
Ein Szenario. Drei Personen befinden sich in einem Büro. Dramatis personæ:
1. Eine attraktive, sehr freundliche Dame, etwa Mitte Ende 20, mit sehr angenehmer Stimme, an separatem Computer sitzend.
2. Prof. Dr. Dr. Prof. Dipl. Genius Sensei Großmeister Server und Networking sowie
3. Ich arme Wurst, beide damit beschäftigt, etwas Administratives am Netzwerk zu tun. Die junge Dame fragt den Prof. Dr. Kompooder, ob er ihr bei etwas helfen könne. Sie habe da ein Lied, das sie seit langem auf ihre Profil-Seite einer inzwischen im Verfall befindlichen Web 2.0 Plattform hochladen wolle, aber es einfach nicht hinkriege. Wenn sie das Lied hochladen wolle, würde er (der Computer) immer eine Fehlermeldung geben, dass sie eine Musikdatei auswählen müsse. Der Networking-Elder-God nickt, guckt nachdenklich, hat davon aber keine Ahnung, setzt der Dame einige unverbindliche Sätze vor und arbeitet weiter.
Mein Gehirn setzt ein. Neurosen, Gravitation und Signalstoffe setzen sich im Kopf in Bewegung. Sherlock kombiniert. In einem Moment, in dem die administrative Tätigkeit daraus besteht, Ladebalken anzuglotzen, schleiche ich mich zu der jungen, attraktiven Frau herüber. Ich bemühe mich, meine häßliche Fratze ansatzweise zu einem charmanten Lächeln zu verzerren, versuche, eine angemessene Stimmlage einzustellen und traue mich nach kurzem Luftholen, die Dame anzusprechen. Oh Gott Oh Gott versau es nicht. Ob es sein könne, dass sie versucht habe, die Datei direkt von der CD hochzuladen. "Ja", sagt sie.
Das ist ein Bingo! Ich erkläre ihr kurz und verständlich, dass die .cda Files auf der CD nicht das sind was sie braucht, und dass sie das eigentliche Lied erst auf den PC ziehen müsse, um es auf jenes Internetportal hochzuladen.
Einige Minuten später hatte sie den Song (es stellte sich als
Son of a preacher man heraus) als 128kbit WMA auf ihrer Festplatte und etwas später dann auch auf ihrer Profilseite. Sie war hellauf begeistert. Freudig dankte sie mir vielfach. Meine weiße Rüstung gleißte im Licht meiner Awesomeness und Engels-Chöre sangen Halleluja. Der weise Meister nickte mir anerkennend zu. Sie war froh, den Song endlich hochgeladen gekriegt zu haben, das hätte sie jetzt schon ein Jahr lang versucht.
Ein. Jahr. lang. versucht. Ein. Jahr. 365 Tage. Ein. Fucking. Jahr. Wow.
Was mich daran bei kurzem Nachdenken so umwarf, war nicht, dass jemand auch noch so technisch unbedarftes so absurd lange dafür benötigt, sondern vielmehr, dass sich noch niemand ihrer angenommen hatte. Die Dame sah gut aus! Normalerweise, wenn eine Person solcher Natur den gängigen Computer-Fuzzi (Version 1, der Programmierer: Gekämmte Haare, Karo-Hemd, beige Hose bis in die Achselhöhle gezogen, immer Taschenrechner dabei | Version 2, der Systemintegrator: Lange Haare, bärtig, schwarzes T-Shirt mit Bandlogo, Jeans) anspricht und in einer solchen Stimme um Hilfe bittet, dann tut der das auch. Wenn eine auch noch schöne Frau mit samtiger Stimme einen IT-Typen flehend darum bittet, ihr doch bitte in Assembley eine RAM-Optimierungs-Routine zu programmieren, dann setzt sich der Dork ran und fängt an, zu coden wie ein Idiot. Und das ist auch der Grund, warum Frauen und Technik voneinander getrennt gehören. Nicht nur wegen der technischen Schäden, die sie anrichten, sondern auch aufgrund der Zeit, die verloren geht, weil man zu solchen Hilfe-Rufen einfach nicht 'Nein' sagen kann. Frauen und Technik nicht nur in unterschiedliche Subnetze packen, sondern physikalisch trennen. Liebe Herren, diese Ermahnung bitte merken, Liebe Damen, bitte sofort alles wieder vergessen und von IT-Typen fernhalten. Danke.
Dass sie ihre Web 2.0 Plattform auch erreichen konnte, ohne jedes Mal bei Google deren Namen einzugeben und den ersten Treffer anzuklicken, hatte ich ihr dann aber nicht mehr mitgeteilt. Irgendwann ist auch mal Schluss.
Wir befinden uns beim orangen Kreuz. Der rote Graph stellt meine Lebensqualität dar, der blaue meine Intelligenz, der grüne Debian.