Von prophet am Freitag, Juli 30, 2010 um 20:24

The Late Philip J. Fry

Futurama ist ja seit Juni zurück. Dieser Serie muss man, auch wenn einige der neuen Folgen im Vergleich mit alten Episoden sehr schwach sind, hoch anrechnen, dass sie ihr Publikum kapiert haben. Früher war ihr Humor wirrer, boshafter und spontaner, als das Publikum ebenso jung und unverbraucht war. Inzwischen sind die Zuschauer mit der Serie aufgewachsen, sitzen zu Hause alleine vor'm Computer, lachen über Internet-Witze und sind immer wieder zu Tode betrübt darüber, wie einsam sie eigentlich sind. Mit Leelas und Amys regelmäßiger, teilweiser Nacktheit ködert Futurama den Zuschauer, um ihn dann sehnsüchtig seuftzend am Ende der Folge sitzen zu lassen, wenn Fry (immer noch fantastische Identifikationsfigur) und Leela sich trotz aller Widrigkeiten lieb haben. Wenn diese Intelligenz auch für die Simpsons gelten würde, sie wären bestimmt fünf Staffeln später schlecht geworden.

Von prophet am Samstag, Juli 24, 2010 um 14:59

Steilenmein

//Da ich das Erreichen der 50.000 Visitor-Marke nicht explizit erwähnte, möchte ich an dieser Stelle mit verhaltenem Jubel die geknackten 60.000 Visitor erwähnen. Vier Jahre A World to Come habe ich auch noch verpasst und stattdessen über das IT-Business geschrieben. Heissa, es gibt uns noch, wobei sich das "uns" durch Balthazzars (die Älteren unter uns werden sich erinnern) vollständiges Verschwinden in den Äther des echten Lebens relativiert. Auch ich habe durch meine Arbeitswoche zwischen vierzig und fünfzig Stunden unerfreulich wenig Zeit und entsetzlich wenig Kreativität aber versuche weiterhin, A World to Come fortzuführen. Zumindest für mäßig scharfsinnige Kommentare und Linkdumps über das erst so verhasste Twitter reichen Zeit und Muße noch.
//Ich habe den Eindruck, dass Fantasy aktuell total out ist und SciFi / Cyberpunk sein großes Revival erlebt. Vielleicht liegt es nur daran, dass ich grade in der Neuromancer-Trilogie stecke, aber ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren. Die Zukunft ist wieder "In".
//Medien und Regierungsvertreter und nicht zuletzt Bank-Androiden frohlockten in den letzten Tagen. Der Anlass: Sämtliche Zeitungen titelten, dass von der EU durchgeführte Untersuchungen zur Verfassung europäischer Banken, zumindest in Deutschland, mit positiven Ergebnissen endeten. Nur verhalten erklingen Zweifel an der Aussagekraft dieser Studie. Die FAZ bringt es auf den Punkt: "Mit der Veröffentlichung der Testergebnisse sollte das Vertrauen in die Banken gestärkt werden, so das Kalkül der Politik, die die Milliardenhilfen für die Banken aus Steuergeldern verteidigen muss.". Die Studie stammt aus der Feder derer, die ein Interesse daran haben, die Ergebnisse möglichst positiv zu haben, um dem seit der Bankenkrise verschreckten Bürger das blinde Vertrauen zurückzugeben. Solche Nachrichten sind es, die Banken wie die HSH Nordbank, die den Test positiv bestand, weil sie Milliarden aus den Kassen der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg erhielt, als gesund darstellen, auch wenn dies weit von der Realität entfernt ist.
//Ich bin nicht sicher, ob es jemand mitbekommen hat oder ob es jemanden interessiert, aber ich habe meine zwei Songtext-Tagclouds von Death und von ISIS um eine dritte Band erweitert: Tool, die ich mir im Gegensatz zu den ersten beiden Bands kaum noch anhöre.


We are a Blaze in the Northern Sky
The next thousand Years Are OURS

Von prophet am Dienstag, Juli 20, 2010 um 21:53

Chugga Chugga Chugga

Vektor - Black Future [2009] []
Vektor aus Arizona spielen genau das, was ich hören will. Man nehme Toxic Holocaust, mische die mit dem technischen Gefrickel eines Bonded By Blood und den Tempo- und Stimmungswechseln, die Death auf Human demonstriert haben, und man hat einen ungefähren Eindruck davon, wie wahnsinnig gut dieser Technical Progressive Thrash Irgendwas Metal ist. Was dieses Debüt wirklich auszeichnet ist, dass ich es mir bemerkenswert oft anhören kann, ohne mich zu langweilen. Das liegt jedoch weniger am leicht monotonen Gekeife von Frontmann DiSanto als vielmehr am beeindruckenden Portfolio, das die Instrumentalisten abliefern. Das Rad erfinden Vektor zu keinem Zeitpunkt neu, vielmehr bieten sie das Optimum dieser jungen Welle an Oldschool Thrash Metal. Ich bin zutiefst begeistert und empfehle Genrefreunden bedingungslos.


Skeletonwitch - Breathing The Fire [2009] []
Selbes Jahr, selbes Genre, vielleicht weniger kompliziert. Ein Vergleich ist leider unumgänglich. Skeletonwitch aus Ohio sind ungleich erfolgreicher als Vektor, was meiner Ansicht nach daran liegen dürfte, dass es sie mit ihren drei Alben schon länger gibt. Inhaltlich, so meine Meinung, sind sie sicherlich nicht schlecht, kommen aber nicht an die Vitalität heran, die andere Bands aus dem selben Umfeld bieten. Einzelne Lieder der Amis lassen an diesen Melodic Death Metal denken, den man in Skandinavien spielt. Um auf Black Future zurück zu kommen: Dieses Album langweilt mich schneller. Sicher bleibt manches Riff hängen und sie beherrschen ihr Handwerk, aber mir fehlt noch der letzte Schritt, der zu einem wirklichen Knaller nötig wäre. Definitiv hörbar, aber leider austauschbar.


Amon Tobin - Supermodified [2000] []
Irgendwo zwischen Electro, Dubstep, Drum and Bass, Ambient und Breakbeat mischt Amon Tobin aus Brasilien seine Musik zusammen. Bekannt ist er mir aus dem soliden Soundtrack, den er für Splinter Cell 3 gemacht hat. Samples seines 2000er Outputs Supermodified kommen mir seltsam vertraut vor, sicherlich aus der Hintergrundmusik verschiedener TV-Serien (Yes you, Top Gear). Tanzmusik ist das sicher nicht, dafür könnte "Natureland" in jeder Hotel-Lounge abgespielt werden und bis auf das missratene Precursor sind alle Lieder von einem gewissen, leichten Flow geprägt. Kreativität in seinen Mischungen lässt sich Herrn Tobin nicht absprechen. Keine so dringliche Empfehlung wie Deadmau5 neulich, aber sicher eine elektronische Abwechslung zum üblichen Trve Grim Kvlt Metal.


Nocturnus - The Key [1990] []
Wer die neuesten CDs dieser Band hört, denkt, es handelt sich um Jungspunde, die den Prog Death Metal der späten Neunziger kopieren wollen. Tatsächlich haben Nocturnus aus (man hört es raus) Florida um Morbid Angel Sänger/Drummer Mike Browning das Genre in seiner Frühzeit entscheidend mit geprägt. Ihrer Zeit voraus waren sie, als sie 1990 als vielleicht erste Death Metal Band Keyboards einsetzten - nicht für glamouröse Duelle mit den Gitarren, wie Children of Bodom es in die Kinderzimmer der Welt getragen haben, sondern um Atmosphäre zu schaffen. Der Plan geht auf, und so bekommt der Florida Death Metal Sound durch die Synthies eine ganz neue Dimension, passend dazu ihre SciFi-Lyrics. Dieses großartige Album müsste in der Musikgeschichte einen viel höheren Status genießen. Empfehlung.


Auch gehört, hier nicht genauer aufgeführt, aber der Vollständigkeit halber erwähnt: Dark Angel, Cavity, 2Pac, Voivod und der erste Song von The Sword ihrer neuen LP. Die "kenn ich nicht, find ich scheisse" Kommentare sind erneut freigegeben.

Von prophet am Samstag, Juli 17, 2010 um 09:52

Der Samstagswitz

Eine Familie, bestehend aus einem Mann, einer Frau, einem Jungen und einem Mädchen, begeben sich zu einer Talent-Agentur um vorzusprechen. Sie stehen also vor diesem Agenten mittleren Alters in einem grauen Anzug, der einen sehr seriösen Eindruck macht. Der Vater beteuert, wie großartig doch das wäre, was seine Familie zu zeigen hätte. Der Agent blickt skeptisch und fordert die Familie auf, doch mal vorzuführen, was sie können. Der Vater nickt und instruiert seine Familie, mit "der Nummer" zu beginnen.
Die Tochter verbindet ihrem Bruder mit einem Tuch, das sie sich aus der scheinbar leeren Hand zieht, die Augen. Dieser bekommt dann vom Vater kleine bunte Bälle zugeworfen, mit denen er blind jongliert. Es werden immer mehr Bälle und schließlich weitet sich das Jonglieren auf seine Mutter aus, die die Bälle schließlich fängt und dem Vater übergibt. Dieser wirbelt kurz mit seinen Händen und die Bälle sind verschwunden - stattdessen hat er einen Zylinder in der Hand, aus dem er ein Kaninchen zieht.
Mit einem "Tadaaaa" und dieser "Jazz Hands"-Geste beendet die Familie ihren kombinierten Tricks. Der Agent nickt anerkennend und sagt, dass er so etwas noch nie gesehen habe. Er fragt, wie die Familie sich als Gruppe nennt. Da antwortet der Vater: Die Aristokraten! Der Agent findet das gut, verschafft ihnen eine Position in einem weltweit hoch geschätzten Zirkus und die Familie feiert mit ihrer Einlage internationale Erfolge. Haha!


(Hoffentlich habe ich den jetzt richtig erzählt. Lustig, oder?)

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Von prophet am Sonntag, Juli 11, 2010 um 23:00

WM Fazit

Ich ziehe meinen Hut vor diesem Tentakeltier, das einiges voraussah, das ich nicht erwartet hätte. Wäre er ein Pokemon, er wäre vom Typ Wasser/Psycho. Dass die Franzosen früh rausfliegen hatte ich noch vermutet, aber dass die Brasilianer und die Argentinier, die Italiener und die Engländer sich so früh rauswerfen ließen überraschte. Und auch wenn mit Beginn der Halbfinal-Runde klar wurde, dass die Spanier es werden würden: Die deutsche Mannschaft hat sich zu meiner großen Verwunderung bemerkenswert gut geschlagen und wirklich guten Fußball gespielt. Individuell manche mehr (Müller), manche weniger (Pommez). Gegen Spanien und Serbien gab es knappe Niederlagen, ansonsten nur verdiente, teils sehr hohe Siege. Es gab großes Drama mit Ghana, entsetzlich langweilige Spiele und viel BZZZZZZZZZZZZZZZZZZ. Seit der WM 2006 ist Fußball wieder "in" und Public Viewing Gang und Gebe. Südafrika sitzt jetzt auf den Stadien, in denen ab jetzt vielleicht Ziegen äsen können.

Und Ottmar Hitzfelds Schweizer waren die einzigen, die den Weltmeister besiegen konnten.

Umkehrschluss

Es würde mich mal brennend interessieren. In der Kunst, sowohl in Musik als auch in Malerei (und bestimmt auch noch woanders) gab und gibt es das Phänomen, dass sich bei der Überpräsenz einer bestimmten Richtung eine andere, komplett entgegengesetzte bildet, um eine Art Gegengewicht zu schaffen. Zwei Beispiele. Malerei: Dem Impressionismus mit seinem hübschen Getupfe, den weichen Kanten und den idyllischen Motiven folgte der Expressionismus mit harten Kanten, einfarbigen Flächen und harscher Abstraktion aller Motive. Musik: Dem Hard Rock / Glam Rock (Beispiel KISS), der aus jedem Konzert eine gigantische Show machte und sich selbst bis zum Platzen aufblies, folgten Punk Rock und Grunge, Rock-Abkömmlinge, die eher in einer Garage denn auf einer gigantischen Bühne gespielt werden und die nichts mit Show und Pyroeffekten zu tun haben wollen.
Fast jedes Genre kann auf ähnliche Weise erklärt werden (denn für jede Kunst-Strömung gibt es einen (oft auch historischen) Grund).
Eine ähnliche Erscheinung gibt es auch in der IT: Mal versucht die Branche, dem Client (also dem Endgerät) alle Macht zu geben (siehe Opera Unite), dann (wie jetzt) kehrt man erneut zu dem Konsens zurück, dass man nun doch alles im Rechenzentrum konzentrieren soll und das Endgerät so ersetzbar wie möglich macht (das nennt man dann "Cloud Computing", mehr ist das nicht).
Wenn dieses Gesetz nun für Musik und Malerei (und die IT) gilt, wieso sollte es nicht auch für die westliche Kultur im Ganzen gelten?
Wir befinden uns seit einigen Jahren an einem solchen Punkt. Die althergebrachte Struktur, die es seit Jahrhunderten gibt, lautet: Es gibt einen Produzenten, auf den n Konsumenten kommen. Seit sich das Internet zu dem entwickelt hat, was in den letzten Jahren den hilflosen Modebegriff "Web 2.0" bekam, hat sich dieses kulturell so tief verankerte Verhältnis grundlegend verändert: Da jeder Konsument gleichzeitig auch Produzent geworden ist, gibt es n Produzenten für n Konsumenten. Diese kulturell so grundlegende Verschiebung ist von ganz signifikanter Bedeutung und vielen Menschen gar nicht bewusst. Ob dies der Qualität des Produzierten zuträglich ist, lasse ich mal dahingestellt. Es lässt sich jedoch nicht abstreiten, dass es für praktisch alles, das eine Nachfrage besitzt, ein Angebot gibt, und wenn es nur Foren sind, um über das Thema zu sprechen - so können sich auch die abwegigsten Perversen mit gleichgesinnten austauschen und merken, dass sie nicht die einzigen mit Fuß-/Windel-/Tier-/Roboter-Fetisch sind. Erneut lasse ich im Raum stehen, ob wirklich alles, das produziert wird, auch wirklich hätte produziert werden sollen.
Was ich mich nun aber fragen muss ist, wie viele der Dinge, an die wir uns durch das Internet gewöhnt haben, durch eine Erscheinung wie in der Musik ins komplette Gegenteil umgekehrt werden. Damit meine ich einen Effekt durch die Nutzer, unabhängig von dritten Instanzen wie Regierungen und ihren Regulatorien. Natürlich würde eine solcher Wechsel nicht über Nacht geschehen, aber ich halte es für durchaus realistisch, dass sich einige Extrema umkehren werden. Dadurch, dass es mehr Produzenten gibt, gibt es mehr Inhalt, und je mehr Inhalt es von etwas gibt, desto wahrscheinlicher ist die Umkehr zum exakten Gegenteil. Was konkret meine ich damit?
Ein Beispiel, das bereit begonnen hat, ist, so ungerne ich es auch nur erwähne (angesichts dessen, wie viel Lebenszeit mir dadurch flöten ging), ein gewisses anonymes Imageboard. Das mit dem Kleeblatt. Ihr wisst schon. Dessen Gründer beruft sich in den öffentlichen Vorträgen, die er ab und an hält, immer wieder darauf, dass das gegenwärtige Internet immer stärker in die Privatsphäre der Leute eindringt und, dass Seiten wie Facebook (über das es selbst in eigentlich seriösen Nachrichten jeden Tag eine Meldung gibt) ihre User dazu bringen, immer mehr von sich preiszugeben. Als direkte Reaktion darauf wurde das extreme Gegenteil davon geschaffen, das nun als "Anonymous" durch das Internet tobt und sowohl Gutes als auch Schlechtes hervorbringt. Da Facebooks Popularität weiterhin zuzunehmen scheint (nein ich werde mir da niemals einen Account erstellen) und da inzwischen sogar Spielehersteller versuchen, Leute auf ihre realen Identitäten festzunageln, frage ich mich, ob das Gegenteil, bedingungslose Anonymität, nicht in gleichem Maße Zulauf findet.
Ein anderer Fall, bei dem ich mir noch unschlüssig bin, ist Pornographie. Seien wir ehrlich, man wird im Internet gradezu davon angesprungen und weil das Fernsehen gemerkt hat, dass die Nachfrage so hoch ist, versucht es durch Sendungen wie "Spiegel TV : Orgasmus bei Mann und Frau" oder "Der Hurenbericht - 24 Stunden auf dem Strich" (Namen erfunden, aber realistisch) irgendwie, ohne die gesetzlichen Vorgaben und den Jugendschutz zu verletzen, ein Gegenangebot zu schaffen. Gleichzeitig wird in Fernsehen und Film zunehmend offener rumgevögelt, auch im Nachmittagsprogramm. Die Generation, die pornographisches Material zu einem Massenprodukt gemacht hat ist übrigens die selbe, die Teenager als "Generation Porno" verschreit. Oh dear, the irony. Ich könnte mir nun gut vorstellen, dass die permanente Berieselung mit Erotik bis Pornographie irgendwann ein so starkes Ausmaß annimmt, dass das Phänomen der (Begriff ausgedacht) "neuen Prüderie" entsteht, eine Welle der Abkehr von jeglichen anzüglichen Inhalten. Irgendwann ist es dann plötzlich bei den jungen Damen nicht mehr "in", den Ausschnitt weit zu haben oder mit knappen Hosen oder Röcken umher zu staksen und die Medien werden ganz erstaunt darüber berichten (während die Moderatorin noch ganz uncool in Latex und Fischnetz hinterm Pult sitzt).
Ein Beispiel noch: Videospiele begannen als kleine Geschicklichkeits-Übungen. Simple Spiele in denen man sich von links nach rechts bewegte. Vor etwa sieben Jahren noch waren PC- und Konsolen-Spiele zu gigantischen, cinematischen Hochglanz-Produkten aufgebläht. Bessere Grafik, mehr Krawumm, eine Handlung die die eines Filmes alt aussehen lässt, lange Spielzeit, hohe Anforderungen an die Spieler. Seit die Wii raus ist, hat sich genau das ins Gegenteil umgekehrt: Die Casual-Spiele haben den Markt erobert, man braucht keine Monster-Grafik mehr, um mal kurz zu spielen und ein bisschen Spaß zu haben. Die "Serious Adult Hardcore Gaymer" schütteln natürlich mit dem Kopf und verschreien die Pauschalisierung, die die Wii mit dem Spiele-Markt angestellt hat, aber die Abkehr von den Riesen-Titeln hin zu Mini-Spielchen konnten sie nicht aufhalten.
Worauf ich nun sehr gespannt bin: Wie eingangs beschrieben, hat sich das Verhältnis von Konsumenten zu Produzenten geändert. Dadurch wird das Entertainment-Kontingent, das sich die Menschen gönnen, zu einem großen Teil von Amateur-Material belegt, bestes Beispiel Machinima (bei Fragen zum Thema bitte an Balthazzar wenden, der studiert das. Nein wirklich.). Was ich mich nun frage ist, ob sich auch dieses neue Verhältnis, wo es doch gradezu explodiert ist, auch irgendwann umkehren wird. Werden die Menschen irgendwann wieder ihre Digitalkameras zur Seite legen, das gecrackte Videoschnitt-Programm schließen und sich vor den inzwischen eingestaubten Fernseher setzen, um nur noch professionell und mit großen Geldaufwand produzierte Inhalte zu konsumieren?
Ich denke schon. Ein erstes Symptom, auch wenn es vielleicht etwas weit her geholt ist, sind Blogs. Was WAREN die Internet-Tagebücher vor vier, fünf Jahren noch populär. Abertausende von Seiten entstanden, die voller Trivialitäten waren. Dann fiel den Schreibern, die "das nur mal ausprobieren wollten" nichts mehr ein, und die so hochgepriesene Blog-o-Sphere reduzierte sich auf einen Kreis von A-Bloggern (ein lange nicht mehr benutzter Begriff) und einige Enthusiasten, die mit ihrem Leben sonst nichts anzufangen wissen. Ein Massenphänomen ist es, denke ich, nicht mehr.
Noch spannender wird, ob es eine Gegenbewegung geben wird, die auf das Internet selbst, das uns von Jahr zu Jahr stärker vereinnahmt, durch komplette Abschottung reagiert. "Offliner" nennen die sich dann und entfliehen der modernen Welt, hinein in die Natur. Zurück zu den Wurzeln und Rüben und so. So eine Erscheinung gab es übrigens auch schonmal, nannte sich "Hippies", war recht groß in den 1960ern.

Wie also sieht die "umgekehrte" Zukunft aus? Werden wir alle zugeknöpfte, anonyme, reine Konsumenten von Hollywood-Krachern, die entweder Mini-Spiele spielen oder direkt in die Hütte im Wald einziehen? Sicherlich nicht. Aber wir sollten damit rechnen, dass es zu jeder Bewegung, sei sie politisch oder kulturell, eine Gegenbewegung gibt. Einzige Variablen sind Geschwindigkeit und Heftigkeit.

Von prophet am Donnerstag, Juli 08, 2010 um 18:06

TomTom of the Universe

Ein fast nackter, dicklicher Mann mit einer Streitaxt in der Hand und mit sehr starker, wolliger Brustbehaarung steht auf einem mächtigen Haufen aus Totenschädeln, während sich noch nacktere Frauen um seine behaarten Beine räkeln. Die Fell-artige Brustbehaarung des Mannes stellt sich bei sehr genauer Betrachtung als gigantischer Wald heraus, dessen braune Baumkronen den Waldboden in Dunkelheit tauchen. Um einen der knorrigen Äste schlingt sich eine fette Raupe, deren Kopf der von Ozzy Osbourne ist. Sie frisst die dicken Haare aus den Baumkronen an und murmelt ein undeutliches "Fo'k" vor sich hin. Im Kopf dieser Raupe befindet sich ein Universum, dessen gigantische Sternennebel ausschließlich von oranger Farbe sind. In diesem Universum treibt ein raumgroßer Glaswürfel, in dem Ernie aus der Sesamstraße und Willie Nelson auf dem Boden sitzen. Ernie trägt ein norwegisches Fußball-Trikot und starrt aus dem Würfel, während Willie Nelson im üblichen Look auf einer Western-Gitarre klimpert.
"Dieses ständige Orange erinnert mich an Holland", sagt Ernie, ungeachtet dessen, dass er selbst mehrheitlich orange ist. "Ich hätte bei der WM 2010 eigentlich einige "Robben-Kloppen"-Wortwitze erwartet, aber soweit ich weiß hat den damals niemand gebracht." Willie Nelson guckte von seiner Gitarre auf. "Friend, that was more than 5000 years ago!", sagt der Country-Sänger. Ernie nickt und schweigt dann eine Weile. Nach einigen tiefen Atemzügen setzt er erneut an. "Ich bin mal mit Günter Ne-" "I know. You told me twice", unterbricht Willie ihn. "Oh", sagt Ernie. "Äh...wie kommt es eigentlich, dass im August immer nur plumpe Action-KRAWUMM-Filme und prollige Komödien rauskommen? Wer hat sich das mal ausgedacht?", fragt die Puppe. "Dunno", sagt Nelson. "Ich meine, zum Beispiel 2010, The Expendables, A-TEAM, Werner Eiskalt (boahwasfüreinmüll), das ist doch alles..." "Yeah.", sagt Willie Nelson trocken und spielt die ersten Akkorde von "On the Road again". Ernie wippt mit dem Fuß mit. Er blickt auf das Navigationssystem in seiner Hand, das versucht, eine Strecke nach Jerusalem zu ermitteln. Der Kinderstar mit dem Grinsegesicht bemerkt, dass er nichts zu sagen hat. Willie spielt. Ernie: "On the road again, Just can't wait to get on the road again, The life I love is making music with my friends, And I can't wait to get on the road again...", singt er.
Der Glaswürfel treibt weiter langsam durch das orange Universum. Die Ozzy-Raupe bekommt Schluckauf von den vielen Brusthaaren. Ein Blitz schlägt in die ausgestreckte Axt des Mannes ein.
Nachtrag: Hier das ganze nochmal als Illustration für Lesefaule. Click to enlarge.

Von prophet am Samstag, Juli 03, 2010 um 11:36

Ausgebrannt?

Ob es an dem grässlich grellen, wabernd heißen Wetter liegt, oder doch an der Arbeit, von der man sich abends müde nach Hause schleift? Vermutlich trägt beides dazu bei, dass ich mich aktuell kaum in der Lage sehe, irgendetwas relevantes zu schreiben. Es war aber auch einfach nix.
Das überdominante Thema der letzten Wochen ist natürlich die WM, drüber schreiben möchte ich aber nicht, wird doch schon im Fernsehen, der Zeitung, dem Internet jedes einzelne Spiel zu Tode diskutiert. Ich glaube nicht, dass es bisher eine Fußball-WM gab, bei der so viel diskutiert, analysiert und zum hundertsten Mal alles durchgekaut wurde. Vor jedem Spiel gibt es erstmal zwei Stunden Berichterstattung inklusive wertfreier Pfeile, die auf Spielzüge projiziert werden. Wenn das ganze dann auch noch von den Kaspern von RTL samt Jürgen Klinsmann kommentiert wird, explodiert die Banalität zu einem Feuerwerk der Trivialitäten.
Außerhalb des Fußball-Zirkus gab es die seit langem abzusehende, knappe Wahl von Herrn Wulff zum Bundespräsidenten, nachdem der größte Horst im Staat den Hut genommen hat. Natürlich werden die drei nötigen Wahlgänge als Indiz der Koalitionskrise diagnostiziert, damit die Medien das Ereignis irgendwie ansatzweise als interessant hoch stilisieren können - dabei gibt es wenig, das so uninteressant ist wie Christian Wulff. Ob wir ihn jetzt auf Photos Hände Schütteln und Brücken einweihen sehen oder nicht, einen signifikanten Einfluss wird er auf die tatsächliche Politik in Berlin ganz sicher nicht ausüben. Das einzige, bei dem er das Volk wirklich aufrütteln wird, ist, wenn er mal wieder für Diätenerhöhungen stimmt.
Im Ausland tut sich indessen nicht viel. BP lässt weiterhin jeden Tag abertausende Liter Öl in den Golf von Mexiko laufen und der krisengeschüttelte Obama sieht hilf- und mutlos zu. Warum er BP nicht ein Ultimatium stellt, bis zu dem sie den Schaden behoben haben müssen, oder es gibt ein USA-weites Embargo für sie, verstehe ich nicht. Vielleicht ist er zu sehr davon abgelenkt, dass seine Irak-Deadline nicht ansatzweise eingehalten werden kann. Irgendwas mit G20 war noch aber da sich die Großen der Welt lieber über Kleinigkeiten streiten als konstruktiv zusammenzuarbeiten blieb auch dieses Treffen wieder ohne positive Resultate.
Im Kino war ich lange nicht mehr und für Vidyagaymez konnte ich mich nun auch nicht mehr begeistern. Seit GTA:EfLC habe ich nichts mehr gespielt (außer Pokemon Feuerrot *hust*...so ein Pantomimos ist ein vollwertiger Ersatz für ein Kadabra...). Ich verfolge das ganze aber auch erschreckend wenig. Ich weiß nur, dass es dieses hochgepriesene Red Dead Redemption nicht für PC gibt, HL2:EP3 muss warten bis Gabe Newell seinen Teller leergegessen hat und diesen A-Team Film gibt es noch nicht hierzulande. Was Bücher angeht, habe ich mir vorgenommen, mehr Retro-SciFi zu lesen. Vorgenommen. Und was Musik angeht, warte ich nur noch geduldig auf "Warp Riders" von The Sword im August.

Vielleicht ist es das, was man gerne mal als "Sommerloch" bezeichnet, vielleicht liegt es auch nur an mir und meinen Arbeitszeiten. Hoffentlich kommt die Inspiration zurück, das ist ja nicht auszuhalten.

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