
Metallicas
Death Magnetic beförderte sie in die Glaubwürdigkeit zurück. Im Nachhinein bin ich nicht mehr so begeistert, was daran liegt, dass es sich recht schnell tot hört und auf Dauer nicht bissig genug ist. Dennoch - Death Magnetic war so oder so ein mindestens gutes Album. Jetzt, ziemlich genau ein Jahr später, erscheint Megadeths Endgame, und egal wie alt die Fehde sein mag, die beiden Bands werden sich immer miteinander messen lassen müssen. Die beiden
Vorboten des Albums kündigten schon einiges an, aber
das...
01. Dialectic ChaosDer instrumentale Opener ist vor allem eine Gedächtnisstütze, eine Erinnerung daran, dass Dave Mustaine ein Ausnahmegitarrist ist, der andere Ausnahmegitarristen um sich schart. Einst war es ein Marty Friedman, heute ist es Chris Broderick (Jag Panzer, Nevermore(!)), und hier duelliert sich der Neuling mit Mustaine auf höchster Shred-Augenhöhe, ohne auch nur eine Sekunde zu vergessen, dass sie immer noch ein Lied zusammen spielen sollen. Wenn Gitarren fliegen könnten und in der Luft miteinander Sex haben würden, dann würde es so klingen.
02. This Day We Fight!Dialectic Chaos klingt aus und wird sofort durch nackenbrechend schnelle, knallharte Riffs hinweggepustet - Mustaine keift angepisst wie ewig nicht mehr, das Drumming peitscht den Song gnadenlos vorwärts, das tiefe, harte Riffing und kurze, perverse Gitarrenfrickeleien wechseln sich ab - This Day We Fight erinnert an Take No Prisoners in zeitgemäßer, perfekter Produktion. Der Flix bezeichnete mal ein Seeed Live-Album als "
Musik-gewordenen Espresso". Wenn dem so ist, ist dieser Song ein Kilo Kokain. Holy Fuck. Als würde sich Mustaine das Hemd vom Leib reißen, Schaum vorm Mund haben und brüllen, wer sich mit ihm anlegen wolle.
03. 44 MinutesDas angenehm melodische Intro mit den Polizeifunk-Samples wird von dem schweren, groovenden Midtempo-Rythmus abgelöst, der Bass demonstriert seine Präsenz, das Schlagzeug donnert hernieder. Mustaine knurrt die Story von dem Feuergefecht, das sich Polizei und Bankräuber 97 in Hollywood geliefert haben. Der zum Mitsingen verleitende Refrain greift dann wieder die melodische Gitarre aus dem Intro auf. Die Kombination aus den groovenden Strophen, dem Refrain und schließlich dem besten Solo auf dem gesamten Album geht beeindruckend gut auf. Dieser Song wird sich, so meine Prognose, dauerhaft im Live-Repertoire verankern.
04. 1,320Die zweite der Vorveröffentlichungen. Das Brüllen von viel zu großen Motoren, dann ein uptempo Holy Wars-artiges Riff, das Schlagzeug hämmert hinein, die Gitarren stellen sich um auf tief und röhrend. Voll Spielfreude hauen sich Megadeth durch den Song, bis alles bis auf das Schlagzeug ausklingt - Getrommel Getrommel, Gitarrensex. Harter, schneller, ausufernder, dreckiger Gitarrensex. Kirk Hammet liegt, wie ein kleines Mädchen flennend, zu Hause im Keller. Mit Motorengeräuschen endet der Song. Nach vier Liedern stellt man fest, dass man bisher noch nichts gehört hat, was kein absolut brillianter, hervorragender, handwerklich perfekter Metal Song ist.
05. Bite The Hand That FeedsDer erste austauschbare Song des Albums. Nicht schlecht, alle Zutaten sind da, aber irgendwie fehlt es an der Identität, die das Album bis zu diesem Punkt hatte. Erinnert mich irgendwie an Sleepwalker. Treibend, natürlich wieder mit mal einstimmigen, mal zweistimmigen Soli, die anderen Gitarristen die Hände brechen würden, und einem coolen Abschluss, aber über weite Strecken zu gesichtslos.
06. BodiesEtwas langsamer als "Bite The Hand..." und mit einem melodischeren Refrain, mit mehr Breaks, aber im wesentlichen nicht viel anders als ebenjener. Und wieder: kein schlechtes Lied, hat seine Daseins-Berechtigung, das Solo am Ende des Songs könnte von Judas Priest sein, die aus dem Brunnen der Virtuosität getrunken haben, aber irgendwie...geht im Vergleich zu den ersten Songs des Albums unter. Sagte grade jemand "Youthanasia"?
07. EndgameDer Titeltrack beginnt mit Mustaine, der in ein Megaphon schnackt (das mag er irgendwie), die Instrumentalisierung ist düster, bedrohlich, langsam, bedrückend. Nach dem generischen Refrain mit dem schwachen Text gallopieren die Gitarren wie Iron Maiden es nicht besser können und das Tempo wird angezogen, das kreischende Solo trifft die Stimmung des Songs auf den Punkt, was sich über das zweite, dritte und vierte Solo dann leider nicht mehr sagen lässt. Technisch großartig sind natürlich alle vier. Ein guter Song, aber es fehlt an einem Refrain, der mit dem Rest des Liedes mithalten kann.
08. The Hardest Part Of Letting Go... Sealed With A KissAch Herrje. Nichts gegen die Akustikgitarre am Anfang, aber die Streichinstrumente klingen dann doch zu kitschig, und das "...you've such a pretty face" trägt noch dazu bei. Nach den schmierigen ersten hundert Sekunden platzen die bekannten Gitarren hinein, die irgendwie mit einer fast schon orientalisch klingenden Melodie unterlegt sind. Die Spielerei vom Anfang verliert sich dann und der Song nähert sich dem Rest des Albums an - und greift im letzten Drittel nochmal den Anfang auf. Ja nee, Herr Mustaine. A Tout Le Monde war ja gut, aber sowas hier, das muss nicht sein. Eine in meinen Augen missglückte Halbballade.
09. Head CrusherDie erste der Vorveröffentlichungen. Head Crusher fällt mir der Tür ins Haus und rammt sich nach dem schwachen Song davor seinen Weg zur Anerkennung des Hörers - mit Erfolg. Das angezogene Tempo mit dem uber-simplen Riff im Refrain haut ordentlich rein und ist catchy as fuck. Irgendwann hört man Mustaines Stimme dann durch ein Megaphon (
kein Megadeth-Wortwitz) und der Song lässt im Tempo nach...um dann ins primitivste, groovende 1-Akkord-Geriffe zu springen. Trifft meinen Geschmack. Dabei bleibt es dann auch nicht allzu lange, das Schlagzeug, Mustaines Gesang und noch ein kurzes Solo bringen den Song wieder auf Linie.
10. How the Story EndsGehobenes Midtempo, gefälliges Riffing, toll eingängiger Refrain, gute Melodieführung, in der Mitte kurze Experimente mit Akustikgitarren und wieder Solo-Passagen, die andere Gitarristen beschämt in der Ecke stehen lassen. Eine donnernde Bridge zum zweiten Refrain...könnte auf "Countdown..." stehen. Dieser Song funktioniert gut, aber nicht ganz so gut wie 44 Minutes. Insgesamt aber wirklich zufriedenstellend.
11. The Right To Go InsaneNach
ultrafiesem Bass-Geschrubbe pressen sich die Gitarren rein - pressen trifft es, der eher langsame Song ist extrem heavy, um dann im Refrain mit leichtem Echo in Mustaines Stimme die getragene Catchyness eines "Of Mice And Men" zu erreichen. Nach mehr Strophe, die den Hörer in seinen Sitz drückt, folgt nochmal eben eines der besten Soli des Albums, das durch sein hohes Tempo eigentlich gar nicht zum Song passt, aber das Album so ausklingen lässt, wie es angefangen hat - mit einer Machtdemonstration in Sachen Können an der Gitarre.