Von prophet am Donnerstag, Juni 03, 2010 um 18:52

Shred lass nach

Nevermore - The Obsidian Conspiracy [2010] []
Der Vorgänger "This Godless Endeavor" brauchte ein Weilchen und entwickelte sich dann zu einem absoluten Highlight modernen, intelligenten Metals. Nach diversen Solo-Alben bringen Nevermore nun ein neues Album raus und der erste Eindruck ist alles andere als positiv. Seltsam uninspiriert und nicht ansatzweise so mitreißend wie zuletzt klingen sie. Objektiv ist nichts an diesem Album falsch: Die Produktion ist solide, Jeff Loomis ist der technisch beste Gitarrist der Welt und Warrel Dane singt mit enormem Einsatz, aber irgendwie zünden die Songs nicht, trotz oft kompakter Strukturen wie etwa in "Your Poison Throne". Vielleicht ist es wie mit ihren letzten Alben: Es braucht eine Weile, um seine Klasse zu entfalten. Wenn nicht, ist "The Obsidian Conspiracy" ihr schwächstes Release seit "Dreaming...".


Howl - Full of Hell [2010] []
Die Herren von Relapse Records hatten einen Song dieser Kapelle auf ihrer offiziellen Youtube-Seite. Wenn die Musik die Howl auf ihrem Debüt spielen viel progressiver wäre, ich würde behaupten, dass ich mir genau so den Blue Record gewünscht hätte. Dem Katalog von Relapse entsprechend spielen die Amis zentnerschweren Sludge Metal irgendwo zwischen "Remission" von Mastodon, "Two" von Baroness und "Time Will Fuse Its Worth" von Kylesa. Kurzum, das ist genau die Musik die ich hören will. Sänger Vincent Hausman röhrt, die Riffs drücken den Hörer in den Sitz und die treibenden Drums verleihen den Songs Dynamik. Zwar klingen Howl mehr nach einer Mischung von bekanntem als nach etwas wirklich originellem, aber die hohe Gesamtqualität dieses Albums macht das wett. Geil, dringlicher Geheimtipp.


Electric Wizard - We Live [2004] []
Misst man Howl noch in Zentner, muss man bei den britischen Electric Wizard wohl in Tonnen rechnen. Vier Jahre nach ihrem Album "Dopethrone", an dem sich heute absolut jedes einzelne Stonerdoom-Album erfolglos messen lassen muss, erschien "We Live". Gemächlich geht es zur Sache, irgendwo zwischen Rock und Metal, mit Bässen und Gitarren, die danach schreien, die Lautstärke der Boxen des Hörers auszutesten. Soweit, so bekannt, doch auch überraschend flotte Songs wie "Another Perfect Day" machen sich durchaus gut im Gesamtbild. Leider liegen der CD keine Drogen bei, um den maximalen Effekt zu erzielen. Unter'm Strich ist "We Live" ein tolles, vitales Album, aber leider nicht von dem absolut wahnsinnigen Kaliber, das "Dopethrone" hatte - trotzdem auf jeden Fall zu empfehlen.


UNKLE - War Stories [2007] []
Nach dem ziemlich Trip-Hop lastigen aber wahnsinnig guten "Psyence Fiction" war ich überrascht zu hören, wie Rock-artig das 2007er Album der Herren Lavelle und Goldsworthy ausgefallen war. Natürlich geht es hier um poppige Electro-Musik mit Gitarren, trotzdem ist es hörbar. Mit oder ohne Gäste wie Josh Homme oder dem Typen von Massive Attack wirken viele der Songs wie für Trailer und Filmszenen geschrieben. Warum dieses Album aber bei Weitem nicht so gut wie das Debüt ist, ist, weil die Songs zu durchschnittlich sind. Psyence Fiction war "extremer" mit sehr schönen, sehr getragenen, sehr coolen, sehr trockenen Songs. Hier gibt es durschnittliche Songs und es mischt sich alles eher zu einer homogenen Electro Rock Pop Alternative Masse. Es ist einfach nicht so spannend. Schlecht ist es deshalb aber nicht.


The Exploited - Death Before Dishonor [1987] []
Wer die modernen The Exploited kennt (und das sollte man), wird sich gewaltig wundern. Vor den genialen "Fuck the System" und "Beat the Bastards" und dem vorzeigbaren "The Massacre" spielten die immer wieder wechselnden Herren um die Konstante Wattie noch richtigen Punk, bevor sie mit dem Metal-Crossover anfingen. "Death Before Dishonor" war das letzte Album der reinen Punk-Zeit (und nicht das erste der Metal-Mischzeit, so meine Diagnose), was sich in der Länge der Songs, der Produktion und natürlich dem Klang niederschlägt. Es ist wirklich etwas anderes, aber immer noch gut. Dreckiger und ein bisschen weniger mit-dem-Arsch-ins-Gesicht als auf ihren kontemporären Alben, aber es sind immer noch The Exploited. Eine Gelegenheit für jeden, der mit Punk noch The Offspring und Blink 182 assoziiert.

1 Comments:

Blogger laratierchen sagte...

Schon wieder ein paar gute Sachen, die ich mir öfter anhören werde :)

03.06.2010 21:51:00  

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