Von prophet am Donnerstag, Oktober 27, 2011 um 20:53

Hineingezogen

Kollege PhanThomas hat derzeit seine Aktionswoche "Assoziatives Schreiben" am Laufen. Keine schlechte Idee, denke ich mir da und klaue die Aktion schamloserweise. Eine ganze Woche werde ich dem Konzept nicht widmen können, aber einen ausufernden Post ist es mir allemal wert. Ich fordere hiermit alle Besucher dazu auf, in die Kommentare dieses Beitrages wahllos Begriffe zu werfen, zu denen ich das Erstbeste schreiben kann, das mir zu dem Stichwort einfällt. Gerne auch viel, ich picke mir dann schon eine sinnvolle Menge raus. Anonyme Kommentare ohne Anmeldung sind ja eh erlaubt. Der Post dazu sollte am Sonntag folgen. Der Titel dieses Beitrags wäre schon so ein Kandidat, aber den drücke ich mit Bouguereau, dem erfolgreichsten Nudisten des 19ten Jahrhunderts, vorerst nur grafisch aus.

EDIT: Aus Mangel an Interesse wird der interpretierende Post um eine Woche verschoben.

Von prophet am Samstag, Oktober 22, 2011 um 23:18

Projektionen

Sobald ich aus meinem Sklavenjob altägyptischer Schule herauskomme, mache ich mich selbstständig und eröffne ein Catering-Unternehmen in Brüssel. Zwar waren mir Belgier immer etwas suspekt, aber angesichts der regelmäßigen "Sitzungsmarathons" der Finanzminister, wie die Tagesschau es nennt, dürfte enorm zu verdienen sein.
Grund für die erneuten Tagungen ist u.a. mal wieder die Griechische Wirtschaft und Staatskasse, die noch weit größere Mengen verschlingen wird, als geschätzt wurde. Geschätzt? Ja, denn sämtliche Zahlen, mit denen bisher jongliert wurden, basieren auf den ungefähren Einschätzungen, die die Finanzministerien Europas darüber getroffen haben, um wie viel genau sich die Griechische Wirtschaft durch die massiven Finanzspritzen erholen würde. Die Projektionen lagen weit daneben, so dass aktuell von weiteren 150.000.000.000 bis 200.000.000.000 Euro geredet wird, die nötig sein sollen. Leider steht die Ausbeutung von Gaddafis Privatvermögen nicht zur Auswahl, so dass auch das nächste Hilfspaket wieder aus Steuern vom Rest Europas finanziert wird. Je länger sich die Problematik hinzieht und je länger sie in der Öffentlichkeit steht, desto kritischer werden zwei große Probleme.
Erstens: Die für die bisherigen Hilfen verantwortlichen Politiker werden keinen plötzlichen Rückzieher machen können. Wenn die Finanzminister sich plötzlich entschließen würden keine weitere finanzielle Unterstützung in griechische Kassen fließen zu lassen, dann würde - wie von allen Instituten prognostiziert - Griechenland vollständig pleite gehen. Dies würde nicht nur bedeuten, dass der Euro unter einer Entwertung leiden dürfte, sondern auch, dass alle bisherigen Finanzpakete umsonst gewesen wären. Die hochrangigen Volksvertreter werden lieber sehr sehr viele Milliarden einsetzen und ein Ergebnis vorzeigen, als "nur" sehr viele Milliarden auszugeben und kein Ergebnis erreicht zu haben. Ein Rückzug aus der bisher verfolgten Politik ist darum nicht absehbar und bedeutet, dass die weiteren Milliarden-Überweisungen auch erfolgen werden. Auch ein Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone könnte zwar vor Inflation schützen, nicht aber vor der Blamage, mit den vorigen Milliarden nichts erreicht zu haben.
Zweitens: Je länger in der Öffentlichkeit die marode Lage der griechischen Wirtschaft angeprangert wird, desto stärker werden Investoren und Kunden vor diesem Markt zurückschrecken. Wie in der Bankenkrise des letzten und vorletzten Jahres gelehrt wurde, sind Märkte, Käufer und Verkäufer, Anbieter und Nachfrager scheue, sensible Wesen voll Angst und Schreckhaftigkeit, die unbedingt so eingelullt und in Sicherheit gewogen werden müssen, wie die HSH Nordbank es mit der Schleswig-Holsteinischen Politik tat. Nach aktuellem Stand aber ist der griechische Markt ein unsicherer und dies wird auch noch lange so bleiben. Dabei basiert die gesamte Strategie der Finanzminister darauf, dass durch die dicken Finanzspritzen die griechische Wirtschaft und die staatlichen Finanzen stabilisiert werden, wenn der öffentliche Effekt genau das Gegenteil bewirkt.

Es kann grundsätzlich nicht ewig so weitergehen mit dem aktuellen Kurs, denn damit würden in sich selbst zusammenfallende Volkswirtschaften stets andere mit sich reißen, die eigenständig gesund wären, aber durch den Währungsbund miteinander verknüpft sind. Ohne eine Grundsatzentscheidung, die in einem so diversifizierten Bündnis ohne oberste Authorität nur sehr schwierig erfolgen kann, wird die EU noch sehr lange enorme Summen hin- und herschieben.

Von prophet am Samstag, Oktober 15, 2011 um 14:14

Hochtöner

Mastodon - The Hunter [2011] []
Nach dem enttäuschend laschen Crack the Skye wurde The Hunter als härteres, direkteres Material angekündigt. Das Resultat ist ein erschreckend langweiliges Rock-Album. Vor allem die zum Mitgröhlen designten "whooo-hoo" Refrains von Songs wie Curl of the Burl machen deutlich, dass Mastodon mit dem Sludge Sound von Remission nichts mehr anfangen können und sich wieder einem anderen Publikum zuwenden. Der durch Autotune auf melodisch getrimmte Gesang entnervt nach spätestens drei Songs. Wer den Blue Record von Baroness mochte, könnte auch diese CD mögen. Der einzig gute Song ist Spectrelight, der den schlechten Gesamteindruck aber nicht retten kann. The Hunter ist das, was Load für Metallica war und mir jegliches Interesse an der Band austreibt. Wirklich schade drum.


Wolves in the Throne Room - Celestial Lineage [2011] []
Die Black Metal Baumkuschler aus dem Staate Washington mischen auf dem neuesten Album den härteren Sound von Black Cascade mit dem mystisch-schwummerigen Ambiente, das Two Hunters so großartig gemacht hat. Zwar kann Celestial Lineage nicht mit letzterem mithalten, aber es bietet frei von Experimenten genau das, was man von Wolves in the Throne Room hören will. Die zum schneiden dicke Atmosphäre haben sie einfach drauf und in den Metal-artigeren Songs haben sie Momente, in denen sie durch mehr Melodik als noch in Crystal Ammunition fast schon an Emperor erinnern, ohne dabei den USBM Trademark Klang zu verlieren. WITTR liefern keine Überraschungen ab, dafür halten sie das Niveau hoch und bewerben sich dank schwächelnder Konkurrenz um eines der besten Alben des Jahres.


Inquisition - Ominous Doctrines Of The Perpetual Mystical Macrocosm [2010] []
Wieder Black Metal, der mit dem Hellhammer preisenden Pritimiv Black Metal den Fenriz Anfang der 90er erfand herzlich wenig zu tun hat. Die ursprünglich kolumbianischen Inquisition spielen eher den modern ballernden Stil, wie man ihn z.B. von 1349 oder Dark Funeral kennt. Sogar diverse Gitarrensoli gliedern sich ein. Auch wenn Black Metal und virtuose Gitarrenarbeit eigentlich nicht zusammen gehen, bei Inquisition funktioniert es hervorragend und erzeugt damit ein bis zum Ende interessantes Album, das Pop-Schrott wie Dimmu oder Cradle zertrampelt. Nur vor dem knarzenden Gurgel-Gesang von Dagon sollte man vorgewarnt sein, denn der lässt beim ersten von vielen Durchläufen vor diesem großartigen Album zurückschrecken. Gefällt.


Hooded Menace - Never Cross The Dead [2010] []
Während der Vorgänger Fulfill The Curse noch gnadenlos auf langsam und dröhnend ausgelegt war, mischt Never Cross the Dead den ultraheavy Doom Metal Sound mit einigen Death Metal Elemente, so dass sich die Finnen phasenweise sogar ins Midtempo trauen. Trumpf ist aber immer noch der mega-drückende, tiefe Gitarrensound, der das Geröhre von Frontmann Lasse untermalt. Mit dem narkotisierten Stoner Doom, den etwa Electric Wizard spielen, ist Hooded Menace aber nicht zu vergleichen, dafür hören sie sich zu feindselig an. Leider flaut das Album gegen Ende etwas ab und mangels Variation ist das Album recht zügig plattgehört, aber die Herren erreichen genau das, was sie wollen: Ein ultraböses, massives old-school Album, das den Hörer in den Sitz presst. Absolut hörenswert.


Razor - Evil Invaders [1985] []
Das Cover spricht Bände: Razor schwammen '85 auf der mächtigen Thrash Metal Welle, die von Amerika auch nach Kanada geschwappt war und Bands wie Annihilator oder eben Razor hervorbrachte. Der Sound ist irgendwo zwischen frühen Exodus, Slayer auf Show No Mercy oder Anthrax auf Fistful of Metal einzuordnen. Im Vergleich zu etwa Toxik spielen Razor aber wesentlich mehr straigt-forward, die Songs leben mehr von einprägsamen Riffs und Mitgröhl-Refrains als von ausufernden Gitarren-Duellen oder pseudo-progressiven Interludien. Totalausfälle fehlen hier genau so wie wirkliche Überhits, auch wenn Songs wie Iron Hammer oder der Titeltrack sich wirklich sofort ins Gedächtnis einbrennen. Ein super Album sowohl für Einsteiger als auch hartnäckige Fans des Genres wie ich einer bin.


Atheist - Piece of Time [1989] []
Nachdem sich Death zu einem meiner absoluten Favouriten gemausert hatte und auch Morbid Angel immer höher in meiner Gunst stieg war Atheist der nächste logische Schritt. Unverkennbar ist der Florida Death Metal, der Anfang der Neunziger in die Fußstapfen von Metallica, Slayer und Kreator treten würde. Piece of Time erschien zwischen Deaths Leprosy und Spiritual Healing und ist somit seiner Zeit in Sachen Komplexität, Progressivität und Virtuosität voraus. Atheist frickeln, ballern und keifen sich von vorne nach hinten durch das Album, ohne dabei einen einzigen schwachen Song zu hinterlassen. Absolute Pflicht für jeden, der irgendwas mit Ami Death Metal am Hut hat und auf komplexes Gefrickel ala Death, Dark Angel oder Sadus steht. Braucht sich vor Symbolic nicht zu verstehen, und das will was heißen!


Auch gerne gehört: Voivod (immer noch), N.W.A., Hypocrisy, Darkthrone, serienbedingt Dethklok und The Exploited.

Von prophet am Sonntag, Oktober 09, 2011 um 19:06

Elektroschrott

Es sind technologisch gesehen eigentlich interessante Zeiten.
Der CCC hat angeblich den Quellcode des berüchtigten Bundestrojaners in die Finger bekommen und durchgearbeitet. Die Software, deren Verbreitung völlig unklar ist, soll permanentes Reporting und Remote-Installation für das BKA ermöglichen und würde somit ohne konkreten Tatverdacht der "Infizierten" massivst gegen das Grundgesetz verstoßen. Das Innenministerium weist jeden Bezug zu dem gefundenen Code von sich, die Piratenpartei fühlt sich in den Nachrichten des Privatfernsehens wie ein Fisch im Wasser.
Kurz zuvor ist Steve Jobs gestorben. Auch wenn ich mit dem, was Apple heutzutage vertritt, mit ihrer fanatischen Fangemeinde und den Produkten, die sie anbieten, überhaupt nichts anfangen, es ist mir komplett zuwider. Die Kosmetik, die Mode-Accessoireisierung von Technik, die strikt proprietäre Software-Politik und die propagierte "better than you"-Einstellung finde ich ekelhaft. Dennoch muss man Steve Jobs als Person ohne Zweifel hoch anrechnen, dass er eine der treiben Kräfte dahinter war, Computer von alltagsfremden, unbedienbaren Hightech-Systemen der Industrie zu Geräten umzuformen, die das menschliche Leben massiv verändern würden. Auch wenn er nicht alleine den PC erfunden und benutzbar gemacht hat, er hat doch einen großen Teil beigetragen und auch wenn ich mit seiner Firma nicht grün bin, muss man seinen Erfolg respektieren. Was sein Tod für Apples Aktienkurs und den Hype bedeutet, ist unklar.
Übernahmen von Firmen sind alltäglich, zuletzt besonders präsent war der Kauf von Skype durch Microsoft und die immer lauter werdenden Gerüchte um HP und das Interesse von Oracle. Kann sich jemand Oracle-Drucker vorstellen?
Auch im Umfeld dessen, womit ich arbeite, gibt es einige aufregende Neuerungen, wie etwa das Release von XenServer 6.0 (noch nicht probiert) und XenApp 6.5 (schon produktiv im Einsatz).

Und nichts davon interessiert mich wirklich. Ich sitze den ganzen Tag nur vor Kram, der nicht funktioniert, repariere Systeme, die aus unsinnigsten Gründen nicht so wollen, wie jeder vernünftige Verstand meinen sollte, und komme in Kontakt mit Menschen, die pöbeln, das ganze System wäre kaputt, weil sie nicht wissen, wie sie ihren Bildschirm einschalten. Technik-Scheisse kotzt mich nur noch an. Ein Berufswechsel in eine komplett technikfremde Branche und Kündigung meines Vertrags ist schwierig. Wenn man Technik rein akademisch betrachtet oder es nur ab und zu als vereinfachte Schlagzeile mit Marketing-Phrasen serviert bekommt, erscheint es ganz interessant, aber wenn man 90 Stunden die Woche nur dagegen ankämpft, dann möchte man den Dreck nur noch in die Ecke schmeissen.

Von prophet am Samstag, Oktober 01, 2011 um 17:43

Das perlt jetzt aber richtig über, ma sagn!

Die Frage quält mich regelrecht. Als ich heute auf dem Weg zu Tinte und Tanke einen LKW eines großen Discounters sah, fragte ich mich, ob er voller Cola-Flaschen sei. Die Überlegung bekam ein Eigenleben und endete mit einer entscheidenden Frage. Produzenten wie die Coca Cola Company themselves oder die Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke GmbH & Co. KG kalkulieren bei der Abfüllung sicherlich mit ein, dass beim nationalen wie internationalen Transport die Getränke auf den LKWs zu einem gewissen Grad durchgeschüttelt werden und beim zischenden Öffnen ein guter Teil der Kohlensäure entweicht. Die Frage ist nun, ob das nicht bedeutet, dass beim ersten Füllen der Cola-Flaschen immer wesentlich mehr Kohlensäure injiziert wird, als der Endkonsument gewohnt ist, damit die Flasche, bis sie zu Hause angekommen ist, nicht schal schmeckt.
Die nächste Frage ist nun, ob Konsumenten, die rein zufällig in Orten wie z.B. Weißenfels leben, durch wesentlich kürzere Transportwege eine Cola kennen, die eine weit stärkere Verperlung innehat als die, die der Rest der Welt kennt. Diesen Menschen muss es seltsam vorkommen, mit was für einer matten Tunke sich andere ihr Leben lang abgeben. Da es mir aus logistischen Gründen nicht möglich ist, mal zum LIDL in Weißenfels zu fahren oder dort einfach mal von Tür zu Tür zu gehen und zu fragen, fordere ich hiermit die Heerscharen von Lesern, die in der Nähe eines Cola Abfüll- und Logistik-Zentrums wohnen auf, in den Kommentaren zu hinterlassen ob die Verperlung der Cola in der Nähe solcher Punkte größer ist als anderswo.

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