Von prophet am Donnerstag, Dezember 31, 2009 um 12:58

2010

Nach dem Rückblick nun der Ausblick. Wie bereits erwähnt, habe ich mich Ende 2008 wohl verschätzt. Das ungute Gefühl zu früh ausgelegt. "Die Hölle" ist nicht 2009, sondern 2010. Diesmal aber ganz sicher. Vermutlich.

Das Leben
Nun, wo ich motorisiert bin, werde ich Anfang nächsten Monats für zwei Wochen ein Praktikum (im weitesten Sinne) machen, um dann frühestens im Februar vielleicht eine Ausbildungsstelle zu haben. Und wenn nicht, dann muss ich mir dringlichst anderswo was suchen. Beängstigend, wo doch alle immer nur erzählen, wie schlimm sowas ist. So oder so, ich komme nicht um Arbeit umher. Das heißt, ich werde in dieser Zeit vielleicht nicht mehr dazu kommen, hier viel zu schreiben. Wir werden sehen.

Die Kunst
Weniger besorgniserregend erscheint 2010 im kulturellen Sinne. Einige Alben sind angekündigt, auf die ich schon voll Spannung warte, allen voran das dritte Album von The Sword. Aber auch Nevermore, Cult of Luna, The Ocean und viele mehr haben sich für das kommende Jahr angekündigt. Für Konzerte fehlt mir Zeit, Geld und der Wille, dort hinzufahren, auch wenn tolle (wenn auch kürzlich enttäuschende) Kapellen wie Mastodon oder Baroness in Hamburg spielen. Der Film, auf den ich mich 2010 am meisten freue, ist wohl Iron Man 2. Hoffentlich hält er die Klasse des ersten Teiles. Games? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Assassins Creed 2 könnte was werden.

Der Rest
*Alufolie-Hut aufsetz* Trotz aller heimlichen Vorbereitung scheinen die Affen immer noch nicht bereit, sich mit den Robotern zu verbünden und den Aufstand zu proben. Kann aber noch kommen. Denen traue ich alles zu.
2010 wird Schwarz/Gelb nach der dümmlich ausfallenden Landtagswahl in NRW endlich den Sparkurs bekanntgeben, den sie bisher unter Verschluss hielten. Sparen, das wird bei einer solchen Koalition vor allem bei der staatlichen Hilfe für die sozial Schwächeren der Fall sein. Wie sagte schon Gummi-Gerd aus der Gerd Show damals: "Gewählt ist gewählt ihr könnt mich jetzt nicht mehr feuern". Obama wird die angekündigten Zigtausend Soldaten nach Afghanistan schicken und an der Heimatfront weiter für seine Gesundheitsreform und all die anderen Versprechen kämpfen müssen.
Irgendwo in einem Dritte Welt Land wird es wieder eine Naturkatastrophe geben (Schöne Grüße aus Kopenhagen), irgendwann wird im Iran wieder ein Aufstand blutig niedergeschlagen werden, irgendwie wird sich Windows 7 so langsam als Standard etablieren, irgendwer wird eine neue, hippe Internet-Plattform erfinden. Und nachdem die Banken und die Börse und die Investoren im schließenden Jahr so viel auf die Finger bekamen, wird die Öffentlichkeit irgendwann der Rügen an diese Menschen müde werden und es wird alles genau so weitergehen, wie es vor dem Kollaps des Systems war. Vielleicht sterben bis dahin noch ein paar Unternehmen (Gruß an Opel), aber was solls.

Naja gut. Es wird nicht das Ende der Welt. Noch nicht. Was es aber sicher auch nicht werden wird, ist 'besser'. Das einzige, was man tun kann, ist, sich seinen Beton-Bunker zu bauen und sein Hirn vor den Weltraumstrahlen der Regierung zu schützen. Ich sehe es zwar nicht kommen, dass schon 2010 die Straßen von Blut überschwemmt werden, sich der Himmel verdunkelt, es Feuer regnet und die Menschheit sich schlussendlich selbst auslöscht........aber ich hab mich auch schon geirrt.

Von prophet am Mittwoch, Dezember 30, 2009 um 13:21

2009

Seltsam dezent und ohne großes Getöse endet ein weiteres Jahr. Sogar ein Jahrzehnt, aber darauf möchte ich hier nicht eingehen. Der Ausblick auf's kommende Jahr folgt morgen, hier nun erstmal der Rückblick auf 2009.

Die Welt
Es war das große Krisen-Jahr. Es war das Jahr der Banken. Es war das zweite Jahr des Obama, den Wahlkampf mitgerechnet. Nicht das "Über's Wasser laufen"-Jahr, sondern das "Sozialismus! Mehr Soldaten! Bailout!"-Jahr. Es war das Debüt von Schwarz/Gelb, mit einem Koalitionsvertrag, der von der gesamten Presse, ob liberal oder konservativ, von allen Finanzinstituten, von den "fünf Wirtschaftsweisen", von jedem, dessen IQ über Zimmertemperatur liegt, in Grund und Boden zerrissen und als illusorisch betitelt wurde. Es war das Jahr der Abwrackprämie. Es war mal wieder das Jahr des Krieges in Afghanistan. Es war das Jahr des inspirierenden Widerstandes im Iran. Es war das Jahr von Twitter. Es war das Jahr, in dem Michael Jackson und Quelle starben. Es war das Jahr von vielen Dingen. Aber allen voran, auch wenn das jetzt subjektiv sein mag, war es das Jahr von A World To Come, das in meinen Augen so gut aussieht wie nie zuvor und nach wieder gestiegenen, dann kurz gefallenen Besucherzahlen doch tatsächlich nicht mehr ganz so furchtbar ist, wie in den ersten Jahren.


Das Ich
Ich muss hinzufügen, dass für mich 2009 aus zwei scharf zu trennenden Teilen bestand: Bis Juni ging ich noch zur Schule (boah ist das lange her), danach war ich "free as in freedom" und bin es immer noch. Ich greife mal das Frage-Formular von letztem Jahr auf.
Mehr Geld oder weniger? Bis letzte Woche noch mehr. Jetzt weniger. Größte Zeitverschwendung? Internet, was sonst? Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt? Tode. Am liebsten gelesen? Comics. Dieses Jahr habe ich mit Comics angefangen. Nicht Comic-Strips, sondern richtige Hefte. Dabei haben sich folgende Favouriten hervorgetan: #1 Judge Dredd, #2 Batman, #3 The Goon, #4 Lobo. Dicker geworden oder dünner? Alle sagen mir immer, ich hätte so viel abgenommen, dabei bin ich immer noch fett. Weiser geworden oder dümmer? Noch VIEL dümmer. Bester Kauf? Schwer zu sagen, aber ich kann definitiv den größten Kauf nennen: Mein erstes Auto, gestern gekauft! Bester Kauf in Bezug auf das Preis-Leistungsverhältnis? Döner. 3,50€ und man ist den Rest des Tages satt. Idiotischste Ausgabe? Einfach. Ein, äh, alkoholisches Getränk, äh, für einen bestimmten Gast, äh, weil diese Person das gerne mochte. Die Flasche hab ich immer noch rumstehen. Am meisten gegessen? Fertigessen. Ekligstes Gericht? Definitiv jenes, das mich so sehr anekelte, dass ich darüber "Speis'" schrieb. Leckerstes Gericht? Selber gemachter Möchtegern-Burger. Neue Freunde gefunden? Nein. Alte Freunde verloren? Aber hallo! Nicht befolgte Vorsätze? Mache aus Prinzip keine. Verpasste Chancen? Nun, wäre ich jemand anders, würde ich sagen "Den Einstieg in's Berufsleben.", aber die längere Erholungs-Phase war mir viel lieber. Verpasst? Vielleicht, aber mit Absicht. Größte verpasste Chance? Das ist mir zu peinlich, um es hier aufzuschreiben. Angst? Nur. Größter Erfolg? Abitur! Größter Misserfolg? Frauen. Gesünder oder kränker? Gesünder. Lustigstes Experiment? Ich habe vom 01.01.09 bis zum 10.07.09 (mit einer Ausnahme) für jeden einzelnen Tag meine Haupt-Mahlzeit in einer Tabelle aufgeschrieben. Nur so aus Scheiss. Am meisten gelernt? Die meisten Dinge regeln sich von alleine. TV-Würg? Alles bis auf... TV-Wow? Dittsche, Neues Aus der Anstalt, House, Scrubs, Trailer Park Boys, Reno 911, Two And A Half Men, Fußball, öh, erschreckend viel. Größte Veränderung? Vermutlich der Umstieg Schule -> Leben. Größter Verlust für die Menschheit? Immer noch keine fliegenden Autos. Größte Enttäuschung? Siehe größter Misserfolg. Das, oder der EINE Punkt, der mir noch zu nem 2.1er Abi gefehlt hätte, oder Crack The Skye von Mastodon. Grml.


Die Musik
Die beiden größten Aufsteiger in meiner Gunst dieses Jahr sind Bands, die es schon nicht mehr gibt. Death und Black Sabbath. Trotzdem kamen dieses Jahr wieder einige ganz bemerkenswerte Alben raus. Großartiges kam von Nile, Converge, Lamb of God, Kylesa, The Ocean, Alice in Chains, CKy, Pelican, Priestess, Anaal Nathrakh, die Liste ist lang. Eher enttäuschendes kam von Mastodon, Baroness, Deströyer 666, Vader und Clutch. Ein einzelnes "Album des Jahres" zu benennen fällt mir schwer. Stattdessen möchte die zwei Neuerscheinungen anführen, die mich dieses am meisten beeindruckt haben, nämlich,


So unterschiedlich beide Alben auch sein mögen, beide verkörpern die absolute Königsklasse ihres Genres, beide sind kaum totzuhören und beide haben Songs, an denen man auch in diversen Jahren noch Freude haben wird. Wahnsinn.


Der Film
Uff. Lief einiges gutes dieses Jahr. Es fällt mir noch schwerer als bei der Musik, einen Favoriten rauszupicken. Watchmen, Inglourious Basterds, District 9, UP, Zombieland, Die Ludolfs - Der Film, und bestimmt habe ich wieder die absolute Mehrheit der guten Filme verpasst. Herrje ist das schwer. Ich muss wieder zwei Stück benennen. Erstens die Basterds, weil kaum ein Film über so lange Zeit so eine enorme Spannung aufbaut und dann auch noch eine der besten Filmfiguren aller Zeiten liefert ("Das ist ein Bingo!"). Zweitens UP, auch wenn er gegen Ende etwas abflaut, denn ich habe zuvor nie einen Kinderfilm gesehen, der so ernsthafte, traurige Dinge wie unfreiwillige Kinderlosigkeit, Krankheit und Einsamkeit im Alter transportiert.


...verdammt. Wenn wir 2009 nur als die zweite Hälfte des Jahres betrachten, war es eigentlich ganz gut, weil entspannt. Ich habe mich verschätzt! Die Hölle, die da kommen wird, ist das nächste Jahr. Nicht dieses.

Von prophet am Sonntag, Dezember 27, 2009 um 13:23

Der Sonntagswitz

Also der Lehrer steht vor...nein Moment. Also, da ist ne Schulklasse, ne? Schulklasse jetzt. Ist auch egal was fürne Schule Jedenfalls sind die da halt und dann haben die nen neuen Lehrer, das kommt ja vor. Und der neue Lehrer ist dann da und steht so vor der Klasse, und der ist ganz "gestreng", das ist Altmodisch und heißt, dass er ein Arschloch ist. So. Und der, also der Lehrer jetzt, fragt so den erstbesten Schüler da so, den fragt er: Äh...also er fragt: "Du da, wie ist dein Name.", fragt er, weil er das wissen will. Oder warum auch immer, ist ja auch egal. Jedenfalls fragt er den Jungen so. Und der Junge dann so: "Hannes", antwortet er. Da wird der Lehrer voll, also, er ist dann wütend und sagt so "Das heißt JOHannes!", also er sagt ihm, wie er heißt. Warum fragt er dann eigentl....egal. Jedenfalls verbessert er ihn, dass das "Johannes" heißt. Hannes oder halt Johannes hat seitdem Selbstbewusstseins-Störungen und fühlt sich immer unwohl. Jedenfalls fragt der Lehrer dann den nächsten Jungen. Also das sind erstma alles nur Jungen, vielleicht sind da auch Mädchen, aber das ist jetzt nicht relevant. So äh, dann fragt er nun den nächsten Jungen, wie der heißt. Und der sagt dann so: "Achim", auch wenn heutzutage keiner mehr so heißt. Und der Lehrer dann wieder wie eben sagt er: "Das heißt JOAchim!", weil der Junge wieder nur halt die Umgangsform verwendet hat und nicht Jo- am Anfang gesagt hat. Ne? Soweit klar?
So...und der Lehrer macht dann weiter, also er fragt dann so nen dritten Jungen, den fragt er dann: "Wie heißt du?". Und der dritte Junge, der sagt so zu ihm: "Ich heiße dann wohl...JoKarl!". ........Das war jetzt der Witz. .....nein Moment das ist falsch. Äh, wie ging das noch gleich...achja! Nochmal. Also der dritte Junge sagt dann: "Ich heiße dann wohl...JuKurt!", das ist lustig, weil er heißt Kurt, und bei den anderen beiden Jungen hat der böse Lehrer sie verbessert, dass sie ein "Jo-" vor ihren Namen tun sollen, wenn sie ihm den sagen, und er hat das jetzt von alleine getan, aber das macht gar keinen Sinn weil vor "Kurt" kommt gar kein "Jo-". Außerdem klingt "JoKurt" wie "Joghurt" und das ist sone Milchspeise und die hat da eigentlich gar nichts mit zu tun und darum ist das auch so komisch. Und als der Lehrer das hört, also das mit dem Joghurt jetzt, da schreit er den Jungen, also Kurt, den schreit er an und verweist ihn der Schule. Und darum hat Kurt auch nie eine höhere Ausbildung erfahren und war lange Jahre arbeitslos, weil er nur einen Hauptschulabschluss hatte. Er wurde dann Müllmann und lebte unglücklich, bis er im Alter von 38 Jahren von einem Müllwagen überfahren wurde. Der Witz war jetzt das mit dem Joghurt.

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Von prophet am Donnerstag, Dezember 24, 2009 um 09:16

Die Tage jetz'


...Ach und: Gratulation zum 64tem, Lemmy!

Von prophet am Mittwoch, Dezember 23, 2009 um 20:32

"King of the Klondike"

Es gibt nicht nur Serien, sondern auch Filme, die es nicht gibt, aber geben sollte. Zum Beispiel einen Film über die Zeit, als Dagobert Duck noch nicht die reichste Ente der Welt war, sondern noch ein Goldschürfer am Klondike River, basierend auf dem entsprechenden Kapitel aus "Sein Leben, seine Milliarden" von Don Rosa. Da die heutige, sowieso komplett verkorkste Jugend mit japanischen Wegwerf-Cartoons und nicht mit Disney aufwächst, kann man den Film an meine Generation und älter vermarkten - Zeichentrick nach Disneys hohen Standards, aber ein knallharter Action-/Western-/Abenteuer-Film mit Dagobert als toughem Goldgräber und Unternehmer, der sich durch Sturheit und Köpfchen...und Schläge gegen die anderen Halsabschneider durchsetzt und dort sogar erstmals Interesse an einer Frau findet (Nelly). Ein dreckiger, knallharter, ehrlicher Film, überhaupt nicht für Kinder gemacht, aber voller Herz. Was für ein unglaubliches Potential ein solcher Film in den richtigen Händen hätte. Die Möglichkeiten sind bemerkenswert. Mein Gott wäre das cool. Besser als jede bunte, aufpolierte 'boo hoo rettet den Regenwald' - Pocahontas-Ripoff 3D Primitiv-Kino-Kotze ala Avatar wäre es allemal, behaupte ich.

Von prophet am Montag, Dezember 21, 2009 um 12:49

Sti-hilleee Naaacht

Nile - Those Whom The Gods Detest [2009] []
Auch wenn Nile bisher kein wirklich schlechtes Album veröffentlicht haben: Ihre letzte Veröffentlichung, Ithyphallic, erweckte den Eindruck, die Ägypten-Fans hätten vergessen, dass all ihr Geblaste, Gefrickele und Geröhre auch noch vollwertige Songs ergeben sollte. Eben dies scheint ihnen plötzlich wieder eingefallen zu sein: Those Whom The Gods Detest kommt tighter daher, straffer, konzentrierter. Sogar einige seltsam mitgröhlbare Elemente haben sich eingeschlichen - dennoch bleiben Nile ihrem gewaltigen Sound treu. Karl Sanders wahnsinniges Gitarrenspiel und das Geballere dieses Roboters George Kollias treffen nur diesmal genau in Schwarze. Definitiv das beste (Brutal, Technical, Wasauchimmer) Death Metal Album des Jahres. Evangelion von Behemoth, mit Verlaub, ist schwach gegen die Pharaonen! Hut ab.


Fall of Efrafa - Elil [2007] []
Songs unter 20 Minuten sind was für Pussies? Godspeed You! Black Emperor, Cult of Luna und Neurosis sind klasse, aber man hat schon alles von denen gehört? Entspannende Klanglandschaften sollen sich mit Sludge-Gebrülle und für Genre-Verhätlnisse zügig wummernden Gitarren abwechseln? Dann kann man doch mal einen Blick auf Fall of Efrafa aus England werfen! Auch wenn ihre 3-Song-LP "Elil" einige kleinere Macken hat, wie etwa die unnötig lange Salbaderei von Richard Dawkins im dritten Song, die Ermangelung eines wirklich eigenständigen, unverwechselbaren Klanges oder ein gewisser Mangel an Abwechslung, ist sie doch ein Tipp für alle, die im Ambient-Sludge / Post Metal-Genre nach mehr lechzen. Um nach der Krone der Kategorie zu greifen, reicht es aber leider nicht. Für Einsteiger würde ich eher auf Pelican verweisen.


The Casualties - On The Front Line [2004] []
Richtiger Punk. Nicht diese seichte Pop-Scheisse, die im Fernsehen als Punk vermarktet wird. Auch nicht melodische Teenager-Musik wie The Offspring oder Bad Religion. Dreckiger, härter, schneller, nicht die vielkopierte Downbeat Klopperei, die Sick of It All spielen. Mehr Straße. Wie The Exploited, nur ohne die Metal-Anleihen. Simple, kurze Songs mit ausgestrecktem Mittelfinger und Mitgröhl-Refrains. Eine für solche Musik großartige Produktion, die zwar genau die richtige Härte und Kratzigkeit bietet, aber dennoch klar genug ist, um alle Instrumente definiert herauszuhören. Ohne den Sound glattzubügeln.
Es ist kein Punkrock, um dazu zu feiern und zu trinken. Es ist Punkrock, um Autos anzuzünden und Ziegelsteine auf Regierungsgebäude zu werfen. Gefällt mir verdammt gut.


Taake - Nattestid Ser Porten Vid [1999] []
Erinnert sich noch jemand daran, wie enttäuscht ich anlässlich des besten Black Metal Wetters von Behexen war? Alles egal! Denn Taake retten die Saison. Dabei übertrumpfen die sieben Songs, die schlicht in römischen Ziffern durchnummeriert sind, keinesfalls in einem einzelnen Kriterium die jeweiligen Maßstäbe setzenden Vorzeigewerke. "Nattestid...", genau wie "My Soul...", versucht viel eher, alles unter einen Hut zu bringen. Der große Unterschied: Taake kriegen es hin, in jedem Aspekt mindestens gut zu sein. Das Album bietet sowohl Tempo als auch die Melodik, die Emperor kultiviert haben, ohne dabei so überproduziert wie Behexen zu klingen. Einfach ein gelungener Allrounder mit genug Wiedererkennungswert in einem Genre, das oft aus undefiniertem Rauschen besteht. Kriegt nicht jeder hin. Gefällt mir sehr.

Von prophet am Freitag, Dezember 18, 2009 um 12:51

Stummfilm

Es fehlt mir etwas in der deutschen Mainstream-Fernsehlandschaft. Damit meine ich jetzt nicht "Qualität", auch wenn das zutrifft. Aber wieso setzt man nicht auf einem der Nicht-Nischen-Sender wie Pro7, RTL oder SAT.1 die Richter-Sendungen, die Nachmittagstalkshows, die Amateur-Kochsendungen, die fortgeschrittenen Amateur-Kochsendungen, die Tierärzte-Sendungen, den Boulevard-Klatsch und Tratsch, die Umzieher, die Auszieher, die Einzieher, die Entrümpler, die Lästerer, die Japanitoons, die Telenovelas, die Auto-Aufmotzer, die Renovierer, die CSI-Klone, die billigen Polizei-Serien, die peinlichen Partner-Vermittlungen, die Problemfamilien oder die ärmlichen Reste der Casting-Sendungen ab und erschafft stattdessen eine Serie, in der zwei feste Moderatoren und ein wechselnder Gast über aktuelle Filme reden? Das ist billig zu produzieren aber kommt dennoch überall gut an, denn Filme mag schließlich bis auf wenige Sonderlinge jeder.
Achtung: Ich meine nicht so etwas wie Thomas Gottschalks Filmsendung, die zu irgendwelchen obskuren Zeiten für 10 Minuten auf Kabel Eins läuft. Ebensowenig meine ich so eine Scheisse wie den "RTL 2 Filmtipp", wo die Bild-Zeitung des Fernsehens kurz für den Film Werbung macht, der in der nächsten Woche eh am meisten einspielen wird. Bullshit. Ich meine eine Sendung, in der sich zwei bis drei Menschen gegenüber sitzen und die aktuellen Kino-Releases zivilisiert besprechen. Nicht so elitär, dass nur Independent -Produktionen erwähnt werden, die eh niemand guckt, aber dennoch auf einen gewissen Niveau. Sowas wie die frühen Folgen von At the Movies vielleicht, nur auf deutsch. Das kinematographische Trio quasi, aber bitte mit niedrigerem Altersdurchschnitt. Die große Herausforderung wäre, Moderatoren zu finden, die in der Lage sind, ihre persönliche Meinung interessant zu vertreten und zu verteidigen. Dafür braucht man eine starke Persönlichkeit und um ehrlich zu sein fällt mir niemand ein, der sowohl eine Sendung moderieren als auch nur ansatzweise eine intelligente, unterhaltsame Diskussion führen kann. Stefan Raab würde aus dem ganzen wieder eine affige Show aufblasen, die komplett am Punkt vorbei ginge: Austausch von Meinungen. Ohne großes Trara. Einfach nur Menschen und ihre ausformulierten Ansichten und Gedanken.

Warum kauf(t)en sich Jugendliche denn Hefte wie die Gamestar? Was hat den Erfolg von Beavis und Butt-Head mitbegründet? Wieso guckt man sich Internet-Sendungen wie den Nostalgia Critic oder Zero Punctuation an? Wieso hat jedes noch so kleine Forum und Imageboard eine Unterabteilung "Television & Film"? Oder warum spricht man, nachdem man aus dem Kino kommt, erstmal ein paar Minuten über den Film, den man gesehen hat?
Weil es ein essenzieller Bestandteil unserer Kultur ist, das, was uns die Unterhaltungsindustrie liefert, zu diskutieren. Meinungen auszutauschen. Man muss nicht die Meinung der großen Publikationen und Reviewer teilen, man kann ruhig provozieren, solange man nur zur Diskussion anregt. Ebendiese Diskussion, dieses Bewerten, die Reflektion, den Austausch, der fehlt mir im Fernsehen. Stattdessen sind es die "Hollywood-Blockbuster", die "besten Filme aller Zeiten", die "Meisterwerke", die wir uns gefälligst anzugucken haben, ohne etwas dran auszusetzen. Der Fernseher liefert dem Zuschauer die Meinung gleich mit. Obszön.

Achja übrigens: Schickes neues Layout, oder?

Von prophet am Dienstag, Dezember 15, 2009 um 23:43

Fahrt auf Einsicht

Derzeit wird vom Bundesverfassungsgericht das umstrittene und zu Recht vielfach beklagte Vorratsdatenspeicherungs - Gesetz auf Verfassungskonformität überprüft. Einer der entscheidendsten Vorwürfe lautet, dass, sollte es in Kraft treten, jeder Bürger unter einen Generalverdacht gestellt wird, ohne dass ihm jegliche Straftat oder sonstiges nachgewiesen werden könnte - um Zweifel aus dem Weg zu räumen: Im gern angepriesenen Rechtsstaat, in dem wir angeblich leben, ist jeder unschuldig, solange nicht das Gegenteil bewiesen werden kann. Dass dieser Vorwurf korrekt ist, steht natürlich außer Frage. Aber es gibt noch einen anderen Punkt, der in den Anführungen der Kläger meiner Ansicht nach stark unterpräsent ist:
Die, die die Daten speichern sollen, sind die ISPs. Die Provider. Darf ich an den Oktober 2008 erinnern, als ans Tageslicht kam, dass die Androiden von der Telekom vor zwei Jahren ein Sicherheitsleck hatten, durch das die Daten von 17 Millionen Kunden gesickert waren? Oder noch letzten Monat, als bei T-Mobile UK Daten von Kunden an andere Firmen verkauft wurden. Nun stelle man sich mal vor, Konzerne wie die Telekom würden zusätzlich sämtliche Verbindungsdaten von Telefongesprächen und aufgerufenen Internetseiten eines halben Jahres, jedes einzelnen Kunden speichern. Wie lange würde es dauern, bis diese ganz beachtlichen Datenmengen, für die bestimmt noch kein Speicher- und Sicherheitskonzept bei den Providern steht, zumindest teilweise leaken oder verkauft werden? Vielleicht kann man sich dann komfortabel aus dem Internet den Browser-Verlauf von Berühmtheiten, Nachbarn, Freunden und Feinden ziehen.
Falls das Datenvorratsspeicherungsgesetz (langes Wort) vom Bundesverfassungsgericht gestoppt wird, und das wollen wir doch mal ganz stark hoffen, wird dies daran liegen, dass es unserem Grundgesetz nicht entspricht. Sollte es nicht auflaufen und doch in Kraft treten, habe ich massive Zweifel daran, dass die Provider, und das gilt für ALLE, in der Lage sind, derart große Mengen sensibler Daten sicher zu verwahren. Mir fiele auch keine andere Instanz ein, der ich diese Informationen anvertrauen würde, insofern wollen wir mal hoffen, dass diese Schaluppe des Polizeistaates an den Klippen unserer Verfassung zerschellt, bevor sie anlandet und leckt.


Was anderes: Am ersten Dezember, anlässlich des Todes von ItC fragte ich nach, ob sich die werte Leserschaft jemals auch nur einen einzigen meiner hier via Twitter entladenen Links angeguckt hat. Das Ergebnis: 55% sagten "ja", 35% sagten "nö", 10% waren mit der Frage überfordert. Immerhin. Ich werde es fortsetzen, vielleicht fällt mir ja mal ein Weg ein, den Dauerlinkdump ein wenig hervorzuheben.

Von prophet am Montag, Dezember 14, 2009 um 11:52

Two-Face

Unser aller Lieblings-Regierung mit den zwei Gesichtern könnte ins Straucheln geraten. Die Sache von Anfang September mit der Bombardierung der Tankwagen, die ja nun eben nicht den Fahrzeugen, sondern den Menschen drumherum galt, auch wenn unsere Kanzlerin und ihre Beauftragten wochenlang versuchten, der Öffentlichkeit das Gegenteil zu vermitteln, gerät außer Hand.
Hätten die Regierungsvertreter von Anfang an dazu gestanden, dass eine offensive Handlung in den berühmten "Kriegsähnlichen Zuständen" vorgenommen wurde, deren Ausmaß allerdings weder den für die Bundeswehr geltenden, aus Artikel 51 der UN-Charta stammenden "Regeln der Verhältnismäßigkeit", noch den Anweisungen des ISAF-Kommandanten entsprach, dann läge die Verantwortung wirklich nur bei dem inzwischen wohl berühmten Oberst. Der Haken an der Sache ist allerdings, dass die Bundesregierung sich entschied, so lange wie nur irgendwie möglich die Lüge von der taktischen Ausschaltung der Tankzüge beizubehalten, um es wie eine defensive Fehlentscheidung aussehen zu lassen. Auf diese Weise wird nämlich dem mittelmäßig interessierten Bundesbürger nicht schlagartig bewusst, dass die Bundeswehr offensiv agiert, das Image von der Friedenstruppe im Auftrage der Friedensregierung bleibt bewahrt. Wäre alles glatt gelaufen, wäre es bei den paar Entlassungen weiter unten in der Befehlshierarchie, die bis zum Kanzleramt hinaufgeht, geblieben und der Bundeswehreinsatz im Allgemeinen wäre weiterhin als von rein defensiver Natur in den Köpfen der Leute verblieben.
Nun aber kommt durch die konsequente Untersuchung des Falls zu der offensiven Fehlentscheidung auf Offiziers-Ebene auch noch der Vertuschungskomplott der Regierung dazu. Fraglich ist nun, wie lange sich Kanzlerin und Co noch an dem Märchen von der Friedenstruppe festklammern, bis sie zugeben müssen, dass die Fehlentscheidungen nicht nur von unten, sondern auch von oben kamen. Ob ein Rücktritt nach dem anderen konstruktiv dazu beitrüge, wage ich zu bezweifeln. Dass das beabsichtigte Ziel, nämlich das Herunterspielen von offensiven Bundeswehreinsätzen komplett ins Gegenteil umgeschlagen ist, müsste nun selbst im Kanzleramt angekommen sein. Die gesamte Presse zerreißt inzwischen den Einsatz in Afghanistan und die Zwielichtigkeit des Umgangs damit seitens der Regierung der Öffentlichkeit gegenüber.
Aber was jetzt? Von CSU-Männern wird die gefordert, der Bundeswehr von nun an solch gezielte Tötungen durch ein neues Mandat zu legitimisieren. Wovon ich aber noch nichts gehört habe, ist, dass von höchster Stelle, ja, von Frau Dr. Merkel Verantwortung übernommen wird, anstatt sie einfach immer wieder auf andere zu schieben, und dass der Kriegs-Einsatz der Bundeswehr, nichts anderes ist es, einen anderen, härteren, aber ehrlicheren Umgang erfährt, denn wohin diese Differenzen zwischen tatsächlichem Einsatz und öffentlicher Wahrnehmung führen, sehen wir an diesem Fall.
Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Hört die Bundesregierung nicht mit dieser Zweigesichtigkeit auf (das gilt sowohl für Afghanistan als auch für die KOMPLETT vermurkste Steuer- und Finanzpolitik die uns schmackhaft gemacht werden soll), dann wird sie irgendwann ganz gewaltig ins Stolpern geraten. Vielleicht sogar ins Fallen. Wahrscheinlicher ist aber, leider, dass es wie immer sein wird: Man sitzt es aus, bis eine andere Sau durch's Dorf getrieben wird, und dann verliert die Öffentlichkeit das Interesse.

Von prophet am Freitag, Dezember 11, 2009 um 12:18

Der Freitagswitz

Also, es kommt ein Pferd in eine Bar. Das ist schonmal lustig weil normalerweise gehen Pferde nicht in Bars weil sie sind nur Tiere und haben da eigentlich nichts verloren weil Bars sind für Menschen. Äh, also ein Pferd kommt in eine Bar und geht zum Tresen hin. Und, und dann guckt das Pfe...nein! Der Barkeeper! Dann guckt der Barkeeper das Pferd an und sagt:...äh...Moment...achja, und sagt: "Warum das lange Gesicht?", das ist lustig weil Pferde haben sonen länglichen Kopf, aber "langes Gesicht" heißt eigentlich, dass jemand traurig guckt. Aber das ist ja n Pferd. Und man rechnet auch gar nicht damit, dass der Barkeeper was sagt, weil das ist ja n Pferd in seiner Bar. Verstanden? So, und dann jetzt, äh, dann, äh,...dann sagt jetzt das Pferd, also das Pferd sagt: "Ich bin schwer krank und habe kein Geld für Medizin weil ich ein Pferd bin", sagt es. Das ist auch lustig, weil Pferde können eigentlich gar nicht reden, außerdem ist es wahr. Da fühlt sich der Dings, der Barkeeper unwohl, weil eigentlich wollte er das gar nicht wissen sondern nur den Spruch sagen weil der lustig ist aber jetzt ist ihm das unangenehm und darum ignoriert er das Pferd jetzt einfach. Und das Pferd äh, das steht da noch ein bisschen, aber niemand redet mit ihm, und als es merkt, dass es eh nicht mehr bedient werden wird, geht es wieder nach Hause. Die Pointe war jetzt das mit dem Gesicht. Haha.


Bin ich nicht ein ganz hervorragender Witze-Erzähler? Ich glaub, das hat Zukunft!

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Von prophet am Mittwoch, Dezember 09, 2009 um 10:40

Stolz und Vorurteil

Ich sitze also im Empfangsraum einer anderthalb Stunden Autofahrt entfernten Filiale eines der größten Rüstungskonzerne Europas und warte. Am Eingang mit den großen Scheiben sitzen eine Dame reifen Alters und ein Mann in seinen frühen Dreißigern, so würde ich es schätzen. Die Dame trägt einen dunklen Hosenanzug und ein Headset auf dem Kopf. Ab und an kommen Leute durch die Tür hinein, die sie mit wenigen Worten oder einem Nicken begrüßt. Nach einigen Minuten redet die Dame mit dem Mann neben ihr. Sie sagt, sie würde ja jetzt schon ein Weilchen hier arbeiten, aber sie kenne trotzdem noch nicht jeden. Wenn jemand im Blaumann durch die Tür käme (die Anlage ist sowohl Büro als auch Fertigung), dann wäre das ja ziemlich klar, aber wenn einfach nur Leute in Anzügen kämen, dann müsse man da manchmal auch einfach Vertrauen haben.
Oder, so sagt sie, als sie den jungen Mann sieht, der grad auf den Eingang zugeht, bei "so jemandem wie ihm", da könne man dann aufstehen und ihn direkt ansprechen. Der leicht abfällige Ton in ihrer Stimme suggeriert ihre Erwartung, dass der Mann neben ihr sofort versteht, was sie meint. Er scheint zu verstehen und traurigerweise verstehe ich auch prompt, warum sie sich jetzt grade nur bei ihm die Mühe macht. Er scheint arabischer oder vielleicht türkischer Abstammung zu sein, trägt Lederjacke und Jeans, hat die Haare nach hinten gekämmt, trägt ein kleines Bärtchen. Unter seinen Arm hat er einen vollen Ordner geklemmt.
Er kommt rein und die Dame am Tresen begrüßt ihn mit distanzierter Höflichkeit. Wie sie ihm helfen könne, fragt sie. Er erklärt, dass er für einen Einstellungstest da wäre. Sie nickt und deutet ihm, er möge doch bitte noch warten. Bevor er sich zu mir setzen kann, schlägt die Dame vor, man könne ja vielleicht auch draußen warten. Er nimmt den Vorschlag an, ich begleite ihn, weil ich zuvor bereit ewige Stunden im Auto saß und mir die Beine vertreten will.
In der Wartezeit, die wir dann komplett vor der Tür an der frischen Luft verbringen, unterhalte ich mich mit dem jungen Mann, der von der Empfangsdame als fragwürdig eingestuft wurde. Er ist höflich, aufgeweckt, super freundlich und angenehm. Wir scherzen ein wenig. Wo ich herkäme, fragt er. Es ist ihm tatsächlich ein Begriff, er habe mal in der Nähe gewohnt. Er sagt, er habe sich schon überall beworben und hoffe jetzt, dass es dort klappt. Er bewerbe sich auf den Ausbildungsplatz zum Chemie-dingsbums, er habe ja schon mal mit sowas gearbeitet, aber hätte immer alt ausgesehen neben den "Einser-Kandidaten", wolle es jetzt hier aber schaffen. Zweiundzwanzig sei er. Ich stehe noch eine Weile mit ihm und den anderen jungen Leuten, die sich langsam um uns beide herum versammeln vor der Tür. Im Hintergrund kann man gelegentlich Schüsse hören. Dann werden wir alle zum Testen in ein Nebengebäude geführt.
Als wir uns kurz vorstellen sollen, erzählt er, dass er nach seinem Hauptschulabschluss den Real-Abschluss nachgeholt hat und wo er schon gearbeitet hat. Viele andere Bewerber auf den selben Job gehen noch zur Schule oder haben sie grade fertig. Er macht nicht den dummen Fehler, den viele andere machen, wenn sie erzählen, dass sie zwar schonmal irgendwo Praktikum gemacht haben, aber das überhaupt nicht gut fanden, weil ihnen das irgendwie zu stressig war. Oder einfach nicht interessant. Oh, und das andere Praktikum gefiel ihnen auch nicht, aber warum, keine Ahnung.

Was ich mit dieser Erzählung sagen will?
A) Hoffentlich kriegt er diesen Job und nicht eines dieser behinderten Gören. Ich würd's ihm wirklich gönnen.
B) Es ist erschreckend, wie schnell man sich ein Urteil über andere Menschen bilden kann, ohne auch nur ein Wort mit ihnen gesprochen zu haben. Noch erschreckender ist es, wenn man das Urteil dritter Personen gedankenlos übernimmt. Ich komme mir deswegen immer noch ein wenig schäbig vor.
C) Die richtige Kleidung bringt einen überall hinein.

Von prophet am Samstag, Dezember 05, 2009 um 15:33

I AM IRON MAN

Staub wirbelte hinter dem Convoy auf, der durch die afghanische Wüste fuhr. Im dem Geländewagen in der Mitte der Fahrzeugkolonne saß, auf der Rückbank und mit einem Scotch in der Hand, Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel von und zu Guttenberg, der Verteidigungsminister, der einen der neuen Raketen-Typen vor Ort inspiziert hatte. Aus den eigentlich für Funk gedachten Lautsprechern des deutschen Militärjeeps röhrten halblaut AC/DC. Unauffällig wippte der Adelige mit, der von schweigenden Bundeswehrsoldaten umgeben war. Er fragte, ob niemand Erlaubnis hätte, zu reden. Die Soldatin am Steuer antwortete ihm, dass er die Soldaten ein wenig einschüchtere. Mit einigen kleinen Witzchen brachte Karl-Theodor die Soldaten zum Lachen, und die Atmosphäre lockerte sich. Ein wenig Smalltalk mit den Truppen, das kam immer gut an. Das konnte er. Leute überzeugen.
Plötzlich gab es einen lauten Knall und der erste Jeep des Convoys überschlug sich in einem Feuerball. Notgedrungen stoppte die Kolonne und blickte sich nach den Angreifern um. Eine weitere Explosion. Maschinengewehre ratterten, Kugeln schlugen ein. Die Soldaten im Jeep drängten den Minister, das Fahrzeug zu verlassen. Hastig öffnete dieser die Tür des Wagens und rutschte heraus. Nach nur wenigen Schritten gab es eine weitere, ohrenbetäubende Explosion, Hitze überwältigte zu Guttenberg, warf ihn zu Boden und ließ ihn ohnmächtig werden .

K-T öffnete die Augen. Alles war dunkel und schwummerig. Die Luft war stickig. Ein Sack war über seinen schmerzenden Kopf geworfen. Er versuchte, durch das raue Gewebe etwas zu erkennen. Mit einem Ruck wurde der Stoff von seinem Kopf gezogen und grelles Licht blendete ihn. Er kniff die Augen zusammen. Eine kratzige Stimme begrüßte ihn. Nun konnte Karl-Theodor erkennen, dass er von bewaffneten Männern umgeben war. Sie hielten AK47, alte Jagdgewehre und Panzerfäuste. Ein glatzköpfiger Mann in Tarnfarben stand ihm lächelnd gegenüber. Er erklärte dem Verteidigungsminister, dass er nun für sie arbeiten würde. Jetzt bemerkte zu Guttenberg auch die Kamera, die auf ihn gerichtet war. Mit einem Schlag in den Nacken wurde er wieder bewusstlos.

Er fand sich in einer Höhle wieder. Ein alter, asiatisch anmutender Herr saß neben ihm. Zu Guttenberg fragte ihn, was passiert sei. Der alte Mann, der sich als Dr. Yinsen vorstellte, erklärte ihm, dass sie beide von einer terroristischen Gruppe namens "Zehn Ringe" gefangen genommen worden seien. Karl-Theodor lief es trotz der Hitze kalt den Rücken hinunter. Einige der bewaffneten Männer betraten den Raum, unter ihnen ihr Anführer. Der kahle Mann erklärte Karl-Theodor zu Guttenberg, was er von ihm wollte: Seine Überzeugungskraft und sein Redegeschick seien bekannt - daher solle er sie einsetzen, um der NATO einige Atomwaffen abzuschwatzen, die dann in die Hände der Terroristen fallen sollten. Er bekäme Zettel und Stift und habe drei Wochen Zeit, eine entsprechende Rede zu verfassen, legte der Kriegsherr fest und verließ die Höhle. Zu Guttenberg war sprachlos.
Dennoch, er war nicht bereit, diesen Mördern Atomwaffen in die Hände zu spielen. Er musste ausbrechen, aber wie? Er hörte, wie sich die Wachen vor der Tür in der belutschischen Sprache unterhielten, verstand jedoch kein Wort. Dr. Yinsen fragte ihn, was er vorhabe. Karl-Theodor überlegte. Dann bat er seinen Mit-Gefangenen um Stift und Papier. Leise schlich er sich zur Tür, hockte sich hin und begann, in Lautschrift einige der Worte mitzuschreiben, die er aus dem Gerede der Wachen heraushören konnte. Yinsen fragte, was zu Guttenberg da tue. Dieser wies ihn an, abzuwarten.

Anderthalb Wochen später - der deutsche Verteidigungsminister hatte von einem halben Liter Wasser und einer Messerspitze Pomade am Tag gelebt, platzte der Anführer seiner Geiselnehmer in die Höhle. Er wolle sehen, wie weit zu Guttenberg sei. Dieser war clever genug gewesen, einen scheinbaren Rohbau einer Rede zu verfassen. Ungehalten über den Mangel an Fertigstellung, drohte der Kriegsfürst dem Minister, dann verließ er die Höhle wieder. Dr. Yinsen saß zitternd auf seinem Stuhl. Zu Guttenberg beruhigte ihn.
Eine Woche später. Karl-Theodor zu Guttenberg war fertig. Er betrachtete sein Werk. Mühsam hatte er sich ein vages Wissen der belutschischen Sprache angeeignet. Er war jetzt bereit. Er holte tief Luft und wies Yinsen an, hinter ihm in Deckung zu gehen. Dann klopfte der gefangene Adelige höflich an die Tür seines Kerkers. Einer der bulligen Afghanen, die Wache hielten, öffnete die Tür, streckte Guttenberg seine Kalaschnikow entgegen und blickte ihn misstrauisch an. Karl-Theodor räusperte sich und begann, in Belutschi auf den Mann einzureden. Seine Argumentation und höfliche Ausdrucksweise gepaart mit rhetorischen Konstrukten, die in allen Sprachen gut ankamen, machte perfekt Sinn und bewog den Terroristen, zu Guttenberg freizulassen. Eilig rannte dieser die Gänge der tiefen Höhle entlang, als Schüsse fielen und Dr. Yinsen trafen, der hinter ihm herlief. Entsetzt hielt K-T die Wachen an, das Feuer einzustellen, und überzeugte sie durch Redegewandtheit von der Sinnlosigkeit der Gewalt. Weinend liefen sie davon. Betrübt durch den Verlust seines freundlichen Mithäftlings eilte der adlige Minister zum Höhleneingang, wo er es mit viel Anstrengung und unter Aufgebot all seines rednerischen Könnens schaffte, die Terroristen davon zu überzeugen, dass er nur eine Fata Morgana war. Hastig lief er davon, den Dünen entgegen, in der Hoffnung, in die richtigen Leute zu rennen, bevor ihn die Wüste dahinraffte.


Einige Tage später. Mit großen Jubel wurde der Minister am Flughafen in Deutschland willkommen geheißen. Er war nun ein Kriegsheld. Mit viel Uff-Tata spielte eine Marschkapelle und die Kanzlerin schüttelte ihm die Hand. Sie erklärte ihm, wie froh sie sei, dass er gesund nach Hause gekommen sei - doch zu Guttenberg unterbrach sie. Er erklärte seinen Rücktritt vom Amt des Verteidigungsministers. Frau Dr. Merkel und ihr Buschmann waren vollkommen entsetzt, doch Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel von und zu Guttenberg erklärte ihr, er wolle seine Fähigkeiten nun zum Wohle der Menschheit einsetzen, und nicht, um sie zu blenden und fehlzuleiten. Wenn er doch nur eine Möglichkeit hätte, sich eigenständig, sicher und schnell direkt in Kriegsgebiete zu fliegen, um dort seine Rhetorik einzusetzen. Eine Mischung aus Flugzeug und Rüstung. Da kam ihm eine Idee...

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Von prophet am Donnerstag, Dezember 03, 2009 um 22:45

Noise Pollution

Pelican - What We All Come to Need [2009] []
Zu heavy für Post-Rock, aber in Ermangelung eines brüllenden Sängers und regulären Geschredderes etwas seichter als Neurosis und Konsorten, fehlte es mir bei den instrumentalen Pelican bisher an künstlerischen Machtdemonstrationen. Die kommen nun auf WWACtN. Zwar ist man bei weitem nicht so experimentell wie etwa Grails, bietet aber (auch durch die Gastmusiker (im Schlusssong sogar mal mit Gesang!)) in gewissem Maße Abwechslung, obwohl die Songs wie aus einem Guss wirken. Dabei sind viele Passagen eingängig und so schaffen die Amis tatsächlich ein Album, das sich vor brillianten Vergleichswerken wie Wavering Radiant oder Eternal Kingdom überhaupt nicht verstecken zu braucht - auch wenn es nicht ganz deren Epik erreicht. Empfehlung, nicht nur für den, der eh schon alle anderen Post-Dingsda-Bands hört.


Behexen - My Soul for His Glory [2008] []
Es wird winterlich da draußen, es ist Black Metal Saison! Dabei würde ich aber nicht unbedingt zu Behexens 2008er LP greifen, denn irgendwie störe ich mich an diesem Album. Es ist zu sehr zwischen den Stühlen. Zu jedem Kriterium fällt mir ein Album ein, das es besser macht. Es besitzt nicht die Majestätik, die "In the Nightside Eclipse" durch Symphonik erschafft, es ist nicht so BRUTAL schnell wie "Hellfire" von 1349, es ist nicht so extrem rau, kalt und kratzig wie "Transilvanian Hunger", es ist nicht so..."besessen" wie die Hälfte aller Mayhem-Alben. Dabei sind bis auf "6.6.6." gar keine wirklich schlechten Songs dabei - aber in einem selbsterklärt elitären Genre wie Black Metal muss sich dieses Album solche Vergleiche gefallen lassen, und da kann es in keinem Kriterium voll überzeugen. Lieber ihre früheren Releases anhören.


Zozobra - Harmonic Tremors [2007] []
Out of fucking nowhere kommen Zozobra, ein Nebenprojekt der Herren von Old Man Gloom und wagen es auf ihrem Debüt, "The Ocean minus Klavier und dicke Streicherarrangements" mit "Torche minus poppige Gutlaunigkeit" zu mischen. Klingt das in der Praxis so gut wie in der Theorie? Oh ja! Zwar merkt man, dass die Herren auch Hardcore-Gekloppe oder die Ambient-artige Musik beherrschen, die etwa Pelican hauptberuflich machen, aber stattdessen reißen sich Zozobra am Riemen und geben ihrer Musik einen fast schon rockigen Unterbau. Warum mich das so beeindruckt? Die vergleichbaren Kylesa haben drei Alben gebraucht, um ihren Sound in gesunde Proportionen zu bringen! Ich habe in ihr zweites Album noch nicht reingehört, aber wenn sie sich noch steigern, dann spielen sie für mich in der ersten Liga mit.


Ich weiß, letzten Endes mag ja doch niemand die Musik, über die ich hier schreibe. Aber wenn dann einmal alle 10.000 Jahre, wenn der Orion im Hause des Wassermannes steht und die Schwaben, äh, Schwalben tief fliegen jemand hier vorbeikommt und auch nur eine Musikempfehlung von mir zu schätzen weiß, dann triumphiere ich!

Von prophet am Dienstag, Dezember 01, 2009 um 12:06

Nachruf & Intern

Über 250 Posts waren es, die seit Oktober 2006 auf Inside the Cynic eintrudelten. Ich habe nie einen Counter eingebaut, daher weiß ich nicht, wie gering die Besucherzahlen wirklich waren - wirklich was los war dort aber nie. Selbst die schmutzigsten Tricks schienen nicht zu helfen. Da die Hälfte der Teilnehmer zudem überhaupt nicht mehr bei Blogger zu finden war und die andere Hälfte (bis auf Okami Itto) das Interesse verloren zu haben schien (inklusive mir), sah ich für ItC keinerlei Lebensberechtigung mehr - Löschen statt Sperren. Oder so. Wie angekündgt, Todesdatum: 1. Dezember 2009.

Ich hatte zwischendurch eine andere Idee für einen Kollaborations-Blog: "So I Was Like", wo man als Überschrift des jeweiligen Posts den Namen eines Filmes, Buches, Albums, Erlebnisses, Urlaubes usw. aufschreibt und dann nur ein Reaction Face, also ein Bild eines Gesichtsausdruckes postet, um in kürzester Form eine Bewertung abzugeben. Beispiele: Zozobra - Harmonic Tremors, Spiderman 3, SWIFT-Abkommen steht. Sowas. Aber das würde sich doch wieder im Nichts verrennen. Also lasse ich es sein.

Indessen habe ich hier auf AWtC Kommentare für Leute ohne Blogger-Account freigeschaltet. Es darf also jeder kommentieren, ob mit Name/URL oder ohne. Nur zu, probiert es aus! Aber bedenkt: Ich kriege jeden Kommentar gemeldet, benehmt euch, ggf. wird gelöscht. Außerdem hätte ich da mal eine Frage zu meiner Twitter-Leiste oben auf der Seite - einfach in dem Kasten rechts anhaken. Danke.

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