Von prophet am Sonntag, Juli 31, 2011 um 10:42

...because I'm a potato.

Im Zuge meiner Videospiel-armen Diät habe ich in den letzten Jahren nur Batman : Arkham Asylum, Mirrors Edge und Dead Space gespielt, letzteres sogar noch der Hälfte der Spielzeit liegen gelassen. Irgendwie juckte es mich neulich dann aber doch in den Fingern. Und wenn schon ein Spiel hermuss, bietet sich der Nachfolger zu einem der besten Spiele der letzten 10 Jahre (mit einer der furchtbarsten Fangemeinden der letzten 10 Jahre) an. Da PORTAL 2 bereits im April erschien, wurde schon alles schreibenswerte darüber geschrieben, insofern kann ich mich kurz fassen.
Zunächst schließe ich mich der Meinung der gesamten Welt an: Ja, Portal 2 ist sehr gut; nein, es ist nicht so gut wie der Vorgänger. Mit nur geringfügig längerer Spielzeit (habe die Solo-Kampagne am Stück durchgerissen), demselben Gameplay plus Gel und mehr Abwechslung in den Leveln sowie dem Verfall der riesigen Anlage sollte es eigentlich gleich großartig sein, ist es aber nicht. Das liegt in meinen Augen an zwei Dingen: Erstens hält man sich für meinen Geschmack zu wenig in den oberen Ebenen auf, wo die Räume eingestürzt sind, Wasser einbricht und sich Pflanzen breitgemacht haben, und verbringt dafür zu viel Zeit in den GANZ unteren Ebenen, die zumeist graubraun sein müssen. Zweitens war der Humor in Portal 1 nie Selbstzweck, im Nachfolger wird aber durch Wheatley zu viel Slapstick hineingebracht, der dem Spieler vorgesetzt wird. Beispiel: "I'm absolutely 100% sure its this way.", sagt er, fährt in einen Flur hinein, dreht wieder um und sagt "Not this way". Ein wenig zu plump für meinen Geschmack.
Das ist Gejammere auf hohem Niveau, denn auch wenn sich die unteren Ebenen ein wenig strecken, Wheatley als "humorous sidekick" irgendwann mehr nervt als unterhält und ich gerne mehr natürlichen Verfall gesehen hätte wie er am Anfang des Spiels vorkommt, ist Portal 2 ein sehr gutes Spiel das mich insgesamt hervorragend unterhalten hat und das Geld absolut Wert war.
Obendrauf gibt es noch die Coop-Kampagne. Davon habe ich bisher nur den ersten Abschnitt mit irgendwem aus dem Internet durchgespielt, gefiel mir aber gut. Auch wenn ich mich total blöd angestellt habe. In Singleplayer-Mode, no one can see you take ages.

Von prophet am Sonntag, Juli 24, 2011 um 11:25

Süßer die Glocken nie klingen

Toxic Holocaust - Conjure And Command [2011] []
Joel Grind hat sich auf seinem brandneuen Album tatsächlich Unterstützung geholt und spielt nicht mehr als Ein-Mann-Kapelle. Das Resultat ist ein etwas ausgewogenerer Sound (für Toxic Holocaust Verhältnisse!), der gelegentlich vom Gaspedal geht und auch mal im gehobenem Midtempo vor sich hin knurrt. Ein ausgewogener Sound ist aber in meinen Augen nicht das, was Toxic Holocaust brauchen, denn durch die weniger punkigen Songs fehlt der Scheibe die Eingängigkeit, die der saugeile Vorgänger noch hatte. Conjure and Command ist eindeutig ein gutes Album, aber bis auf wenige Songs wie "Bitch" fehlt der Ohrwurm-Bonus. Ein unterm Strich absolut überzeugendes Album, das dem Sound der Band treu bleibt, State of the Art im modernen Thrash ist aber leider nicht ganz an An Overdose Of Death rankommt.


Tombs - Path Of Totality [2011] []
Winter Hours wurde von der Presse gefeiert und erinnerte mich ein wenig an Earth, konnte mich aber nicht wirklich überzeugen. Zu seicht klimperte der helle Klang vor sich hin. Der Nachfolger Path of Totality präsentiert sich ganz anders: Irgendwo zwischen Neurosis, frühen Cult of Luna und Wolves in the Throne Room mischen Tombs neuerdings das bekannte Post-Metal / Sludge Konstrukt mit Black Metal Anleihen und klingen so mächtiger und düsterer als die massenhafte Konkurrenz. Die Songs verlieren sich durch das, was sich für mich wie Black Metal anhört, nicht maßlos in langgezogenen Tönen und Summen, ohne aber dünn und scheppernd zu wirken. Die dröhnenden Gitarren und der geröhrte Gesang tun für den bedrohlichen Klang ihr übriges. Spannenderes Album, als ich vermutete. Erfindet nichts neu, aber gefällt mir gut.


Dismember - Massive Killing Capacity [1995] []
Ich musste mich plötzlich selbst fragen, warum ich als alter Entombed-Fan eigentlich nicht mehr Dismember höre. The God that Never Was rausgekramt und für großartig befunden. Massive Killing Capacity besorgt und vom Hocker gehauen worden. Es sind Alben wie dieses oder Clandestine von Entombed, die skandinavischen Death Metal erfunden und permanent geprägt haben. Hinter dem aus Warhammer 40k geklauten Cover steckt nicht ein einziger schwacher Song. Vielleicht klingt es heutzutage altmodisch, aber genau das macht den Charme heute noch aus. Auch wenn Like an Everflowing Stream regelmäßig als Referenzwerk angeführt wird, muss ich zugeben, dass Massive Killing Capacity mir insgesamt besser gefällt. Ein Stück Allgemeinbildung und absolute Pflicht für jeden, der über Death Metal reden möchte.


Judd Madden - Drown [2011] []
Ich kam für das Cover aber ich blieb für die Musik. Drei Alben von Judd Madden gibt es Online zum Gratis-Download. Ob man alle drei braucht, sei dahingestellt, denn mir persönlich reicht Drown vorerst. Die Musik lässt sich am ehesten in den Bereich Ambient, Drone und Post-Metal einordnen. Der Vergleich mit Om würde sich anbieten, wobei Madden instrumental bleibt, im Vordergrund stehen Bass und Gitarre. Der Sound ist meist schwer und schleppend, gradezu hypnotisch, wobei es doch vereinzelte Momente gibt, bei denen man fast von Midtempo sprechen kann. Beim ersten Durchlauf ist man absolut angetan, aber spätestens beim dritten Hören hat man alles entdeckt und die monotone Sound-Wand dient wirklich nur noch als Hintergrundmusik. Insgesamt nicht spektakulär, aber absolut hörenswert. Vor allem für lau.


Hansi Hinterseer - Ein kleines Edelweiss [2008] []
"Die totale Apocalypse" hatte Black Metal / Grindcore-Pionier Hansi Hinterseer für sein 2008er Album angekündigt, und er hat nicht zu wenig versprochen. Diese Kriegserklärung an Anaal Nathrakh pustet mit sägenden Riffs wie Napalm Death, hämmerndem Schlagzeug wie die frühen Darkthrone, knurrendem Bass wie Terrorizer und einem infernalischem Gekeife, das Gorgoroth wie Soft Rock aussehen lässt alle untrven Kommerz-Bands aus dem Wasser. Die knochentrockene Produktion tut ihr übrigens, dem Hörer das Gefühl zu geben, von der brutalen Gewalt dieses Albums zersägt zu werden. Vor allem Songs wie "Die Liab die hat der Herrgott g'macht" oder "Mei Dirnei hat ihr Fenster auf der Schattnseitn" versuchen den Weltrekord im Blastbeat zu brechen. Hut ab, Hansi, so zermalmt man die Poser und Faker.

Von prophet am Freitag, Juli 22, 2011 um 20:50

Virtualität

Man virtualisiert ja den ganzen Tag. Server, Desktops, Anwendungen, Bandwechsel-Geräte und Tapes, Drucker, Roboter, sogar Benutzer(-profile) virtualisiert man heutzutage rauf und runter. Dabei fängt man wie schwachsinnig zu grübeln an.
Ignorieren wir mal kurz Vorteile wie Live-Migration und Endgerätewechsel und all den ganzen Reigen. Ein virtueller Server leistet genau so viel wie ein in Hardware gegossenes System. Ob ich meinen Webserver, Exchange oder meine Datenbank direkt auf dem Blech installiere oder als VM obendrauf betreibe, nimmt sich nach außen hin nichts. Damit ist die VM genauso viel wert wie ein Hardwaresystem. Ob mein Windows 7 physikalisch unter dem Tisch steht oder über RDP oder ICA auf meinen Bildschirm kommt, merkt der User heutzutage kaum noch. Das selbe wie für VMs gilt für Dateien schon viel länger: Ob ich ein Dokument als PDF-Datei oder auf Papier ausgedruckt habe, macht keinen Unterschied, beides kann ich lesen, beides bietet mir das selbe Erlebnis, beides muss ein Unternehmen für den Staat zehn Jahre revisionssicher archivieren.
Warum also nicht der Rückschluss, dass absolut alles, was man virtuell erlebt, seien es Unterhaltungen, Musik, Bilder und sonstige Erlebnisse, gleichwertig mit der realen Welt ist? "Das ist doch alles nicht echt" zieht nicht mehr wenn alles digitale genau so real oder irreal ist wie die Realität. Wenn ich mich mit einem Menschen unterhalte und es sonst niemand hört - und ich diesen Menschen dann nie wieder treffe - ist das Gespräch danach irreal, denn es ist nur in meinem Kopf, egal, ob es über Instant Messaging, Telefon oder von Auge zu Auge verlief. Jedes Erlebnis das wir erfahren ist immer in gleichem Maße real oder irreal. Und sind wir nicht die Summe unserer Erfahrungen plus X?
Ich wurde vor Ewigkeiten in einem Bericht über Videospiele und deren Kulturkreis mit einer Aussage konfrontiert, die mir bis heute bewusst geblieben ist: Es geht nicht um virtuelle Realität, sondern um reale Virtualität. Zwar sind die zwanzig Goldmünzen aus dem Rollenspiel keine echten zwanzig Goldmünzen, aber es gibt sie als Datensatz wirklich, sie sind existent, und wenn es nur eine Zelle in einer Datenbank ist. Mehr ist das echte Geld auf dem echten mageren Konto nämlich auch nicht: Ein Datensatz in einem Computer, und kein Stapel Bargeld. Auch Facebook als Ding ist nicht real und greifbar, und dennoch hat es einen wirtschaftlichen Wert, und zwar nicht zu knapp.
Was real und was irreal ist, verschwimmt in unserer Welt immer mehr. Wodurch definiert sich real eigentlich noch? Dadurch, dass etwas physikalisch greifbar ist? Auch Zellen in Datenbanken, die von Maschinen automatisch eingefüllt werden, die innerhalb von Sekunden wieder verschwinden und die kein Mensch jemals lesen wird, sind real, denn sie werden erzeugt, indem Elektronen arbeiten. Würde man dies verneinen, wären auch Blitze nicht real. Ist das Gewitter jetzt echter als der Eintrag in der Datenbank, der bestimmt, ob ich arm oder reich bin? "Alles natürliche" ist auch keine Antwort, sonst wären Autos und Züge und Flugzeuge nicht real.
Real und Virtuell sind Begriffe, deren Inhalt sich mit der Zeit geändert hat. Bedeutete virtuell früher einmal fast schon so etwas wie "ausgedacht", ist es heute nur eine andere Form von Realität. Sind nicht auch ausgedachte Dinge real, weil wir uns an sie erinnern können und sie damit in unserem Gedächtnis auf einer Ebene mit Dingen stehen, die "wirklich" passiert sind? Das einzige, das sich davon noch eindeutig abtrennen lässt, ist die Lüge. Wenn in meiner Zelle in der Datenbank auf dem virtuellen Server "x" steht, dann steht dort auf einer virtuellen Festplatte in einem virtuellen Storage-Pool auf einem virtuellen Volume auf mehreren physikalischen Festplatten genau diese Information und nichts anderes. "y" wäre eine Lüge, denn das "x" ist real, auch wenn es virtuell ist.
Vielleicht ist das der Unterschied zwischen "real" und "virtuell". Real ist, wenn ich erkenne, dass ich in einem Auto und nicht in einem Nashorn sitze. Virtuell ist, wenn man den Datenbank-Spezi für 3000 Euro am Tag kommen lassen muss, damit er einem erzählt, dass "x" in der Tabelle steht. Virtuell ist quasi real in teuer.

Von prophet am Sonntag, Juli 17, 2011 um 16:45

Breaking Bad

Ich hatte es lange umschifft, doch als der Season Break all meiner wenigen Serien mir nichts mehr zu gucken ließ, habe ich Breaking Bad eine Chance gegeben. Die Prämisse, um AMC (die auch schon das absolut großartige Mad Men produziert haben) zu zitieren:

Breaking Bad follows protagonist Walter White (Bryan Cranston), a chemistry teacher who lives in New Mexico with his wife (Anna Gunn) and teenage son (RJ Mitte) who has cerebral palsy. White is diagnosed with Stage III cancer and given a prognosis of two years left to live. With a new sense of fearlessness based on his medical prognosis, and a desire to secure his family's financial security, White chooses to enter a dangerous world of drugs and crime and ascends to power in this world. The series explores how a fatal diagnosis such as White's releases a typical man from the daily concerns and constraints of normal society and follows his transformation from mild family man to a kingpin of the drug trade. -amc

Für die drei bisher erschienenen Staffeln (Nummer vier hat vor kurzem in Amerika angefangen) gewann die Serie u.a. sechs Emmys, inkl. drei Jahre hintereinander den Preis für den besten Hauptdarsteller. Das muss natürlich nichts heißen, denn mit solchen Auszeichnungen feiert die Branche auch oftmals den größten Mainstream-Müll.
Nachdem ich jedoch die Pilot-Folge geguckt hatte, war ich schwer beeindruckt und guckte Folge zwei. Und dann drei und dann immer weiter. Ich sitze aktuell vor dem Ende von Staffel drei und mir fällt spontan keine schauspielerisch bessere Serie ein. Sowohl die darstellerische Leistung als auch die Regie von Breaking Bad sind vielleicht das beste, das ich jemals im Fernsehen gesehen habe. Über die gesamte Laufzeit interessant zu bleiben schaffen sonst nur Kinofilme in ihren zwei Stunden. Sowohl Bryan Cranston als auch Aaron Paul bringen ihre Figuren mit außergewöhnlicher Authentizität rüber. Auch wenn es einige wenige Neben-Charaktere gibt, die etwas lieblos zusammengewürfelt wirken (Tuco!), überzeugt mich diese Show mit großartigem Storytelling, einem super Drehbuch, hervorragenden Schauspielern, interessanten Charakteren und herrausragend spannenden Momenten. Uneingeschränkte Empfehlung.

Wie viel eine deutsche Synchronisation schaden würde, ist noch nicht abzusehen. Ich muss mich fragen, wieso es immer nur amerikanische Serien sind, die eine solch hohe Qualität erreichen, während in Deutschland "Unter uns", "Hund Katze Maus" und "Das perfekte Dinner" laufen.

Von prophet am Samstag, Juli 09, 2011 um 12:24

Deal with it

Größtes Thema dieser Woche war vermutlich der Verkauf von 200 Panzern an Saudi-Arabien durch die Bundesregierung. Immens war das Geschrei aus der Opposition im Bundestag, wie die Medien immer wieder ausdrücklich betonten. Die Saudis würden die Panzer dafür einsetzen, ihre Arbeiter-Klasse zu unterdrücken, wie es in diversen anderen arabischen und nordafrikanischen Ländern in den letzten Monaten der Fall gewesen ist, so die Anklage. In Saudi-Arabien sind öffentliche Demonstrationen verboten, Menschenrechtsverletzungen werden von Europa und Amerika hingenommen. Auch der Umgang mit den Vorwürfen durch die Kanzlerin, die dem Bundestag gegenüber schwieg, aber sich im Privatfernsehen äußerte, fand wenig Gefallen.
Geholfen hat es alles nichts, denn die immer noch im Umfragentief versunkene Koalition hat mit ihrer Mehrheit aus der letzten Bundestagswahl sämtliche Anträge gegen den Handel abgeschmettert. Als Rechtfertigung, so muss man es nennen, gab Schwarz-Gelb stets an, dass Saudi-Arabien ein langfristig stabiler Verbündeter in der gefährlichen Region um Iran und Irak sei und es damit die Panzer für Zwecke einsetzen würde, die im Interesse der Bundesregierung seien (Bekämpfung des Terrorismus, etc. Vage ähnliches hat Amerika zu Zeiten des Kalten Krieges auch mal über die Taliban gesagt). Außerdem habe zu Schröders Amtszeit auch ein Export von Waffen an das Ausland stattgefunden und deshalb wäre das Verhalten der Opposition Scharade und Stimmenfang.
In der Tat ist Deutschland seit Jahren der drittgrößte Waffenhändler der Welt (und deshalb auch Export-Weltmeister gewesen), noch vor Frankreich, England und China, und war es auch schon vor zehn Jahren. Solche Milliardensummen entstehen nicht durch Rauchgranaten, Gummigeschosse und beschusshemmende Westen, sondern durch gute, deutsche, solide Ingenieursarbeit wie High-Tech Abhöranlagen, Kampfjets, Bomber, Panzer und Artillerie. Der Verkauf von 200 Panzern ist für die riesige Rüstungsindustrie zwar ein sehr gutes Geschäft, aber bei weitem keine Ausnahmeerscheinung. Der gigantische Waffen-Komplex mit seinen Zulieferern und komplexen Abhängigkeiten (Stahl, Chemie, Logistik...) bedeutet ein profitables Geschäft, beherbergt Unmengen an Arbeitsplätzen und finanziert den Staat nicht unbeträchtlich. Genau deshalb wird sich, egal wie empört Sigmar Gabriel und Claudia Roth jetzt vor den Kameras toben, überhaupt nichts ändern. Denn Sigmar Gabriel und Claudia Roth konnten neulich ihre Gehälter selbst erhöhen, weil es der deutschen Industrie so gut geht. Natürlich wird sich die Bundesregierung nicht ausführlich zu dem Handel äußern, denn die Debatte ist müßig. Das Thema wird noch ein wenig in der Presse behandelt werden, dann heiratet irgendein europäischer Prinz und damit ist es vergessen.

Von prophet am Sonntag, Juli 03, 2011 um 00:39

Schlagt euch drum

Das war ja scheisse.

Sograde ist der Boxkampf zwischen Wladimir Klitschko und David Haye zu Ende gegangen. Es ist der erste Mal, dass ich mir einen Boxkampf komplett angeguckt habe und ich frage mich, ob das immer so ätzend ist. Was von der Sportschau als "Megafight des Jahres", "technisch stark" und "hochklassiger Kampf mit einem verdienten Sieger" bezeichnet wird, war ein selten unspektakuläres Abgewatsche, das mit dem mehrstündigen Trara vorab (inklusive ewig lang nicht erscheinenden Sportlern) und der riesigen Show drumherum bei mir einen sehr unbefriedigenden Eindruck hinterlassen hat. Sicherlich boxen die Teilnehmer so, wie es gemäß des Regelwerkes optimal ist, daher scheint mein Problem von grundsätzlicher Natur mit diesem gesamten Sport zu sein.

Wäre es ein richtiger Kampf und kein Boxkampf, wäre er nach Ablauf der Zeit unentschieden ausgegangen - hier aber hat die Jury entschieden, dass der Klitschko gewonnen hat, weil er öfter oder besser getroffen hat (ohne Wirkung), während der andere sich wie ein italienischer Fußballspieler ständig auf den Boden geschmissen hat. Einen Sieger anhand solch weicher Werte zu ermitteln anstatt einfach auf empirische Zahlen zu bestehen (Tore/Körbe/etc. in Ballsportarten, hier: der andere steht nicht mehr auf) erscheint mir irgendwie sehr schwammig. Und ob es nicht cooler wäre, wenn die Runden weniger, aber länger wären, sei mal dahingestellt.

Da Nierenschläge ja verboten sind, gibt es ständig dieses zähe Klammern, das die Kontrahenten scheinbar zur kurzen Erholung nutzen, anstatt alle Deckung fallen zu lassen und aus kurzer Entfernung auf das gegnerische Gesicht zu trommeln. Vielleicht erwarte ich einfach etwas falsches und sollte Thai-Boxen, Wrestling oder Kneipenschlägereien gucken, aber das permanente voreinander Auf- und Abgetänzele, die ständigen Stupser mit dem linken Arm aus der Ferne und das schlaglose Umkreisen haben für mich herzlich wenig mit "kämpfen" zu tun. Shoot to Kill, möchte man den beiden zurufen. Vermutlich ist es wie zivilisiertes Fechten, wenn ich mir barbarisches Breitschwert-Gemetzel wünschen würde. Ein weniger taktischer Sport, in dem richtige, offene Schlagabtäusche nicht so besonders sind, dass das Publikum dabei in Jubelstürme ausbricht, wäre mir lieber. Vielleicht hat Rocky V mein Bild vom Boxen auch kaputt gemacht, und die Einstellung, einfach mal Treffer hinzunehmen, um dann volles Pfund direkt zwischen die Augen zu geben, ist so nicht anwendbar. Ich kenne mich ja nicht aus.

Mit diesem Wettkampf hat das Boxen seine Chance bei mir gehabt und mir gezeigt, dass ich für diesen Sport einfach zu pragmatisch und außerhalb der Regeln denke. "Hau ihn doch einfach mal" sagt sich vom Sofa aus aber auch sehr leicht.

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