Von prophet am Donnerstag, Mai 20, 2010 um 17:28

Hört, Hört!

Annihilator - Annihilator [2010] []
Durch die Insolvenz von SPV verzögerte sich das kürzlich auf Earache erschienene, selbstbetitelte Album Nummer 13. "Annihilator" reiht sich irgendwo zwischen Waking the Fury, All For You und Carnival Diabolus ein. Großes Schmuckstück des Albums ist der siebenminütige Opener "The Trend" und als Überraschung gibt es mit "Romeo Delight" ein Van Halen Cover. Songs wie "Ambush" und "Coward" greifen das wahnsinnig hohe Tempo von Waking the Fuy auf, während "25 Seconds" der dicke Midtempo-Stampfer ist. Also alles gut? Leider nicht. "Payback" und "Nowhere to Go" sind bloßes Füllmaterial - und die Produktion bügelt sowohl die Gitarren als auch Dave Padden so glatt, dass es die Qualität des Albums tatsächlich schmälert. Insgesamt ein gutes Album, das jedoch kaum aus dem bisherigen Katalog heraussticht.


Woburn House - Monstrous Manoeuvres In The Mushroom Maze [2009] []
Irgendwo auf halber Strecke zwischen Pelican & Co, Ambient-Stoner-Gedröhne und dieser überfüllten Post-Rock Ecke bewegen sich die größtenteils instrumentalen Woburn House. Es fällt mir furchtbar schwer, sie genau zu kategorisieren, denn "Oil" hört sich an wie von Pelican, "Transformer" beginnt wie ein Song von Taake, "Transmitter" klingt wie Russian Circles...und irgendwie geht das Gemisch ganz hervorragend auf. Die Herren aus Bonn finden das ideale Gleichgewicht aus Entspannung, Melodik und Progressivität zu Straffheit und Dynamik. Auf diesem Album befinden sich ausnahmslos gute Songs. Es gibt so viele Band, die versuchen, diese Musik zu machen, aber Woburn House kriegen es hin. Empfehlenswert.


Earth - HEX Or Printing in the Infernal Method [2005] []
Wem Woburn House zu viele Töne beinhalten und wer denkt, dass Musik spärlich eingesetzt werden sollte, wird Earth lieben. Die Mit-Erfinder des Drone spielen klare, minimalistische, warme Musik ohne Sänger oder Songstrukturen. Dieser verlorene, ruhige, langsame, entspannende Klang ist absolut perfekt wenn man morgens aufsteht, sich halb bewusst- und komplett lustlos ins Auto schleppt und zur Arbeit gurkt. Ein Antippen des Schlagzeuges, lang ausklingende Gitarren, helle Töne über vibrierendem Bass. Und wieder ein Beispiel für Musik, die alles das richtig macht, was abertausende von Post-Rock Bands versuchen. Ganz einfach: Tipp für jeden. Halbe Lautstärke und ohne Kaffee durch die Scheibe starren. Guuuuuuuut.


Augury - Concealed [2004] []
Technical Progressive Death Metal ... IM WELTRAUM! Augury aus Kanada bemühen sich, dem Grunzen, Ballern, Schreddern und Frickeln irgendwie Anspruch zu verleihen. Als Methoden dieses noblen Unterfangens dienen mehrstimmiger Klar-Gesang (der irgendwie ein wenig an Ihsahn erinnert), phasenweise sehr melodische Gitarren-Leads, in einigen Songs ("In Russian Dolls Universes") sogar als opernhaft angedachter Weiber-Gesang! Der Erfolg dieses Ansinnens hält sich in Grenzen - dieses Album wird eher die ansprechen, die extrem kompliziertes Gitarren-Gewichse mit unterliegendem Geballer hören, als die pseudo-intellektuelle Prog-Nische. Kein wirklich schlechtes Album, aber die Qualität der Songs schwankt einfach zu sehr, um wirklich zu überzeugen. Schade, sind doch Perlen wie "Cosmic Migration" dabei.


Sadus - Out for Blood [2006] []
Nach satten neun Jahren Ruhepause veröffentlichten die Extrem-Frickel-Trasher um Bass-Obergott Steve DiGiorgio "Out for Blood". Der Opener "In The Name Of..." macht zunächst richtig Mut, denn die Kalifornier tun das, was sie am besten können: Tempo auf Anschlag, technisch unfassbares Gefummel an Gitarre wie Bass, dazu Darren Travis, der sich die Lunge aus dem Leib keift. Der Rest des Albums kann leider nicht mithalten, da die Herren zu oft auf Nummer Sicher gehen, auf Teufel komm raus catchy sein wollen und so plumpe Songs wie "Smackdown" abliefern. Positiv im Verlauf des Albums fällt fast nur "Sick" auf. Insgesamt ein besseres Album als "Elements of Anger" (was keine Leistung ist), aber leider weit entfernt von den Großtaten der ersten beiden CDs. Jungs, das könnt ihr besser.


Die "Kenn ich nicht" / "Mag ich nicht"-Kommentare sind hiermit freigegeben.

4 Comments:

Blogger laratierchen sagte...

Bääääh. Kenn ich nicht und mag ich auch nicht. *das ganze eröffne* (Wobei sich der Satz irgendwie gegenseitig ausschließt)
Nee, Spaß beiseite. Werd mir die Sachen mal anhören. Die Beschreibungen klingen echt gut. Vor allem Augury.

20.05.2010 20:22:00  
Blogger Madse sagte...

Durchaus ein paar gute Sachen dabei. Bei Earth ist mir eindeutig zu wenig los. Hat aber trotzdem was, kann ich nicht abstreiten. Augury klingt von (sub) Genre her erstmal scheuslich, kann aber ueberzeugen. Sicherlich bei jedem Durchlauf was neues. Sadus geht so.
Hast du wiedermal richtig tolle Sachen rausgekramt. Die neue Exodus-Scheibe schon gehoert?

21.05.2010 12:29:00  
Blogger Darth Puma sagte...

Ich oute mich mal wieder nichts zu kennen. Aber die Cover finde ich immer aufs Neue interessant. Die sind so auffallend anders als der übliche Quatsch. Wobei ich mich beim ersten Blick auf "Annihilator" an diesen Säugling von Rammstein erinnert fühlte.

22.05.2010 14:13:00  
Blogger PropheT sagte...

@Madse: Nein noch nicht.
@Puma: Was ist denn "der übliche Quatsch"? Rapper mit Knarren, Geld und Bitchez?

22.05.2010 22:52:00  

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