
Peter Hudth, von Kollegen oftmals aufgrund seiner Leibesfülle und seiner sehr schlechten Haut als "
Pizza the Hutt" bezeichnet, werkelte fleißig im Kontrollzentrum seines privaten Observatorium. Der große Tag war endlich gekommen. Seit seiner Kindheit hatte Peter sich für den Weltraum begeistert, hatte in der Schule in Physik geglänzt, seinen Doktor in Astro-Physik gemacht und war anerkannter Experte für Raumfahrt geworden. Da die Erdbewohner, vor allem die weiblichen, sich trotz all seiner Titel nie besonders für ihn persönlich interessiert hatten und ihn sogar regelmäßig verhöhnten, hatte sich Peter dazu entschieden, dem irdischen Leben zu entsagen. Durch seine hochbezahlte Arbeit hatte er genug Geld aufbringen können, ein Observatorium samt Hangar zu errichten - nach Monaten des Planens, Werkelns und Bastelns war er nun endlich an dem Punkt angelangt, auf den, so schien es ihm, sein gesamtes bisheriges Leben hinausgelaufen war.
Seine Weltraumkapsel war fertig. Tatsächlich war sie recht schmal gehalten, denn die Reise ging nicht so weit, wie man vermuten sollte: Entgegen der Ergebnisse dieser Stümper bei der NASA hatte Peter herausgefunden, dass der Mars eigentlich eine dichte Atmosphäre bot, von nahrhaften Pflanzen überwuchert war und über reichlich Süßwasser verfügte. Warum die Öffentlichkeit weiterhin an den toten, roten Felsbrocken glaubte, war ihm ein Mysterium.
Stolz blickte er die Sphäre an, die ihn durch das All tragen sollte, zum Mars, das gelobte Land für ihn. Die Kapsel war komfortabel genug, um die Reise angenehm zu gestalten. Sogar einen CD-Player hatte er eingebaut (eigentlich was das Gerät für Autos gedacht, aber das störte ihn nicht weiter). Er blickte ein letztes Mal auf die Anzeigen, Diagramme und komplizierten Messungen, die seine Anlage auf den diversen Bildschirmen ausgab. Peter nickte mit seinem dicken Kopf und zog sich bis auf die schweißdurchtränkte Unterhose aus - wo er hinging, bedurfte er keiner Kleidung, niemand war da, um über ihn zu richten. Voller Elan stülpte er sich einen Helm über, so dass das fette Gesicht von den Seiten zusammengepresst wurde und Schmutz aus den groben Poren seiner Nase quoll. Es war kein schöner Anblick. Wirklich nicht.
Schnaufend kletterte Peter in die Kapsel, drückte die Fernbedienung um den Start-Prozess zu initiieren und schloss die Glaskuppel über seinem Sitz. Mit einem Zischen klappte sich die Kugel mit dem dicken, größtenteils nackten Mann darin zusammen. Die Plattform, auf der das Raumschiff im Hangar stand, drehte sich und das Kuppeldach öffnete sich. Wehmütig dachte Peter daran, wie er die gesamte Planung alleine durchgeführt hatte - es gab in seinem Leben niemanden, der bereit gewesen wäre, ihm zu helfen. Er kontrollierte die Anzeigen im Cockpit und bemerkte: Er hatte stets damit gerechnet, dass er, auch nach all den Jahren der Demütigung, in den letzten Momenten auf der Erde zurückblicken würde und irgendwie sentimental werden würde, sich an schöne Zeiten erinnern würde und sich geistig von der Menschheit verabschieden wollen würde - aber da war nichts. Keine Reue, keine Bindungen, es gab nichts, das er vermissen würde. Es fühlte sich leer an. Dachte er jedoch an sein neues Leben auf dem Mars, wo er wie ein König über den gesamten Planeten herrschen konnte, dann spürte er die Sehnsucht, die ihn so lange angetrieben hatte. "König Peter" dachte er sich und stellte fest, dass ihm der Titel gefiel. Peter legte die einzige CD ein, die er für die Fahrt zum Mars mitgenommen hatte.
King von Cynic begann zu spielen.
From the mountain top / He looks upon the crowds / Mindful among the mindless / Unbound
King of those who know / I'm sheltering the fears / The loneliness exposed / An ocean born of tears / For the worldEntschlossen legte er einige Kippschalter um, drückte auf Knöpfe und prüfte einige blinkende Lichter, die außer ihm niemals jemand verstehen würde. Dann war es so weit.
Der von ihm entwickelte Tachyon-Antrieb ließ das Schiff erbeben und wirbelte große Staubwolken auf. Es gab keine großen Flammen und Rauch, so funktionierte das nicht, aber es gab ein dumpfes Dröhnen und ein helles Licht von hinter dem kleinen Raumschiff, dass den Hangar erleuchtete. Mit seinen wurstigen Fingern schob Peter langsam den Schieberegler nach vorne, mit dem er den Schub steuerte. Ein Lenkrad hatte er nicht eingebaut - er würde auf direktem Kurs auf den Mars zusteuern und in einem solchen Bogen landen, dass die Kugel nicht bei der Landung zerbrechen würde. Die Kugel begann zu schweben, dann schob sie sich immer höher, gewann zunehmend an Schwung und schoss dem mit Sternen glitzernden Nachthimmel entgegen.
Was Peter natürlich nicht einkalkulieren konnte war, dass extremistische Norweger mit terroristischer Motivation ein Flugzeug entführt hatten, um es in das Weiße Haus zu jagen, wo Barack Obama an diesem Abend die großen Wahlen zum süßesten Baby der Welt abhielt. Wie allgemein bekannt, hassen Norweger alles unschuldige und schöne und wollen der Welt Hass und Zerstörung bringen. Darum auch Black Metal und Norweger-Pullis.
Unplangemäß rauschte die Kapsel mit hoher Geschwindigkeit durch eine Tragfläche des Fliegers, den die Norweger gekidnappt hattten. Das Flugzeug stürzte auf einem abgeernteten Mais-Feld ab, ohne größere Schäden anzurichten. Die Terroristen aus Skandinavien wurden verhaftet und nach längeren Untersuchungen stellte sich Peter Hudth als der Held heraus, der den Präsidenten der USA und die süßesten Babys der Welt gerettet hatte. Peter wurde ein Denkmal errichtet, an dem regelmäßig Gedenkfeiern stattfinden und Straßen wurden nach ihm benannt. Peter galt als einer der größten Helden der Gegenwart und als herausragendes Vorbild für kommende Generationen, in denen die Erforschung des Weltraums erneut florieren würde. Was aus ihm geworden war, war der Welt ungekannt.
Der Kurs, den Peter berechnet hatte, stimmte durch die Kollision mit der Tragfläche natürlich nicht mehr. Die Kapsel flog stattdessen in die komplett entgegengesetzte Richtung, prallte noch an einigen Meteoren ab und schlug schließlich auf dem Planeten Venus auf, der, entgegengesetzt dessen, was die moderne Wissenschaft behauptete, eine Atmosphäre, großartige Lebensgrundlagen in Wasser und Nahrung und eine dichte Besiedlung, bestehend ausschließlich aus sehr attraktiven Frauen bot.
Ein lauter Schrei der Verzweiflung entfuhr Peter, als er sich dieses Sachverhaltes gewahr wurde. In seinen Jahren des Martyriums auf der Venus stellte er fest, dass das Gesetz der Erde, dass attraktive Frauen immer und ohne Ausnahme oberflächlich und herablassend sind, sich auch auf der Venus anwenden ließ.
Peter starb nach wenigen, unglücklichen Jahren an einem Herzinfarkt.
Ende.