Von prophet am Mittwoch, Juni 30, 2010 um 19:10

Besser als Vuvuzelas

Mastodon - Revenge Gets Ugly EP [] [2010]
Seit gestern bekommt man die lange angekündigten Songs, die Mastodon zum Soundtrack des Jonah Hex Filmes beigesteuert haben. Troy Sanders kündigte sie als Pink Floyd/Melvins B-Sides -artig an und traf damit ins Schwarze, auch nach High on Fire, Neurosis und tatsächlich auch noch nach Mastodon klingen die schweren, schleppenden, repetativen und instrumentalen Lieder. Während "Death March" auf diesem Weg langweilt, klingt etwa das wirklich coole "Train Assault" wesentlich lebendiger. Leider reizen sie ihre zuletzt verlorene Heavyness nicht aus, sonst hätte man mit viel Mut einen Remission-Vergleich ziehen können. Auch wenn die vier (plus zwei) Lieder nicht spektakulär sind, sie wissen nach einigen Durchläufen zu gefallen. Ein vollwertiges Release ist es natürlich nicht.


Gollum - Lesser Travelled Waters [] [2004]
Die Amis von Gollum (wie Golem, nicht wie Smeagol) lassen sich nur ganz schwer kategorisieren. Man muss hilflos mit Begriffen wie Sludge oder Doom Metal um sich werfen. Dann klingen sie plötzlich wie Agalloch, dann gibt es Keyboard über Death Metal Geballer, auf einmal brüllt Randy Blythe von Lamb of God dazwischen. Sofern es einen durchschnittlichen Song gibt, besteht dieser aus schweren Riffs, die so von Crowbar kommen könnten, dumpfen Schlagzeuggekloppe und sehr sehr spärlich eingesetztem Gegröhle - darüber Gitarren, von sägend bis klimpernd viel können. Wer The Ocean zu pseudo-intellektuell findet aber trotzdem nicht auf experimentelle Musik aus der Ecke verzichten möchte, sollte mal ein Ohr drauf werfen, sofern man diese recht unbekannte Band in die Finger kriegt. Schlecht sind sie nicht.


Deadmau5 - For Lack of a Better Name [] [2009]
Progressive kenn ich gut. Techno/House kenn ich auch. Wie das ganze aber zusammengehen soll, ist mir ein Rätsel. Angeblich ist Joel Thomas Zimmerman a.k.a. Deadmau5 ein ganz großer in solcher Musik. Ob das jetzt "Progressive" ist, wage ich glatt zu bezweifeln - aber es ist gut und das sage ich als jemand, der aus verschiedenen Gründen eigentlich etwas gegen diese computergenerierte Musik hat. Vielleicht liegt es an der gesunden Mischung aus ganz stumpfen Gehämmer und Klangexperimenten, vielleicht trifft er auch nur den richtigen Ton oder bietet, so abstoßend primitiv diese Musik sonst auch immer ist, eine bemerkenswerte Variabilität. So oder so bekommt "For Lack of a Better Name" seinen verdienten Platz in der schmalen Elektro-Spalte in meinem Musik-Regal. Gefällt mir.

Von prophet am Donnerstag, Juni 24, 2010 um 20:11

TOP GESCHENKE

Das Versandhaus Bakker verdient sein Geld damit, den Leuten Dinge zu verkaufen, die sie nicht wirklich brauchen. Da diese Personen, ebenso wie das Fernsehen, auf ihre Mitmenschen herabschauen und sie automatisch als dumm einordnen (was sicherlich keine grundsätzlich falsche Einstellung ist), drucken Firmen wie Bakker gelegentlich "Gewinnspiele" ab mit Preisen, die sie ausschließlich über Google Bilder beziehen und schreiben "Jubiläums VIP Bestellschein" oder "Unglaublich aber wahr!". Vielleicht fällt ja die eine oder andere zurückgebliebene, naive Hausfrau Ende 40 darauf herein. Als mir durch Zufall (nein wirklich) ein solcher Wisch (siehe Bild oben) in die Hände fiel, musste ich erstmal eine Weile lachen. Und dann noch ein bisschen, und dann noch ein bisschen. Der aufmerksame Beobachter wird es bereits entdeckt haben - für alle anderen im folgenden eine Zusammenfassung. Dabei beziehe ich mich nur auf den HP Desktop PC und lasse alles andere außen vor (auch wenn ich mich fragen muss, warum die Samsung-Kamera ihr Display auf der Vorderseite neben der Linse hat...)

Das auf dem Bildschirm ist ein Windows 7 Anmeldebildschirm. Man wird niemals einen Anmeldebildschirm und eine Taskleiste (wie oben zu sehen) gleichzeitig auf dem Bildschirm haben. Der Windows 7 Anmeldebildschirm beißt sich zudem ein wenig mit der Windows Vista Taskleiste - die auch noch oben abgeschnitten ist, wie man an dem abgehackten Windows-Knöbel links unten sehen kann. Dass da ein Internet Explorer (aber Google Chrome im Quicklaunch) und ein leeres Paint geöffnet sind, mag ja in Ordnung sein - das abgelaufene NOD32/ESET Smart Security finde ich dagegen schon belustigend. Ich muss mich außerdem sehr über die links im Kasten angepriesenen "mehr als 100GB Speicher" wundern - entweder hat HP mal richtig dicke Eier und verbaut 100G RAM in ihren Kisten, was in etwa zwei maximal ausgebauten Servern entspräche, oder sie haben knapp über 100GB Festplattenplatz drin. Ich wusste nicht, dass man (von SSDs und einigen Spezial-Exemplaren abgesehen) noch so kleine Festplatten kriegt, ich dachte, man kauft heutzutage nur noch 500GB bis 1 TB.
Der größte Witz von allen ist dabei vermutlich, dass der Account, der da auf dem Bildschirm zu sehen ist, "Guru" heißt. Oh, Bakker.

Von prophet am Sonntag, Juni 20, 2010 um 18:55

Untitanenhaft

//Bei der laufenden WM scheinen mir außer den Argentiniern sämtliche klassischen Favoriten zu straucheln: Die Spanier, die Portugiesen, die Engländer, die Deutschen, ganz dicke die Franzosen, sogar die Brasilianer und heute die Italiener. Woran genau das jetzt liegt, ist mir unklar. Mein Verdacht liegt auf diesem weitflächig kopierten System mit einem einzigen Stürmer - wenn der dann nicht in Form ist (Herr Gomez, der bei seinem einzigen Ballkontakt über selbigen stolpert), geht der Ball jedes Mal an der Strafraumgrenze verloren und das gesamte Spiel findet im Mittelfeld statt - der Zuschauer langweilt sich zu Tode.
//Im Zuge vorübergehender Probleme eines Miranda-Updates (beim Umstieg von 0.7.19 auf 0.8.25 wird auch eine Aktualisierung des "Modern Contact List"-Plugins fällig) kurz das aktuelle Trillian ausprobiert, das ich seit Jahren nicht im Einsatz hatte. Trillian mag zwar weniger umständlich anzupassen sein und diverse Profile einfach konzentrieren, aber der Scheiss stürzte bei jedem Theme-Wechsel ab, erschien generell überraschend instabil und ließ sich nicht sehr granular konfigurieren, so dass ich jetzt doch bei Miranda geblieben bin. Trillian, nein danke.
//Ich fühle mich vom Rest der Welt irgendwie hintergangen. Nicht, dass ich dazu nicht auch aktiv beigetragen hätte, aber...es ist ein erster Teaser-Trailer samt Termin für den fünften Werner-Film mit dem Titel "Eiskalt!" raus, und niemand informiert mich? Ihr Schweine! Bei aller Liebe zur Serie sorge ich mich jedoch um die Real-Szenen, die wie im ersten Film einen Teil ausmachen sollen. Riett di tosommen, Brösel!

Von prophet am Freitag, Juni 18, 2010 um 23:25

Schlechte Comics

Das in meinen Augen größte Problem von Superheldencomics (das gilt sowohl für DC, Marvel, 2000AD, Dark Horse, sie alle) sind nicht etwa die grellbunten Spandex-Kostüme, die doofen Dialoge oder die komplett sinnfreien Crossover (Batman vs. Judge Dredd, was denken die sich nur dabei), sondern vielmehr die Methoden, mit denen Franchises, die erfolgreich laufen, am Leben gehalten werden - im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt da vier handelsübliche Möglichkeiten, die bekanntesten, bestverkauften Charaktere jede noch so dramatische und gewalttätige Storyline überstehen zu lassen:

A) Der Charakter ist auf normalem Wege sowieso unverwundbar und kann eigentlich gar nicht getötet werden. (Beispiele: Superman, Thor, Dr. Doom irgendwie, Galactus, Darkseid)
B) Der Charakter ist zwar verwundbar, regeneriert sich aber selbst bei extremsten Zerstückelungen so schnell, dass er zwar sterben müsste, aber dann einfach sofort wieder zusammenwächst und weitermacht und somit praktisch nicht zu töten ist. (Beispiele: Wolverine / Deadpool, Lobo, Hulk)
C) Der Charakter ist sterblich und kann verletzt werden, was auch passiert, aber er überlebt absolut letale Verletzungen um diese dann im nächsten Heft nicht mehr zu haben. (Beispiele: Batman, Judge Dredd, Iron Man, Spiderman, der Punisher)
D) Der Charakter ist tatsächlich tot, ersteht aber aus Gründen, die sich die Schreiberlinge aus dem Arsch ziehen, wieder auf. (Beispiele: Tony Stark macht EIN BACKUP SEINES GEHIRNS, das er dann wieder einspielt ("Stark Disassembled"); Superman diverse Male ; Batman stirbt aber REIST WEGEN MAGIE ODER SO DURCH DIE ZEIT bis er in die Gegenwart zurückkehrt ("The Return of Bruce Wayne") - ich denke mir diesen Bullshit nicht aus!)

Manche Figuren (Batman!) haben auch mehrere Serien gleichzeitig laufen, so dass sie der einen Serie leben, während sie in der anderen grade vorübergehend tot sind. Ich weiß nicht welche dieser Methoden ich am schlimmsten finde, aber das Regenerieren und die absurden Wiederbelebungen werten für mich jede Story ganz enorm ab. Wenn man realisiert, dass das auch heute noch Gang und Gebe ist, wird es umso bemerkenswerter, wenn man daran denkt, dass Watchmen bereits 1986 dieses Klischee über den Haufen geworfen hat. Genau wegen so schäbigen Tricks wie diesen haben Comics immer noch einen schlechten Ruf und ziehen so großartige Werke wie Transmetropolitan mit herunter. Comics sind wie so vieles anderes, nur vielleicht in noch extremerem Maße: Man muss erstmal durch die Scheisse waten, bis man die Perlen findet.

Von prophet am Dienstag, Juni 15, 2010 um 18:25

10 IT Geheimnisse

00. So ein Windows ist eigentlich doch ganz gut.
01. Nur weil ein Produkt oder Feature vom Hersteller beworben wird heißt das noch lange nicht, dass es auch wirklich existiert. Im Zweifelsfalle wird es dann entwickelt, wenn die Nachfrage danach hoch genug ist und genügend Bestellungen eingegangen sind.
02. "Cloud Computing" ist relativ einfach und wird stets hochstilisiert.
03. Marketing ist nicht alles, aber fast. Der Rest ist nett am Telefon zu sein.
04. Es gibt auf der gesamten Welt extrem wenige wirkliche Produktionsstätten, die dafür dann für sehr viele Hersteller arbeiten. Darum ist ein ASUS Notebook von den Platinen her nicht besser als ein Acer Notebook, da beides in der selben Halle in Taiwan gepresst wird. Wenn "Made in Germany" draufsteht, heißt das nur, dass die Pläne in Deutschland entwickelt wurden und dass vielleicht noch ein paar Aufkleber hier zu Lande angebracht wurden, das war's.
05. Es gibt drei Sorten von Menschen: Die, die die Computerbild nicht mehr lesen brauchen; die, die die Computerbild lesen; die, die noch nichtmal die Computerbild lesen. Die schlimmste Sorte ist zweitere, da diese Menschen glauben, total Ahnung zu haben wegen dem, was sie da gelesen haben und deshalb am meisten Schaden anrichten.
06. Oftmals genügt es, wenn man eine Handvoll Dinge weiß, die das Gegenüber nicht kennt, um als totaler Experte durchzugehen. Man muss nur einige wenige besonders fiese Fragen (und optimalerweise Antworten) kennen, um gestandene Fachmänner ins Stottern zu bringen. Es ist erstaunlich.
07. Es ist vollkommen egal, was ein Produkt-Paket beinhaltet, sobald ein Preis eine bestimmte Gesamtsumme erreicht, egal, wie modular der Preis eigentlich ist. Entsprechend gilt es andersherum: Wenn etwas einen bestimmten Preis unterschreitet, wird es sofort gekauft, egal, ob es etwas kann oder (was wahrscheinlicher ist) nicht.
08. Absolut jeder kauft erst etwas zur Absicherung, wenn es bereits zum Katastrophenfall gekommen ist. Vorher heißt es ausschließlich: "Bisher ist noch nichts passiert, also wird auch in Zukunft nie etwas passieren."
09. SSDs sind für den Desktopmarkt noch ungeeignet, auch wenn sie durch die Geschwindigkeit attraktiv sind. Das liegt nicht an den hohen Preisen, sondern an der geringeren Lebensspanne, da SSDs sich einfach abnutzen. Natürlich sind sie mechanisch nicht so anfällig wie eine HDD, aber der Verschleiß reduziert die Haltbarkeit. Eine Intel X25-M G2 hat eine offizielle MTBF von über 135 Jahren: Bullshit. HDDs haben sogar weit höhere Angaben. Wenn die stimmen würden, dann wäre das RAID-set nie erfunden worden. Außerdem muss man sich fragen, wie früh man merkt, dass sich die Platte dem Lebensabend nähert oder ob man es erst mitbekommt, wenn man nichts mehr drauf schreiben kann.

Von prophet am Freitag, Juni 11, 2010 um 19:35

Pyramidal

//Das Beamtentum Deutschlands ist wie die Priesterkaste im alten Ägypten: Die Pharaos waren vielleicht die Söhne der Sonne und Götter auf Erden, anzubetende Herrscher für das Volk - aber die wahren Machthaber waren die Männer hinter den Kulissen. Wäre es heutzutage anders, würde NRW vermutlich inzwischen in Schutt und Asche liegen und von marodierenden Horden von Plünderern gebrandschatzt werden. Während der Beamten-Apparat weiter"arbeitet", benimmt sich die Politik nämlich kindischer denn je und ist nach wie vor nicht fähig, der Beauftragung der Wähler zu folgen und eine Koalition zu bilden. Arbeitsverweigerung sozusagen, sowas führt in der freien Wirtschaft zur Kündigung. Da Frau Kraft nicht in der Lage zu sein scheint, Kompromisse auszuarbeiten, wird es nun angeblich auf eine große Koalition mit der CDU hinauslaufen. Quasi der Second Worst Case.
//Die bevölkerungsreichsten Staaten der Welt: 1. Die Volksrepublik China, 2. Die Bundesrepublik Indien, 3. Der Freistaat Bayern. Zumindest hört es sich so an, wenn ich in der Firma telefoniere und jedes dritte Gespräch aus "Jo griass di hoscht grod a mol den gro'schn Maeschdro do?" besteht. Schockierend, dass Menschen wirklich so sprechen, nicht als überzogene Parodie, sondern im täglichen Ernst des Lebens. Montag geht es dann geschäftlich nach Berlin ("Ick gloob ditt ooch, wa!") und Dresden ("Öäüöäüöäü, üühühüüüäüüüü! Mööötley Crüüüe."), das wird hart.
//Die WM ist eröffnet und aus mir nicht schlüssigen Gründen ergreift die deutsche Presse Partei für Südafrika. Dabei haben die Mexikaner über das gesamte Spiel gesehen in meinen Augen wesentlich besser gespielt und hätten etwas besseres als das 1:1 verdient gehabt. Aber das Turnier dauert ja noch. Bei meiner WM-Prognose bleibe ich.
//Es heißt doch immer, dass Jason Statham den Dredd im der kommenden Neuverfilmung spielen soll. Mein Gegenvorschlag: Stallone spielt Dredd wieder - aber diesmal mit gescheitem Drehbuch. Fit genug ist er noch, das hat er mehrfach bewiesen. Außerdem altert "Smiling Joe" bekanntlich mit den Heften, so dass Stallone den alten Dredd spielen könnte, der jetzt in den Comics zu sehen ist. Statham hingegen könnte nen Metalldeckel aufkriegen und eine gewisse andere Rolle spielen. You see, i got this dial on my head...

Von prophet am Dienstag, Juni 08, 2010 um 19:02

Jormungand II

Der Abschluss des miserablen Zweiteilers. [Teil 1 hier]

Unter starkem Husten erwachte Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel. Er wälzte sich herum und spuckte öliges Wasser aus. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Ein Fehler musste ihm beim Studium der Bibel unterlaufen sein - irgendwie musste dieser Jesus doch auf dem Wasser gelaufen sein! Vermutlich hatte das was mit Magnetismus und Quanten zu tun.
Er blickte sich um. Er schien sich in einem Tunnel zu befinden. Alles war dunkel, die Wände wie Boden und Decke pulsierten und waren von einer seltsam glitschigen Beschaffenheit. Mit Mühe kam zu Guttenberg auf die Füße und wankte den Korridor entlang. "Guten Tag?", rief er doch nur sein Echo antwortete ihm. Nach einer kaum abzuschätzenden Zahl von Minuten und Metern traf er auf eine Art Schleuse, die vor Schleim nur triefte. Leicht angewidert zwängte sich der Minister hindurch.
Auf der anderen Seite fand er sich in einem noch größeren Korridor wieder. Er kniff die Augen zusammen, als er in der Entfernung ein mattes Licht glimmen sah. Langsam schritt zu Guttenberg auf das Licht zu, wobei er sich bemühte, in nichts hineinzutreten. Der Boden war übesäht mit seltsamen rosa Beulen, einem feinen Schleimfilm, diversen Planken und Brettern sowie etwas, das er nach genauerer Inspektion erschrocken als Knochen identifizierte. Immer näher kam das Licht, und nun hörte er neben dem allgegenwärtigen Dröhnen und Rauschen auch eine Art Gemurmel.
Er stieg über einen Klumpen Seegras, der sich mehrere Meter auftürmte. Dann sah er die Gestalt, von der das halblaute Gebrumme und das Licht ausging. Eine zottelige Gestalt mit zerzaustem, langem, fransigem Haar und einem stoppeligen Bart lief im Kreis und sabbelte vor sich hin, während sie eine Taschenlampe schwenkte. Unter dem Haarwust lugte ein oranges, breites Gesicht hervor, und die kleine Person mit den kurzen Armen und Beinen trug zerrissene Lumpen, die vielleicht mal ein Spider-Man Kostüm dargestellt haben. Die wilde Gestalt blieb stehen und glotzte Karl-Theodor zu Guttenberg mit großen Kulleraugen an. Es war Ernie aus der Sesamstraße. Er richtete seine Taschenlampe auf zu Guttenberg.
"Oh. Hätt ich Sie heut erwartet hätt ich Kuchen da, chrchrchr.", sagte Ernie. Der Bundesminister für Verteidigung war baff. "Einen äh, guten...guten Tag.", sagte er. Ernie nickte und drehte weiter seine Runden. Karl Theodor stieg den Haufen Seegras hinab und starrte den Star der Kinderserie verdutzt an. "Äh...Verzeihen Sie?", sagte zu Guttenberg. "Ja bitte?", sagte Ernie, der aussah wie Tom Hanks in 'Cast Away'. "Wa...Warum sind Sie hier?", fragte Guddi. Ernie blieb stehen. "Ich bin mit Günther Netzer durch die Wüste gefahren und habe Gummibärchen transportiert, als er mich aus dem Auto geworfen hat.", sagte das orange Grinsegesicht, als wäre dies eine vollkommen logische Antwort und lief weiter im Kreis und murmelte. Zu Guttenberg versuchte, aus dem undeutlichen Gerede etwas herauszuhören. Die einzigen Worte, die er verstand, waren "Defizitabbau", "Bundeswehr", "Ficken" und "Leberwurstbrot". Auch wenn er sich damit sehr unhöflich vorkam, kam zu Guttenberg nicht umher, Ernie erneut zu unterbrechen. "Äh...entschuldigen Sie bitte...". Ernie guckte ihn überrascht an, als hätte er ihn grade erst entdeckt. "Ja?", fragte er. "Würde es Ihnen etwas ausmachen mich zu informieren, wo wir uns hier befinden?", fragte zu Guttenberg. Ernie nickte. "Kein Problem! Wir sind hier im Bauch der Midgardschlange.", erklärte er so rational, wie es eine Puppe mit seinem Gesicht in einem derartigem Zustand vermag. Karl-Theodor erinnerte sich wage daran, dass die Midgardschlange eine Kreatur aus der nordischen Mythologie war. "Ist das so?", fragte er. "Ja." sagte Ernie, knipste seine Taschenlampe aus und wieder an und steckte sie sich in den Mund, so dass sein Kopf ein schwaches, oranges Leuchten von sich gab. Zu Guttenberg kam dies nicht ganz geheuer vor und entschied sich, unabhängig von dem derangiert auftretenden Star der Sesamstrasse einen Weg aus dem Leib der mythologischen Kreatur zu finden und befand, dass es einen guten und einen gar nicht guten Ausgang gibt. Während er sich mit quietschenden Schritten auf den Weg machte, bekam Ernie plötzlich Schluckauf, so dass er die Taschenlampe verschluckte und nun mit Bauchschmerzen im Dunkeln saß. "Ooooohhh", sagte er niedergeschlagen.

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Von prophet am Sonntag, Juni 06, 2010 um 17:46

Jormungand I

Mit einem gleichmäßigen Heben und Senken durchkreuzte die "Frankfurt am Main", das Schiff der Deutschen Marine aus der Berlin-Klasse die öligen Gewässer im Golf von Mexiko vor der amerikanischen Küste. Karl-Theodor Ingrid Waldemar Hugo Schnuffi Adelbert Schnitzel von und zu Guttenberg, unser Verteidigungsminister, warf seine Windjacke einem nichts Böses ahnendem Matrosen zu, strich sich über den hautengen Taucheranzug und kletterte in das Beiboot. Mit knappem Nicken und einem "Meine Herren" grüßte er die Seemänner. Nun wo der Minister bereit war ließen sie das kleine Boot herab. Auf dem Weg nach unten dachte Herr zu Guttenberg über die letzten Wochen nach. Intensiv hatte er die Bibel durchgearbeitet, nach Hinweisen gesucht, zwischen den Zeilen gelesen, alte Schriftrollen aus staubigen Bibliotheken im Vatikan studiert, sogar Google hatte er benutzt. Er war sich nun sicher, dass er das Geheimnis um Jesus Fähigkeit, auf dem Wasser laufen zu können, geknackt hatte. 'Aiman Abdallah wäre stolz auf mich', dachte sich der Adelige.
Mit einem "Plotsch" setzte das Beiboot auf dem trüben Wasser auf und ein lautes Brummen begleitete den kleinen Außenboard-Motor. Nachdem die Handvoll Matrosen einige Meter zwischen sich und die "Frankfurt am Main" gebracht hatten, stellten sie den Motor ab und blickten gespannt zum Minister, der sich eine Taucherbrille überstülpte.
"Wohlan, tapfere Seemänner.", begann Herr zu Guttenberg, "Unsere amerikanischen Alliierten sitzen hier in der Bredouille und es läuft alles andere als 'wie geschmiert'.", machte er einen kleinen Witz. Niemand lachte. Zu Guttenberg räusperte sich und fuhr fort: "Es ist nun unsere Aufgabe, unseren Verbündeten in dieser Krise beizustehen. Sie werden nun sehen, wie ich mich persönlich dafür einsetze, den unkontrollierten Ausfluss des Öles einzudämmen. Wissen Sie, als ich als Jugendlicher am Gymnasium war, erreichte ich regelmäßig den ersten Platz in den jährlichen Bodenturn-Turnieren, allein durch meine herausragenden Fähigkeiten im Bereich des Handstandes. Beobachten Sie nun, meine Herren, wie ich - kopfüber! - auf dem Wasser wandeln werde, um mit meinem Haupthaar...", die Matrosen blickten zu seiner wie stets feucht glänzenden Frisur herauf, "...die austretenden Öl-Massen aufsaugen, akkumulieren und dem Wasser entziehen werde, um eine Eindämmung dieser Katastrophe zu eröffnen!", führte zu Guttenberg aus. Die Matrosen warfen sich gegenseitig stille Blicke zu, während der Verteidigungsminister sich eine Taucherbrille überstülpte. "Wohlan!", sagte Karl-Theodor, streckte seine Arme nach oben, nahm einen Schritt Anlauf, trat mit viel Schwung auf die Reling des kleinen Bootes zu und sprang dann kopfüber von Board.
Mit einem lautem Platschen versank der adelige Minister wie ein Stein im ölig trüben Wasser. Die Matrosen der deutschen Marine blickten ihm hinterher, aber als nach mehr als zehn Minuten immer noch keine Spur von zu Guttenberg war, stellten sie die Suche ein und fuhren zum Schiff zurück.

~FoRTsEtzUNg fOLgT~

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Von prophet am Samstag, Juni 05, 2010 um 10:21

Südafrika

In weniger als einer Woche findet nach der Champions League das zweite große Turnier des Fußball-Jahres statt. Die Vorbereitung "unserer Jungs" war in den letzten drei Spielen von drei Dingen geprägt: Vielen Ausfällen, vielen Personalexperimenten und guten Endergebnissen. Letzteres muss man relativieren, spielte man doch ausschließlich gegen Gegner, die schwach genug waren, um Debütanten und Experimente zu erlauben. Yogi hätte gut daran getan, sich für das letzte Spiel einen möglichst starken Gegner zu suchen.
Ich werde meine Prognose zur WM 2010 jetzt abgeben, damit ich mich später drauf berufen kann, wenn ich es allen unter die Nase reibe: Brasilien wird Weltmeister. Argentinien wird sehr weit kommen, Italien auch. Die Deutsche Nationalmannschaft wird die Gruppenphase als Erster absolvieren, dann vermutlich noch das Achtelfinale überstehen aber spätestens im Viertelfinale rausfliegen. Ein Erreichen des Halbfinales halte ich für sehr unwahrscheinlich. Warum?
Weil wir mit Miroslav Klose und Majo Pommez zwei Stürmer haben, die seit mehr als einem Jahr kaum gespielt und noch seltener Tore geschossen haben, die sich den Ball nicht holen sondern darauf waren, ihn serviert zu kriegen, die sich kaum gegen gegnerische Abwehrspieler durchsetzen und die nur noch auflaufen, weil der Trainer naiv genug ist, auf ein Wunder zu hoffen. Weil Bastian Schweinsteiger eben doch nicht überall sein kann. Weil Hans-Jörg Butt der bessere Torhüter ist. Weil Piotr Trochowski ein wahnsinnig begabter Spieler ist, aber zu oft eigensinnig aus der Entfernung über das Tor holzt. Weil Lahm zu viel auf einmal tun muss. Weil Mesut Özil Angst vor Toren hat. Weil die Abstimmung in der Abwehr bei so kurzer gemeinsamer Spielzeit und in Ermangelung eines Chefs wie Frings nicht stimmen kann. Weil sie Podolski zu dringlich brauchen. Weil Marko Marin zu wenig Spielzeit bekommt und weil der so hochgelobte Sami Khedira das Spiel der Gegner nicht wesentlich unterbinden kann. Darum.
Wenige Wochen wird Eurphorie herrschen, dann kommt die plötzliche Ernüchterung. Den Spielern wird applaudiert werden, Yogi wird sein Amt niederlegen und Deutschland kann sich im Fernsehen angucken, wie man spielen muss, um ein solches Turnier zu gewinnen. Oh und in Südafrika wird es nach dem kurzfristigen wirtschaftlichen Aufschwung eine Welle der Arbeitslosigkeit geben, weil die vielen Bauarbeiter, Fremdenführer und T-Shirt Verkäufer nicht mehr benötigt werden und dann sitzt der Staat Südafrika auf dieser handvoll teurer Stadien fest. Am 11.07. komme ich nochmal auf das Thema zurück, wenn das Finale vorbei ist.

Von prophet am Donnerstag, Juni 03, 2010 um 18:52

Shred lass nach

Nevermore - The Obsidian Conspiracy [2010] []
Der Vorgänger "This Godless Endeavor" brauchte ein Weilchen und entwickelte sich dann zu einem absoluten Highlight modernen, intelligenten Metals. Nach diversen Solo-Alben bringen Nevermore nun ein neues Album raus und der erste Eindruck ist alles andere als positiv. Seltsam uninspiriert und nicht ansatzweise so mitreißend wie zuletzt klingen sie. Objektiv ist nichts an diesem Album falsch: Die Produktion ist solide, Jeff Loomis ist der technisch beste Gitarrist der Welt und Warrel Dane singt mit enormem Einsatz, aber irgendwie zünden die Songs nicht, trotz oft kompakter Strukturen wie etwa in "Your Poison Throne". Vielleicht ist es wie mit ihren letzten Alben: Es braucht eine Weile, um seine Klasse zu entfalten. Wenn nicht, ist "The Obsidian Conspiracy" ihr schwächstes Release seit "Dreaming...".


Howl - Full of Hell [2010] []
Die Herren von Relapse Records hatten einen Song dieser Kapelle auf ihrer offiziellen Youtube-Seite. Wenn die Musik die Howl auf ihrem Debüt spielen viel progressiver wäre, ich würde behaupten, dass ich mir genau so den Blue Record gewünscht hätte. Dem Katalog von Relapse entsprechend spielen die Amis zentnerschweren Sludge Metal irgendwo zwischen "Remission" von Mastodon, "Two" von Baroness und "Time Will Fuse Its Worth" von Kylesa. Kurzum, das ist genau die Musik die ich hören will. Sänger Vincent Hausman röhrt, die Riffs drücken den Hörer in den Sitz und die treibenden Drums verleihen den Songs Dynamik. Zwar klingen Howl mehr nach einer Mischung von bekanntem als nach etwas wirklich originellem, aber die hohe Gesamtqualität dieses Albums macht das wett. Geil, dringlicher Geheimtipp.


Electric Wizard - We Live [2004] []
Misst man Howl noch in Zentner, muss man bei den britischen Electric Wizard wohl in Tonnen rechnen. Vier Jahre nach ihrem Album "Dopethrone", an dem sich heute absolut jedes einzelne Stonerdoom-Album erfolglos messen lassen muss, erschien "We Live". Gemächlich geht es zur Sache, irgendwo zwischen Rock und Metal, mit Bässen und Gitarren, die danach schreien, die Lautstärke der Boxen des Hörers auszutesten. Soweit, so bekannt, doch auch überraschend flotte Songs wie "Another Perfect Day" machen sich durchaus gut im Gesamtbild. Leider liegen der CD keine Drogen bei, um den maximalen Effekt zu erzielen. Unter'm Strich ist "We Live" ein tolles, vitales Album, aber leider nicht von dem absolut wahnsinnigen Kaliber, das "Dopethrone" hatte - trotzdem auf jeden Fall zu empfehlen.


UNKLE - War Stories [2007] []
Nach dem ziemlich Trip-Hop lastigen aber wahnsinnig guten "Psyence Fiction" war ich überrascht zu hören, wie Rock-artig das 2007er Album der Herren Lavelle und Goldsworthy ausgefallen war. Natürlich geht es hier um poppige Electro-Musik mit Gitarren, trotzdem ist es hörbar. Mit oder ohne Gäste wie Josh Homme oder dem Typen von Massive Attack wirken viele der Songs wie für Trailer und Filmszenen geschrieben. Warum dieses Album aber bei Weitem nicht so gut wie das Debüt ist, ist, weil die Songs zu durchschnittlich sind. Psyence Fiction war "extremer" mit sehr schönen, sehr getragenen, sehr coolen, sehr trockenen Songs. Hier gibt es durschnittliche Songs und es mischt sich alles eher zu einer homogenen Electro Rock Pop Alternative Masse. Es ist einfach nicht so spannend. Schlecht ist es deshalb aber nicht.


The Exploited - Death Before Dishonor [1987] []
Wer die modernen The Exploited kennt (und das sollte man), wird sich gewaltig wundern. Vor den genialen "Fuck the System" und "Beat the Bastards" und dem vorzeigbaren "The Massacre" spielten die immer wieder wechselnden Herren um die Konstante Wattie noch richtigen Punk, bevor sie mit dem Metal-Crossover anfingen. "Death Before Dishonor" war das letzte Album der reinen Punk-Zeit (und nicht das erste der Metal-Mischzeit, so meine Diagnose), was sich in der Länge der Songs, der Produktion und natürlich dem Klang niederschlägt. Es ist wirklich etwas anderes, aber immer noch gut. Dreckiger und ein bisschen weniger mit-dem-Arsch-ins-Gesicht als auf ihren kontemporären Alben, aber es sind immer noch The Exploited. Eine Gelegenheit für jeden, der mit Punk noch The Offspring und Blink 182 assoziiert.

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