Von prophet am Sonntag, November 20, 2011 um 10:55

Ciao

Es war ja nur eine Frage der Zeit. Silvio Berlusconi stand nicht zum ersten Mal vor Gericht und seine Amtsfähigkeit wurde nicht zum ersten Mal angezweifelt, es war nur der Tropfen, der das gigantische Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Berlusconi, der seine wirtschaftliche Macht einsetzte, um sich politische Macht zu erkaufen präsentierte sich in den Medien, die ihm gehörten, stets als allseits beliebten Wohltäter, großen Staatsmann und Frauenheld. Nur letzteres trifft zu, denn international und in der freien und oppositionellen Presse in Italien und dem Rest der Welt war nur davon zu lesen, wie seine Orgien an die Öffentlichkeit gerieten, er mit Minderjährigen Sex hatte, er die Verfassung zu seinen Gunsten abänderte und seine Macht gnadenlos missbrauchte, um alle Stimmen, die nicht "Viva Berlusconi" mitschrien, im Keim zu ersticken.
Sprüche wie "Wenn wir Vergewaltigungen verhindern wollten, müssten wir so viele Polizisten in Italien haben wie schöne Frauen, das ist unmöglich" oder "Stellt es euch einfach wie einen langen Camping-Ausflug vor" gegenüber den obdachlos gewordenen Erdbebenopfern in Norditalien sind genauso sein Erbe wie eine ruinierte Wirtschaft, eine desaströse Müllentsorgung, die Verfeindung der Parteien, eine Medienlandschaft in Trümmern und das weltweit in den Dreck gezogene Image Italiens. Er geht in der größten Krise, die die EU je hatte. Es ist nicht bekannt, dass er etwas zur Überwindung der Banken-, Finanz- und Identitätskrise beigetragen hätte.
Sein Nachfolger Mario Monti hat eine gigantische Aufgabe vor sich. Verglichen mit Monti sind Merkels innenpolitische Probleme marginal, was einer der Gründe sein wird, warum er die EU-Partnerländer um Zeit gebeten hat: Italien wird in den nächsten Jahren nicht plötzlich eine große Rolle als starker Partner in Europa spielen können, weil sie erst im eigenen Hinterhof kehren müssen. Spannend wird es jedoch danach : Italiens Wirtschaftsleistung ist nicht gering, und wenn eine neue Regierung es schafft, innenpolitische Brennpunkte zu lösen und eine neue Stabilität zu schaffen, dann könnte sich mitten in Europa ein neuer Partner finden, den man zuvor seit diversen Jahren überhaupt nicht mehr auf dem Zettel hatte. Mario Monti verkündete bereits, enger mit Frankreich und Deutschland zusammenarbeiten zu wollen, als es unter Berlusconi möglich war.

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