden, ob seine Familie noch lebt. Das gelingt ihm recht flott und so schließt er sich einer Gruppe Überlebender an. Im Laufe der Handlung bewegt sich diese Gruppe von Ort zu Ort, bleibt mal länger, mal kürzer, Menschen sterben und andere kommen hinzu, und Rick und die anderen verändern sich im Angesicht der ständigen Bedrohung und Schicksalsschläge. Dabei geht die Gefahr nicht immer nur von den Zombies aus, sondern auch immer wieder von anderen Überlebenden. Vielleicht nicht originell, aber spannend umgesetzt lebt die Serie weniger von Zombie-Gesplatter (das es natürlich auch gibt) sondern vielmehr von dem Leben, das die übrigen Menschen miteinander verbringen müssen, um durchzukommen. Die Reihe läuft übrigens noch, bisher gibt es 64 Ausgaben. Kann man mal reinschauen, auch wenn man, wie ich, ansonsten eher nicht der fleißige Comic-Leser ist.

// Bitte [dieses] Bild öffnen, dann [dieses] Lied anmachen und auf das erste Wort warten. Wenn das nicht "SOOOOFAAAAA" heißt, dann weiß ich auch nicht. Wusste nicht, dass es Death Metal gibt, der sich auf Polstermöbel konzentriert. Man lernt nie aus. Seitdem nicht mehr in der Lage, normal "Sofa" zu sagen.

// Jeder mitgekriegt, was der Sportartikelhersteller "Jako" gemacht hat, weil ein deutscher Blogger ihr Logo kritisiert hat? Absolut lächerlich, bekam zum Glück so viel Medienaufmerksamkeit, dass der Druck auf die Firma so groß wurde, dass sie inzwischen von ihrer dreisten Inquisition abgesehen hat.

// Habe gestern aus krankhafter Langeweile heraus Underworld 3 auf DVD geguckt. Dieser unfassbar schnöde Film, so glaube ich, hat ein ganz bestimmtes Zielpublikum: Sechzehnjährige, britische Mädchen, die ihre inzwischen voll uncoolen Harry Potter Bücher auf den Dachboden verlegt haben, die Twilight total gut fanden und seit kurzem auf Gothic-Schick und Lederriemen stehen. Anders kann ich mir den nicht erklären, da hilft auch die adäquate Darstellung des Viktor durch Bill Nighy nichts. Hätten sie es doch bloß bei dem ersten Teil belassen. So muss man sich durch die 92 Minuten schleppen, während man sich fragt, wieso die Tochter von Viktor nochmal was mit dem Lucien hat, wo die Spannung sein soll, hat man doch schon im ersten Film verraten, wie es ausgeht und wieso die Vampir-Frauen im Mittelalter rumrannten wie moderne Prostituierte in unvollständigen Goth-Fetzen. Wenn Lucien dann am Ende des Films sagt: "No, this is not the end...it's just the beginning!", dann kommt man nicht umhin zu mutmaßen, dass das Skript innerhalb eines Tages geschrieben wurde. Warte aktuell darauf, dass District 9 endlich auch in Deutschland erscheint.

// Seit wann mag ich eigentlich Two and a half Men?

Von prophet am Dienstag, September 01, 2009 um 14:47

Opera 10

Nach drei Betas und zwei RCs erschien heute morgen der finale Release der 10ten Ausgabe von Opera. Angekündigt war viel. Was davon kann das neue Produkt der Norweger halten? Zunächst zu dem Feature, mit dem sie am meisten warben: dem Turbo Modus. Was nach diesen alten PCs mit Turbo-Knopf klingt, ist ein Proxy, durch den alle Bilder gejagt werden, die sich auf den Seiten befinden, die man aufruft. Diese werden kann komprimiert und zum Browser geschickt. Zwar sehen die Bilder dadurch merklich schlechter aus (Artefakte oleee), dafür laden die Seiten um einiges flotter. Außerdem werden alle Flash-Elemente vorerst blockiert und müssen durch einen Klick darauf aktiviert werden. Ergo weniger zum Dauerbetrieb geeignet, als vielmehr im Falle einer besonders langsamen Seite oder Verbindung, dafür dann aber super. Der generelle Geschwindigkeitszuwachs ist eher unspektakulär und in dem, was ich bisher sah, sicher nicht bei den von Opera erklärten 40%. Das ist aber nicht schlimm, denn Opera ist immer noch um Lichtjahre schneller als der IE und locker ebenso schnell wie Firefox. Rühmen kann sich die neue Presto-Engine zudem mit einem perfekt bestandenen ACID3-Test und der Unterstützung sämtlicher Webstandarts, auch wenn HTML 5 noch nicht eingebaut ist.
Alles lässt sich in Knöpfe fassen, man braucht also keine häßliche Menüleiste (Datei, Bearbeiten, etc.). IRC-Client, Feed-Reader und Download-Fenster sind gleich geblieben, der Mail-Client hat einige kleine Zusatzfunktionen wie HTML-Mails bekommen, ist aber im Wesentlichen unverändert - hier hätte man noch ein wenig nachbessern können. Die Quickdial hat nun einen Knopf, mit dem sie sich komfortabel konfigurieren lässt - zuvor musste man noch in .ini Dateien herumstellen. Sehr gut. Tabs lassen sich nun durch kleine Fenster mit Vorschauen darstellen lassen, auch wenn ich nicht begreife, wozu das gut sein soll. Neu hinzugekommen ist der Inline-Spellcheck mit Hunspell Wörterbuch, der hoffentlich die Rechtschreibfehler auf A World To Come reduzieren wird. Nützliches Feature. Ebenso neu ist das Icon, das Opera nun flächendeckend für ihren Browser verwenden werden - allerhöchste Eisenbahn, denn das alte Logo mit seinen wirren Reflektionen und unsinnigen Schattenwürfen war unter aller Sau. Wieder dabei sind natürlich Mausgesten, frei erstellbare Suchen, Quicksearch, einfache Anpassung von Seiten durch Userscripts, etc. Neuerdings kriegt es auch das Formular zum Erstellen von Posts bei Blogger hin - FAST! Denn wenn ich per Enter-Taste im "Verfassen"-Reiter eine Zeile weiterspringe, haut er wirre Paragraphen-Tags in den HTML-Code. Ergo im HTML-Reiter schreiben. Aber immerhin, ich brauche Firefox nun nicht mehr zum Posten - das einzige, wofür ich den zweitbesten Browser der Welt noch verwendete.
Fazit: Die 10te Version (übrigens der erste zweistellige Browser) bringt Opera einige gute Neuerungen (Spellcheck, anpassbare Quick Dial, Turbo), einen leichten Facelift und ein Geschwindigkeitsupdate. An wenigen Ecken hätte man noch etwas feilen können (Clients vor allem), aber insgesamt tut das Update dem Programm gut. Was ab Werk noch nicht dabei ist, ist Unite, da probieren sie noch mit rum. Alles in Allem ist der beste Browser der Welt...weiterhin der beste Browser der Welt und ich sehe absolut keinen Grund, irgendwas anderes zu verwenden.

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