Projektionen
Sobald ich aus meinem Sklavenjob altägyptischer Schule herauskomme, mache ich mich selbstständig und eröffne ein Catering-Unternehmen in Brüssel. Zwar waren mir Belgier immer etwas suspekt, aber angesichts der regelmäßigen "Sitzungsmarathons" der Finanzminister, wie die Tagesschau es nennt, dürfte enorm zu verdienen sein.Grund für die erneuten Tagungen ist u.a. mal wieder die Griechische Wirtschaft und Staatskasse, die noch weit größere Mengen verschlingen wird, als geschätzt wurde. Geschätzt? Ja, denn sämtliche Zahlen, mit denen bisher jongliert wurden, basieren auf den ungefähren Einschätzungen, die die Finanzministerien Europas darüber getroffen haben, um wie viel genau sich die Griechische Wirtschaft durch die massiven Finanzspritzen erholen würde. Die Projektionen lagen weit daneben, so dass aktuell von weiteren 150.000.000.000 bis 200.000.000.000 Euro geredet wird, die nötig sein sollen. Leider steht die Ausbeutung von Gaddafis Privatvermögen nicht zur Auswahl, so dass auch das nächste Hilfspaket wieder aus Steuern vom Rest Europas finanziert wird. Je länger sich die Problematik hinzieht und je länger sie in der Öffentlichkeit steht, desto kritischer werden zwei große Probleme.
Erstens: Die für die bisherigen Hilfen verantwortlichen Politiker werden keinen plötzlichen Rückzieher machen können. Wenn die Finanzminister sich plötzlich entschließen würden keine weitere finanzielle Unterstützung in griechische Kassen fließen zu lassen, dann würde - wie von allen Instituten prognostiziert - Griechenland vollständig pleite gehen. Dies würde nicht nur bedeuten, dass der Euro unter einer Entwertung leiden dürfte, sondern auch, dass alle bisherigen Finanzpakete umsonst gewesen wären. Die hochrangigen Volksvertreter werden lieber sehr sehr viele Milliarden einsetzen und ein Ergebnis vorzeigen, als "nur" sehr viele Milliarden auszugeben und kein Ergebnis erreicht zu haben. Ein Rückzug aus der bisher verfolgten Politik ist darum nicht absehbar und bedeutet, dass die weiteren Milliarden-Überweisungen auch erfolgen werden. Auch ein Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone könnte zwar vor Inflation schützen, nicht aber vor der Blamage, mit den vorigen Milliarden nichts erreicht zu haben.
Zweitens: Je länger in der Öffentlichkeit die marode Lage der griechischen Wirtschaft angeprangert wird, desto stärker werden Investoren und Kunden vor diesem Markt zurückschrecken. Wie in der Bankenkrise des letzten und vorletzten Jahres gelehrt wurde, sind Märkte, Käufer und Verkäufer, Anbieter und Nachfrager scheue, sensible Wesen voll Angst und Schreckhaftigkeit, die unbedingt so eingelullt und in Sicherheit gewogen werden müssen, wie die HSH Nordbank es mit der Schleswig-Holsteinischen Politik tat. Nach aktuellem Stand aber ist der griechische Markt ein unsicherer und dies wird auch noch lange so bleiben. Dabei basiert die gesamte Strategie der Finanzminister darauf, dass durch die dicken Finanzspritzen die griechische Wirtschaft und die staatlichen Finanzen stabilisiert werden, wenn der öffentliche Effekt genau das Gegenteil bewirkt.
Es kann grundsätzlich nicht ewig so weitergehen mit dem aktuellen Kurs, denn damit würden in sich selbst zusammenfallende Volkswirtschaften stets andere mit sich reißen, die eigenständig gesund wären, aber durch den Währungsbund miteinander verknüpft sind. Ohne eine Grundsatzentscheidung, die in einem so diversifizierten Bündnis ohne oberste Authorität nur sehr schwierig erfolgen kann, wird die EU noch sehr lange enorme Summen hin- und herschieben.














1 Comments:
Wenn wenigstens auch hergeschoben würde. Aber es wird ja nur hingeschoben und irgendwie geht mir das Bild eines prasselnden Ofens nicht aus dem Kopf, in den jemand Geldscheine schaufelt.
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