Von prophet am Sonntag, Januar 31, 2010 um 17:50

Die Zukunft

Es ist Ende Januar 2010 und die sonstwie geartete Apokalypse lässt weiterhin auf sich warten. Die Zivilisation und überraschenderweise auch der Kapitalismus stehen noch und angesichts ihrer Zwänge muss ich mich wohl dem Druck beugen und irgendwie ein bisschen Geld verdienen. Dabei hatte ich immer drauf gesetzt, dass Sarah Conner Recht hatte. Mist. Definitiv ist: Ab morgen werde ich dort, wo ich bereits zu Beginn des Monats in Praktikum ging, eben dies dauerhaft fortsetzen. Wahrscheinlich ist: Dies werde ich ein sattes halbes Jahr lang tun. Möglich ist: Dort werde ich dann im Anschluss an die Tätigkeit als Kohlenschipper, Kartoffelschäler und Hangarausfeger in Ausbildung gehen. So richtig drei Jahre mit allem drum und dran. Was mit Kompuhter. So sieht's aus.
Ich stehe somit wieder am Ende eines der Abschnitte meines Lebens. Um es in einem anschaulichen, mathematisch einwandfreien Koordinatenkreuz zu visualisieren, bitte hier klicken.

Wir befinden uns beim orangen Kreuz. Der rote Graph stellt meine Lebensqualität dar, der blaue meine Intelligenz, der grüne Debian.

Die Zeit zwischen Schule und Arbeit war eine gute, vielleicht die beste, entsprach sie doch fast allen meiner Vorstellungen von einem annehmlichen Leben, aber sie ist jetzt vorbei, unfreiwillig. It is time for me to live up to my family name and face full life consequences! Daraus resultiert dann leider auch, dass ich weniger Zeit für die Intertubes und somit auch für A World To Come haben werde. Ich hoffe, dass ich trotzdem irgendwie die Zeit finde, hier mindestens einmal die Woche etwas zu schreiben. Es wird eine anstrengende, unangenehme Zeit, als Working Class Hero. Aber ich fürchte, ich komme nicht drum herum.

Von prophet am Freitag, Januar 29, 2010 um 19:43

Mit Geld bewerfen

Es mögen unqualifizierte, amateurhafte Gedanken eines Zivilisten sein, doch ich kann mich ihrer nicht erwehren. Die Bundesregierung stellte vor einigen Tagen die Idee vor, die berühmten "gemäßigten" Taliban (man erkennt sie am großen "Gemäßigt"-Aufkleber am Hinterkopf) mit Geld zu locken, ein Aussteigerprogramm zu starten und so nach und nach den Taliban die Leute wegzukaufen.
Es ist erfreulich zu hören, dass man darüber hinaus ist, zu glauben, dass alle Taliban religiös motivierte Fanatiker sind, sondern vielmehr Menschen, die in niedrigen Rängen durch Geld und Druck, in hohen Rängen zudem von politischer Macht und Einfluss angetrieben werden. Jedoch habe ich weiterhin Zweifel an der Effizienz der Pläne der Bundesregierung. Die Männer, die für Geld als Taliban in den Kampf ziehen, um ihre Familien zu ernähren, lassen sich vielleicht auf das "Resozialisierungs"-Programm ein, die hochrangigen Taliban aber, die Kommandeure, die, die was zu sagen haben, lassen sich nicht einfach so aus ihrem Rang und dem damit verbundenen Ansehen kaufen, so dass in der Realität nur "Fußvolk" abgeworben werden kann. Man bekämpft so vielleicht die Symptome, aber nicht die Ursache, geht es doch darum, eine dauerhafte Perspektive zu eröffnen. Außerdem bin ich sicher, dass die wirklich bedeutenden Taliban, die "Generäle", um einen westlichen Begriff zu verwenden, keine Geldsorgen haben. Ein Beispiel sei die Bin Laden Familie, die internationale Geschäftsbeziehungen unterhält und sicher nicht auf die Almosen der Deutschen angewiesen ist.
Selbst wenn man nun die niedersten Schichten von Taliban-Kämpfern abwerben will, um ihnen durch finanzielle Unterstützung eine neue Option zu bieten, sehe ich folgende Problematik: Man stelle sich den ersten Mann vor, der das Angebot annimmt und am nächsten Tag nicht mehr morgens auf der Matte steht um sein Terror-Training in der lokalen Splittergruppe zu absolvieren. Das fällt doch auf! Viele derer, die den Taliban beitreten, werden unter Druck gesetzt und erpresst. Wie soll es erst denen gehen, die dann zu den westlichen Teufeln überlaufen? Ich glaube nicht, dass es bei den Taliban gut angenommen wird, wenn man als einer ihrer Infanteristen eines Tages dem Ausbilder seine schriftliche Kündigung auf den Tisch knallt. Kurzum: Wenn man aus deren Reihen austritt, ist man doch sicherlich als "Verräter" besonders im Fadenkreuz. Dazu gehört eine Menge Wagemut, den, so glaube ich, viele dieser Menschen nicht aufbringen können. Insofern denke ich, dass dieses Programm gar nicht erst richtig anlaufen wird.
Ich sage ja nicht, dass ich eine bessere Idee hätte. Aber diese Menschen einfach nur mit Geld zu bewerfen und zu hoffen, dass sie dann friedlich sind, zeigt in meinen Augen nur die Hilflosigkeit der Bundesregierung. Wie in Filmen, wenn wohlhabende Leute attackiert werden. "Hier, nehmen Sie das Geld, aber tun Sie mir nichts!".

Von prophet am Mittwoch, Januar 27, 2010 um 12:36

Dufte, Knorke, Fetzig

Im Folgenden: Auszüge aus einem "coolen" Text, der einer Stellenanzeige für einen Ausbildungsplatz zum Mediengestalter beilag. 

"Eine gute Voraussetzung wäre ein sauberer Realschulabschluss mit der Glanznummer in Deutsch – aber alle anderen "Dudens" und "Einsteins" sind auch aufgerufen, ihren "Handschuh" in den Ring zu werfen."
"Der "Knaller" sind Sie, wenn Sie schon Grafik- und Bildbearbeitungsprogramme drauf haben..."
"Mit Word, Excel, Internet sind Sie innig verbunden, die flutschen Ihnen aus den Fingern."
"...Führerschein, denn die Bahn tuckert nur alle Stunde."
"In die Wiege gelegt hat man Ihnen die Freude und den Spaß am Umgang mit Menschen..."
"Fühlen Sie das Kreative in sich brodeln? Schwappt Ihre Kreativität über? Dann sind Sie schon hart am Wind!"
"Und jetzt kommt es: Von Anfang an werden Sie voll eingebunden..."
"...ganzen Einsatz (halbe Sachen gibt es hier nicht). Eigenschaften, wie langsam, nicht stressfest, keine Flexibilität (hier tobt der Bär), Unbeweglichkeit, Unpünktlichkeit, Sturheit und zu viel Sensibilität - gehen hier gar nicht. Wenn Sie so sind fliegen Sie "aus der Kurve"!"
"Sie haben eine schnelle Auffassungsgabe (also plietsch),
[...] und anpackend (wo steht das Klavier)..."
"Noch etwas zu Ihrer Vorgesetzten:
[...] Ruhig, motivierend – aber wenn Sie sich dösig anstellen, erhalten Sie den Druck (und das sehr bestimmt)..."
"Und eine Bitte: Nicht so ein heute übliches "triefendes" Bewerbungsschreiben, sondern schreiben Sie mit Ihren Worten..."


Und mit Hip Hop kennen wir uns auch aus, wir haben alle Vanilla Ice Platten! Voll "korrekt", Dicker! Jo! Im Ernst: Nichts dagegen, wenn man als Unternehmen etwas lockerer und moderner erscheinen möchte, aber ich muss mich fragen, wer a) so etwas verfasst und als gut befindet und wer b) so etwas dann liest und sich denkt, dass er in einem solchen Unternehmen arbeiten möchte. Noch ist die Stelle offen. Ihr, liebe Leser, könnt also noch euren jetzigen Job hinschmeißen und euch stattdessen dort bewerben! Lässig!

Von prophet am Samstag, Januar 23, 2010 um 18:12

WEPON

//Dachte, nur Apple-Kunden würden in ihrer Skype-Ausgabe Desktops streamen können. Ist jedoch in beide Versionen ab einer bestimmten Version implementiert, also Update installiert. Stellte sich dann heraus, dass Skype nicht in der Lage ist, mein BBClean zu übertragen. Schade. Von BBLean gibt es indessen auch neuere Versionen, die ich aber nach kurzem Testen als ungut befand und bei meinem BBClean blieb.
//Nicht nur Hugo Chavez kritisierte den Einsatz amerikanischer Soldaten auf Haiti (das ich seit Tagen nur noch als "Heidi" ausspreche) als imperialistische Besatzung, ohne dass Venezuela bemerkenswerte humanitäre Hilfe geleistet hätte, auch die ultra-konservativen Radio- und TV-Moderatoren, die für die Republikaner auch außerhalb der Wahl-Jahre die Propaganda-Trommel rühren, wüten, dass Obama nur aus dem Interesse, sich bei der afroamerikanischen Bevölkerung beliebt zu machen, Hilfe nach Haiti senden würde. Hätte Bush dies zu seiner Amtszeit getan, er wäre von Fox und Co. als der große Samariter dargestellt worden. Geschmacklos.
//Heise meldet: Der Papst ruft die Kirche dazu auf, das Internetz und seine modernen Kommunikations-Wege zu nutzen, um das Wort Gottes zu verbreiten und junge Menschen zu bekehren. Freue mich schon auf die "Mein Sohn, ich möchte mit dir über Gott reden"-Spam Mails. Vielleicht eine nette Abwechslung zu dem, was sonst immer kommt. Scheine irgendwie gute Connections zu den seriösesten Viagra-Händlern der Welt zu haben. Also wenn wer Viagra braucht, einfach Bescheid sagen.
//Wepon. Wepon. We-e-pon. -pon. -pon. Wepon. Wepon. Wepon. We-we-pon. -pon. Wepon. Wepon.
//Was ist eigentlich aus Half Life 2 - Episode 3 geworden? Bis auf zwei wenig aussagekräftige Artworks und Gerüchte ist bisher nichts erschienen. Dabei ist Episode 2 schon gute zwei Jahre alt (!). Es verliert so schrecklich an Relevanz. Stattdessen entwickelt Valve Left4Dead Teil 1 UND 2, was sicher nicht schlecht ist, aber ich wünsche mir doch sehr, dass sie bald den dritten und letzten Teil der Episoden veröffentlichen. Das ist nämlich der Sinn des Episoden-Konzepts. Kurze Spiele, die dafür regelmäßig erscheinen.

Von prophet am Freitag, Januar 22, 2010 um 21:36

Thrash, technisch gesehen

Sadus - Swallowed in Black [1990] []
Zwei Jahre nach "Chemical Exposure" veröffentlichten Sadus ihre zweite LP - zwar ballerte man weiterhin aus allen Rohren, jedoch hatten die Kalifornier ihren Stil ein wenig verfeinert. Ein wenig koordinierter erscheint das extreme Gefrickel und Gitarren/Bass - Gewichse, wodurch es nicht ganz so schnell zündet wie das Vorgängeralbum, aber nach einem gewissen Einhören mindestens genau so beeindruckend ist. Steve DiGiorgio spielt seinen Bass, wie engagierte Gitarristen es nie in ihrem Leben mit ihrer Gitarre schaffen werden und die elf Songs peitschen mit einer Technik und einer Aggressivität voran, dass selbst Slayer dagegen schlicht wirken. Ein von vorne bis hinten beeindruckendes Album, das zeigt, wie gekonnt man musikalisches Vermögen und extrem schnelle, harte Songs miteinander verbinden kann.


Coroner - Punishment for Decadence [1988] []
Dass die Schweitzer Coroner mal Roadies für Celtic Frost waren, hört man Sänger Ron Royce und einigen Breaks durchaus an - das klingt doch ein wenig wie Frost - insgesamt sind Coroner aber wesentlich technischer und fummeliger als das große Vorbild. Die Komplexität der Gitarrensoli ist beeindruckend und kann durchaus mit der von Sadus mithalten, sie kommen jedoch weniger aggressiv, bedachter daher, was auch daran liegen mag, dass das Gaspedal nicht pausenlos durchgetreten wird. Auch wenn die Produktion etwas flach ist: Die Präzision des Spiels kommt gut rüber und einige Songs bieten durchaus catchy Refrains. "Skeleton On Your Shoulder" schaffte es erst kürzlich in den Soundtrack von Brütal Legend. Wieso diese Band so untergegangen ist - ich kann es mir angesichts dieser Leistung an der Gitarre nicht erklären.


Toxik - Think This [1989] []
Während Sadus ein wenig wie Death klingt und Coroner einen Hauch von Celtic Frost mit sich bringt, pendelten Toxik eher in Richtung Power/Heavy-Metal, was vor allem am hohen Gesang von Charles Sabin liegt, der, wenn man es gut meint, an Rush erinnert, wenn man es böse meint, an Grim Reaper denken lässt. Im Unterschied zu Letzteren boten Toxik jedoch eine technisch fähige Instrumentalabteilung, wo sowohl Gitarre als auch Bass ein in den Strophen tightes und in den Soli komplexes Spiel abliefern. Im Gegensatz zu Sadus haben Toxik auch ihre ruhigen Momente, die trotz aller melodischen Gitarren und Falsett-Gesang immer noch nicht so gay sind wie Dream Theater. Eine weitere Band, die trotz technisch beeindruckender Musiker und einiger wirklich guter Songs irgendwie in der Versenkung verschwunden ist.

Schon wieder Musik? Jaja, ich weiß. Aber im Moment fällt mir nicht so Recht ein, was ich schreiben soll. Gibt so bald wie möglich etwas anders als tolle Alben, die aber niemand außer mir mag.

Von prophet am Mittwoch, Januar 20, 2010 um 23:50

Brummer

SUNN O))) - Monoliths & Dimensions [2009] []
Es hieß, dies würde das "most musical" Album der Drone Doom Kolosse werden, was nicht zuletzt an den beachtlichen Mengen an Gastmusikern wie Hornbläsern oder Chören liegt. Im Vergleich zum Black One fällt auf: Es klingt nicht mehr so böse, kalt und schneidend. Auch wenn "Big Church" mit seinem Choral-Gesang und den verzerrten Sprach-Spuren verdammt fies ist, insgesamt ist "Monoliths..." mehr 'bombastisch' denn erdrückend. Überrascht hat mich "Alice", das zwar wie alle anderen Songs von SUNN auch primär aus Brummen besteht, aber mit den Bläsern eine Majestät erreicht, die einem langsamen, heavy Theme von John Williams für einen Superheldenfilm gleichkommt. SUNN werfen ihren Stil nicht über den Haufen, sondern bauen darauf auf und kriegen es hin, das düstere Gedröhne zu Musik zu machen. Gutes Album.


Zoroaster - Voice of Saturn [2009] []
Irgendwo zwischen Ambient-durchsetztem Doom und Sludge schlingern die Amis von Zoroaster. Vielleicht kann man sie mit Ufomammut vergleichen. Tempo muss man nicht erwarten, dafür aber Groove. Die recht simplen Songs reichen dabei von Metal (Lamen Of The Master Therion) über Rock (Spirit Molecule) bis Ambient (Voice of Saturn), was zwar nach Abwechlsung klingt, aber letzten Endes ein homogenes Klangbild abgiebt. Spannend sind Zoroaster dabei leider nicht, denn dafür fehlt es der Musik an Raffinessen oder dem Punch, den etwa High On Fire liefern. Ob man für fünf Songs wirklich ein Intro und ein Outro braucht? Insgesamt ein annehmbares Album, das jedoch nichts gut genug macht, um sich gegen Vergleichswerke wie "Snail King" von Ufomammut, geschweige denn "Dopethrone" von Electric Wizard behaupten zu können.


Kreator - Extreme Aggression [1989] []
Auch wenn die Aussage doof ist: Es macht Sinn, dass dieses Album so klingt. Zwar hatten Kreator sich nach dem Schlachtfest, das "Pleasure to Kill" war entwickelt, aber sie waren noch nicht in dem Stadium angekommen, in dem es möglich war, etwas so großartiges wie "Coma of Souls" zu schreiben. So stellt "Extreme Aggression" das letzte Album ihrer ersten Phase dar, was so viel heißt wie blitzschnelles, trockenes, aggressives Riffing, Milles Keifen und jeder Song ist ein Peitschenhieb, der den Hörer wach hält. Auch wenn die Entwicklung zum nächsten Album hin beachtlich ist, bietet "Extreme Aggression" einige Klassiker des Kreator-Repertoires, allem voran natürlich Betrayer! Wer Kreator vor ihrer Experimental-Phase hören will, sollte sich wohl "Coma of Souls", dann "Pleasure To Kill" und dann dieses Album anhören.

Von prophet am Sonntag, Januar 17, 2010 um 22:14

Eindeutig

Ich habe heute seit genau vierzig Jahren jede einzelne Nacht wieder den selben Traum, aus dem ich schreiend aufwache. In meinem Traum sitzt Forrest Gump auf dieser weißen Parkbank, in diesem weißen Anzug, mit dieser Schachtel Schokolade. Nur ist es nicht Tom Hanks, sondern Rasputin. Ein Baum geht mit seinem Hund spazieren, der ein Kind beißt. Dann guckt Rasputin als Forrest Gump nach oben und sieht Wolken, die sich ungewöhnlich schnell verformen und das Gesicht von Andrea Nahles bilden. Sie guckt Rasputin auf seiner Parkbank an und sagt: "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, was?". Daraufhin sagt Rasputin mit tiefer Stimme: "Ja. Man gibt es einer Frau. Und dann wird sie fett.". Andrea Nahles von der SPD in den Wolken findet das nicht lustig und fängt an zu regnen. Ein Kind fällt von seiner Schaukel. Dann streicht sich Rasputin den Bart glatt und redet ausführlich darüber, dass Vladimir Putin Batman sein könnte, wenn er nur wollte. Er habe die dafür nötige Ausbildung vom KGB erfahren und habe das Geld, um es zu realisieren. Außerdem könne er, wie Batman, seine wahre Identität dafür nutzen, um an Informationen zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Ein Kind fährt mit seinem Dreirad in einen Graben. Der Kopf von Andrea Nahles von der SPD in den Wolken dreht sich indessen um 360 Grad. Rasputin steht dann auf, guckt nach unten und übergibt sich, wobei ein Regenbogen aus seinem Mund kommt, der so starken Druck entwickelt, dass er Rasputin nach oben katapultiert, mitten in das Gesicht von Andrea Nahles von der SPD in den Wolken. Ein Kind stolpert und fällt hin.
Dann wache ich schreiend auf. Kann mir jemand diesen Traum deuten? Sämtliche Psychiater sagen, ich wäre verrückt, aber die sind doch selber alle krank, jawohl.

Von prophet am Freitag, Januar 15, 2010 um 23:58

Frauen und Technik(er)

Ein Szenario. Drei Personen befinden sich in einem Büro. Dramatis personæ: 1. Eine attraktive, sehr freundliche Dame, etwa Mitte Ende 20, mit sehr angenehmer Stimme, an separatem Computer sitzend. 2. Prof. Dr. Dr. Prof. Dipl. Genius Sensei Großmeister Server und Networking sowie 3. Ich arme Wurst, beide damit beschäftigt, etwas Administratives am Netzwerk zu tun. Die junge Dame fragt den Prof. Dr. Kompooder, ob er ihr bei etwas helfen könne. Sie habe da ein Lied, das sie seit langem auf ihre Profil-Seite einer inzwischen im Verfall befindlichen Web 2.0 Plattform hochladen wolle, aber es einfach nicht hinkriege. Wenn sie das Lied hochladen wolle, würde er (der Computer) immer eine Fehlermeldung geben, dass sie eine Musikdatei auswählen müsse. Der Networking-Elder-God nickt, guckt nachdenklich, hat davon aber keine Ahnung, setzt der Dame einige unverbindliche Sätze vor und arbeitet weiter.
Mein Gehirn setzt ein. Neurosen, Gravitation und Signalstoffe setzen sich im Kopf in Bewegung. Sherlock kombiniert. In einem Moment, in dem die administrative Tätigkeit daraus besteht, Ladebalken anzuglotzen, schleiche ich mich zu der jungen, attraktiven Frau herüber. Ich bemühe mich, meine häßliche Fratze ansatzweise zu einem charmanten Lächeln zu verzerren, versuche, eine angemessene Stimmlage einzustellen und traue mich nach kurzem Luftholen, die Dame anzusprechen. Oh Gott Oh Gott versau es nicht. Ob es sein könne, dass sie versucht habe, die Datei direkt von der CD hochzuladen. "Ja", sagt sie. Das ist ein Bingo! Ich erkläre ihr kurz und verständlich, dass die .cda Files auf der CD nicht das sind was sie braucht, und dass sie das eigentliche Lied erst auf den PC ziehen müsse, um es auf jenes Internetportal hochzuladen.
Einige Minuten später hatte sie den Song (es stellte sich als Son of a preacher man heraus) als 128kbit WMA auf ihrer Festplatte und etwas später dann auch auf ihrer Profilseite. Sie war hellauf begeistert. Freudig dankte sie mir vielfach. Meine weiße Rüstung gleißte im Licht meiner Awesomeness und Engels-Chöre sangen Halleluja. Der weise Meister nickte mir anerkennend zu. Sie war froh, den Song endlich hochgeladen gekriegt zu haben, das hätte sie jetzt schon ein Jahr lang versucht.

Ein. Jahr. lang. versucht. Ein. Jahr. 365 Tage. Ein. Fucking. Jahr. Wow.
Was mich daran bei kurzem Nachdenken so umwarf, war nicht, dass jemand auch noch so technisch unbedarftes so absurd lange dafür benötigt, sondern vielmehr, dass sich noch niemand ihrer angenommen hatte. Die Dame sah gut aus! Normalerweise, wenn eine Person solcher Natur den gängigen Computer-Fuzzi (Version 1, der Programmierer: Gekämmte Haare, Karo-Hemd, beige Hose bis in die Achselhöhle gezogen, immer Taschenrechner dabei | Version 2, der Systemintegrator: Lange Haare, bärtig, schwarzes T-Shirt mit Bandlogo, Jeans) anspricht und in einer solchen Stimme um Hilfe bittet, dann tut der das auch. Wenn eine auch noch schöne Frau mit samtiger Stimme einen IT-Typen flehend darum bittet, ihr doch bitte in Assembley eine RAM-Optimierungs-Routine zu programmieren, dann setzt sich der Dork ran und fängt an, zu coden wie ein Idiot. Und das ist auch der Grund, warum Frauen und Technik voneinander getrennt gehören. Nicht nur wegen der technischen Schäden, die sie anrichten, sondern auch aufgrund der Zeit, die verloren geht, weil man zu solchen Hilfe-Rufen einfach nicht 'Nein' sagen kann. Frauen und Technik nicht nur in unterschiedliche Subnetze packen, sondern physikalisch trennen. Liebe Herren, diese Ermahnung bitte merken, Liebe Damen, bitte sofort alles wieder vergessen und von IT-Typen fernhalten. Danke.


Dass sie ihre Web 2.0 Plattform auch erreichen konnte, ohne jedes Mal bei Google deren Namen einzugeben und den ersten Treffer anzuklicken, hatte ich ihr dann aber nicht mehr mitgeteilt. Irgendwann ist auch mal Schluss.

Von prophet am Sonntag, Januar 10, 2010 um 13:25

Ablenkungsmanöver

Jeder Schritt erzeugte ein widerhallendes Pochen in dem hohen Raum mit den dunklen Vorhängen an den großen Fenstern, als Frau Dr. Angela Merkel, Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, unruhig auf und ab lief und grübelte. Mal wieder. Über die Gegenwart, aber auch die Vergangenheit. Sie erinnerte sich an ihre Jugend zurück. An die Zeit als Pfarrerstochter in der DDR, die sie so sehr in der Rede vor dem amerikanischen Kongress betont hatte. Die anderen Mädchen in der sozialistischen Utopie hatten sich gar nicht sozial verhalten. Die kleine Angela war immer geschubst und gehänselt worden. Nur weil sie ein ganz kleines bisschen anders war. Jahrzehnte später war sie die Regierungschefin der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt, weil sie gelernt hatte, die eigene Persönlichkeit so dermaßen abzufeilen und Ecken und Kanten zu schleifen, dass sie aber auch wirklich überall gut ankam. So hatte sie es in die zweite Amtsperiode geschafft, nicht mit Profil, sondern grade eben ohne. Sie rief sich ihre eigenen Worte bei Anne Will ins Gedächtnis: "Mal bin ich liberal, mal bin ich konservativ, mal bin ich christlich-sozial." Und das hatte bisher auch immer funktioniert. Sie seufzte.
Auf einmal verlangten alle von ihr, dass sie ihren Führungsstil ändere. Charakter zeige. Die Gockel Seehofer und Westerwelle auf einen gemeinsamen Nenner bringe. Führungsqualität beweise. Ratlos blickte Frau Dr. Merkel aus dem Fenster. Schneeflocken fielen langsam vom grauen Himmel und trudelten dem Boden entgegen. Eine Metapher auf die Einzigartigkeit von Schneeflocken und Menschen formte sich in ihrem Kopf, wurde jedoch prompt verworfen. Sie brauchte jetzt eine Idee, wie sie verfahren soll. Persönlichkeit und Führungskraft bedurfte es. Ein Charakter musste her. Aber woher nehmen? Angela entschied sich, dass sie mehr Zeit brauchen würde. Aber wie die Leute hinhalten? Wieder ließ sie ihren Blick über Berlin schweifen, das unter einer dünnen Decke aus Schnee und Eis lag. Die Autos schoben sich langsam über die Straßen und die Leute gingen behutsam ihrer Wege, um nicht auszurutschen. Kleine, metaphorische Zahnrädchen begannen sich zu drehen. "Ditt isset!", sagte Frau Dr. Merkel plötzlich und schnippte mit den Fingern.
Mit großen Schritten trat sie an ihren mächtigen Schreibtisch aus schwarzem Marmor und kramte in den Schubladen. Nach einigem Gewühle zwischen irgendwelchen Handelsabkommen, Kaufverträgen über Tornado-Kampfjets und einigen Ausgaben der Computer Bild Spiele zog sie schließlich ein grau-blaues Muschelhorn hervor. Die Kanzlerin blies hinein und ein verstopft klingendes Brummen ertönte. Sofort hatte sie einen salzigen Geschmack im Mund. Sie legte das Muschelhorn zurück in die Schublade und wartete mit verschränken Armen. Nach einer halben Minute schwangen die großen Flügeltüren zu dem großen Raum auf und eine Gestalt trat ein. Der Wilde trug eine Holzmaske, an die bunte Federn geklebt waren, hatte diverse Lederriemen um seinen sehnigen, mit obskuren Symbolen bemalten Leib geschnallt und hatte einen Lendenschurz um. An seinen Füßen waren Sandalen vom Discounter. Die exotische Gestalt stand leicht krumm, kratzte sich mit einer Hand an den Genitalien und hielt in der anderen eine Kaffeetasse mit der Aufschrift "Monday sucks", aus der Dampf aufstieg. Der Buschmann glotzte die Kanzlerin schweigend an. Fliegen summten um seinen Kopf.
Frau Doktor Merkel räusperte sich und sagte: "Ughah-Krawumba! Schakka Schakka ui! Sching Schong Ding Dong Pala Wummpa Hubba Fluppa. Hubba. Boing! Tinga Tapu Papunga! Huiuiui!", was auf Buschmann so viel bedeutet wie "Einen Regen...äh, regen Schneetanz bitte.". Der Buschmann starrte kurz kommentarlos, dann zuckte er mit den Schultern und latschte an den Schreibtisch der Kanzlerin, wo er seine Kaffeetasse auf dem Koalitionsvertrag zwischen Union und FPD abstellte und einen brauen Ring auf dem Papier hinterließ. Schlurfend bewegte sich der Buschmann nun in die Mitte des Raumes, wo er einen Singsang anstimmte und rhythmisch aufstampfte. Sein exotischer Tanz steigerte sich zusehends, und schließlich sprang der Wilde extatisch auf und ab und schrie wie am Spieß. Als er fertig war, nickte er der Kanzlerin kurz zu, nahm seine Tasse und verließ den Raum wieder. Frau Merkel legte die Carmina Burana auf und stellte sich zu "O Fortuna" an ihr hohes Fenster. Wer genau hinsah, konnte erkennen, dass der Schnee langsam dichter wurde.

Zwei Tage später. Die ZDF-heute-Nachrichten beginnen. Petra Gerster begrüßt die Zuschauer und berichtet ausführlich darüber, dass es schneit. Der Zuschauer ist baff. Nach diesem spektakulären Aufhänger wird irgendwann in der Sendung auch noch erwähnt, dass irgendwer die Kanzlerin kritisiert habe, weil ihr Führungsstil zu schwach und profillos sei oder so. Nur die ganz aufmerksamen Zuschauer kriegen die Meldung überhaupt mit, weil die Schnee-Meldung zum Gespräch vor dem Bildschirm anregt. Frau Merkel sieht die Sendung auch und jubelt still und zurückhaltend.

Von prophet am Donnerstag, Januar 07, 2010 um 21:17

Sleep Debt

Ich stehe früh auf und habe zwischen 19:00 und 20:00 Schluss, insofern verbringe ich leider diese und nächste Woche kaum zu Hause. Ich lerne aber eine Menge Dinge. Zum Beispiel: Es überrascht einen doch, wenn man plötzlich ein Reh im Scheinwerferlicht hat. An Papier hat man sich schneller geschnitten, als man glaubt. Auch Katzen können schnauben. Windows 7 erkennt Joysticks tadellos. sftp auf Debian aufsetzen ist schwierig. Arbeit ist überbewertet, vor allem, wenn man nicht bezahlt wird. Ich habe scheinbar keinerlei Ahnung von irgendwas. Man lernt angeblich am besten, indem man Dinge tut, mit denen man maßlos überfordert ist. Und vor allem: Aabeit zieht Aabeit nach sich und IT funktioniert wie KotoR II.
Trotz meiner sehr knapp bemessenen Zeit am eigenen Computer konnte ich doch noch eine freudige Entdeckung machen: Die Herren von "Kowloon Walled City" spielen eine Mischung aus Sludge, Doom und Noise, der mir gefällt und, jetzt kommts, bieten ihr gesamtes Album "Gambling on the Richter Scale" und ihre EP "Turk Street" zum legalen Gratis-Download an! Geilomat! So ein Modell muss man unterstützen, also die CD und am besten auch gleich die Schallplatte kaufen! Auffi!

Von prophet am Sonntag, Januar 03, 2010 um 14:02

Karate Shit

Oh Gott nein. Erinnern wir uns noch an den Film "Karate Kid" von 1984, in dem Daniel-san von Mr. Miyagi vom sozial unterentwickelten Streber zum edelmütigen, geduldigen Karate-Kämpfer erzogen wurde? Ein trotz allen Macken kultiger Film und als Kind hat man ihn damals gerne angeguckt. Es folgten dann zwei wirklich unnötige Fortsetzungen mit der selben Hauptfigur, um schließlich in der Katastrophe zu gipfeln, die 1994 als "The Next Karate Kid" verkauft wurde und (die meiner Ansicht nach in jeder Rolle furchtbare) Hilary Swank als Hauptfigur präsentierte. Entsetzlich.
Kommenden Sommer, also 16 Jahre nach dem grausamen Foltertod von Serie und Zuschauer, haben sich Menschen, die ich mir nicht vorstellen kann, zusammengesetzt und sich entschieden, dass eine Fortsetzung des Horrors eine gute Idee wäre - ja, ihr lest richtig, es wird NOCH EINEN KARATE KID FILM geben - und diesmal ist die Hauptfigur schwarz (im nächsten Film, ohneinbittenichtnocheinen, ist das Kind dann bestimmt im Rollstuhl und schwul)! Die Handlung, oh Überraschung: Der kleine...wie auch immer er heißt zieht mit seiner Mutter nach China, wo er von einem stärkeren, BÖSEN Kind auf die Fresse kriegt. Um ihn die Kunst der Selbstverteidiung zu lehren, nimmt sich der weise, alte...Moment mal! Pat Morita ist 2005 gestorben! Wie wollen sie Mr. Miyagi erse...OH GOTT ES IST JACKIE CHAN! Die Menschen, die diesen Film produzieren (Will Smith. WAT?), sind nicht nur der Ansicht, dass die Welt dringlichst noch einen Karate Kid Film braucht, sondern auch, dass die Rolle des weisen, alten Mentors, der den jungen, übermütigen Knaben den inneren Frieden lehrt, am besten mit Jackie Chan besetzt sei. Kurzum: Kind zieht nach Dingdongesien und wird zu "coolen" Hip Hop Beats von Jackie Chan in Kung Fu (NICHT Karate!) unterrichtet, damit er den örtlichen Kindern eine zurück knallen kann.


Ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll. Mir fehlen die Worte. Muss ich das überhaupt noch kommentieren? Ich glaube, es spricht für sich selbst. Wieder so ein Fall, wo mich der Gedanke fasziniert, dass sich dafür Filmmacher und Geschäftsleute versammelt haben müssen, die ein neues Projekt suchten. Einer dieser Menschen muss seinen geistig behinderten Papagei mitgebracht haben, der nach zehn Minuten des ideenlosen Schweigens "Raaah! Noch ein Karate Kid Film! Diesmal ist das Zielpublikum schwarz! Raaah! Und Jackie Chan ersetzt Mr. Miyagi, Raaah! Kekse wollen Polly fressen! Raaah!" gekrächzt hat. Und diese Menschen müssen sich angeguckt haben und gesagt haben: "Ja! Das ist eine gute Idee! Das wird ein sowohl kommerziell als auch künstlerisch erfolgreicher Film! Investieren wir Geld da rein!". Ich kann mir nicht erklären, wie so etwas sonst zu Stande kommen kann.

Von Balthazzar am Freitag, Januar 01, 2010 um 15:30

2009 pt. 1.5

Internet. Eigentlich könnte ich nach diesem einen Wort bereits aufhören zu schreiben, aber dann würde man PropheT endgültig nicht mehr abnehmen, dass der zweite Autor dieser Seite nicht einfach eine bloße Erfindung seinerseits ist. Eine Erklärung? Nach abgeschlossenem Abitur und Zivildienst (der mich bis Ende Juni dieses Jahres beschäftigte und zahlreichen KiTA-Bussen vitale Einzelteile kostete) verschlug es mich in verschiedene Teile Deutschlands, weg vom halben ISDN-Anschluss meines Zuhauses in die Arme größerer Bandbreiten. Die Folge? Was erwartet ihr, wenn man einem jungen männlichen Erwachsenen den Zugang zum gesamten Spektrum des Internets innerhalb von wenigen Mausklicks ermöglicht?

Mittlerweile ist es mir endgültig gelungen, mich aus meinem Zustand des katatonischen Dauer-Surfens herauszureißen, um einen letzten blick auf das vergangene Jahr zu werfen. Dabei übergehen wir meine Zeit als Zivi einfach mal geflissentlich (Bus fahren, Geschirr waschen, sich von aggressiven Kindern anpöbeln lassen, etc.) und wenden uns den angenehmeren Stationen dieses Jahres zu ...

Juli - September 09: Fürth/Games Aktuell

Mein erster Schritt in die Journalismus-Branche ... Huh. Rückblickend betrachtet bin ich immer noch beeindruckt, was mir alles als Praktikant zugetraut wurde. Zwar ist die Games Aktuell eine der kleineren und unbekannteren Videospiel-Zeitschriften, aber zusammen mit dem Internet-Auftritt und der zweiten Zeitschrift (Games and More) muss die Redaktion eine beachtliche Menge an Artikeln stemmen. Kein Wunder, dass dementsprechend die Praktikanten ("Trainees" auf Neudeutsch) fast genauso viel wie ein richtiger Redakteur bei geringer Bezahlung leisten müssen.

Dabei soll bloß kein falscher Eindruck entstehen: Ich habe gern in der Redaktion gearbeitet. Immerhin wurden mir sämtliche Werkzeuge eines professionellen Redakteurs vorgestellt und ich durfte am kompletten Entstehungsprozess der Zeitschriften teilnehmen, vom ersten Meeting bis hin zur Feinabstimmung der Artikel im Layout. Gleichzeitig wurde ich auf eine positive Art und Weise desillusioniert: Natürlich besteht der Job nicht nur aus gemütlich vor der Glotze oder dem Bildschirm hängen. Gerade kurz vor der Abgabe des Hefts benötigt man ein hartes Fell, da jeder mit seinen Artikeln fertig werden muss und man schon als Praktikant allein mit seinen Texten zurechtkommen muss, was des Öfteren auch schon mal mit Überstunden verbunden ist. Gleichzeitig habe ich gerne länger gearbeitet, einfach weil die Chemie in der Redaktion stimmte und man im Notfall eben doch nicht alleine war.

Letzten Endes haben ich interessante Leute kennen gelernt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Klar ist die Arbeit eines Journalisten mit Stress und Zeitdruck verbunden, aber ganz ehrlich: Das erwarte ich von diesem Beruf auch.

Oktober 09: Paderborn/Studium

"Studieren? Ich habe mich doch nicht 13 Jahre lang in der Schule quälen lassen, nur um bloß an einer weiteren Schule zu landen!" 

Wie leicht man doch seine eigenen Grundsätze  außer Kraft setzt. Nachdem viele Tageszeitungen ein abgeschlossenes Studium voraussetzen, habe ich mich nun doch in der Uni Paderborn eingeschrieben, als angehender Zwei-Fach-Bachelor in den Fächern Medienwissenschaften/Englische Sprachwissenschaften. Zweifel? Aber hallo! Sind es die richtigen Fächer? Bin ich geistig fit genug? Komm' ich mit den Klausuren klar? Werden die Vorlesungen furchtbar dröge sein? Immerhin hatte sich die Universität bereits im Vorfeld nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, als sie die Zulassungsbeschränkungen für so gut wie alle Studiengänge wegfallen ließ und allen Erstsemestern kostenlose Netbooks aufs Auge drückte (was zu 3.000 Erstis und hoffnungslos überfüllten Vorlesungen führte). Das Ergebnis: Ausgerechnet die Englisch-Seminare über Lautsprache (+ das dazugehörige Alphabet) und die Entstehung der Sprache erweisen sich als interessant, während  sich meine Medienwissenschaftsseminare mit dem Aufbau der virtuellen Welt der Videospiele auseinandersetzen.  Fakt ist, dass ich noch nie in meinem Leben 30-40 Seiten lange Texte so gerne gelesen habe wie seit dem Beginn meines Studiums. Wo sonst erhalte ich die Gelegenheit, mich mit der Ästhetik von Videospiel-Filmen auseinander zu setzen?

Abschließend kann ich noch nicht sagen, ob 2009 ein erfolgreiches Jahr war. Dazu war es zu sehr mit Zweifeln durchsetzt, ob mein Plan für die Zukunft aufgeht. Auch jetzt bin ich unsicher: Alle Klausuren dieses Semesters liegen noch vor, ich muss eine 18-seitige Hausarbeit über offene virtuelle Welten produzieren und ich habe weiterhin keine Ahnung, wie weit mich ein Abschluss an der Uni überhaupt bringen wird. Hätte ich mich anders entscheiden sollen? Ich habe getanzt, als Ahmet Iscitürk in einer Kellerdisco Funk auflegte. Ich habe in einer wissenschaftlichen Diskussion gegen Quick Time Events gewettert. Ich habe verdammt noch mal mit Videospielen mein Geld verdient. So viel kann ich gar nicht falsch gemacht haben ...

PS: Ihr wisst nicht, wer Ahmet Iscitürk ist? Mir doch egal.

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