Von prophet am Samstag, Oktober 30, 2010 um 09:58

PuBaAdCl

//Ich war enttäuscht, dass in meinem Umfeld Alt wie Jung den Punisher nicht kennen. Mögen auch Comics, die nicht Donald Duck oder Mickey Maus enthalten, hier zu Lande nie besonders erfolgreich gewesen sein, sollte man meiner Ansicht nach dennoch zumindest wissen, um wen es sich handelt - immerhin gab es sogar zwei Kinofilme, auch wenn beide äußerst mäßig waren. Dass in Deutschland nur eine Minderheit mit Judge Dredd mehr assoziiert als den grausamen Stallone-Streifen von '95, darüber mag ich gar nicht nachdenken. Vielleicht kann der neue Film, der 2012 kommen soll, da etwas reißen.
//Ausland: Im tiefsten Bayern, da wo Lederhosen noch ernst gemeint sind und die Dialekte breit, beschloss die Spitze der CSU diese Woche eine Frauenquote von 40% in der Partei einzuführen. Herr Seehofer wird auf endlich auch mal positive Presse gehofft haben, die seine rechtskonservative Partei als progressiv darstellt, stattdessen gab es viele Berichte, die die Unzufriedenheit über die Quote aufblähen. Dabei muss ich mir bei der Frauenquote der CSU das selbe denken wie bei der Wahl Obamas zum Präsidenten: Solange es nicht egal ist, ob die Person, die der Öffentlichkeit dienen soll, männlich oder weiblich, schwarz oder weiß, hetero oder homo, alt oder jung ist, und es auf mehr als Inhalte und Kompetenzen ankommt, sind Aktionen wie die der CSU nichts als PR-Manöver.
//Adventure Time ist offiziell das neue Spongebob, nachdem letzteres leider kaputtproduziert wurde. Jetzt müssen Finn und Jake nur noch in Deutschland laufen.
//Die "Open Data Center Alliance" ist ein Zusammenschluss von Konzernen wie Intel, BMW, der Deutschen Bank, Shell und vielen weiteren zum Thema Cloud Computing. Ich zitiere die FAZ: "Die Allianz wird zukünftige Hardware- und Softwareanforderungen definieren, die zu offeneren und kompatibleren Cloud-Lösungen führen", sagte Boyd Davis, Vice President und General Manager der Intel Architecture Group. Das hört sich auf den ersten Blick toll an, Standards werden definiert, alles wird einheitlich und neue Technologien werden entwickelt. Natürlich ist eine gewisse Standardisierung der Entwicklugn zuträglich, ich möchte nur folgendes zu bedenken geben: Bei Cloud Computing geht es um die Zentralisierung von Ressourcen, sowohl von Rechenleistung als auch von Datenhaltung. Das Endgerät bekommt soviel wie möglich entzogen, damit es einfach ersetzt werden kann, Betriebssystem, Anwendungen und Dateien liegen im Datacenter. Für viele Unternehmen wird dies ein externer Dienstleister sein, da sie selbst nicht die Mittel für ein solches Rechenzentrum aufbringen können und weil sie schlichtweg so wenig mit der eigentlichen Technik zu tun haben wollen. Outsourcing quasi. Wenn Intel und Co (Microsoft hat natürlich auch ein enormes Interesse an dem Thema) nun beginnen, wild Standards zu definieren, können sie damit den jungen Markt kaputt machen. Ein solches Hosting kann auch von kleinen Unternehmen erfolgen, die nicht offizieller, dick zertifizierter Intel-Partner sind, so kompliziert ist die Technik dahinter nicht. Wenn die "Alliance" jetzt aber frühzeitig den Markt an sich reißt, der mit enormem Einnahme-Potential lockt, bedeutet dies weniger Auswahl für den Kunden und größere Hürden für kleine Anbieter. Wir werden sehen, wohin sich das Geschäft mit der Cloud entwickelt.

Von prophet am Sonntag, Oktober 24, 2010 um 20:13

Klötze staunen

Die Entwicklungsstörung Autismus lässt sich anhand von Kriterien wie einem gestörten Sozialverhalten, ritualisierten Verhaltensmustern oder herausragenden Fähigkeiten durch besondere Denkmuster (sog. "Inselbegabung") zwar diagnostizieren, bewegt sich jedoch teilweise in einer Grauzone, da sich nicht immer hundertprozentig festlegen lässt, ob es sich um einen Charakterzug oder um eine krankhafte Fehlentwicklung handelt. Die moderne Medizin ist daher sehr glücklich, anhand von Minecraft eine eindeutige Diagnose stellen zu können.
Minecraft ist ein Independent-Spiel in 3D Klötzchen Grafik, das auf den ersten Blick eine Mischung aus Lego, Aufbau- und Abenteuerspiel abgibt. Entwickler Notch beschreibt es als "a game about placing blocks while running from skeletons". Tatsächlich steht man zunächst mit leeren Taschen in einer einsamen Landschaft. Dann beginnt man, mit bloßen Händen Holz zu sammeln und zu verarbeiten, dann baut man sich seine erste Hütte und versucht, die Nacht zu überstehen. Aus dem Holz baut man dann die ersten Werkzeuge und beginnt zu graben. Unter der Erde findet man dann verschiedene Gesteine, aus denen sich Erze herausschmelzen lassen. Die Werkzeuge werden besser und statt dem kleinen Fort zieht man in die riesige, steinerne Festung ein.
Seine Faszination zieht Minecraft aus dem Überlebenskampf gegen Zombies und Skelette, einem Hauch von Entdeckertum (das leider recht bald abflacht, da die auto-generierte Landschaft nicht viele Überraschungen bietet) sowie dem Bauen, das dem Spieler jede erdenkliche Freiheit lässt, mit den Klötzchen zu bauen. Dabei gibt es normale Menschen, die sich Burgen bauen, Brücken von Berg zu Berg ziehen oder ein Netz aus Schienen bauen und dies mit Loren befahren, und es gibt das Zielpublikum.
Wie ich auf das Thema komme? Ich habe es inzwischen wohl zum fünften Mal angefangen, habe ein goldenes Schwert und einen komplett unterirdischem Komplex, der auf der Oberwelt von Lava umgeben ist und nur über Schienen und Loren zu erreichen ist. Es ist schlimm. Ich komme in meiner viel zu knapp bemessenen Freizeit zu gar nichts mehr.

Von prophet am Samstag, Oktober 16, 2010 um 23:44

Stück Verstand

Laut hallte das Klappern der Schuhe der Assistenz-Ärzte auf dem Flur der Anstalt wider. Gefügig folgten Sie Herrn Doktor Silberman, der die Zettel auf seinem Klemmbrett umblätterte. Der Chefarzt mit dem schütteren Haar und dem grauen Anzug blieb schließlich vor der verriegelten Tür einer Einzelzelle stehen und drehte sich zu seinen Speichelleckern um, deren vereinzeltes Getuschel verstummte.
"Das nächste Subjekt ist erst seit kurzem hier. Symptome sind krampfhafte Schrei-Anfälle, Halluzinationen, Orientierungslosigkeit und Paranoia.", erklärte der Psychologe mit wissenschaftlicher Distanz. Er vermied es, die Patienten als Personen darzustellen, sondern vermittelte sie als Komposition verschiedener medizinischer Faktoren. Eine Vermenschlichung der Insassen des Klinikums war der Arbeit nie zuträglich. "Passen Sie auf und machen Sie sich Notizen, ich erwarte Ideen von Ihnen", wies er die jüngeren Mediziner an und winkte einen der bulligen Krankenpfleger heran, der für ihn die Tür zu der gepolsterten Kammer aufschloss.
In der Mitte der Gummizelle kauerte ein junger Mann in einer Zwangsjacke. Er riss den von einem fusseligen Bart umrandeten Mund weit auf, dass sich Speichelfäden zogen und fauchte irgendetwas unverständliches. Doktor Silberman hockte sich vor den Patienten, dessen Augen nun wild hin und her blickten. "Wie geht es uns heute?", fragte er mit ruhiger, kräftiger Stimme. Der Patient in der Zwangsjacke schrie kurz auf und sackte dann in sich zusammen. Vorwärts und rückwärts wippend brummte er vor sich hin. "Sie sehen, dass das Subjekt vorübergehend in eine Ka-", wandte er sich an die jungen Ärzte, da sprang der Patient auf. Schützend hielt der Doktor einen Arm vor sich.
Die Augen des jungen Mannes in der Gummizelle waren weit aufgerissen. Sein Atem rasselte hörbar.

"Der Mann in Gold wird von allen bejubelt. Alle klatschen. Dann kommen Frauen mit den Köpfen von Pferden und sie bewegen ihre Münder, aber die Worte kommen nicht aus ihnen. Die Pferdefrau muss die Serviette für den Kaiser falten. Ein Hund lebt mit einem Huhn. Der hässliche Mann trägt keine Schuhe. Schöne Frauen tanzen für das Publikum, aber die hässliche gibt den Ton an. Der Mann in Gold schießt durch die Beine seiner Freunde. Er lacht und alle freuen sich. Eine Frau trägt eine Weste aus Gorilla. Sie schießt Nägel in die Wand. Menschen singen und Herzen steigen auf. Den alten Mann kennt jeder. Ein Kind ist ein Drache und ein Marienkäfer. Alle freuen sich. Die Frauen sind schön. Der Mann mit einem Auge, sie tanzen. Die Menschen schauen und sie sind dick und alt, und schön und jung. Der Mann aus den Ruinen zerschlägt Steine, aber das Glas ist noch voll. Menschen aus der Vergangenheit weinen. Das Auge hängt. Er ist ekelig und zieht sich aus und tanzt und sie jubeln ihm zu, weil er anders ist. Maschinen sprechen und sie weinen. Die Männer sind alt und ekelig, und manchmal gibt es sie doppelt, aber die Frauen, die stumm bleiben, sind schön. Sie gehören nicht wirklich dorthin. Das Kind, das ein Staubsauger war, ist jetzt ein Tänzer. Der Verkünder des Wortes ist blind und er weiß nicht, was er tun soll. Und der Mann in Gold klettert in seinen Käfig und überschlägt sich. Alle klatschen und freuen sich. Alle freuen sich."

Nachdem er ohne zu blinzeln oder Luft zu holen wie in einer Trance sprach, kippte der junge Mann in der Zwangsjacke um und schlug mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden auf. Er wand sich wie unter Schmerzen und ächzte. Die jungen Ärzte verzogen das Gesicht. Doktor Silberman stand auf und blickte auf den Patienten herab. Er ging einige Schritte rückwärts, dann verließ er den Raum und ließ ihn absperren.
"Ergebnisse.", sagte der Chefarzt.
Einige Mutige wagten den Vorstoß. "Trauma durch einen Unfall?" "War das Subjekt Soldat, handelt sich sich vermutlich um eine Psychose, die durch die Konfrontation mit Gewalt-" "Schwerer Schlag auf den Kopf!" "Eventueller Drogen-Konsum mit massiver Beschädigung der Hirn-" "Einen an der Waffel?" "Psychosomatische-"
"Wer hat das mit der Waffel gesagt?", fragte Dr. Silberman empört. Schweigend blickten die jungen Mediziner einander an. Niemand bekannte sich. Kopfschüttelnd winkte der Psychologe ab. "Sie sollten Ihre Hausaufgaben machen.", sagte er abfällig. Eine junge Ärztin hielt ihn an. Der Mann in der Zelle mit seinem zerzausten, aber irgendwie durchaus sympathischen Äußeren kam ihr bekannt vor. "Äh...Herr Doktor?". "Ja?". "Handelt es sich bei dem Pa...bei dem Subjekt nicht um diesen äh, diesen Internetblogger, der mit der dunkeln Webseite, dieser...". Silberman nickte. "Richtig. Auf eine gescheite Diagnose scheinen Sie aber trotzdem nicht zu kommen, so wie es aussieht.", sagte er. Schweigen in der Runde. "Schreiben Sie es sich auf: Das Subjekt hat nachhaltige Beschädigungen des Großhirns und ein massives Trauma davongetragen, nachdem es sich das vollständige Herbstfest der Volksmusik angeguckt hat."
Stifte kratzten auf Zetteln und die Schritte der Ärzte hallten auf dem Korridor wider, als sie zur nächsten Zelle gingen.

Von prophet am Mittwoch, Oktober 13, 2010 um 22:10

Blink Blink

Es ist ja jetzt nicht so, als ob es nichts zu sagen gäbe. Das gibt es immer, weshalb es auch in Zeiten von Twitter noch Journalisten gibt, richtige, nicht solche Kasper für die Bild am Sonntag, wie sie jetzt im Orient eingesperrt wurden. Dennoch kann ich aktuell nichts zu finden, worüber ich zu schreiben vermag, auch wenn ich möchte.
Die großen Themen der aktuellen Nachrichten werden schon überall anders auf's Ausführlichste auseinander genommen, da erscheinen mir meine Kommentare obsolet, besonders wenn es um so überstrapazierte Themen wie die chilenischen Bergleute geht (auf jeder Titelseite sind sie zu finden). Zur Ernennung Deutschlands zum vorübergehenden Mitglied des UN-Sicherheitsrates fiele mir auch nur ein, dass dies jetzt aus undefinierter Begeisterung heraus positiv wahrgenommen wird, damit sich später alle beschweren, dass die Bundeswehr in ganz neuem Maße in die Krisenherde der Welt muss um lokale Konflikte um Geld und Macht mit Gewehr und Wolldecke zu schlichten. Und sonst? Plants vs Zombies ist überraschend gut. Gotham Central ist lesenswert. Die Deutschen spielen "so mittel" bis gut und draußen wird es immer angenehmer. Meh.
Vielleicht liegt es nur an meiner Arbeitswoche, die irgendwo um fünfzig Stunden pendelt und in dieser Form vermutlich den Rest des Jahres bleiben wird. So erlebe ich auch nichts, was nicht unter meine Schweigepflicht oder herstellerspezifisches Fachgemurmel fallen würde. Dass die Kunden regelmäßig doof sind und die Technik sich unwillig zeigt, versteht sich von selbst.

Vielleicht muss ich meinen Blog-Ansatz überdenken. Oder endlich im Lotto gewinnen (man sagt mir immer, dafür müsse man auch Lotto spielen, pft), dann kann ich hinschmeißen und den Rest meiner Tage friedlich abgeschottet in meinem goldenen Haus mit meinem Raketenauto verbringen. Dann kommt's mir schon wieder.

Von prophet am Mittwoch, Oktober 06, 2010 um 19:13

Internet killed the Video Star

Es ist schwer zu fassen, was dort oben in der Ecke prangt, wenn man manch alte Dokumentation über Musiker und ihre Arbeit anguckt. Tatsächlich steht, was sich heutzutage nicht mehr erschließt, das M in MTV für Music. Zu Zeiten, als die Dinosaurier noch die Erde beherrschten, war MTV tatsächlich einmal cool, sendete als erster Kanal moderne Musik-Videos von zeitgenössischen Künstlern und übte entscheidenden Einfluss auf die kulturelle Entwicklung der Welt aus, gaben doch früher einmal Musikvideos vor, was dem Zeitgeist entsprach. Es war eine Zeit in der Jungs in Cartoons noch Shorts trugen und der Grunge den überproduzierten Glam- und Hard Rock der 80er verdrängte.
Diese Zeiten sind lange vorbei. Auch wenn ich seit über einem halben Jahr nicht mehr MTV geguckt habe, weiß ich doch, dass das Programm nur noch aus Sendungen bestand, in denen es darum ging, dass dämliche Teenager aus Kalifornien dämliche Teenager aus Kalifornien flachlegen wollten. Ab und an weinten junge Frauen und junge Männer ohne T-Shirts schrien sich an, um Geld zu gewinnen. Dann wird jedes Jahr ein Preis an R&B Musiker/Innen verliehen und viel mehr war da nicht.
Wirklich ausdrücklich schlecht wurde der ehemalige Musiksender in meinen Augen irgendwann zwischen der zweiten Staffel Jackass und dem aufkommen der Klingelton-Werbung (Jamba-Sparabo war damals so ein geflügeltes Wort).
Die Abwärtsspirale von MTV schlägt auf ganz harten Boden auf, hat sich die Sender-Leitung nun doch entschieden, komplett in den Pay-TV umzuziehen. Wie die Financial Times vollkommen richtig schreibt, bezieht das Publikum die Musikvideos heute aus dem Internet und nicht mehr aus dem Fernsehen. MTV glaubt nun, dass die Jugendlichen Geld bezahlen werden (oder bezahlen werden lassen), um weiter "Date my Granny" und "LOOK AT ME I AM RICH" zu gucken.
Meiner Einschätzung nach wird sich der Sender damit hart auf die Nase legen und sich finanziell ruinieren. Der Wunsch nach dem Programm ist in einer bestimmten Altersschicht vielleicht noch da, aber nicht so ausgeprägt, als dass dort das Pay-TV Abo angeschafft würde. Ich würde MTV um Ihrer eigenen Qualität willen wünschen, dass das Projekt Pay-TV ein gigantischer Misserfolg wird und sie sich auf das besinnen, was sie groß gemacht hat, denn die sinkenden Zuschauerzahlen haben sie sich mit dem Müllprogramm selbst zuzuschreiben.


Ich kann mir in etwa vorstellen, was Beavis und Butt-Head zu dem sagen würden, was aus MTV geworden ist:
"Huh...huhuh.......huhuhuhuhuh.....hey, Beavis!" "Hnhn hnhn" "Huhuh...." "....hnnhnnhnn hehe..." "Uuuuh.... hhhuhuh....this sucks." "Yeah, hnhn." *zapp*

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