Von prophet am Sonntag, Februar 13, 2011 um 11:03

Heerscher

Auch auf die Gefahr hin, dass die Öffentlichkeit von dem Thema übersättigt ist: In Ägypten hat Mubarak schlussendlich dem Druck der Weltöffentlichkeit (die 30 Jahre lang die Augen verschlossen und sich einen Scheiss gekümmert hat) und des eigenen Volkes auf den Straßen nachgegeben und eingesehen, dass es keine realistische Lösung gab, in der er sein Amt behalten hätte.
Während in Tunesien, das inzwischen nur noch als Fußnote erwähnt wird, eine Übergangsregierung aus ehemals Oppositionellen und Mitgliedern der alten Regierungspartei geformt wurde, die bei der Bevölkerung verschrien ist, wird Ägypten nun vom Militär regiert, das bereits unter Mubarak einen großen Teil der staatlichen Einrichtungen organisiert hat. Kein Wunder, hatten Sie durch die jährlichen Milliarden an Militärunterstützung aus den USA auch die Mittel dazu. Die Generalität versprach, Zitat Zeit Online, dass sie "eine friedliche Übergabe der Macht im Rahmen eines freien, demokratischen Systems garantieren werde". Dass ein Militärkomplex wie der ägyptische organisatorisch dazu in der Lage ist, ein Land vorübergehend und langfristig zu steuern, steht außer Frage. Ob Menschen, deren Ausbildung darin besteht, Feinde zu erschießen und Soldaten zu koordinieren, von menschlicher Seite her befähigt sind, ein aufgebrachtes Volk mit geeigneten Mitteln zu befrieden, ist ein anderes Paar Schuhe.
Und auch wenn es sich natürlich immer um einen Sonderfall handeln kann : Wenn man so in die Vergangenheit zurückdenkt fallen zumindest mir keine Militärregierungen ein, die mit den Worten "und sie führten die Demokratie ein und brachten dem Land Frieden und Wohlstand" in die Geschichtsbücher eingingen.

3 Comments:

Blogger PhanThomas sagte...

Zitat: »Wenn man so in die Vergangenheit zurückdenkt fallen zumindest mir keine Militärregierungen ein, die mit den Worten "und sie führten die Demokratie ein und brachten dem Land Frieden und Wohlstand" in die Geschichtsbücher eingingen.«

Genau DAS dachte ich mir auch, als ich den entsprechenden Artikel gelesen hatte. Na, wir werden sehen...

13.02.2011 16:25:00  
Anonymous Andreas sagte...

Dem kann ich mich nur anschließen. Natürlich gibt es offensichtliche Beispiele, wo ein landfremdes Militär ein Land im Zuge einer Demokratisierung verlassen hat, aber auch das ist ja nun schon ein paar Jahrzehnte her und leider haben sich mehr negative Gegenbeispiele in der Geschichte gezeigt.

Bleibt nur zu hoffen, dass das Ausland jetzt (von mir aus auch in der Notwendigkeit eines stabilen Partners), einen vernüftigen Demokratisierungsprozeß unterstützt, wobei weiterhin die Frage bleibt, welche Parteien mit einem sichtbaren Profil es in einem Land wie Ägypten überhaupt geben kann.

Zur Fußnote würde ich gerne noch anmerken, dass Italen derzeit von tunesischen Flüchtlingen überschwemmt wird ... also Revolution ja, aber was dann?

14.02.2011 10:03:00  
Blogger Madse sagte...

Da ja in Ägypten praktisch schon eine ähnliche Staatsstruktur herrscht wie in Russland (Verflechtung von Militär/Sicherheitsorganen und Wirtschaft), sehe ich die Chancen für die Demokratie eher gering. In ein paar Wochen wissen wir mehr. Oder garnichts mehr, weil das Militär das Land komplett abgeriegelt hat.

14.02.2011 16:54:00  

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