Luftkrieg
Ich verstehe noch nicht so ganz. Jeder zweite Staat in Afrika führt seit mindestens 20 Jahren Krieg mit sich selbst, aber erst als in Libyen die Hütte brennt, entscheidet sich die NATO, aktiv zu werden. Wie erfolgreich das ist, sieht man in den Nachrichten, wenn gemeldet wird, dass diverse selbsternannte Anti-Gadhafi Soldaten aus Versehen von den amerikanischen und europäischen Flugzeugen bombardiert wurden. Schließlich sind es doch die Mannen, die dem alten Diktator (der in Europa noch letztes Jahr ein gern gesehener Gast war) aus nicht nachvollziehbaren Gründen die Treue halten, die sterben müssen! Weil.....ja warum eigentlich?Keiner der Mitgliedstaaten der NATO steht wirtschaftlich so gut dar, als dass er sich (noch) einen Krieg erlauben könnte. Friedensnobelpreisträger Obama schickt Kampfflugzeuge los, um ein Land anzugreifen, das keine offenen Aggressionen gegenüber den USA geäußert hat. Allen voran war es Sarkozy, der auch ohne auf die Abstimmung der Partner zu warten sein Militär entsandte - spätkolonialistische Traumata wurden da diskutiert, ob dies zutrifft, wage ich zu bezweifeln. Außer der Bewahrung von Stabilität in der Region aus wirtschaftlichen Interessen mag mir nichts einfallen, warum die NATO ein Interesse daran haben sollte, in Libyen kriegerisch zu intervenieren - es ist ein wenig wie Ende der Neunziger im Kosovo, aber diesmal ist das Schlachtfeld abgelegener.
Unsere heißgeliebte Bundesregierung, die in aktuellen Umfragen ungefähr die selbe Menge an Stimmen kriegt wie die Grünen alleine, beschließt indessen, dass es doch keine so gute Idee ist, sich nicht in einen weiteren Krieg einzumischen, in dem sie nichts verloren hat. So sollen nach Aussage des erst kürzlich in Glanz und Glorie vom Parteivorsitz geschmissenen Schwesterwelle deutsche Soldaten nach Libyen entsandt werden, um dort halt irgendwas humanitäres zu tun. Was mit Trinkwasser und Decken. So schickt man zwar auch bewaffnete Menschen los, die dann wie schon in Afghanistan sicher den einen oder anderen Einheimischen erschießen werden (wenn sie nicht vorher durch friendly fire der NATO in die Luft gesprengt werden), aber das ist dann halt das menschliche Versagen des Individuums und fällt nicht unter die Verantwortung der Bundestagsabgeordneten. Dafür macht man sich dann bei den Spitzenpolitikern der NATO-Mitglieder beliebt, die sich durch jeden Mitziehenden in Ihrer Politik bestätigt fühlen dürfen. Die Opposition nutzt zwar die Gelegenheit, die Regierung der Unentschlossenheit und Kopflosigkeit zu bezichtigen, aber von Gregor Gysi abgesehen scheint es keine Proteste gegen den grundsätzlichen Einsatz von deutschen Soldaten in Libyen zu geben.
Ich verstehe weder, warum Europa jetzt dieses erbärmliche Land bombardieren muss, noch warum es jetzt grade Gadhafi sein musste, damit die NATO eingreift, noch, wem auf der Welt es nützen würde, wenn Deutschland sich an diesem kriegerischen Akt beteiligt. Das Geld dafür können wir auch für was schöneres verwenden (und damit meine ich nicht, Portugal noch mehr Milliarden in den Arsch zu pusten).














3 Comments:
Das ist alles so herrlich absurd, dass es sich als reine Langeweile der Weltpolitik erklären würde. Schlißlich lassen die ganzen Krisenherde langsam nach, sprich die ganzen öffentlichkeitswirksamen Konflikte, welche die Menschen ablenken und in einem Anfall von heuchlerischer Scheinheiligkeit zur Anteilnahme bewegen, blind derweilen für alles, was vor der eigenen Nase geschieht. Man könnte alternativ gewiss auch ein paar Polarbären ausrotten, doch Krieg und Tyrannen und so waren schon immer wirksamer.
Das hat mit Langeweile ganz sicher nichts zu tun. Dennoch kann ich mir nicht erklären, wieso erst in Libyen eingegriffen wurde. Vermutlich, weil dort die Aufmerksamkeit der Medien am größten war - ich weiß es nicht.
Das mit der Langeweile war nicht so ernst gemeint. ;-)
Für Libyen werden wir so oder so nie eine befriedigende Antwort erhalten, also würde ich mir darüber auch keine Gedanken mehr machen, selbst wenn es im Rahmen von fantastischten Konspirationstheorien gewiss verlockend ist.
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