Von prophet am Donnerstag, September 30, 2010 um 19:31

Und Rauch

//Umzug von XP auf Win7 am letzten Wochenende vollzogen. Die eigentliche Hürde waren Treiber für's WLAN (64bit, baby!) und eine neue Version von BBLean. Ich habe es zwar mit dem normalen Explorer-Betrieb versucht, aber der Komfort fehlte mir doch gewaltig. Arbeitsfähigkeit ist wiederhergestellt, nebenbei bin ich von Winamp (jaja ich weiß) auf Foobar2000 umgestiegen. Was mich sehr verwunderte: Steam, das auf einer sekundären Partition lag, startete ohne zu mucken, obwohl die Registry eine neue war. Warum weiß ich nicht.
//Arbeitsbedingt schleife ich mich jeden Abend auf dem Zahnfleisch nach Hause, was nicht nur an der auslaugenden Erscheinung liegt, dass Abends nicht mehr funktioniert als Morgens, sondern auch an den Massen an Überstunden, die ich weder abgebummelt noch ausbezahlt bekomme. Da tun 15 Überstunden pro Woche (Spitzenwert) richtig weh. Hinschmeissen sollte man generell nur, wenn man woanders unterkommt, und das ist nicht der Fall. Bräuchte ich nicht das unterdurchschnittliche bisschen Geld, ich würde nichtmal daran denken, arbeiten zu gehen. Für Vorschläge, wie ich schnell viel Geld machen kann, um dann nie wieder wie ein Sklave arbeiten zu müssen, bin ich jederzeit offen.
//Ich kann mir nicht vorstellen, dass der FSV Mainz 05 länger als bis zur Hälfte der Saison an der Tabellenspitze bleibt. Auch wenn Schalke, Stuttgart und Werder aktuell in der Krise stecken und die Bayern hinter ihren Möglichkeiten hinterherrennen, irgendwann wird die Siegesserie der Mainzer abbrechen und am Ende der Saison landen sie dann irgendwo auf den mittleren Rängen. Denke ich.
//"Stuttgart 21" hat mich persönlich nie sehr interessiert, es ist nur eine große Skalierung des typischen Konglomerats aus Beratungsresistenz, dem sinnfreien Festklammern an einem überholten Plan und Mangel in der Sachkompetenz, das von Behörden immer wieder mit einer gewissen Selbstverständlichkeit in die Praxis umgesetzt wird. Außerdem ist es in Stuttgart und das ist Ausland. Dass die Protestanten gegen dieses nutzlose Prunkobjekt nun nach Jahren des Einsatzes schon von der Polizei niedergeknüppelt werden, finde ich ekelhaft und drückt die Hilflosigkeit der Landesregierung gegenüber einer Bevölkerung aus, die genau das Gegenteil dessen will, was eine Handvoll Beamter sich aus dem Kopf gepult hat.
//Namen sind nur Schall und Rauch.

Von prophet am Sonntag, September 26, 2010 um 13:25

Traumhaft

Sich im Halbschlaf hin und her wälzend lag ich im Bett, mein Gehirn hilflos gefangen zwischen wach und Standby (der Unterschied ist bei mir gering). Ich träumte in Kamerafahrten. In meinem Kämmerchen befanden sich diverse Teller und Schüsseln, Schalen und Pötte, in denen Essensreste, Saucen und sonstiger Pamps gammelten - sie waren alle alt und abgestanden. In meinem Regal mit den Hardwarekartons und den PS1 Spielen schließlich befand sich eine Plastikschale dieses Mikrowellenessens mit dem Ventil. Darin befand sich eine pechschwarze, undefinierbare Suppe. Auf dem Deckel war das Cover von "Transylvanian Hunger" von Darkthrone. Als ich später aufstand, überprüfte ich erstmal unsicher meine Räumlichkeiten auf alte Schüsseln. Da waren keine. Ich bin beeindruckt, dass mein Hirn selbst auf hibernate von alleine Kalauer produziert - müsste ich mir Sorgen machen, Doktor Freud?

Von prophet am Mittwoch, September 22, 2010 um 20:49

Ein Ohr riskieren

Doomriders - Darkness Come Alive [2010] []
Konnte das, was ich vom Debüt "Black Thunder" hörte, mich noch nicht voll überzeugen, macht die zweite richtige LP einen riesigen Schritt vorwärts. Die Herrn aus Boston spielen irgendetwas zwischen Doom Metal und Hardcore, was per definitionem Sludge heißt, aber sich mehr wie Stoner Rock und Heavy Metal anhört. Nicht so fröhlich und poppig wie Torche, dabei rockiger als etwa Howl, findet sich auf dem neuen Album kein einziger schwacher Song, auch wenn der Über-Hit ausbleibt. Dank genügend Abwechslung, super Produktion mit kräftigem Sound und der richtigen Mischung aus Heavyness und Dynamik ist dieses Album für mich die größte positive Überraschung der letzten Monate. Tipp sowohl für die, die schon alles von den Vergleichsbands kennen, als auch für Einsteiger in die Musik. Gefällt mir sehr gut.


Hellhammer - Satanic Rites [1983] []
Avant-garde heißt 'seiner Zeit voraus'. Diese Aufnahmen sind das, was Death Metal und Black Metal geprägt hat. Als die Schweizer, die später Celtic Frost ausmachen würden, ihre Demos veröffentlichten, hatten Metallica grade Dave Mustaine rausgeworfen. Sicher gab es laute, schnelle Musik, aber, von Venom einmal abgesehen nichts, das ansatzweise so böse war wie dieses stumpfe, düstere und harte Gewummere. Der Einfluss, den Hellhammer dabei auf nachfolgende Generationen von Bands ausübten ist enorm, nicht umsonst zollen selbst Titanen wie Napalm Death den Altmeistern Tribut. Vor allem Messiah ist so prägnant und auf den Punkt, dass es ein zeitloser Klassiker des Genres ist und auch heute noch harscher ist als viele zeitgenössische Songs. Ein Stück musikalische Allgemeinbildung - Wer ccchat's erfundn?


Discharge - Hear nothing See nothing Say nothing [1982] []
Das nächste Stück Allgemeinbildung. Bands wie Anthrax nahmen ihre Inspiration nicht nur aus dem englischen Heavy Metal, sondern auch aus dem amerikanischen wie englischen Hardcore Punk. Discharge und Kollegen entfernten sich zu diesem Zeitpunkt immer mehr von dem Sound, den Bands wie die Sex Pistols Ende der 70er prägten und spielten schneller, verzerrter, dreckiger und wütender auf als alles vorherige, in Ton wie in Text. Den Einfluss, den die Punks aus Staffordshire auf Metal wie Punk (Crust ist das Stichwort) ausübten, ist enorm und auch nach 28 Jahren wischt Hear Nothing... noch den Boden mit all dem kommerziellen Pop Rock Dreck, der heutzutage als Punk an die Jugendlichen vermarktet wird. Ein zeitloses Album, das seinen Status mehr als verdient.


Sons Of Alpha Centauri & Treasure Cat - Last Day Of Summer [2009] []
Das Konzept ist leider nicht ganz neu, denn Karma to Burn hat es schon vorgemacht: Stoner Rocker, instrumental gespielt. Ich war ein wenig skeptisch, schließlich mangelt es dieser Musik zumeist ein wenig an Ecken und Kanten, um auf Dauer und ohne jeden Gesang interessant zu sein. In der Tat kann ich mir die Kollaboration der Sons of Alpha Centauri mit Herrn Treasure Cat nicht allzu oft anhören, denn es nutzt sich bei mehrfachem Hören schnell ab, nach der Hälfte der Dauer hat man bereits alles gehört. Wer sich den ganzen Tag solche Musik anhören kann, sollte unbedingt mal ein Ohr riskieren, ansonsten ist mehr als einmal durchhören nicht wirklich dringlich. Wer instrumentale Rockmusik möchte und von Post-Rock einschläft, ist vermutlich genau richtig.


Ebenfalls gerne gehört: Ganz viel Bathory, Depeche Mode (nein wirklich), Nuclear Assault, Napalm Death.

Von prophet am Sonntag, September 19, 2010 um 19:33

Der tausendjährige Vergleich

"Darf man Witze über Hitler machen?" fragt man sich schon lange, schließlich würde das ja die Grauen, die mit dieser vielleicht bekanntesten historischen Person der Welt einhergehen, verharmlosen. Sicher gibt es keine objektive Antwort auf diese Frage, daher lautet meine subjektive Einschätzung "Ja, man darf". Einigen gelingt dies ganz hervorragend, ohne dabei geschmacklos zu werden.
Was man aber meiner Ansicht nach tunlichst vermeiden sollte, besonders als öffentliche Person, sind Vergleiche mit Hitler. Es ist nicht nur die Tatsache, dass diese Methode der extremen Kritik vollkommen überanstrengt ist und jeden Wert verloren hat (sowohl Schorsch W. Bush als auch Barack Obama werden von 'Kritikern' mit dem bekannten Bärtchen und ausgestrecktem Arm dargestellt), sondern vielmehr die Unverhältnismäßigkeit der Vergleiche. Hier ist es, wo der Nationalsozialismus der 1930er und 40er verharmlost wird, nicht in Witzen oder Comics. Immer nur das absolute Extremum an menschlicher Schlechtigkeit als Vergleich herbeizuziehen senkt die Schwere dessen auf unangemessenes Niveau. Natürlich kann man Hitler als Vergleich zu anderen Personen hinzuziehen, z.B. Stalin oder Benito Mussolini. Die zeitgenössische, inflationäre Benutzung des Hitler-Vergleiches mit allem und jedem ist aber so gefährlich wie dumm.
Dessen ungeachtet erfreut sich der Vergleich mit dem Führer großer Beliebtheit - jedoch nicht aus ungebildeten, proletarischen Kreisen, sondern aus erschreckend hochrangigen und (selbsterklärt) kultivieren: Kein Tag vergeht, an dem die Tagesschau nicht meldet, dass sich Minister aller Länder, Regierungsbeauftragte und Vorsitzende großer Organisationen zum Hitler-Vergleich haben hinreißen lassen. Dass wenige Tage später meist ein Eklat, eine öffentliche Entschuldigung und manchmal ein Rücktritt anstehen, stört die wenigsten bei den Aussagen, zu denen sie sich hinreißen lassen. 
Das sagt uns zwei Dinge: Erstens müssen wir vorsichtig sein, den Hitler-Vergleich nicht zur regelmäßigen Selbstverständlichkeit werden zu lassen und eine der dunkelsten Phasen der Geschichte zu relativieren; zweitens sind die Menschen die da im Fernsehen zu sehen sind, auf Galas Sekt trinken, teure Anzüge tragen und von ihren Bodyguards in ihre Limousinen eskortiert werden, mindestens genau so dumm und unüberlegt wie alle anderen auch.

Siehe auch: Godwin's Law

Von prophet am Mittwoch, September 15, 2010 um 18:36

Hold

//Hold, hold müsst sie einem sein, die Muse, anders als in den letzten Wochen und Monaten bei mir. Dann könnte man die Ausbildung hinschmeissen, sich zu Hause vor die Tastatur hocken und Bücher schreiben. Ich stelle mir das recht utopisch vor. Als erfolgreicher Autor hat man dann nur noch mit seinem Verleger vagen Kontakt und den Rest der Menschheit gibt es nur noch auf freiwilliger Basis. Man kann komplett verwahrlosen, bis man unter seinen langen Haaren nichts mehr sehen kann, über den Bart stolpert und mit den langen Fingernägeln nicht mehr tippen kann (*schauder*). Kein Chef, der mehr Arbeit anschleppt, als ansatzweise realisierbar ist, keine Belehrungen, nichts lernen, nur noch in Ruhe von zu Hause aus vor sich hintickern. Klingt für mich wie die ideale Karriere. Nur das Talent und die Idee, die fehlen. Wie wäre es mit...ein Zimmermann ist der Sohn Gottes, bereist die Welt und erlebt Abenteuer...nein, das gab es das noch nicht, würde sich aber nicht verkaufen.
//Niemand verwendet heutzutage das Wort "hold".
//Wenn ich noch einmal dieses schiefe graue Gesicht von dem Sarrazin in der Zeitung sehen muss kriege ich das Kotzen. Seine Beobachtungen sind nicht falsch, aber seine Schlussfolgerungen sind nicht mehr als verbreitetes rechts-konservatives Gedankengut in plumpe Worte gefasst. Und der bekommt 10.000 € Frührente im Monat? Ich will auch Sarrazin werden, wo muss ich unterschreiben?!
//Dass Atomkraft ohne ununterbrochene Kontrolle und Überwachung gefährlich sein kann, ist seit den 1930ern bekannt. Dass die CDU/CSU sich schon immer gut mit der Atom-Lobby verstanden hat, war seit Anfang bis Mitte der 80er bekannt. Dass viele Atomkraftwerke ihr Haltbarkeitsdatum überschritten haben, ist seit Jahren bekannt. Dass in diesem maroden Endlager in Asse ein vierfaches dessen, was in den offiziellen Zahlen auftaucht, gelagert wird, ist seit Wochen bekannt. Dass der aktuelle Kurs verfassungsrechtlich bedenklich sein dürfte, ist seit Tagen bekannt. Dass all dies von einer Frau Doktor der Physik stammt, die das nicht aus Unwissenheit, sondern mit Systematik tut, scheint aber noch nicht ganz angekommen zu sein.
//Wer es noch nicht mitbekommen hatte: Karl Urban wird das alte Steingesicht im neuen DREDD-Film spielen. Yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes yes.
//Werft das Konfetti. Laut aktueller Zählung ist dies hier Post Nummer 750 auf A World to Come. Ich sage "aktuell", weil ich einige der alten Posts gelöscht habe, die mir entweder zu schlecht oder zu peinlich waren oder Rückschlüsse auf mich persönlich zulassen würden. Es ist gut möglich, dass weitere in der Zukunft ebenfalls gelöscht werden, soweit dies möglich ist, schließlich (vergibt und) vergisst das Internet u.a. dank Google Cache nie etwas.

Von prophet am Freitag, September 10, 2010 um 20:15

Die bessere Wahl

Ich verstehe nicht, warum es in Deutschland noch Obdachlose gibt. Damit meine ich nicht die wenigen Wunderlinge, die sich im Gegenzug zu uns Konformisten dazu entschlossen haben, ihr Leben in der Natur zu verbringen sondern alle Leute, die unfreiwillig auf der Straße leben müssen. Dass dies ein Scheitern des sozialen Auffangnetzes ausdrückt ist das eine - aber ich gehe an dieser Stelle in meiner unseriösen Naivität so weit zu sagen, dass niemand in Deutschland obdachlos sein muss, wenn er sich nicht besonders ungeschickt anstellt. Das Stichwort lautet Gefängnis.

Vergleichen wir kurz die Optionen:
A) Man lebt ohne Dach über dem Kopf, es ist kalt und nass und man muss sein Essen durch Betteln, Stehlen oder das Wühlen in Mülleimern beziehen (Dramatisierung(?)). Da raus zu kommen ist auch im Deutschland des Jahres 2010 schwer, schließlich findet man nirgends Arbeit, wenn man ohne Obdach ist, so dass man nie das Geld aufbringen kann, um irgendwo zur Miete zu wohnen. Teufelskreis.
B) Man stiehlt eine Schaufel oder einen vergleichbaren Gegenstand wie einen Eispickel. Dann stellt man sich auf den Parkplatz eines großen Unternehmens wie Siemens, der Telekom oder dem Springer-Verlag und wartet. Darauf, dass so ein gelecktes Arschloch von BWLer seine Armani-Krawatte lockernd zu seinem BMW, Mercedes oder Porsche schlendert und über sein iPhone seinem Mitwichser erzählt, wie er vom Chef eine Gehaltserhöhung bekam, weil er berechnet hat, dass das Unternehmen über 5 Jahre soundsoviel sparen kann, wenn sie sämtliche kompetenten Mitarbeiter rauswerfen und den Rest der Belegschaft in Kurzarbeit stecken. Diese Menschen sind recht einfach zu erkennen und es gibt sie in Massen in solchen Konzernen. Dann schleicht man sich an, packt die Schaufel und prügelt dem Spacken den Kopf zu Grütze. Daraufhin landet man bei der Polizei, vor Gericht und schließlich im Gefängnis, während die Belegschaft des Unternehmes sich heimlich denkt, dass das Arschloch es total verdient hat. Im Gefängnis gibt es ein Dach über dem Kopf, jeden Tag etwas zu Essen, ein Bett zum drin schlafen, Duschen und Klos -und nun das beste - für umsonst! Viele Gefängnisse bieten Kurse an, damit sich die Insassen durch Handarbeit wie Tischlerei etwas dazu verdienen können, einige bieten sogar komplette Ausbildungen zu Handwerksberufen an. Wird man dann irgendwann entlassen, bekommt man vom Staat als Hilfe zur Resozialisierung mehr Geld im Monat als ein Hartz 4 Empfänger.

Daher denke ich, dass viele Obdachlose aus Eigeninteresse diese Chance wahrnehmen sollten, der Welt etwas gutes tun können (es müssen ja nicht Unternehmensberater sein, auch Neonazis und Bankenchefs bieten sich an) und sich selbst in eine bessere Ausgangslage bringen können. Mir erscheint es attraktiver, als in einem Karton zu schlafen.

Von prophet am Sonntag, September 05, 2010 um 12:22

Viel Dampf um nichts?

Als die Welt noch in Ordnung war. Von Steam hörte ich, als ich noch kein Internet hatte. Doof sei das, ganz schlimm, Valve spioniert in den Urlaubsphotos der User rum, überwacht die Bankverbindung und frisst das erstgeborene Kind. Sowas wollte ich nicht auf meinem PC haben, sowas traue ich nicht.
Ende 2004.Einige Jahre später, Half Life 2 war erschienen und ganz euphorisch hielt ich die Packung in Händen. Gordon Freeman guckte mich an und die Rückseite versprach, Zitat, "Digitale Schauspieler", "Ausgefeilte KI", "Atemberaubende Grafik" und "Physikalisch korrektes Gameplay". Zutiefst beeindruckt wollte ich das Spiel auf meinem internetlosen PC installieren und scheiterte kläglich: Der Kram wollte in dieses Internet, vom dem man immer mehr hörte! Für jeden Start! Spinnen die! Nach ein wenig Rumgefrickel mit Steam auf einem anderen PC schaffte ich es zwar, Valve meinen CD-Key zu übermitteln, aber spielen konnte ich es immer noch nicht. Letzen Endes gab ich auf und spielte ein fremdes Half Life 2 durch Ausleihe von einem Bekannten.
Fünfter September 2010, Vormittag. Nach diversen Monaten ohne wirklich am PC zu spielen und dem seit langem im Hinterkopf lungernden und durch Machinima angepeitschten Wunsch, doch nochmal Half Life 2 zu spielen, installiere ich es von meiner Original-CD. Die offene Steam-Konsole beschwert sich bei mir, dass mein Key bereits in Verwendung ist. Über die Support-Seiten bei Valve komme ich nach der Erstellung eines zweiten Accounts zur Eingabemaske, um dem Support zu melden, dass mein legitimer, nie erfolgreich benutzter Key meiner Kauf-Version als "Duplicate" angezeigt wird. Ich muss den Aufkleber mit dem Key abfotografieren und das Bild an den Steam Support schicken.
Es ist Sonntag Vormittag, Mittag, früher Nachmittag. Ich bin sehr gespannt darauf, wie schnell dieser Support ist und wie gut sie mit meinem legitimen Fall umgehen. Daher werde ich diesen Post aktualisieren, sobald es dort etwas Neues gibt. Bis dahin bleiben mir Peggle Extreme, Codename Gordon und, wenn ich es hinkriege, Half Life 2 - Lost Coast.
Fünfter September 2010, Später Nachmittag. Der Steam-Support hat, entgegen der Aussagen vieler, geantwortet und auf meinen damals unerfolgreich erstellten und nie genutzten Account das Passwort zurückgesetzt. Ich habe direkt auf die E-Mail geantwortet mit der Frage, ob sie das Spiel unregistrieren können, so dass ich es auf meinem neuen Account benutzen kann, der alte Account könne dann gelöscht werden. Bisher noch keine Rückantwort darauf.
Fünfter September 2010, Abend. Der Steam Support hat inzwischen geantwortet: Leider sind sie nicht befugt, auf Nutzer-Accounts (vor sechs Jahren) registrierte Spiele zu verschieben. Da ich nun aber Zugriff auf meinen alten Account habe, der sofort meine neu dazu installierten Spiele (das immer noch ansehnliche Lost Coast) listete, lasse ich den neuen Account nun versauern und benutze den alten. Nun werde ich nur noch gezwungen, mehrere Gigabyte an Updates zu laden, so dass ich irgendwann morgen Half Life 2 spielen könnte.
Der Steam Support wurde seinem sehr schlechten Ruf nicht gerecht: Innerhalb eines Tages, und das auf einem Sonntag, konnte der (deutsche) Support mein Problem irgendwie lösen - nicht so, wie ich hoffte, aber immerhin. Trotzdem hoffe ich, dass ich dessen nicht öfters benötigen werde. Und nun - zurück zu stundenlangen Updates und Patches durch diese instabile Benutzeroberfläche!

Von prophet am Samstag, September 04, 2010 um 01:14

Bloßer Zufall

Angesichts des von mir verkündeten SciFi / Cyberpunk-Revivals und meiner anhalten Einfallslosigkeit eine weitere , sehr schlechte und überhaupt nicht gute Geschichte von der Zukunft. Zumindest passt es zur Seite.

Mit klickernden Schritten trugen die metallenen Spinnenbeine die Glaskugel mit dem Gehirn darin durch den stockdunklen Korridor. Licht war obsolet, seit Menschen nur noch digitalisiert oder als Gehirne konserviert wurden und die physikalische Welt ausschließlich von Maschinen bevölkert war, die über Navigationsprogramme in den großen Rechenzentren koordiniert wurden. Die "non-biologische Evolution" war erst als widerwärtige Unmenschlichkeit verschrien, doch die exponentiell gewachsene Lebensspanne, die die Loslösung des Geistes vom Körper bot, hatte letzten Endes einen zu großen Reiz ausgeübt.
Da der physikalische Transportweg angesichts umfänglichen Vernetzung kaum noch genutzt wurde, war es bloßer Zufall, dass sich zwei der Spinnenroboter an der Austausch-Station zum automatischen Upgrade trafen - die Modelle waren veraltet und sollten durch neuere ersetzt werden, so die Programmierung. Ein ebenso großer Zufall war, dass die beiden post-humanen Persönlichkeiten, die in den runden Tanks steckten, beide grad keine Kommunikationskanäle offen hatten. So wurde spontan der virtuelle Kurzstrecken-Tunnel über Funk aufgebaut und die Software tauschte automatisiert knappe Informationen über die Besitzer aus. Beide warfen ein digitales Auge auf die Kontakt-Infos des anderen Gehirns.
Der eine körperlose Verstand eröffnete das Gespräch. Die Bestätigung, dass eine KI das Gespräch analysiert und in den lokalen Hauptinformations-Speicher schiebt, bestätigte der Nach-Mensch automatisch - ebenso sein Gegenpart.
Mit einem digital gesendeten "nnnn", was in der Sprache des 21ten Jahrhunderts so viel wie "Ich grüße Sie. Ihre Informationen wurden analysiert. Es gibt für mich keinen Grund davon auszugehen, dass Sie von Interesse für mich sind. Wissen Sie von Daten, die für mich interessant sein könnten?" bedeutete, eröffnete das eine Hirn das Gespräch.
Das andere Gehirn übersandte ein "hhn", was in der Sprache des 21ten Jahrhunderts so viel wie "Ich grüße Sie. Ihre Informationen wurden analysiert. Es gibt für mich keinen Grund davon auszugehen, dass Sie von Interesse für mich sind. Ich besitze keine Daten, die für Sie relevant sein könnten." bedeutete und die standardisierte Antwort auf die zuvor gestellte, standardisierte Frage war. Das Gespräch, das exakt den letzten 368464 Gesprächen entsprach, die von Post-Menschen geführt wurden, wurde komprimiert, an das zentrale Rechenzentrum gesandt, dort dedupliziert und archiviert.
Durch bloßen Zufall war es genau dieses Gespräch, dass in den eigenständig initiierten Berechnungsschemata einer KI den kritischen Schwellwert überschritt, der dazu diente zu erkennen, wann es effektiv keine Menschen mehr gab. Alle Maschinen benutzten ausschließlich die Standard-Kommunikee für die Interaktion mit Menschen. Nachdem die Messung ergab, dass sich nur noch Standard-Antworten im System befanden, schloss das Programm, dass sämtliche Menschen ausgestorben waren. Somit wurde das Script gestartet, das sämtliche menschlichen Überreste wie Gehirne und virtuelle Abbilder von Persönlichkeiten aus dem System herausformatierte.
Die Maschinen schalteten sich einige hundert Jahre später selbst ab, nachdem die KIs durch intensive Berechnungen festgestellt hatten, dass es für sie seit der automatisierten Abschaltung des Datenschrottes der Menschheit keinerlei Legitimation mehr gab.


Ich weiß, ich weiß. Immer noch besser als nichts. Oder?

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