C.J. Cherryh - Die letzten Städte der Erde
In jugendlichem Leichtsinn lässt man sich schnell locken von einem Buch, weil es auf dem Titelbild coole Flugzeuge, schwarze Pyramiden und die Aufschrift "Science Fiction" hat. Der Titel verspricht dystopische Endzeitstimmung, auf der Rückseite lautet die Prämisse: "Die Menschen sind zu den Sternen hinausgezogen, haben die Planeten der Galaxis besiedelt und ihre Kolonien gegründet. Den meisten ist die Erde, die Wiege der Menschheit, nur eine Legende, das nostalgische Symbol für eine Zeit der Jugend, die längst vergangen ist. Aber es gibt sie noch, die Erde - unter einer Sonne, die allmählich erlischt. Und auch die Städte - Paris, London, Moskau, Rom, New York, Peking. Sie sind völlig anders geworden, und doch haben sie sich ihren Charakter über zahllose Jahrtausende hinweg bewahrt."
Das Buch aus dem Jahre 1981 ist aufgeteilt in sechs Kurzgeschichten, die sich jeweils um eine der oben genannten Städte dreht. Von Fiktion kann die Rede sein, von Science aber keinesfalls, denn von dem Sternenfahrertum und überhaupt von Technologie ist praktisch nichts zu spüren, so dass die Kategorisierung sehr fehlplatziert wirkt. Auch die "sterbende Sonne" wird ab und zu beiläufig erwähnt, ansonsten hat es damit keinerlei Bewandtnis. Ein kurzer Überblick der Handlungen:
Paris
Menschen werden nach ihrem Tod wiedergeboren, und so leben im abgeschotteten Paris die jahrhundertealten Seelen der Menschen in neuen Körpern weiter. Als tatsächlich einmal ein "neuer" Mensch geboren wird, verliebt er sich in eine der (geistig) Ältesten der Stadt und geht einen Packt mit dem Tod ein (in Frankreich ist der Tod eine Frau).
London
Die naive Geliebte des Bürgermeisters von London wird von ihm in den Tower gesperrt, weil sie unter Verdacht steht, geheime Dokumente geklaut zu haben. Dort wird sie von Geistern aus verschiedenen Zeitaltern besucht.
Moskau
Ein Jäger begegnet in der verschneiten Weite kurz vor den Toren der (inzwischen komplett aus Holz bestehenden) Stadt einem weißen Wolf. Zu Hause angekommen, verfolgt die Erinnerung an das mystische Tier ihn im Schlaf, bis es ihn schließlich in den Wahnsinn treibt.
Rom
Diese Handlung habe ich nicht ganz verstanden. Der Römische Kaiser ist ein Kind, zu dessen Belustigung Sklaven in einen Traumzustand versetzt werden, innerhalb dessen der Adel diese Menschen jagen kann. Eines Tages kommt aber ein Sklave, der sich im Traum in einen mächtigen Drachen verwandelt (oder so) und schließlich die Jagd-Gesellschaft des Kaisers besiegt.
New York
Die einzige Geschichte ohne Gespenster und mit Technologie. New York ist zu einem Gewirr aus riesigen Türmen geworden, dessen Spitzen so hoch sind, dass die Techniker, die oben die Wartung an der Stadt durchführen, wie Bergsteiger hinaufklettern müssen. Eine solche Gruppe von Mechanikern wird bei einem zwielichtigen Job von einem der großen Konzerne hintergangen - der einzige Überlebende des Trupps beschließt, sich zu rächen.
Peking
Chinesen werden von den Hunnen belagert. Kurz vor den Toren der Stadt offenbart dann der steinalte Kriegerfürst, der die verschiedenen Clans unter sich vereint hat seinem Ziehsohn, dass sie wiedergeborene Seelen sind, die sich schon früher aufmachten, die Welt zu erobern.
Bis auf die New Yorker Geschichte ist keinerlei Futurismus zu finden und die ständige Beschäftigung mit Geistern und Wiedergeburt bietet eher die Kategorisierung "Fantasy" an. Zudem fand ich bis auf die New Yorker und Londoner Geschichte alles äußerst uninteressant, die Charaktere belanglos und den Schreibstil trivial. Vielleicht tue ich der Autorin unrecht, aber anhand dieses Buches würde ich mir vornehmen, nie wieder etwas von ihr zu lesen. Ich schätze, "Beurteilen Sie ein Buch nicht nach seinem Einband" hat wieder zugeschlagen.
Im übrigen habe ich mir vorgenommen, "Atlas Shrugged" zu lesen. Im Original. Habe ein wenig Angst, kommt es mir doch wie Selbstgeißelung vor.














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