Werner Eiskalt
Worum es denn nun genau in dem neuen Werner-Film "Eiskalt" gehen würde, war lange unschlüssig. Erst wurde mit dem Teaser-Trailer irgendwas mit Hitze-Welle angedeutet, dann hieß es später, es ginge wieder um Korsika und um die große Liebe und dann war plötzlich davon die Rede, dass das Rennen von 1988 wieder aufgegriffen wird. Nachdem ich den fünften Film der Reihe nun gesehen habe, kann ich sagen, dass es vor allem um zwei Dinge geht. Erstens: Brösel hat gemerkt, dass er jede Relevanz verloren hat und nachdem er sich selbst bemitleidet hat, sinniert er wie es wäre, doch noch irgendwie der große Held zu sein, das Rennen von anno dazumal und eine dreißig Jahre jüngere, schöne Frau zu gewinnen. Zweitens: Ihm fällt keinerlei neues Material mehr ein, aber er weist ausdrücklich darauf hin, dass man sich doch auch das alte Material noch kaufen kann.Erzählt wird das Elend sowohl in Echtfilm als auch in Zeichentrick, wobei die Grenzen zwischen Werner und Brösel vollkommen verwischen. Im Echtfilm entflieht Brösel seiner Verarmung und Erfolglosigkeit nach Korsika, wo er sich beim Flachköppermachen den Kopf stößt, für tot gehalten wird, als vermeintliche Leiche von seinen Freunden zurück nach Deutschland geholt wird, dort aufwacht und zu einem Rennen antritt, das zu seinen Gedenken von Hunderttausenden besucht wird. Die Zeichentrickparts sind entweder komplett beliebig gewählte Schnipsel mit unzähligen Zeitsprüngen, Illustrationen dessen, was das Budget für den Echtfilm nicht hergab, Wiederholungen der vorherigen Filme (!) oder Verfilmungen von Material, das bereits in den Büchern (z.B. Exgummibur) auftauchte.
Die Presse wird, sofern der Film überhaupt Erwähnung findet, vermutlich schreiben, dass es sich dabei um Material nur für ausgemachte Fans handelt. Selbst das würde ich diesem grausamen Streifen absprechen, denn jeden Witz, der gerissen wird, gab es bereits auf Papier oder auf Film, tiefere Einblicke in die Realität hinter Werner gibt es auch nicht und die Selbstverherrlichung von Brösel, der diesen Film zu Fanfiction über sich selbst gemacht hat, frisst einen unangenehm hohen Teil der viel zu lang wirkenden Gesamtdauer.
Wenn der Film sich selbst nicht so furchtbar ernst nehmen würde und verheimlichen könnte, dass die verzweifelte Sehnsucht von Rödger Feldmann nach öffentlichem Interesse, die im Film dargestellt wird, gar nicht ironisch gemeint ist, sondern der ernsthafte Versuch Brösels ist, sich die Welt schönzureden, dann hätte dieser Streifen vielleicht sogar etwas werden können. Die Kritik - nein, der Begriff ist nicht angemessen - die Beschwerden über die Omnipräsenz von Manga und Anime schienen kurz eine überraschend ehrliche Aufarbeitung dessen zu sein, wohin sich der Markt entwickelt hat, aber nach einigen gar nicht mal schlechten Karikaturen von Dragonball und My Little Pony Figuren rennt Werner einfach davon und sucht Zuflucht in dem, was er kennt. Treffend, denn auch sein Zeichner versteckt sich mit diesem Film, der in erster Linie für ihn selbst gemacht zu sein scheint davor, dass die Welt ihn zurückgelassen hat. "Aber das Rennen damals! Wisst ihr noch? Und die vielen Hefte (hier sind die Namen, bitte kaufen Sie!)! Und die Filme! Man mochte mich mal! Wieso ist das nicht mehr so?", hört man Brösel verzweifelt rufen.
Werner 4 war bereits ein Anachronismus, aber er war gut, und zwar deshalb, weil er sich darauf konzentriert hat, eine Handlung zu erzählen, zu unterhalten, bekannte Charaktere in neue Situationen zu versetzen. Werner 5 ist eine unzusammenhängende Sammlung von alten Schnipseln, ein Best-Of, die hundertste Wiederholung alten Materials, die durch eine äußerst anstrengende Nebenbei-Story zusammengeklebt wird. Werner 1 und 2 waren Dokumentationen Norddeutscher Kultur, Werner 5 ist die Dokumentation der Midlifecrisis ihres Schöpfers mit dem Hauptaugenmerk auf sich selbst. Der Tod in der Echtfilmspanne, der dann erzählt, wie alle Welt sich wieder für Werner interessiert, bettelt den Zuschauer verzweifelt um Mitleid an. Dieser Film ist komplett obsolet, schadet dem Franchise mehr, als dass es ihm hilft, ist weder unterhaltsam noch neu, sondern verstaubt und vor allen Dingen peinlich. Es war die Zeit und das Geld nicht wert. Ich möchte ausdrücklich davon abraten, diesen furchtbaren Film zu gucken.
















halbiert haben. Das Schreiben im eigenen und Durchhangeln in fremden Blogs ist nicht mehr alltäglich, sondern viel eher die Ausnahme. Für tot möchte ich das Medium nicht erklären, denn dafür ist mir die Möglichkeit, geschriebenes zu veröffentlichen, noch zu wertvoll, aber es hat sich doch einiges getan in den letzten Jahren. Blog-Kollegen wie Sinnlos im Blog oder Rotfell haben sich in Luft aufgelöst, während andere wie iThought oder Mary Malloy sich in meinem Internet-Umfeld etabliert haben. Twitter ist in meiner Weltanschauung vom albernen MySpace Nachfolger zur regelmäßig besuchten Plattform aufgestiegen, Blogging ist etwas für unterdrückte Araber geworden und alle Welt meint, sich in Form von Facebook auf Knien und mit gespreizten Pobacken der Öffentlichkeit anbieten zu müssen.






