Von prophet am Sonntag, März 14, 2010 um 14:40

Fortgeschrittenes Hören

Grinder - Dead End [1989] []
Wer in den 80ern aus Deutschland kam, Thrash Metal spielte und nicht grade Kreator, Sodom oder Destruction hieß, ist heute zumeist in Vergessenheit geraten. Warum dies auch auf Grinder zutrifft, verstehe ich anhand dieses Albums nicht, denn wer mit soviel Schneid und Können spielt, hätte besseres verdient. Zwar bewegen sich bis auf das punkige "Train Raid" und das instrumentale "Why" alle Songs in den üblichen Konventionen, doch dank genug Variabilität, catchy Riffs und technischem Vermögen (wenn auch weit weniger extrem als z.B. Sadus) hat mich diese in der Versenkung verschwundene Band doch sehr positiv überrascht. Vielleicht nicht auf einer Augenhöhe mit den Kreator ihrer Zeit, aber für Genre-Fans wie mich absolut hörenswert und subjektiv besser als diverse Vergleichs-Alben. Geheimtipp für Enthusiasten.


Mekong Delta - The Music of Erich Zann [1988] []
Ich würde jetzt gerne genau das selbe wie über Grinder schreiben - wenn sie nur besser wären. Rein theoretisch müsste es mögen: 80er Thrash mit einem guten Schuss kompliziert? Genau meines! Doch irgendwie spielen Mekong Delta an mir vorbei und ich komme nicht umher, Vergleiche zu ziehen, bei denen die Berliner deutlich verlieren. Toxik haben ähnlichen Gesang, der mich aber nicht schon nach drei Songs nervt, Sadus sind wesentlich frickeliger und Myriaden von Bands haben prägnantere Riffs. Gute Absichten kann man ihnen durchaus attestieren: Diverse Gitarrensoli sind technisch beeindruckend, Schlagzeuger Jörg Michael ballert aus allen Rohren und dennoch - es bleibt wenig hängen, viele Stellen laden zum skippen ein. Schade, Mekong Delta: Auf dem Papier eine tolle Band, in der Praxis nein danke.


Edge of Sanity - The Spectral Sorrows [1993] []
Von Bloodbath schon alles gehört? Unleashed werden auch immer schlechter? Etwas Abwechslung wäre nett? Vielleicht mal Edge of Sanity versuchen. Irgendwie schafften es die Schweden schon 1993, den typischen, penibel abgesteckten Elchtod mit Variabilität auszustatten. "Feedin' The Charlatan" klingt wie NYHC, "Across the Fields of Forever" hat Soli wie von Opeth und für Trve Metal Warriors gibt es das ManOwaR-Cover "Blood of my Enemies". Dennoch klingt The Spectral Sorrows nicht wie ein zusammengewürfelter Sampler, sondern wie aus einem Guss - das schafft bei weitem nicht jede Band. Schwindelerregend, wie leichtfüßig hier Genre-Standards mit, man muss es schon sagen, Progressivität gemischt werden. Die halbe Strecke zwischen Opeth und Bloodbath quasi. Muss ich noch mehr sagen?


Desiderii Marginis - Deadbeat [2006] []
Was dem Namen nach grässlicher Goth-Pop sein könnte, ist fiesester Dark Ambient, wie er von Cold Meat Industry produziert wird. Das bedeutet Effekte und wuchtiges Elektro-Gewummere über den Klanglandschaften, die dem Post-Rock zu düster waren. Rauschen und Brummen gehört selbstverständlich zum guten Ton, auch wenn man mit dem Brummen nicht so maßlos übertreibt wie SUNN O))). Deadbeat hört sich wie der Soundtrack zu einem bedrückenden Film an. Erstaunlicherweise schafft es dieses Album, obwohl es über die gesamte Dauer die selbe Stimmung hält, grade eben genug Abwechslung hineinzubringen, dass die Lieder nicht nach 10 Minuten obsolet werden. Wer düster will, aber den Black Metal in Negura Bunget nicht erträgt, kann durchaus zugreifen. Habe ich "düster" oft genug gesagt?

1 Comments:

Blogger PropheT sagte...

Hey Mann, supercooler Musik-Geschmack!

15.03.2010 23:19:00  

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