Von prophet am Donnerstag, März 17, 2011 um 20:54

Klimper

Mastodon - Live at the Aragon [2011] []
Seit dem in meinen Augen immer noch grausamen Crack the Skype von 2009 und der unspektakulären Jonah Hex EP von 2011 veröffentlichen Mastodon nun ein Live-Album. Gespielt wird das komplette letzte Album sowie einzelne Songs vorheriger Alben und dem Melvins-Cover "The Bit" als Abschluss. Leider waren Mastodon noch nie eine wirklich überzeugende Live-Band, was vor allem schlichtweg grottigen Gesangsvermögen von Sanders und Hinds liegt. Wenn sich dazu auch noch mäßiges Songmaterial und vereinzelter Taktverlust gesellen, dann kommt ganz einfach ein schlechtes Album heraus. Klassiker wie Aqua Dementia lassen sich noch hören, aber unter'm Strich bleibt eine Scheibe, die man weiträumig umschiffen und auf das nächste richtige Album warten sollte. Dieses wiederum hat dann verdammt viel gutzumachen.


Deathrow - Raging Steel [1987] []
Als Slayer und Metallica in den USA wüteten, sprossen neben Kreator und Sodom in Deutschland noch viele Thrash Metal Bands wie Pilze aus dem Boden. Während erstgenannte teils schmerzhafte Stilwechsel durchmachten, lösten sich letztere zumeist auf. Band wie Grinder oder Deathrow kennt heutzutage keine Sau mehr, aber zwischen den alten Scheiben steckt noch manche Perle, die sich nicht vor den amerikanischen Vorbildern verstecken muss. Raging Steel ist so eine. Natürlich ist an dieser CD nichts originelles oder einzigartiges, aber die Herren aus Düsseldorf haben genau den Drive, die sägenden Riffs und die technische Finesse, die mich immer wieder zu dieser kitschigen Musik zurückkehren lässt. Es klingt heute anachronistisch, aber es ist genau das, was es sein will. Dass großartige Alben wie dieses in der Versenkung verschwinden, will mir nicht in den Kopf gehen.


Madvillain - Madvillainy [2004] []
Nach meinem wochenlangen Wu-Tang Fimmel und dem großartigen The Mouse and the Mask schien das hochgelobte Madvillainy von MF DOOM und Madlib der nächste logische Schritt. Tatsächlich ist dieses Album verdammt gut, sobald man sich einmal grundsätzlich an den scheinbar unrhythmischen Stil von DOOM gewöhnt hat. Songs fernab der R&B-Pop-Scheisse, die im Musikfernsehen als Rap verkauft wird, schaffen die tiefe, grummelige Stimme und die großartig gemischten Beats mit den wildesten Samples dahinter ein tatsächlich originelles, sehr abwechslungsreiches Album, das auch beim x-ten Hören nicht langweilt. Wie genau so etwas bei Rap-Musik funktioniert, kann ich nicht erklären, ich merke nur, dass es gut ist. Und zwar sehr. Der Mann mit der Gladiator-Maske kriegt es hin, ein komplettes Genre für mich wieder interessant zu machen.


Ansonsten auch gerne gehört: Voivod, Repulsion, Cro-Mags und Driller Killer. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Von prophet am Samstag, März 12, 2011 um 22:32

Such is life in the zone

Ich gehörte lange zu einer Pro-Atomkraft Minderheit. Auf diesem Wege können im Gegenzug zu Wind- und Solar riesige Energiemengen erzeugt werden, es ist (den korrekten Betrieb natürlich vorausgesetzt) im Vergleich zu Kohlekraftwerken umweltverträglicher und das Entsorgungsproblem ließe sich durch die NASA beheben, die den Dreck in die Sonne katapultiert. Aktuell dürfte das Thema, das alle paar Monate wieder in der Presse diskutiert wird, erneut verstärkt in den Fokus rücken, nachdem die Flut- und Erdbebenkatastrophe in Japan auch Schäden an einem AKW angerichtet zu haben scheint.
(Ich persönlich denke mir, dass die gestörten Japaner mit radioaktiver Schlacke im Grundwasser und darauf folgenden Mutanten auf den zerstörten Straßen die romantisch-dystopischen Trash Horror Sci-Fi Szenarien der 80er ausleben könnten, von denen bestimmte Kreise damals träumten (2000AD and Voivod, i'm looking at you!))
Inzwischen habe ich meine Meinung zum Thema Atomkraft geändert. Mit stärkeren Bedenken zum Thema Sicherheit hat das aber gar nichts zu tun. Ich bin nur viel zu spät über die Tatsache gefallen, dass die Atomenergie einen entscheidenden Nachteil hat: Die Grundinvestition, um überhaupt Strom aus Kernspaltung zu gewinnen, ist so hoch, dass immer große Konzerne (oft mit staatlicher Beteiligung) nötig sind, um die Technologie zu betreiben. Solarzellen kann sich jeder auf's Dach schnallen und auch eine Windmühle im Garten ist durchaus möglich, aber für einen Reaktor ist dann doch das Kapital eines "Energieriesen" nötig. Entsprechend bedeutet das, dass wir diese Energie nur nutzen können, wenn wir die Versorgung in die Hände der Großkonzerne legen, die ausschließlich Profit-Optimierung auf der Agenda haben. Leider scheinen wir durch unserem Energiekonsum von den Atomkraftwerken abhängig zu sein, so dass wir uns leider nicht von heute auf morgen von den dicken Energieversorgern wie e-on und Vattenfall lösen können. Es ist ein bisschen wie mit Microsoft: eigentlich müsste man den ganzen Kram rauswerfen und sich Myriaden an Lizenz-Gebühren sparen, aber man ist auf Gedeih und Verderb abhängig von deren Produkten.

Von prophet am Sonntag, März 06, 2011 um 12:22

CeBit 2011

Nach zwei inklusive Wochenenden durchgearbeiteten Wochen mit jeweils rund 80 Stunden auf der Arbeit und einer Woche im Anzug am eigenen Stand in Hannover ist der Trouble um die CeBit vorbei. Die Vorarbeit war die Hölle, aber die Resonanz der Besucher auf das, was wir ausstellten, war durchgängig extrem positiv voller Erstaunen und Begeisterung. Vom Rest der Messe habe ich herzlich wenig gesehen, da ich die ganze Zeit noch Dinge reparierte oder präsentierte. Wie wir jetzt die durch die Messe verlorene Zeit aufholen und wie wir die ganzen neuen Anfragen auch nur ansatzweise verarbeiten könnten, ist unklar. Einige Eindrücke:

Geschäftsführer kleiner Firmen, Geschäftsführer kleiner Firmen überall // Manche Dinge beeindrucken junge Frauen, die sagen, sich nicht für Technik zu interessieren, genau so sehr, wie voll qualifizierte Techniker, die von sowas leben // VIP-Lounge, Ambient-Jazz, weiße Sessel, Sushi, Wein und Anzüge - und dann saufen wie Tiere am Trog // In Niedersachsen gibt es maximal 10 Lieder // Sklaven tragen Anzüge // Nicht jeder kann mit Strom um // Es gibt auch in Deutschland hardcore Jesus-Fanatiker // Manch Jugendlicher könnte vor lauter Akne Two-Face spielen // Das Messegelände erscheint nach 5 Tagen Stehen weiter als zuvor // Ich scheine der einzige zu sein, der bei Guttenbergs Rücktritt in Jubel ausbrach // Tablets nehmen überhand - ich will aber eine richtige Tastatur // Jeder stimmt zu, dass das Thema "Cloud" von den Medien gehyped wurde // Es gibt noch keine erschwingliche Technologie, die gegen schmerzende Füße hilft // Die Leute hinterfragen Sachverhalte, aber nie Zahlen // McDonalds sieht im Ausland irgendwie befremdlich aus // Terminalserver ist verbreiteter, als er gut ist // Man weiß nie, ob der dicke Mann in dem hässlich bunten Pullover und der beigen Hose nicht vielleicht ein Doktor der Ingenieurerie ist // Wenn das Rechenzentrum kaputt ist, hilft die tollste Endgeräte-Unabhängigkeit nichts // Das Internet ist kompakter, als man glaubt // Wenn man den richtigen Anzug trägt, komplizierte Dinge sagt und sich abgebrüht gibt, geht man überall als SE durch

Für heute ist dann erstmal Erholung angesagt. Die größte Erleichterung von allen : Sitzen.

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