Von prophet am Montag, November 30, 2009 um 18:14

Stog: Mein Blog

Nachdem dieser 'Stock' nun einmal die Runde durch die gesamte deutsche Blogospäre gemacht hat, dachte ich mir, ich greife ihn auch mal und beantworte die Fragen. Was soll's.

Warum bloggst du?
Gute Frage. Einerseits wollte ich eine Möglichkeit haben, ein wenig mit HTML und CSS herumzuspielen - außerdem war mir langweilig und ich wollte dieses damals scheinbar so populäre "Bloggen" in irgendeiner Form auch mal ausprobieren. Andererseits, und das ist die Langzeit-Legitimation, habe ich die unangenehme Eigenschaft, unangemessen viel zu reden, was ich durch mein bisschen Geschreibsel hier ein wenig zu kompensieren versuche. Schreiben, um das mir schon peinliche Mitteilungsbedürfnis zu erleichtern. So eine Art Selbst-Therapie. Geholfen hat es leider noch nicht. Ahem. Außerdem hoffe ich, auch wenn es etwas illusorisch erscheinen mag, ab und an den Leuten ein wenig gute Musik empfehlen zu können, auch wenn die einzigen in meinem Blogger-Dunstkreis mit einem Geschmack, der mit meinem ansatzweise vergleichbar ist, Madse und Alph sind. Und, um noch traumtänzerischer zu sein, vielleicht, aber auch nur vielleicht, den einen oder anderen zum Denken anzuregen. Oder mich dazu anregen zu lassen. Vielleicht schreibe ich, weil ich keine Freunde habe und mir Anerkennung im Internet zu erschleichen versuche, vielleicht, um die bunten Bilder, die durch meinen Kopf rauschen, irgendwie greifbar zu machen, vielleicht, um eine Konversation mit der (deutschsprachigen) Welt zu führen. Inzwischen vielleicht aus Gewohnheit. Vermutlich, um eine Stelle zu haben, an der ich mich über alles beschweren kann, denn darauf laufen meine Posts in der Mehrheit ja hinaus. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Seit wann bloggst du?
Seit Donnerstag, dem 15. Juni 2006, Nachmittags.

Warum lesen deine Leser dein Blog?
Es gibt manche Fragen im Leben, auf die finde ich keine Antwort. Warum immer ich? Wieso sind die Menschen so? Wozu das alles? Sind wir alle nur verzerrte Reflexionen der Realität? Sieht Karl Dall besser aus als ich? Wann werden die Staaten dieser Erde endlich aufhören sich gegenseitig für Bullshit auf die Füße zu treten und statt dessen anfangen, das Leiden zu beenden und gemeinsam den Weltraum erkunden? Wieso sterben die Guten jung und die Arschlöcher leben ewig? Was war zuerst da - das Eiweiß oder das Eigelb? Werde ich von Tag zu Tag blöder? Was soll nur aus mir werden? Woher kommt dieser hohe Piepton? Chips oder Schokolade? Science oder Fiction? Pechschwarz oder Tiefschwarz? Hü oder Hott? Wieso lesen eine Handvoll Sonderlinge meine Texte? Was war die Frage? Ich weiß es nicht!

Welche war die letzte Suchanfrage, über die jemand auf deine Seite kam?
Die letzten drei: 1. "This is sataaa" via Google, 2. "Anders Kjoelholm" via AOL Suche, 3. "wenn die musi spuit" via Google. Eine Sammlung absurder Google-Referrer, über die Leute auf AWtC kamen, findet ihr außerdem bei Searchrequest, auch wenn dort seit längerem leider immer weniger neue Posts erscheinen.

Welcher deiner Blogeinträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit?
Da gibt es viele, bei denen ich mich dumm und dämlich schrieb, am Ende damit recht zufrieden war und dann kaum Kommentare bekam. Jüngster Fall ist wohl mein Epos "Speis", dessen Anlass ein ganz furchtbares Mittagessen war. Aber auch andere Posts wie "Mein schlechter Vergleich", eine Hommage an die Erzählstrukturen von Scrubs oder "Antifant" wurden unter Wert gehandelt. Find ich. Die Liste könnte ich bemerkenswert lange fortsetzen.

Dein aktueller Lieblingsblog?
Schwierig. Vermutlich iThought von Herrn PhanThomas, der immer sehr schön zu lesen ist, vielleicht Mary Malloy, auch wenn sie manchmal etwas sehr kryptisch und...weibisch ist. Nichts für ungut. Wen ich ansonsten aktuell immer öfter lese ist Stefan Niggemeier. Den sieht man ja sogar im Fernsehen.

Welchen Blog hast du zuletzt gelesen?
Taubenvergrämer. Irre absurde Geschichten und ehrlich gesagt, ich glaube, er ist privat genau so, der verstellt sich nicht.

Wie viele Feeds hast du gerade im Moment abonniert?
Im RSS nur 9, davon als einziges Blog-Bezogenes den Herrn Lott. Vor allem Webcomics und Zero Punctuation und so. Blogs, die ich Blogger-intern "verfolge", sind auf meiner Profilseite aufgelistet.

Von prophet am Freitag, November 27, 2009 um 20:19

Pooh

Mal so aus dem Gedächtnis: Was für einen Charakter hat Winnie Pooh? Ich hätte spontan gesagt: gemütlich, freundlich, verträumt, etwas naiv und schusselig, aber dabei immer auf diese klebrige Art und Weise liebenswürdig, die Kinderfiguren an sich haben.
Liest man dann aber mal bei Creators.com die Original Winnie the Pooh - Comicstrips durch (ja, ich habe sie wirklich ALLE gelesen), stellt man nach einigem Lesen fest, dass Pooh ein ganz schön fieses, asoziales Arschloch sein kann, der sich eigentlich herzlich wenig um seine Umwelt kümmert, Hauptsache ihm geht es gut. Ein Schmarotzer. Alles Unangenehme überlässt der faule Sack lieber seinen Freunden. Dafür kriegt er von Ferkel immer wieder sarkastische Kommentare zurück, die darauf abzielen, dass Pooh entweder fett oder dumm ist - dabei hat Ferkel selbst Minderwertigkeitskomplexe. Poohs Blödheit übersteigt tatsächlich die leichte Schusseligkeit die man vermutet und erreicht unerwartete Höhen...oder sagen wir lieber Tiefen. Wäre Pooh eine menschliche Figur, er wäre arbeitslos, schwerer Trinker, Raubkopierer und Gelegenheitskiffer. Dass sich sein Umfeld über ihn lustig macht, merkt er dabei nicht. Achja, sein (gelegentlich überraschend politisches) Umfeld. Vor allem natürlich I-Ah, der depressive Esel, der den ganzen Tag unter seinem Baum steht, in Kummer erstickt und Nine Inch Nails hört. Mr. Self-Destruct, auch wenn er manchmal clevere Momente hat.
Man hat diese Comic-Strips überhaupt nicht auf'm Zettel. Umso überraschter ist man dann, wenn man sie liest. Besser als Ruthe oder Dilbert ist es allemal.

Von prophet am Mittwoch, November 25, 2009 um 16:56

Durcheinanderer

Aktuell passiert so wenig, ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll. Interessanter wird es Anfang Dezember. Hoffe ich. // Drum and Bass ist, zumindest kurzfristig, gar keine so schlechte Musik. // Da kann Scott Ian noch so coole Riffs schreiben, als Autor für Lobo-Stories taugt er leider nichts. // Obama hat leider keine Zeit, Entscheidungen in Kopenhagen beizuwohnen, er muss schließlich seinen Friedens-Nobelpreis entgegen nehmen. // Meine Güte sind die Simpsons in ihren aktuellen Folgen uninspiriert. Das gleiche gilt leider auch für House. Da tröstet es doch zu sehen, dass Top Gear (anderes Format, natürlich) auch in der vierzehnten Staffel noch großartig unterhält. // Opera beugt sich dem Druck aus China und passt Opera Mini an. Traurig. // Ich habe selten einen so schlechten Film wie Spiderman 3 gesehen. // Wieso wird mit aller Macht versucht, Opel am Leben zu erhalten, wenn sich Auto-Käufer seit Jahren gegen diese Marke entschieden haben? Natürlich hängen da eine Menge Arbeitsplätze dran, aber marktwirtschaftlich ist das doch konzentrierter Schwachsinn. // Die ersten vier Ergebnisse einer Google-Bildersuche nach "ancient" ohne SafeSearch: [1] [2] [3] [4]. WTF.

Von prophet am Samstag, November 21, 2009 um 13:19

Durcheinander

// Ich stehe also in dem Photoladen und warte darauf, dass die etwas ungehalten wirkende Dame zurückkommt. Als sie schließlich kommt, legt sie nochmal schnell die 10€ teure CD, die ich zu den drei gedruckten Abzügen für 15€ dazu gekauft habe, in den Computer ein, um zu gucken, ob das Bild auch wirklich drauf ist. Es ist drauf. Ich frage: "Wie groß ist das Bild auf der CD jetzt?", denn ich hatte gesehen, dass sie es für den Druck runterskaliert hatte (das Bild brauche ich aber digital, um es ins Deckblatt von Bewerbung.pdf zu tun). Sie antwortet: "Das ist hohe Qualität, äh, JayPäg, $zahl-Millionen Pixel...". Ich hake nach, schließlich ging es mir nicht um Qualität ihrer Kamera, sondern um die Größe der finalen Datei: "Ja aber welche Auflösung hat das Bild?". Sie sagt: "Hm. Das weiß ich jetzt grad nicht sooo genau, Moment ich, äh...", und geht nochmal nach hinten. Ich gucke auf mein Photo. Mein Gott bin ich hässlich. So ein abscheuliches Gesicht sieht man selten. Gut, dass ich kaum spiegelnde Oberflächen in meinem Zimmer habe. Sie kommt zurück. "Ja das sind äh 300 dpi.", sagt sie. Ich gebe auf. Das Bild war übrigens in sagenhaften 709x945.

// In den gegenwärtigen Nachrichten findet sich immer wieder ein gewisses Hickhack um den Bund der Vertriebenen und deren Vorsitzende und wie viele Sitze die in ihrem Rat haben oder so. Ehrlich gesagt habe ich nicht verstanden, worum es da geht. Es gibt aber noch etwas, das ich nicht verstehe, und das wühlt mich viel mehr auf: Die Personen, für die sich der BdV einsetzt, sind jene, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, weil Hitler seinen Totalen Krieg verloren hat. Es geht nicht um gegenwärtig politisch Verfolgte aus dem Ausland, sondern nur um die, die aus Regionen kamen, die mal deutsch waren. Wozu gibt es diesen Verein noch? Sämtliche direkt Betroffenen unter einem Alter von 130 Jahren, mag es auch damals noch so scheisse für sie gewesen sein, leben inzwischen länger "hier" als in besagten Gebieten! Dieser Verein, der ein so surreales Leiden einer aussterbenden Generation zu lindern behauptet, wird vom Bund mit Steuergeldern gefördert. Erkläre mir das bitte mal einer.

// Dass Google auch ohne Aufforderung jedermanns Daten sammelt, ist weithin bekannt und führt zu Sprüchen wie "Wozu Backup erstellen? Google hat doch eh alle meine Daten!". Dabei sind wir meist auch so freundlich, diesem Prozess nachzuhelfen, indem wir unsere Bilder bei Picasa hosten oder unser Leben in Googles Blogs ausbreiten. So wie ich. Ahem. Das reicht Google aber noch nicht, denn jetzt hätte es gerne unsere Dokumente auf dem Silbertablett ans Bett gebracht, indem wir ChromeOS benutzen, das gemäß Cloud Computing-Prinzip die Daten in der Cloud (sprich, auf Googles Servern) speichert. Cloud Computing mag ja Sinn machen, um zB ungenutzte Leistungs-Ressourcen zu mobilisieren, aber meine Dokumente sollen auf meinen Festplatten in meinem PC in meinem Zimmer liegen. Google hat ja einige mutige Konzepte und wagt sich an Ideen, für die kein anderer Konzern die Cojones hätte. Aber bei ChromeOS setze ich mir meinen Alufolie-Hut auf und fauche: Meine Daten gehören mir.

Von prophet am Donnerstag, November 19, 2009 um 21:43

Schweres Geschütz

Slayer - World Painted Blood [2009] []
Im ersten Durchlauf via Stream gefiel es mir gar nicht. Inzwischen komme ich zu dem Schluss, dass World Painted Blood kein schlechtes Album ist, sich jedoch drei großen 'Aber's stellen muss: Aber Christ Illusion hatte mehr hervorragende Songs wie Cult oder Eyes of the Insane. Aber durch die modern-glatte Produktion klingen die Gitarren zu lasch, ohne Biss darin. Aber es wird Slayer schlichtweg nie wieder gelingen, an Show No Mercy oder Reign in Blood heranzukommen. Was bleibt ist ein definitiv gutes Album, das besser als "Divine...", "Diabolus..." und "God Hates Us All" ist, aber durch einige schwache Songs (Americon) und die Produktion einiges an Potential verschenkt. Hätte sowohl schlimmer als auch besser sein können.


Negură Bunget - Om [2006] []
Irgendwo zwischen Folk und Black Metal, wie ihn Wolves in the Throne Room zelebrieren, spielen die Rumänen Negură Bunget eine Musik, die man sonst von Skandinaviern erwartet. Mal keifen und prügelen sie drauflos, öfter aber schwelgt "Om" in Klanglandschaften, baut viel Atmosphäre auf, wobei von Streichern und Flöten bis zu den seltsamsten Effekten alles dabei ist. Dabei sind sie...greifbarer, erdiger als WitTR, weniger sphärisch, dafür sorgen auch die immer wieder eingeworfenen schweren Gitarren. Sicherlich keine leichte Kost und sehr zwischen den Stühlen, bedient es weder Folk- noch Black Metal Fanatiker exklusiv, dennoch oder grade deshalb kann ich dieses Album öfters hören und es wird nicht langweilig.


Vomitory - Carnage Euphoria [2009] []
Viele Menschen würden diese Musik als "generisch" oder "unoriginell" bezeichnen, und damit hätten sie nicht ganz unrecht. Vomitory denken nichtmal daran, irgendwas neu zu erfinden, dafür mischen sie altbekanntes: Sie klingen, als hätte ein Amerikaner eine Schwedische Metalband produziert. Auf dem Papier müssten sie wie Dismember und Konsorten klingen, aber gehört haben sich da Ami-Klopper ala Immolation reingeschlichen. Machen zwei halbe ein ganzes? Hier schon! Mit einer grandiosen Produktion ballern und grooven sich Vomitory mit einer Kurzweile durch die zehn Songs, die Six Feet Under seit Jahren vermissen lassen. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass sich "Carnage Euphoria" locker mit dem Klassenprimus "Kill" messen kann.


Nevermore - In Memory [1996] []
Nevermores Alben von neu nach alt: Großartig, Großartig, Gut, Furchtbar, Habschnedunklangnetsodoll, Habschnedunklangsomittel. Wie ist also eine EP, die kurz vor der vorletzt genannten LP rauskam? Klasse! Auch wenn ich mich für die älteren Alben der Heavy Thrash Irgendwas Progger nur wenig begeistern kann, die 'In Memory'-EP besitzt alle Stärken der aktuellen Releases und nervt mich im Gegensatz zu Dreaming Neon Black nicht. Die fünf Songs bieten sowohl die schnellen, harten Phasen, als auch die getragenen, ruhigen Passagen, in die Nevermore so gerne zurückschalten. Dass Jeff Loomis der beste Gitarrist der Welt ist, muss ich wohl nicht extra betonen. Definitiv ihre stärkste Veröffentlichung vor "Dead Heart..."!

Von prophet am Dienstag, November 17, 2009 um 22:41

Liebe Apple-Community,

liebe Frauen und Männer, die gerne eine wären,
hiermit möchte ich Sie auf einen Sachverhalt hinweisen, der zwar bereits seit Ende Oktober publik ist, der aber meiner Einschätzung nach noch nicht überall angekommen ist. Deshalb möchte ich an dieser Stelle Sie, liebe Apple™-Kunden und auch alle anderen Leser darüber informieren, dass Firma Apple™ Inc. beim US Patent & Trademark Office, dem amerikanischen Patentamt, einen Antrag auf eine Technologie gestellt hat, die von der Firma selbst folgendermaßen beschrieben wird, Zitat: "Among other disclosures, an operating system presents one or more advertisements to a user and disables one or more functions while the advertisement is being presented. At the end of the advertisement, the operating system again enables the function(s). The advertisement can be visual or audible."
Auf Deutsch: Es ist durchaus vorstellbar, dass das hervorragende Betriebssystem Ihrer geschmackvollen Wahl, MacOS™, in Zukunft bei wechselnden Anlässen zunächst einen Werbeblock mit Produkten für hippe Konsumenten wie Sie, liebe Apple™userin™, zwischen den großen, bunten Icons hervorschnellen lässt und das restliche System blockiert, bevor Sie weiter Ihre Photos sortieren, coole Web 2.0 Sites wie Facebook besuchen oder von iTunes™ den neuesten Indy-Pop auf ihren iPod™ laden dürfen.
Ich hoffe, dass ich hiermit potentiellen Kunden™ der Firma Apple™ vor Augen führen konnte, was für eine großartige Firma es doch ist, die an ihre Kunden denkt und Ihnen, liebe Konsumenten™, selbst dann vorzügliche Produkte präsentiert, wenn Sie noch gar nicht wussten, dass Sie sie haben wollten.

Hochachtungsvoll und mit freundlichen Grüßen,


Jeder Windows- und GNU/Linux-User der Welt

Von prophet am Sonntag, November 15, 2009 um 22:05

'murricans

Es gibt ein Problem in amerikanischen Köpfen...nein Moment, das kommt jetzt falsch rüber. Äh, es gibt mindestens zwei aktuelle Probleme, die den Amerikanern in Ermangelung eines Umdenkens sauer aufstoßen.
Zum ersten ist da schon länger Obamas umkämpfte Gesundheitsreform. Diese wird nicht so sehr von denen zurückgehalten, die konkrete Details diskutieren wollen, sondern von jenen, denen Fox News und Jesus erzählt haben, dass eine staatliche Krankenkasse (gibt es in Deutschland erfolgreich seit 1883 (Danke, Otto)) reinen, ungebremsten Sozialismus bedeuten würde. Unakzeptabel, wurde zu McCarthy-Zeiten, das ist mein Erklärungsversuch, dem Amerikaner doch das Nicht-Kapitalistische in jedweder Ausprägung als 'BÖSE' eingehämmert, damit man im Wettkampf der Systeme beanspruchen konnte, der ideologisch "Richtige", der "Gute" zu sein. Die Relikte dieser zutiefst verankerten Furcht sind es nun, die Alarm schlagen und dieser längst überfälligen Reform im Wege stehen. Daraus lernen wir, was für unabsehbare Langzeitfolgen es haben kann, wenn Regierung und Medien einer Bevölkerung Angst vor etwas implantieren.
Zum zweiten wäre es das, was die USA in Afghanistan versuchen: Einem Staat ihre westlichen Werte aufzudrücken. Das hat früher bei anderen Staaten geklappt und sogar ganz vorbildliche Ergebnisse erzielt, aber ihr System wird in Afghanistan nicht funktionieren, denn sie haben dort keine staatsweit von der Bevölkerung anerkannte Regierung, Karzais Macht geht nicht wesentlich über Kabul hinaus. Afghanistan ist viel zu zersplittert und uneins, als dass sich eine Zentralregierung als Hebel für das ganze Land benutzen ließe, da kann unser Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel von und zu Guttenberg noch so oft hinfliegen und Karzai ermahnen. Paschtu, die Amtssprache in Afghanistan, wird von 35% der Bevölkerung gesprochen. 35%! Und die USA versuchen weiterhin aussichtslos, über die Zentralregierung Macht auszuüben. Nur wie man, soweit überhaupt möglich, den Gouverneur einer Provinz und vor allem die 329...wie auch immer die Zuständigen eines Bezirks heißen, zur engen Zusammenarbeit bringt, müssen die Amerikaner erst lernen, bevor sie davon träumen dürfen, Afghanistan eines Tages stabilisiert zu haben.

Von prophet am Donnerstag, November 12, 2009 um 11:39

Blau

Hansi bekam wieder Kopfweh, als er seinen Kopf weit nach hinten neigte. Ein Blick nach oben bestätigte seine Vermutungen: Das ständige Gebrüll, das ihm folgte, stammte von einem Schwarm Brüll-Affenten (eine flugfähige Mischung aus Brüllaffe und Brüllente), der ihn seit Verlassen des Hauses verfolgte. Als wäre der säureartige, nach Banane riechende Kot der Kreaturen nicht schon genug der Plage, das ständige "QUAUUUUUUGHK" von oben war schon sehr irritierend. Auch einige Blocks weiter hörte Hansi noch das Brüllen von oben. "Welcher wahnsinnige Wissenschaftler sich auch immer diese Viecher ausgedacht hat", murmelte Hansi vor sich hin, "er war bestimmt wahnsinnig.". Ein hartes Stück Bananenbrot (die Leibspeise der Affenten) traf ihn an der Schläfe und Hansi zuckte zusammen. "AUA!", brüllte er gegen das Gebrülle von oben an und warf erneut den Kopf in den Nacken, um dann seine Faust in Richtung des Schwarmes zu schütteln, der mit dieser Geste herzlich wenig anzufangen wusste. "Ihr verdaAAAAAAAAAAaaaaaaaaaaa-", schrie Hansi plötzlich, als er in ein tiefes Loch fiel. Neben dem runden Nichts auf der Straße stand ein kleines Schild: "Heute Tag der offenen Tür in der Kanalisation", jedoch hatte Hansi es verpasst, das Schild zu bemerken, geschweige denn das Loch.
Er fiel lange. Um ihn herum nichts als Dunkelheit. Das einzige Licht schien durch den offenen Gulli, über dem die Affenten kreisten. Hansi erwartete, dass vor seinem wahrscheinlichen Tod seine gesamte Existenz an ihm vorbeizog. Da realisierte er, dass dies bereits der Fall war - der Vorgang wurde "Leben" genannt (von Pratchett geklaut, ich gebe es zu). Den eigentlichen Aufprall hörte oder spürte er kaum. Eine überwältigende Taubheit empfing ihn, dann Stille.

Nach wenigen Sekunden, die vielleicht auch Stunden waren, es war schwer abzuschätzen, hörte Hansi ein Rascheln. Er schlug die Augen auf.
Sein gesamtes Sichtfeld war von Blau gefüllt. Keine Kanten, keine Formen, nichts außer endlosem Blau. Das Blau kam ihm bekannt vor. Er starrte noch ein wenig, dann fiel ihm auf, dass es exakt der Blauton war, der in Windows auf dem Desktop ist, wenn man kein Wallpaper setzt. Er glotzte noch ein wenig das Blau an, dann hörte er wieder das Rascheln von Papier. Er drehte sich um, aber in allen Richtungen sah er nur das Windows-Blau. Ein Räuspern, das aus allen Richtungen gleichzeitig kam. Verwirrt guckte sich Hansi um. Links, Rechts, Vorne, Hinten, Oben, Unten....unten? Er blickte herab und stellte fest, dass er nackt war. Beschämt hielt er sich die Hände vor die Blöße. Das Kratzen von Bleistift auf Papier schabte in einer undefinierten Richtung. "H...hallo?", wagte Hansi die Stimme zu erheben. "Ja?", kam es zurück, mit einer Stimme, die so unbegreiflich wie das scheinbar endlose Windows-Blau war. Einerseits klang die körperlose Stimme wie eine Lawine, die einen Gletscher hinabpoltert, gleichzeitig aber auch als gehöre sie jemandem in einem muffigen Zimmer in einem Amtsgebäude, der graue Anzüge trug und einen Kombi fuhr. Hansi trat von einem Fuß auf den anderen. "Entschuldigung, äh...bin...bin ich tot?", fragte er, nur um sicher zu gehen. "Äh...ja.", sagte die Stimme. "Einen Moment, ja?" "Ja". Tot. Es erschien einleuchtend, angemessen, aber irgendwie war der Gedanke doch befremdlich. Ihm war im raumlosen Blau nicht kalt, dennoch war es ihm unangenehm, nackt zu sein. Er hatte sich selbst stets nur beim Waschen nackt gesehen, und auch dann hatte er nicht so genau hingeschaut. Mit dem Geräusch von Zetteln, die aufeinander schabten, beendete die Stimme aus dem Nichts seine...was auch immer er tat. "So, nun zu Ihnen...", sagte sie. Hansi öffnete schüchtern den Mund. "Bin ich....im....im Himmel?", fragte er verunsichert. Die Stimme lachte. Das Lachen klang wie eine Mischung aus dem Humor eines Menschen, der über Akten lachen konnte und dem Prusten eines Geysirs. "Sicherlich nicht äh.....Hansi, ist das richtig?" "Ja." "Gut.". Eine leichte Panik befiel ihn. "Heißt das, ich bin in der Hölle?", schob er hinterher. Er hatte sich schon immer gedacht, dass die Hölle aus Bürokraten bestand. "Was? Aber nein, nein.", antwortete der Unsichtbare. "Darüber müssen Sie sich keine Gedanken machen. Aber nun zu Ihren Taten..." "Wie bitte?" "Ihr Leben, Hansi. Was sie getan haben. Gut und Schlecht und so weiter." "Oh. OH.". Wieder Rascheln. "Wo haben wir es denn...äh...ahja, hier, genau. So, dann schauen wir mal."
Das Unwohlsein nahm zu. Jemand würde über ihn Gericht halten? Er dachte über sein Leben nach. So schlecht war er doch gar nicht gewesen. Eigentlich müsste er doch irgendwo im Mittelmaß sein. "Beginnen wir doch einfach mal mit dem Positiven", kündigte die Stimme an, "da haben wir ja einiges, wir brauchen das jetzt auch nicht ALLES durchgehen, äh...immer nett zu alten Menschen gewesen, bisschen um die Umwelt gekümmert, keine Drogen, et cetera, ein paar gute Bücher gelesen, Gothic 1 gespielt, sehr gut, ja...in kleinen Geschäften statt in großen Ketten eingekauft,...et cetera...,...", las die Stimme die Liste vor wie jemand, der ein Formular überflog, das er schon in billionenfacher Ausführung gesehen hat. Hansi hörte nicht mehr zu. Er wusste, dass nichts großartiges mehr kommen würde. Er hatte nie irgendwelche Heldentaten begangen, nie jemandem das Leben gerettet oder so. "So", sagte die Stimme, "nun zur Negativ-Liste", und erneut hörte man Papier rascheln. "Ach und...wenn Sie bitte Ihre Genitalien loslassen würden, das irritiert. Danke". Erschrocken nahm Hansi die Hände von seiner Blöße. Aber wenn er ihn sehen konnte...das Unwohlsein nahm noch weiter zu. "So Hansi, kommen wir zu Ihrer Negativ-Liste." "Hören Sie", unterbrach Hansi, "wenn es um die...gelegentliche Onanie als Jugendlicher geht, ich kann das erkl..." "Da machen Sie sich mal keinen Kopf", sagte die Stimme aus dem Blau, "das haben wir schon längst als Kriterium gestrichen. So, dann schauen wir mal..." Hansi atmete erleichtert auf. "Ohoh.", sagte die Stimme, und sofort war die Nervosität wieder da. "Was...was denn?", fragte der Verstorbene. Er konnte das Runzeln der Stirn des Unsichtbaren förmlich hören. "Es ist nicht viel, aber...", brummte die Stimme. "Sie sind mehrmals in einer 30er Zone mit 40km/h gefahren...nie die Frau Ihrer Träume angesprochen..." "Susi? Ich..." "...OHOH! Einmal FDP gewählt, das ist übel...keinen Musikgeschmack entwickelt...öfters unterbuttern lassen...et cetera...grüne Pullover getragen, meine Güte...sich über Leute im Internet aufgeregt, das ist natürlich, äh...mal jemanden zugeparkt...hm...jaja...das Übliche...ja. Ja, das wäre es auch.", schloss die Stimme.

Es folgte ein kurzer Moment der Stille. "Und?", fragte Hansi. "Reicht es?". "Wofür?", fragte die Stimme sichtlich irritiert. "Naja, für...also entweder oder, nicht?", sagte Hansi. "Oder was?". "Ähm...war es denn unterm Strich jetzt, mal sagen, im Ganzen, quasi, äh...mehrheitlich...ok?", versuchte Hansi sich verständlich zu machen. "Tja Hansi, das müssen Sie selbst entscheiden. War Ihr Leben gut?", fragte die Stimme. "Ähm...ja? Glaub schon. Ich meine...könnte besser sein. Viel nie gemacht, viel verpasst, äh, aber auch viel Gutes, wobei, also...hm. War ganz ok. So mittel. Glaub ich. Ich bin mir nicht sicher.", sagte er ehrlich.
Das Klicken eines Kugelschreibers schnappte aus allen möglichen Richtung. "Wäre es das dann?", fragte die Stimme. "Noch Fragen?". "Ähm...eigentlich nicht. Wobei, doch, eine. Was....erm....was jetzt?", wollte Hansi wissen. "Na Sie sind tot.", antwortete die Stimme, "Das war's.". "Und Himmel und Hölle?". "Also BITTE.", empörte sich die Stimme. Hansi war verwirrt. "Sind Sie nicht Gott?". "Was? Nein. Das wüsste ich aber. Haha.". "Was passiert denn dann jetzt?". "Na, Sie sind tot. Sie hören auf zu existieren.", kam prompt die Erklärung. "Aber äh, wozu dann das Abwägen, ob mein Leben gut war oder nicht?", fragte Hansi nun vollkommen verwirrt. "War es denn schlecht, am Ende nochmal drüber nachzudenken?", schmunzelte die körperlose Stimme. "Nein...nein, eigentlich nicht, nein.", sagte Hansi. "Ja gut dann äh....äh...schönen Tag noch, äh.", verabschiedete sich Hansi und hörte auf ewig auf zu existieren.
Erneut raschelten einige Papiere, dann knisterte Stoff. Ein leises Ticken war zu hören. "Ah", sagte die Stimme im endlosen, unbestimmen Windows-Blau. "Mittag".

Von prophet am Sonntag, November 08, 2009 um 11:41

Dead Snow hingegen...

Dead Snow ist eine norwegische Independent-Produktion von Anfang des Jahres. Die Handlung: Eine Gruppe junger erwachsener Norweger/innen fährt in den Ferien zu einer einsamen Hütte irgendwo in den Bergen, um sich dort zu vergnügen. Nach wenigen Tagen steht überraschend ein alter, griesgrämiger Mann in einem Norwegerpulli vor der Tür, der den jungen Städtern von der Geschichte der Region erzählt: Während des zweiten Weltkrieges war eine SS-Einsatzgruppe dort stationiert, um den Warenaustausch zwischen England und Russland zu unterbinden (das einzige realistische im Film). Gegen Ende des Krieges plünderten sie die umliegenden Dörfer, woraufhin sich die Bevölkerung gegen die Besatzer erhob und in die Berge vertrieb. Die Nazis hätten einen Pakt mit den Teufel geschlossen - und dieses Böse solle man nicht wecken, blablabla.
Dass das Böse schon aufgewacht war, stellen die Urlauber fest, als Nazi-Zombies ihre Hütte überfallen und sie nach und nach in Stücke reißen. Äh, ja das war's im Wesentlichen. Dass der Film felsenfest in der B-Movie Kategorie sitzt, steht außer Frage. Wem Nazi-Zombies und viel viel Gedärme reichen, der wird zufrieden sein, wer einen vollwertigen Film erwartet, wird enttäuscht werden. Eines bleibt Dead Snow jedoch unbenommen: Es ist ein reiner Lehrfilm. Folgende Dinge bringt dieser Film dem Zuschauer bei:

     I. Dicke Menschen sind ganz furchtbare, vulgäre Personen, aber kennen viele Filme.
     II. Männer mit Brillen sind Feiglinge und Arschlöcher.
     III. Norweger haben wesentlich mehr Blut im Körper als andere Menschen. WESENTLICH mehr!
     IV. Zombies entstehen nicht durch einen Virus oder so, sondern durch dunkle Pakte.
     V. Benzin brennt ewig.
     VI. Höre auf die Lehren alter, wirrer, zottiger Fremder.
     VII. Ein Snowmobil kann auch als Häcksler verwendet werden.
     VIII. Därme sind das mit Abstand robusteste Material der Welt.
     IX. Wunden lassen sich blitzschnell durch kleine Feuer verschließen.
     X. Urlaub ist scheisse, bleibt zu Hause.

Von prophet am Samstag, November 07, 2009 um 12:26

Zu Zombieland

Und nun eine vollständige Liste von Aspekten, die ich an dem Film "Zombieland" nicht toll oder mindestens gut fand:
    1. Dass die Mädels nicht kapieren, dass die hellen Lichter des Parks Zombies anlocken werden.
    2. Wie Columbus und Wichita so grade eben vor'm Knutschen unterbrochen werden, ist ein zu üblicher "Trick".
    3. .......................................ähm.......................................
    4. ...................................................................................
    5. ...................................................................................
...das war's. Ansonsten habe ich nichts, aber auch absolut gar nichts an diesem unfassbar großartigen Film auszusetzen. Ob "Columbus Ohio"s Glaubwürdigkeit (ich kenne diesen Menschen quasi), Woody Harrelsons Kickass-Faktor, die Auswahl an Musik, der Humor, die Action, ein bestimmter Cameo-Auftritt, es stimmt einfach alles. Mehr werde ich dazu nicht zu sagen, denn wenn ich jetzt ausführlich beschreibe, warum Zombieland so toll ist, sitze ich hier heute Abend noch. Allerdringlichste Empfehlung nicht nur für Zombie-Fans.

Von prophet am Donnerstag, November 05, 2009 um 15:12

Sternhagellahm

Grmpf...Wer in den letzten Wochen Fernsehen geguckt hat, ist sicherlich mindestens einmal nicht schnell genug gewesen, wegzuschalten, bevor er mit der aktuellen Saturn-Werbung konfrontiert wurde. In dieser schwebt vor'm Saturn eine Weltraum Bar, die von Alice Cooper betrieben wird, der Aliens Drinks serviert und pragmatische Lösungen zu kleinen Problemchen findet, um dann als Punchline "Alles eine Frage der Technik!" zu sagen, woraufhin die neuesten Angebote des Elektrohandels eingeblendet werden.
Was mich so sehr daran wurmt? Ja, es 'ist doch nur Werbung' und somit ohne jeglichen Belang oder Wert. Ja, es hat keinen Anspruch, außer ein Produkt zu vermarkten. Ja, es ist handwerklich gar nicht schlecht gemacht, was die Gestaltung der Aliens und so angeht.
Was mich dennoch so enorm stört, ist Alice Cooper. Jetzt nicht er an sich, sondern wie er sich benimmt und wie er den Laden schmeißt. Nämlich eben nicht wie Alice Fucking Cooper. Jetzt mal ganz ehrlich: Alice Cooper, der eine Bar im Weltraum betreibt? FUCKcool. Dort würde Lobo dinieren, wenn Al's Diner mal wieder in Schutt und Asche liegt. Aber dröhnt im Laden Musik ala Motörhead in ohrenbetäubender Lautstärke? Nein! Tobt im Hintergrund eine Kneipenschlägerei? Nein! Würde Alice Cooper überhaupt fragen, ob der Astronaut ein Bier haben will? Würde er einen Saft im Haus haben, statt ihm einfach das stärkste, giftigste, schärfste Gebräu des Hauses zu servieren? Würde er ihm die Scheibe mit einem kleinen Notfallhammer statt mit bloßer Faust einschlagen? (Dramatisierung) NEIN! Für die Werbung haben sie Cooper gezähmt und ihn wohnzimmertauglich getrimmt, damit sich auch ja kein potentieller Kunde vor den Kopf gestoßen fühlt. Eine Schande, denn Alice Coopers Weltraumbar für sich ist ein wahnsinnig cooles Szenario. Potential, so wirst du verschenkt.

Von prophet am Montag, November 02, 2009 um 12:41

Ohrenputzer

Converge - Axe to Fall [2009] []
Converge war für mich bisher immer "ok", kann man hören, braucht man aber nicht. Das ändert sich mit "Axe to Fall", Überraschungshit des Jahres. Mit einem Haufen Gäste als Verstärkung schneiden sich die Noisecoreler durch 42 Minuten organisiertes Chaos. Gitarren wie Messer, ein irrsinniges Geballer von Schlagzeuger Ben Koller und das Keifen und Brüllen der Band- und Gastsänger, zusammen eine beeindruckende, vielschichtige Klangkollage. Dass sie nicht nur im Uptempo versuchen, Grindcore müde aussehen zu lassen, beweist "Cruel Bloom", das mehr nach  Tom Waits und Neurosis klingt. Läss-ssich³. Die große Bühne gehört aber schnellen, komplexen, harten Songs, die versuchen, dem Hörer die Ohren abzubeißen. Empfehlung für Fortgeschrittene.


Witch - Paralyzed [2008] []
Dinosaur Jr., weniger happy, etwas psychodelisch, leicht kratzig. Als hätten Wolfmother einige Wochen nur Sabbath gehört und Drogen genommen. Die Produktion klingt, als hätte man versucht, Vinyl-Klang zu synthetisieren. Und es funktioniert! Im Gegensatz zu vergleichbaren Bands schafft Witch es zum Glück, Abwechslung auf das Album zu bringen - es gibt die flotten, dynamischen Rocksongs, die dröhnenden, heavy Doomsongs sowie die schwelgenden, abgehobenen Stonersongs. Bis auf den Opener "Eye" fehlt es mir aber an echten Ohrwürmern, daher wirft mich die Platte nicht um. Dennoch allemal hörbar für die, denen Wolfmother zu poppig sind, die aber (noch) nichts mit OM, Sleep oder Acid King anfangen können.


Mammatus - Mammatus [2006] []
Butter bei die Fische! Wenn Menschen mit Black Sabbath und Psychedelic Rock der 70er aufwachsen, Magic Mushrooms mampfen und dann anfangen, Instrumente in die Hand zu nehmen, dann klingt es in etwa so. Aber auf keinen Fall mit dem verwechseln, was Witch machen! Vier Songs, 45 Minuten. Wie OM, nur organischer. Für Hippie-Musik ist es zu heavy, für Doom Metal zu...hippy-ig. Solche Musik hat zwei Klientel. Erstens Stoner. Zweitens, dazu zähle ich, Menschen, die Alternativen zu den Myriaden von Post-Rock Bands suchen. Und dafür funktioniert Mammatus. Ein Song wie "Dragon of the Deep Part II" geht 22 Minuten, Hintergrundmusik zum Entspannen. Mehr ist dieses Album dann aber leider auch nicht für mich.


Grails - Black Tar Prophecies Vol's 1, 2, & 3 [2006] []
"Aber PropheT", werdet ihr sagen, "du schimpfst immer nur über Post-Rock! Gibt es da denn kein Album, das du magst?". Doch, gibt es. Dieses. Was machen Grails anders? Sie experimentieren mehr als die anderen, die nur hohe Noten anschlagen und ausklingen lassen. Mal schleichen sich Bongos in die Musik, mal stellt man plötzlich fest, dass man da ja ein Klavier hört, dann mischen sich Saiteninstrumente rein, deren Typ man nur mutmaßen kann. Auf diesem sehr schmalen Grat zwischen lässiger, entspannter Musik und "Wir haben den Song vergessen", der darüber entscheidet, ob Musik interessant ist, halten Grails die Balance. Und das schafft nicht jede Post-Rock Band. Empfehlung.


Sadus - Chemical Exposure [1988] []
Genug mit der scheiss Mädchen-Musik. Sadus erste LP stammt aus einer Zeit, als Thrash Metal noch so klang, wie Death Metal heute. Morbid Angel, frühe Slayer oder Sodom, davon reden wir. Alben, auf denen es nicht "die eine Ballade" gibt, um sie als Single zu verkaufen. Sadus spielen mit einer brachialen Härte, die Deathcore-Alben gegen die Wand klatscht, aber dabei auf einem technischen Niveau, das jedem Progressive-Rocker die Finger brechen würde. Es macht im Prinzip das selbe wie Kreators "Pleasure to Kill", nur...besser. Vor allem Steve DiGiorgio demonstriert, woher die Reputation als Bass-Gott kommt. Kein Wunder, dass Chuck Schuldiner ihn später zu Death geholt hat. DAMN. Dieses Album ist keine Empfehlung. Es ist PFLICHT! Metal up your Ass!

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