Von prophet am Samstag, Mai 07, 2011 um 23:07

God of Thunder

Sograde kehre ich von einem für meine Verhältnisse äußerst spontanen Kinobesuch zurück. Es lief THOR, die Verfilmung des Comic-Helden aus dem Hause Marvel. Nachdem Iron Man zurecht enorm erfolgreich war und zumindest mir auch der zweite Teil sehr gut gefiel, bekam THOR sehr gute Kritiken - daher dachte ich mir, ich gebe dem Streifen um den Donnergott mal eine Chance. Zugleich war es für mich der erste 3D-Film im Kino.

Achtung: Dieser Post und die Edda können Spoiler enthalten.

Handlung: Thor, Sohn von Odin, Donnergott und größter Krieger von Asgard, soll zum König gekrönt werden, als die Erzfeinde der Asen, die Eisriesen, in den Königspalast einbrechen, um ein Relikt zu stehlen. In stumpfsinniger Vergeltungswut eilt Thor mit seinen Kumpanen los, um Rache an den Eisriesen zu üben. Als er dann feststellen muss, dass es von den graublauen Titanen doch mehr gibt, als er gedacht hätte, eilt Odin zu seiner Rettung.
Als Strafe für seine Ungeduld und seinen Hochmut verbannt der Allvater seinen Sohn auf die Erde, wo er von Frau Wissenschaftlerin Natalie Portmann aufgesammelt wird. Während sich der Donnergott nun in sterblicher Form einige "altmodisch redender Krieger in moderner Umgebung sorgt für köstlich amüsanten Tumult" Szenen leistet, hat S.H.I.E.L.D. um Mjolnir herum einen Forschungstrakt hochgezogen - der Hammer wird demjenigen die Macht des Thor verleihen, der seiner würdig ist, jadda jadda.
Thor lebt ein wenig mit den einfachen Menschen und entdeckt seine sanftmütige Seite, indessen Loki die Macht in Asgard an sich reißt. Als der Trickster-God seinen Bruder endgültig umbringen will, hat dieser die Lektion gelernt, dass ein Held im Interesse anderer kämpft, und nicht in seinem eigenen, opfert sich für die Menschen und ist damit im Moment seines Todes des Hammers würdig. Thor ist wieder oben auf, kehrt nach Asgard zurück und tritt Lokis Arsch.

Meinung: Damit endet Disney's Hercules Marvel's THOR Disney's Thor und hinterlässt einen eher faden Eindruck. Die obsolete Handlung mit den Botschaften "Helden opfern sich für andere" und "Falsche Eltern? Evil for Life!" hätte mehr hergeben können, auch wenn das Material natürlich eine gewisse Grenze vorgibt, daher beschwere ich mich auch nicht, dass Thor materialgetreu dank Mjolnir wie Neo in Matrix 3 herumfliegt. Dennoch muss ich sagen, dass ich die äußerst positiven Meinungen über diesen Film nicht teilen kann, dafür war die Story zu beliebig, die Moral zu schwach, das Arschriesen-Eistreten Eisriesen-Arschtreten zu kurz und die zugegebenermaßen originelle Darstellung von Asgard, Bifröst und dem Reisen zwischen den Welten zu sehr Power Rangers, vor allem dieser alberne "Destroyer". Dass der Selvig, dieser Wissenschaftler, der mit der Portmann rumgondelt, die nordische Mythologie als Geschichten aus seiner Kindheit abtut, fand ich dann auch seines Alters nicht angemessen. Und Natalie Portmann ist die unglaubwürdigste Wissenschaftlerin überhaupt. Wie beim Ausgangsmaterial auch halte ich Iron Man für die bessere stumpfe Unterhaltung.

Ein Film, den man durchaus gucken kann, aber man kann gut ohne ihn leben. Fazit: Meh.

Ähnlich geht es mir übrigens mit dem 3D. Zwar konnte ich kein Flackern wahrnehmen und Kopfschmerzen blieben auch aus, aber es macht des Bild vor allem bei schnellen Bewegungen etwas unschärfer und wenn man nicht grade ein riesiges Panorama hat, wo es seine Stärken voll ausspielen kann (Jotunheim!), fügt es dem Film keinen wesentlichen Mehrwert hinzu. Auch hier: nettes Gimmick, aber wahrlich kein Must-Have.

Und dann: Auch wenn der Film mich nicht vom Hocker gerissen hatte, blieb ich doch für die Marvel-typische After-Credits-Szene sitzen. Während der Abspann lief leerte sich der Saal vollständig, bis nur noch ich im Raum war. Ich hatte schon gemerkt, dass niemand Stan Lee in seinem Miniauftritt wahrgenommen hatte, aber dass niemand für die Bonus-Szene blieb, fand ich doch hart. Ein Angestellter des Kinos gesellte sich kurz zu mir. Er sagte, der Film wäre doch noch nicht vorbei, da sagte ich, das wüsste ich, darum wäre ich auch noch da. Dass es in Zeiten von Internetforen niemanden bewusst wäre, und dass nur einer Bescheid wüsste, würde ihn erstaunen. Ich sagte zu ihm, dass überhaupt einer aus der Menge der Zuschauer die Vorlage kennt, sei schon eine ganz gute Rate. Er stimmte zu. Dann stand ich da noch ein paar Minuten, guckte mir kurz Nick Fury an und ging.

3 Comments:

Blogger PhanThomas sagte...

Bei mir hat der Film (gestern geschaut) denselben Nachgeschmack hinterlassen. Jetzt muss "Captain America" das aber rausreißen. ;-)

Was ich ein bisschen cool aber gleichzeitig auch doof fand, war die Tatsache, dass der Film sich öfter auf Iron Man stützt. Die SHIELD-Jungs sind da dieselben und als der Destroyer auftaucht, fragt der eine, ob das einer von Starks Jungs wär. Verstand dann gestern auch keiner außer mir.

12.05.2011 09:36:00  
Blogger PhanThomas sagte...

Scheiß Blogger! Jetzt ist mein grandioser Kommentar weg! Aber Kurzfassung: Vorher muss man Iron Man schauen, sonst entgehen einem die Seitenhiebe. Und ach ja, im Großen und Ganzen stimm ich deiner Filmkritik zu. War ein sehr zwiespältiges Erlebnis.

14.05.2011 00:41:00  
Blogger Okami Itto sagte...

Soll ja auch etwas gedrosselt sein der Film, angesichts des kommenden "Avengers"-Films, für den sie den großen Knall planen - hoffentlich. Ich habe "Thor" noch nicht gesehen, habe aber noch ein paar Freikarten übrig. In Köln blieben übrigens einige Zuschauer für den Post-Credit-Gag sitzen.

15.05.2011 20:04:00  

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