Von prophet am Samstag, August 28, 2010 um 12:20

Aut nau

Die folgenden, mit Spannung erwarteten CDs sind allesamt in den letzten Wochen erschienen und aus verschiedenen Gründen kann mich keine davon vollständig überzeugen.


The Sword - Warp Riders [2010] []
"Age of Winters" war großartig und "Gods of the Earth" ist bis heute einer meiner All-Time-Favourites. Der neueste Output der Texaner muss sich leider, für mich, hinter den Vorgängern einreihen. The Sword haben sich mit ihrem Retro-SciFi-Konzeptalbum stärker dem traditionellen Hard Rock zugewandt, wodurch Songs wie "Lawless Lands" recht unspektakulär im Vergleich zu bisherigen Liedern wirken. Natürlich gibt es immer noch die wahnsinnig einprägsamen, dicken Riffs und das furiose Getrommel, aber die Markenzeichen sind nicht mehr so bissig. Und obwohl in meinen Augen mehr drin gewesen wäre, dieses Album ist dennoch besser als die Best-Of Sampler manch anderer moderner Rockband. Neue Fans werden The Sword mit diesem Album in Massen gewinnen und das steht ihnen auch zu.


Bonded by Blood - Exiled to Earth [2010] []
Auch die kalifornischen Bonded By Blood, die dem Thrash Metal der 80er offen huldigen, haben sich ein SciFi-Thema für ihr neues Album ausgesucht (ich hab doch gesagt, die Zukunft ist wieder "In") - und wie auch The Sword schalten Bonded By Blood ein wenig zurück. Was bei ersteren in Ordnung geht, ist für letztere der Stolperstein. Da auf dem in meinen Augen absolut makellosen, brillianten ersten Album alle Songs gleich klangen, versuchen die jungen Herren, mehr Abwechslung zu schaffen und das Tempo auch mal zu variieren. Dadurch verlieren sie aber genau den Wahnsinn und den absurden Breakneck Speed, der "Feed the Beast" so perfekt gemacht hat. So haben wir ein Album, das irgendwo im oberen Mittelmaß der langsam nachlassenden Thrash Revival Welle steht, aber nicht mehr heraussticht. Schade.


Apocalyptica - 7th Symphony [2010] []
Spätestens seit dem selbstbetitelten Album hat der Apocalyptica-Hörer die Hoffnung aufgegeben, dass die Cellos jemals wieder wie solche klingen und nicht mehr wie verzerrte Gitarren oder Keyboards. Das siebte Album der Finnen leidet aber viel mehr darunter, dass die zahlreichen singenden Gäste, u.a. Gavin Rossdale und die Trulla von Flyleaf, den Songs mehr schaden denn helfen. Einzig "2010", das von Dave Lombardo begleitet wird, kann mich voll überzeugen. Die instrumentalen Eigenkompositionen wie "On the Rooftop with Quasimodo" sind zwar nicht schlecht, aber begeistern nicht mehr so wie noch vor diversen Jahren. Apocalyptica müssen dringlich ihren Produzenten feuern, sich hinsetzen, "Inquisition Symphony" hören und darüber nachdenken, wer sie eigentlich sein wollen.


Zoroaster - Matador [2010] []
Der Vergänger "Voice of Saturn" ist zwar super, um morgens müde zur Arbeit zu fahren, aber wirklich begeistert hat er mich nie. Die Single-Auskopplung "Odyssey" der neuen CD hat mich jedoch so sehr begeistert, dass ich dem Rest auch noch eine Chance gab. Leider handelt sich dabei schon um den besten Song - Odyssey I und II sind die für mich interessantesten Tracks auf dem Album. Im Vergleich zu "Voice..." haben die Songs ein wenig an Schwung gewonnen, Zoroaster spielen 2010 eher Stoner Rock als Ambient Doom Metal (siehe "Trident"). Das größte Problem der Herren aus Atlanta ist wohl die Konkurrenz: Electric Wizard haben den schwereren Sound, High on Fire den Dynamischeren, Mastodon den eingängigeren. Somit bleibt außer "Odyssey" leider nur ein gutes bis mittelmäßiges Album.

Von prophet am Mittwoch, August 25, 2010 um 19:04

Welten entfernt

Peter Hudth, von Kollegen oftmals aufgrund seiner Leibesfülle und seiner sehr schlechten Haut als "Pizza the Hutt" bezeichnet, werkelte fleißig im Kontrollzentrum seines privaten Observatorium. Der große Tag war endlich gekommen. Seit seiner Kindheit hatte Peter sich für den Weltraum begeistert, hatte in der Schule in Physik geglänzt, seinen Doktor in Astro-Physik gemacht und war anerkannter Experte für Raumfahrt geworden. Da die Erdbewohner, vor allem die weiblichen, sich trotz all seiner Titel nie besonders für ihn persönlich interessiert hatten und ihn sogar regelmäßig verhöhnten, hatte sich Peter dazu entschieden, dem irdischen Leben zu entsagen. Durch seine hochbezahlte Arbeit hatte er genug Geld aufbringen können, ein Observatorium samt Hangar zu errichten - nach Monaten des Planens, Werkelns und Bastelns war er nun endlich an dem Punkt angelangt, auf den, so schien es ihm, sein gesamtes bisheriges Leben hinausgelaufen war.
Seine Weltraumkapsel war fertig. Tatsächlich war sie recht schmal gehalten, denn die Reise ging nicht so weit, wie man vermuten sollte: Entgegen der Ergebnisse dieser Stümper bei der NASA hatte Peter herausgefunden, dass der Mars eigentlich eine dichte Atmosphäre bot, von nahrhaften Pflanzen überwuchert war und über reichlich Süßwasser verfügte. Warum die Öffentlichkeit weiterhin an den toten, roten Felsbrocken glaubte, war ihm ein Mysterium.
Stolz blickte er die Sphäre an, die ihn durch das All tragen sollte, zum Mars, das gelobte Land für ihn. Die Kapsel war komfortabel genug, um die Reise angenehm zu gestalten. Sogar einen CD-Player hatte er eingebaut (eigentlich was das Gerät für Autos gedacht, aber das störte ihn nicht weiter). Er blickte ein letztes Mal auf die Anzeigen, Diagramme und komplizierten Messungen, die seine Anlage auf den diversen Bildschirmen ausgab. Peter nickte mit seinem dicken Kopf und zog sich bis auf die schweißdurchtränkte Unterhose aus - wo er hinging, bedurfte er keiner Kleidung, niemand war da, um über ihn zu richten. Voller Elan stülpte er sich einen Helm über, so dass das fette Gesicht von den Seiten zusammengepresst wurde und Schmutz aus den groben Poren seiner Nase quoll. Es war kein schöner Anblick. Wirklich nicht.
Schnaufend kletterte Peter in die Kapsel, drückte die Fernbedienung um den Start-Prozess zu initiieren und schloss die Glaskuppel über seinem Sitz. Mit einem Zischen klappte sich die Kugel mit dem dicken, größtenteils nackten Mann darin zusammen. Die Plattform, auf der das Raumschiff im Hangar stand, drehte sich und das Kuppeldach öffnete sich. Wehmütig dachte Peter daran, wie er die gesamte Planung alleine durchgeführt hatte - es gab in seinem Leben niemanden, der bereit gewesen wäre, ihm zu helfen. Er kontrollierte die Anzeigen im Cockpit und bemerkte: Er hatte stets damit gerechnet, dass er, auch nach all den Jahren der Demütigung, in den letzten Momenten auf der Erde zurückblicken würde und irgendwie sentimental werden würde, sich an schöne Zeiten erinnern würde und sich geistig von der Menschheit verabschieden wollen würde - aber da war nichts. Keine Reue, keine Bindungen, es gab nichts, das er vermissen würde. Es fühlte sich leer an. Dachte er jedoch an sein neues Leben auf dem Mars, wo er wie ein König über den gesamten Planeten herrschen konnte, dann spürte er die Sehnsucht, die ihn so lange angetrieben hatte. "König Peter" dachte er sich und stellte fest, dass ihm der Titel gefiel. Peter legte die einzige CD ein, die er für die Fahrt zum Mars mitgenommen hatte. King von Cynic begann zu spielen.
From the mountain top / He looks upon the crowds / Mindful among the mindless / Unbound
King of those who know / I'm sheltering the fears / The loneliness exposed / An ocean born of tears / For the world

Entschlossen legte er einige Kippschalter um, drückte auf Knöpfe und prüfte einige blinkende Lichter, die außer ihm niemals jemand verstehen würde. Dann war es so weit.
Der von ihm entwickelte Tachyon-Antrieb ließ das Schiff erbeben und wirbelte große Staubwolken auf. Es gab keine großen Flammen und Rauch, so funktionierte das nicht, aber es gab ein dumpfes Dröhnen und ein helles Licht von hinter dem kleinen Raumschiff, dass den Hangar erleuchtete. Mit seinen wurstigen Fingern schob Peter langsam den Schieberegler nach vorne, mit dem er den Schub steuerte. Ein Lenkrad hatte er nicht eingebaut - er würde auf direktem Kurs auf den Mars zusteuern und in einem solchen Bogen landen, dass die Kugel nicht bei der Landung zerbrechen würde. Die Kugel begann zu schweben, dann schob sie sich immer höher, gewann zunehmend an Schwung und schoss dem mit Sternen glitzernden Nachthimmel entgegen.


Was Peter natürlich nicht einkalkulieren konnte war, dass extremistische Norweger mit terroristischer Motivation ein Flugzeug entführt hatten, um es in das Weiße Haus zu jagen, wo Barack Obama an diesem Abend die großen Wahlen zum süßesten Baby der Welt abhielt. Wie allgemein bekannt, hassen Norweger alles unschuldige und schöne und wollen der Welt Hass und Zerstörung bringen. Darum auch Black Metal und Norweger-Pullis.
Unplangemäß rauschte die Kapsel mit hoher Geschwindigkeit durch eine Tragfläche des Fliegers, den die Norweger gekidnappt hattten. Das Flugzeug stürzte auf einem abgeernteten Mais-Feld ab, ohne größere Schäden anzurichten. Die Terroristen aus Skandinavien wurden verhaftet und nach längeren Untersuchungen stellte sich Peter Hudth als der Held heraus, der den Präsidenten der USA und die süßesten Babys der Welt gerettet hatte. Peter wurde ein Denkmal errichtet, an dem regelmäßig Gedenkfeiern stattfinden und Straßen wurden nach ihm benannt. Peter galt als einer der größten Helden der Gegenwart und als herausragendes Vorbild für kommende Generationen, in denen die Erforschung des Weltraums erneut florieren würde. Was aus ihm geworden war, war der Welt ungekannt.

Der Kurs, den Peter berechnet hatte, stimmte durch die Kollision mit der Tragfläche natürlich nicht mehr. Die Kapsel flog stattdessen in die komplett entgegengesetzte Richtung, prallte noch an einigen Meteoren ab und schlug schließlich auf dem Planeten Venus auf, der, entgegengesetzt dessen, was die moderne Wissenschaft behauptete, eine Atmosphäre, großartige Lebensgrundlagen in Wasser und Nahrung und eine dichte Besiedlung, bestehend ausschließlich aus sehr attraktiven Frauen bot.
Ein lauter Schrei der Verzweiflung entfuhr Peter, als er sich dieses Sachverhaltes gewahr wurde. In seinen Jahren des Martyriums auf der Venus stellte er fest, dass das Gesetz der Erde, dass attraktive Frauen immer und ohne Ausnahme oberflächlich und herablassend sind, sich auch auf der Venus anwenden ließ.
Peter starb nach wenigen, unglücklichen Jahren an einem Herzinfarkt.

Ende.

Von prophet am Dienstag, August 17, 2010 um 20:49

Down on the Street

Das wunderlich vorherrschende Thema in allen Nachrichten ist immer noch Google Street View, auf allen Titelseiten kocht die Diskussion, sprechen sich Leute dafür und dagegen aus. Die einen sagen "ist mir egal", die anderen fühlen sich beobachtet und ihre Privatsphäre bedroht (das sind entweder alte Menschen oder junge Frauen, die Photos von sich und ihren Freundinnen auf Facebook hochladen). Mich selbst wundert es, dass die Aufnahmen eine solche Kontroverse hervorrufen. Da Googles Kameras (bisher) auf Autos geschnallt sind, können sie nur alle Dinge aufnehmen, die von öffentlichen Straßen aus ersichtlich sind. Somit ist nichts zu sehen, was nicht auch außerhalb des Internets, in dieser "echten Welt", von der man so viel hört, den ganzen Tag für jeden Passanten zu sehen ist. Wer sein Haus aus Gold oder seine Garage voller Raketenautos verstecken möchte, sollte lieber Büsche pflanzen als gegen Street View protestieren - dann hilft der Schutz nämlich auch über ein Bild im Internet hinaus. Wer sich aufregt, dass Google Street View ihn dabei aufgenommen hat, wie er sich öffentlich am Sack kratzt, sollte vielleicht darüber nachdenken, sich nicht mehr in der Öffentlichkeit den Sack zu kratzen. Oder zumindest vorher nach Frauen, kleinen Kindern und Google Autos Ausschau zu halten.
Ich persönlich bin in der Tat für Google Street View. Ich möchte das haben. Zum einen ist es nichts anderes als ein Atlas, angepasst auf die Möglichkeiten des 21ten Jahrhunderts. Zum anderen möchte ich in der Lage sein, über das Internet rauszufinden, wie das Gebäude aussieht, das ich suche. So muss ich nicht mehr nach Hausnummern gucken oder mich an Straßenkarten orientieren, sondern weiß, dass ich das große blaue Haus mit dem Bären darin suche.
Und außerdem: Ich bin jemand, der in seinem Leben noch nie in den Urlaub gefahren ist. Noch nie. Das da oben auf dem Bild zu diesem Text ist eine Bundesstraße irgendwie in Kansas, USA. Jetzt kann ich, der ich noch nie in Kansas war, trotzdem wissen, dass es dort, erwartungskonform, auch nicht viel anders aussieht als hier und ich mir die Reise sparen kann. Und dieses Wissen finde ich wertvoll, denn sonst wäre es mir nur über das Fernsehen und vereinzelte Photos in Büchern und im Internet zugänglich.

Down on the street, where the faces shine. Floatin' around, i'm a real low mind.

Von prophet am Montag, August 16, 2010 um 18:06

Blood Fire Glory Death

Aus seiner Sicht:
John-Rambo Kosslowski (er trug zwei Vornamen), saß breitbeinig in der Ehrenhalle der Weisen. Grimmig lehnte er sich mit seinen massigen Schultern zurück. Schließlich kam eine junge, kaum bekleidete Frau in den Raum, kniete vor ihm nieder und flehte ihn mit verführerischem Unterton an, ihr zu folgen. Lässig schnaubend erhob sich der muskulöse, mit Fellen behangene Krieger und folgte der attraktiven Frau in die Kammer der Schmerzen - nicht, ohne ihr auf dem Weg die Künste der Lust zu zeigen, die bereits viele Frauen hatten erzittern lassen. Die Weiber waren ihm allesamt verfallen. Als sie ankamen, wollte sich die schwache Frau kaum noch von ihm trennen - er schenkte ihr ein männlich herbes Lächeln, dann trennte er sich von ihr. Unbeeindruckt setzte er sich auf den Thron der Schädel, als die Zauberin erschien. Ihr perfekter Körper mit der samtenen Haut rieb sich an ihn, als sie begann, John-Rambo mit ihren stählernen Krallen und magisch heraufbeschworenen Blitzen zu foltern. Lässig nahm der männlich behaarte Barbar die Schmerzen hin, ohne eine Miene zu verziehen und fing gelangweilt an, mit seinen Muskeln zu spielen. Sichtlich beeindruckt beendete die Zauberin ihr Hexenwerk, warf sich vor dem wie in Stein gemeißelten Krieger auf die Knie und flehte ihn an, sich mit ihr zu paaren. John-Rambo lächelte und warf sich seinen Hörnerhelm auf den Kopf. Ohne die Hexe eines Wortes zu würdigen verließ er den Tempel der Höllenqualen und strebte neuen Schlachten entgegen - um eines Tages vielleicht zurückzukehren und der Hexe zu zeigen, wie echte Männer eine Frau befriedigen. Er schwang sich auf sein Streitross, ritt in den Sonnenuntergang und verfluchte die Götter, wie der echte Kerl, der er war.


Aus ihrer Sicht:
Sie bekam mit, wie ihre Mitarbeiterin ins Wartezimmer ging und Herrn Kosslowski bat, ihr doch bitte zu folgen. Ein junger Mann mit dicker Brille, schmierigen Haaren, geschmackloser Kleidung und fahlem Gesicht, der zunächst Ski fliegend schief liegend auf einem Stuhl hing, schlurfte der jungen Zahnarzt-Helferin schließlich hinterher. Sie konnte sehen, dass er ihrer Kollegin den gesamten Weg auf den Hintern starrte. Die Kollegin deutete ihm, sich doch bitte auf den Behandlungs-Stuhl zu setzen. Mit blödem Grinsen latschte er an ihr vorbei und legte sich auf den Sitz, der unter seinem Gewicht knirschte.
Sie betrat den Raum und begrüßte ihn freundlich, woraufhin er nur undeutliches Murmeln von sich gab. Sie legte dem Patienten eines dieser weißen Lätzchen um, wischte seine fettigen Barthaare ein wenig zur Seite und begann, den dichten Zahnstein zu entfernen. Während der gesamten Prozedur zuckte, fiepte und wimmerte der junge Erwachsene wie ein kleines Kind. Als er schließlich aufstand, hatte er Tränen in den Augen und roch ein wenig nach Urin. Sie wünschte ihm noch einen schönen Tag, woraufhin er nur doof stotterte, sich durch den ekeligen Bart wischte und seine Flaschenböden-Brille ins fettige Gesicht warf. Mit schabenden Schritten schob er sich aus dem Raum, bezahlte vorne an der Theke und verließ die Praxis. Die junge Zahnarzthelferin machte später am Tag Feierabend, traf sich mit ihren Freundinnen, hatte einen tollen Abend mit viel Quatschen und Lachen und Nachts wundervollen Sex mit ihrem liebevollen Freund. John-Rambo Kosslowski hockte zu Hause alleine vor dem Computer, aß Pamps von Burger King und masturbierte zu Pornographie, die er illegal aus dem Internet runtergeladen hatte.

Von prophet am Freitag, August 13, 2010 um 20:24

The A-Team

Als ich die erste News las, war ich halb euphorisch, halb skeptisch. Nach dem ersten Trailer war ich nur noch skeptisch. Nach dem Film war ich zufrieden.

Die großartigen Actionserien der 80er zu verfilmen ist so schwierig, weil sie einzigartige Charaktere schufen. Zu meinem großen Erstaunen war das Casting der Verfilmung des A-Team (fuck yeah A-Team) jedoch gut genug, dass das Quartett nicht wie eine Parodie der Originale wirkt: Liam Neeson ist eine fantastische Wahl für die Rolle des Hannibal, Sharlto Copley (bekannt als Wikus aus District 9) gibt einen großartigen Murdoc ab, Bradley Cooper modernisiert Face vollkommen angemessen - nur Quinton Jackson kann als B.A. nicht ganz überzeugen, zu sehr hat Mr. T seinen Stempel aufgedrückt. Wenn man sein "Fool!" hört, hat man leider wirklich den Eindruck einer Karikatur.
Der Film beginnt, als sich Smith, Peck, Murdoc und Baracus zum ersten Mal durch Zufall treffen - der Film macht dann einen Zeitsprung zu dem Zeitpunkt, als Ihnen "the crime they didn't commit" angehängt wird. Dass das ganze dann im Irak und nicht in Vietnam passierte stört dabei keinen Deut. Den Rest des Filmes verbringen die Vier damit, aus dem Gefängnis auszubrechen und ihren Namen reinzuwaschen. Dabei schweißen sie zwar keine Stahlplatten an Trucks, kloppen sich nicht mit Schlägern von Immobilienhaien und retten die gottestreuen amerikanischen Farmer vor den bösen Städtern - aber das ist ok, denn sonst wäre dieser Film nur eine neue, überlange Folge der Serie und wenig sinnig. Stattdessen gibt es eine Mischung aus Hannibal-typischen Plänen und Verwirrspielen, einigen Feuergefechten, Explosionen und einem doch etwas albernen Manöver, um den Bösewicht am Ende zu überführen.
Dieser Film ist genau so unsinnig wie die Serie und lebt wie die Serie von einer Mischung aus Action-Szenen und dem Miteinander dieser so unterschiedlichen Charaktere. Er bedient Fans zur Genüge, weiß aber auch ein modernes Publikum anzusprechen und darum fand ich diesen Film auch gut. Nicht, weil er besonders intelligent, anspruchsvoll oder schauspielerisch überragend war, sondern weil er als Paket Sinn macht, auch ohne, dass sich im Film ein einziger Militär-Jeep mit einer 180° Drehung um die eigene Achse über der Kamera überschlagen hätte. Und nein, Hannibal verkleidet sich nicht als alte Frau oder als Aquamaniac.
Sicher wird dieser Streifen nie als besonders gut in die Bücher der Filmgeschichte eingehen, er verkauft sich schlechter als erhofft, die Kritiken sind mäßig und ich bin sicher, dass viele Zuschauer eine Menge dran zu mäkeln haben. Mir gefiel er. Weil er funktioniert. Und - man möge mir diesen Spruch doch bitte verzeihen - Ich liebe es, wenn ein Film funktioniert!

Von prophet am Donnerstag, August 12, 2010 um 19:07

Wo sie hingehören

Ich möchste daran erinnern, welch riesiger Verwaltungsaufwand ALLES in Deutschland ist.

Frau von der Leyen hat sich schon seit langem als realitätsfremde, beratungsresistente und sachlich kaum kompetente Populistin profiliert. Nachdem das Bundesverfassungsgericht bereits einspringen musste, um die Bevölkerung vor den Plänen der Bundesregierung zu schützen, sah sich unsere Arbeitsministerin nun dazu gezwungen, einen neuen Plan für Bälger von Hartz 4 Empfängern zu entwickeln. Da Frau von der Leyen nicht Thilo Sarrazin (SPD) ist, sprach sie nicht von einer Zwangssterilisation ab Arbeitslosigkeit von mehr als einem Jahr. Ihr Vorschlag: eine Karte für diese Kinder einführen, die unter Vorlage in Musikschulen oder Freibädern Preisermäßigungen bringen sollen.

Dass diese komplett aus der Luft gegriffene und nur mäßig durchdachte (und damit für Frau von der Leyen symptomatische) Idee die Kinder stigmatisiert, hat der Spiegelfechter recht schön zusammengefasst, daher verweise ich an dieser Stelle nur. Was aber obendrauf kommt ist nicht nur der gewaltige Mehraufwand in Verwaltung und damit Kosten für die Ämter / den Staat, was obsolet wäre, wenn man den Familien das Geld einfach bar ausbezahlen würde anstatt Ihnen dieses lächerliche Kartengedöns aufzudrängen. Was diese Gedanken aussagen ist in meinen Augen, dass Frau von der Leyen damit beschäftigt ist, arbeitslose Menschen nicht mehr in Arbeit zu bringen (das hat sie inzwischen wohl aufgegeben), sondern vielmehr deren Status als Außenseiter in der Gesellschaft durch diese Karten zu zementieren und sie noch mehr auszugrenzen.
Ich scheue den Vergleich mit dem Dritten Reich immer, weil es so unverschämt für jeden Scheiss missbraucht (und damit erschreckend relativiert) wird, aber ich muss an diese Judenstern-Aufnäher für Jacken und Hemden denken. Wer seine Asozialen-Karte (ich bin sicher ein solcher Spitzname wird entstehen) zückt, der wird in bestimmte Etablissements gar nicht erst herein gelassen und hat sich bitte unter seinesgleichen zu bewegen. Wenn wir die Hartz 4 Bevölkerung nicht auflösen können, dann wollen wir sie wenigstens kontrollieren und zusammenpferchen, so scheinbar das Denken der Bundesregierung und ihrer Vertreter. Es kotzt mich an.
Wenn Schwarz/Gelb wirklich energisch etwas gegen Arbeitslosigkeit tun wollte, dann könnten sie zum Beispiel kleine Gewerbe und Gering- bis Mittelverdiener entlasten. Dann würde sich Arbeit nämlich wieder lohnen, die kleinen Unternehmen könnten es sich leisten, mehr Leute zu beschäftigen und die Angestellten würden nicht einen großen Teil ihres schmalen Gehaltes an Steuern abdrücken müssen. Das Geld können sie dann direkt in die Bildung Ihrer Kinder stecken. Damit sind diese ekelhaften Karten obsolet.
Der CDU-Mann würde jetzt protestieren, mich als unseriös abtun und bemängeln, dass sowas durch Steuerausfälle nicht finanzierbar wäre. Ich sage: Die Bundesrepublik käme gut mit geringeren Einnamen aus. Dafür könnten wir an den Ausgaben für so eine Scheisse wie die bestellte Flotte von Airbussen (für die Landung der Bundeswehr in Pakistan?) oder den jährlichen Abertausenden für absurde Anachronismen wie diesen Bund der Heimatvertriebenen sparen. A penny saved is a penny earned. Oder mal eine Rückzahlung von den geretteten Banken und Autokonzernen fordern. Von den Summen könnten die Eltern der Kinder unter Hilfe des Staates in sich lohnende Arbeit gebracht werden, vielleicht könnten sogar verschiedene Mindestlöhne eingeführt werden.
Das einzig Positive, das ich an der Idee zu finden vermag ist, dass der Einsatz dieser Mittel auf bestimmte Dinge reduziert wird. Nun mag man zwar klagen, dass die Bundesregierung vereinheitlicht vorschreibt, was einem individuellen Kind gut täte und was nicht, aber letzten Endes soll es vor dem Missbrauch dieser Unterstützung bewahren. Ich sage nicht, dass jeder Hartz 4 Empfänger sein Kindergeld versäuft und für Kippen ausgibt. Aber leider leider würde ich es unabhängig vom Beschäftigungsstatus vielen zutrauen - man braucht nur mal 10 Minuten RTL2 gucken.
Damit meine ich nicht die Personen die sie zeigen, sondern die, die das gucken.

Von prophet am Montag, August 09, 2010 um 20:13

Worst of Both Worlds

Halte ich sonst doch viel von ASUS, das im nächsten Monat erscheinende EeePC 1215N [Spezifikationen] erscheint mir extrem sinnlos. Es gibt doch drei Geräte- und Zielgruppen: Hochqualitative Thinkpads für den professionellen Einsatz, normale Laptops als mobiler PC und die schäbigen Netbooks, die zwar kaum für mehr als IRC-Client oder zum PDF-lesen taugen, aber dafür so billig sind, dass der Kauf nicht weiter schmerzt. Mit stolzen 500 € Preis ist das 1215N zu teuer, als dass es ein Netbook wäre, aber nicht leistungsfähig genug, um ein gutes Notebook zu sein - statt einem günstigen Notebook ist es somit ein teures Netbook. Und das braucht wirklich niemand. Daher meine Empfehlung: Entweder man kauft sich für 300 € ein nur für bestimmte Einsätze dediziertes Netbook und erwartet keinen vollständigen PC, oder man kauft sich ab 1000 € ein gescheites, langlebiges, fähiges Gerät. Gerne auch von ASUS.

Von prophet am Samstag, August 07, 2010 um 20:10

Ralf mit der Narwal-Hand

Es klingelte an der Haustür von Ralf mit der Narwal-Hand. Seufzend pausierte Ralf die Gary Moore CD, die er seit einigen Stunden in einer Endlosschleife hörte (er hatte wieder den Blues), hob sich aus seinem Korbstuhl und ging patschenden Schrittes zur Tür. Als er sie öffnete, standen ihm zwei junge Männer in weißen Polohemden und schwarzen Anzughosen gegenüber. Sein Gesicht spiegelte sich in ihren polierten Lackschuhen.
"Guten Tag.", grüßte ihn einer der beiden bedenklich gleich aussehenden Männer. "Hallo.", sagte Ralf und überlegte, ob es sich um Embryo und Dirty Women Grob handelte und er die Polizei rufen sollte. Er verwarf den Gedanken.
"Wir möchten mit Ihnen über das Internet sprechen", erklärte der zweite. "Wie stehen Sie zu...wa-....was ist denn das da an Ihrer Hand?", fragte er entsetzt. "Ein Narwal", sagte Ralf mit der Narwal-Hand. "Oh.", sagte der erste der beiden Besucher und starrte unhöflicherweise auf die Narwal-Hand. "Äh.". Die drei jungen Männer schwiegen sich an. "Und?", fragte Ralf. "Ah. Ja. Wie stehen Sie zum Internet?", fragte schließlich einer der beiden Fremden. Ralf schnaubte. "Ich bin da jetzt nicht so besonders, äh, also ich hab so ein bisschen Internet, aber...uff...jetzt eigentlich nicht so.", antwortete er. Flugs zog der rechte Vertreter eine Broschüre hervor und hielt sie Ralf hin. Mit seiner Nicht-Narwal-Hand nahm er den Flyer entgegen und starrte auf die bunten Buchstaben. "Unsere Vereinigung glaubt", fuhr der linke fort, "dass im Jahre 2022 die Menschheit aufgrund ihrer Sünden vernichtet werden wird und nur die das jüngste Gericht überleben, die mit mindestens 16 Mbit online sind!". Ralf schenkte seine Aufmerksamkeit halb der Erzählung des Besuchers, halb dem Wisch, den er in der Hand hielt. "Gepriesen sei Dark Fiber" und "Warum IPv6 Hexerei ist" stand darauf.
"Hören Sie, äh, ich habe wirklich kein Interesse an äh...". Die beiden ordentlich angezogenen Herren beugten sich ein wenig vor. "Wir könnten Ihnen weiteres Infomaterial per Mail senden, wir bräuchten nur Ihre Konto- und PIN-Nummer...".
"Nein. Hören Sie, äh, das muss ich wirklich nicht haben", sagte Ralf, "zumal, also, ich bin ja auch nur mit, was war das, 370 Kbit angebunden hier." Hastig zogen die beiden Vertreter Ihre Köpfe zurück, atmeten scharf ein und bekreuzigten sich unauffällig. Ein ungläubiges Kopfschütteln folgte.
"Wenn es Ihnen nichts ausmacht, ich bin sehr beschäftigt, also äh, ich erm, ich guck mir das an, und wenn ich das äh...gut finde, dann sag ich Ihnen Bescheid, ok?", wimmelte Ralf sie ab. Bevor einer der beiden Besucher etwas sagen konnte, hatte Ralf auch schon die Tür geschlossen. Er spießte den Flyer mit dem Horn seiner Narwal-Hand auf, warf es in seinen Altpapier-Karton in der Ecke und setzte sich wieder vor sein Fenster, wo er die langsam vorbeiziehenden Wolken beobachtete und Gary Moore hörte. Der Blues wurde nicht besser.


Mäßig inspiriert von diesem Bild von Alex Pardee. Bonuspunkte für den, der als erster den versteckten Witz findet.

Von prophet am Montag, August 02, 2010 um 22:12

Schlacke

//Ich glaube, ich werde Nachts von menschenartigen Wesen besucht, die von unter der Erde kommen. Die graben sich aus dem Boden aus, mit ihren runzeligen, knorrigen Krallen, um dann wenn es dunkel ist unter mein Fenster zu kriechen und mich mit niedrig-frequenten Schallwellen und rückwärts gespielten Drohungen zu bestrahlen. Manchmal klettern sie vielleicht auch bis zu meinem Fenster hoch und pieksen mir mit mikroskopisch feinen, langen Nadeln durch den Schädel ins Gehirn. Verdammte bayerische Maulwurf-Fliegen-Menschen. Anders kann ich mir meinen geistigen Zustand nicht erklären. Hnnnng.
//General Petraeus wählte recht martialische Worte, um das neue Vorgehen der Vereinten Westlichen Truppen in Afghanistan zu befehlen. Nachdem die Kaaskoppens nun anfangen, ihre Soldaten abzuziehen und nach dem gigantischen Debakel, dass der von mir hochgeschätzte Wikileaks-Skandal war, wird sich nun zeigen, ob die Haudrauf-Taktik Erfolge bringt oder ob "Afghanistan" "Vietnam" endgültig als Symbol verdrängt. Erinnert sich noch jemand vage an 2001, 2002, 2003, als unter Schorsch Bush die Amerikaner erst in Afghanistan einfielen, um dann einen "kurzen" Schlenker rüber in den Irak zu machen? Damals waren in den Medien zügig vorwärts fahrende Panzer zu sehen, um Fortschritt zu suggerieren. Jetzt sieht man die Panzer nur noch langsam und vorsichtig rollen, mit nervös blickenden Soldaten obendrauf.
//Ich verliere den Überblick bei den Öl-Katastrophen. Das vor der südöstlichen Küste Amerikas ist ja bekannt, aber jetzt auch noch China und Kuwait? Und war nicht neulich auch noch was in Afrika? Ist das jetzt in, sowas zu haben und wenn ja, wieso haben wir sowas noch nicht?
//Ich bin mir nicht sicher, ob ich es jemals erwähnt habe, aber ich finde den Anblick von sehr sehr dicken Menschen, die alleine an einem Tisch sitzen, etwas ungesundes Essen und dabei aus dem Fenster gucken irgendwie angenehm. Sowas sollten McD und BK als Riesen-Poster ausdrucken und in ihrem Filialen als Raumdekoration aufhängen.

Ich möchte mich für Posts wie diesen entschuldigen, mir fällt derzeit nichts besseres ein.

Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seiten ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesem Inhalt distanziert. Für alle Links auf diesem Blog gilt: Ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Seitenadressen auf meinem Blog und mache mir diese Inhalte nicht zu eigen.

kostenloser Counter