Wer nicht hören will
Overkill - Ironbound [2010] [♫]Dass ich auf diesen altmodischen Thrash Metal stehe, den die 80er hervorbrachten, ist kein Geheimnis. Dennoch konnte ich mich nie mit Overkill anfreunden, irgendwie hat es nicht sein sollen - und dann, 25 Jahre nach ihrem Debütalbum, bringen sie "Ironbound" raus und hauen mich damit vom Hocker. Vielleicht war es nur meine niedrige Erwartungshaltung ("Ironbound? Klingt kitschig!"), denn originell sind die Herren aus New Jersey auf ihrem 15ten Studio-Album sicher nicht. Aber durch schlichtweg gutes Songwriting, viel Biss, prägnante Riffs, eine tolle Produktion und durch die Abwesendheit auch nur eines einzigen schlechten Songs liefern Overkill wohl meine bisher positivste Überraschung des Musik-Jahres 2010 ab. Hut ab. Dringliche Empfehlung an alle Alt-Thrasher und solche, die es werden wollen.
Lustmord - Heresy [1990] [♫]Lustmord? Den kenn ich doch! Der hat doch mal dieses Album mit den Melvins gemacht! Tatsächlich stellt sich das 1990er "Heresy" als bisheriges Highlight meiner Dark Ambient Experimente heraus. Dabei ist es schwierig zu definieren, warum. Der Herr Williams bietet nämlich genau das, was das gesamte Genre versucht: Die Vertonung der Farbe Dunkelgrau. Das, was man "Klanglandschaften" nennt. Hintergrundmusik eigentlich. Düsteres Brummen und Surren, ohne Rythmus, Strophen oder Melodien. Es geht mehr um Klang als um Musik. Und auch wenn hier die selben Zutaten wie bei allen anderen Alben des Genres zusammen brodeln: Irgendwie schafft das Projekt Lustmord es, besser zu sein als die anderen. Wie, weiß ich nicht. Aber irgendwie schafft er es und liefert so die Fahrstuhlmusik für den Aufzug in die Hölle. Gefällt.
Zu - Carboniferous [2009] [♫]Es fällt mir unaussprechlich schwer, jetzt keinen Auf/Zu-Witz zu reißen. Diese drei Italiener (nein, keine Symphonic Power Metal) spielen eine instrumentale Mischung aus Noise Rock und Jazz. Nein wirklich. Ein Schlagzeug, das die Polyrythmik von Meshuggah nachahmt, ein metallisch knarrender Bass und ein verzerrt-quiekendes Saxophon, das eine Gitarre ersetzt. Wer sowas gezielt hört, weiß ich auch nicht. Dabei ist Carboniferous wohl kein schlechtes Album, bedarf jedoch definitiv Eingewöhnungszeit und eines sowieso leicht besonderen Musikgeschmackes. Mein größtes Problem mit diesem Album ist jedoch, dass so entsetzlich wenig davon hängen bleibt. Man behält zwar ein ungefähres Bild des Klanges im Kopf, aber an konkrete Passagen kann ich mich nur schwer erinnern. Nicht so recht meines.
Triptykon - Eparistera Daimones [2010] [♫]Mein spontaner Gedanke beim ersten Hören: Das klingt irgendwie verdammt nach (dem tollen) Monotheist von den erneut aufgelösten Celtic Frost. Dann hörte ich weiter und fand die Ähnlichkeit schon ein wenig zu dreist. Als ich die Band dann nachschlug, stellte sich raus, dass es sich bei Triptykon tatsächlich um Tom G. Warrior samt Anhang handelt. Der spielt mit diesem Album dort weiter, wo er mit Monotheist aufgehört hat: Harter, schwerer Doom Metal - aber mehr nicht. Boshaft könnte, nein, muss man unterstellen, Herr Warrior würde sich selbst fernab jeglichen Einfallsreichtums kopieren und dem erwähnten Monotheist eine Verlängerung geben. Man hätte Recht. "Eparistera Daimones" ist unterm Strich sicherlich keine schlechte Scheibe, aber irgendwie hat man es alles schonmal gehört. Für's nächste Album bitte was neues.
Ferner liefen:
Axegrinder - Rise Of The Serpent Men [♫] : Sludge / Crust ohne Druck oder Spannung.
Amebix - Monolith [♫] : Oldschooliger, dreckiger Crust-Punk mit Anarcho-Attitüde. Cool.
The Ocean - Heliocentric [♫] : Lange hab ich drauf gewartet. Ich muss es mehr hören, um mir ein finales Urteil bilden zu können. Aktuelle Meinung: Ach Herrje. Schwerer Fall von Crack The Skye-Syndrom. Später mehr dazu.














2 Comments:
Ironbound kenn ich, hab ich, mag ich! Lustmord passt zum Stalker-Soundtrack...
Ich habe letzte Woche erstmal WORLD PAINTED BLOOD für die Autobahn nachgekauft. Sehr fein.
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